Schlaf- und Beruhigungsmittel (Fortsetzung)

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Alex-Facharbeit, 18. September 2011.

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  1. Alex-Facharbeit

    Alex-Facharbeit Bewährtes Mitglied

    Im Forum hatte ich hier: https://www.hiv-symptome.de/forum/beru ... t4299.html nach möglichen Beruhigungs- / Schlafmitteln gefragt, um mit der Anspannung, Angst und vor allem Schlaflosigkeit im (sehr langen) Zeitraum vor einem aussagekräftigenHIV-Test fertig zu werden.

    Nochmals Danke an dieser Stelle für einigen seelischen Support aus diesem Forum, der wirklich etwas half, sich aber letztlich gegen Anspannung und Schlaflosigkeit doch als machtlos erwies.

    In einerHIV-Schwerpunktpraxis hatte ich gegen den Streß ein schlafanstoßendes Antidepressivum verschrieben bekommen, das überhaupt nicht half. Nach Ende der Postexpositionsprophylaxe habe ich dann einen Psychiater konsultiert, der mir tatsächlich ein (jedenfalls für mich) hochwirksames Mittel verschrieben hatte, welches von der ersten Tablette an eine äußert effektive Wirkung hatte und mir innerhalb weniger Tage sowohl großteils aus der Anspannung als auch - und noch wichtiger - aus der Schlaflosigkeit half.

    Darüber hatte ich in obenstehenden Thread auch berichtet, weil ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen weiß, wie extrem belastend die Anspannung in der Phase vor einem als positiv erwarteten Testergebnis sein kann - insbesondere bei massiven Krankheitssymptomen, die sich zum größten Teil mit denen einer akuten HIV-Infektion decken.

    Leider hat eine Moderatorin auf diesem Board gemeint, meinen Beitrag nicht nur zensieren zu müssen, sondern gleich löschen, und um ganz sicher zu gehen, auch noch den Thread sperren zu müssen, weil ich in diesem Beitrag neben ein Paar Präparate-Namen auch noch Dosierungen genannt hatte und diese Informationen "gefährlich" sein könnten im Hinblick auf eine falsche Selbstmedikation.

    Was ich von einem solchen Gebaren und einer solchen Argumentation halte, will ich besser nicht zu deutlich artikulieren.

    Wenn wir so anfangen, müssen wir nicht nur dieses Forum sofort dicht machen, sondern am besten gleich das Internet ganz für Privatpersonen sperren. Der Pharmaindustrie und vielleicht auch einem kleinen Teil der Ärzteschaft würde das sicher gefallen. Denn es lebt und verdient sich viel leichter mit einem unmündigen, dumm gehaltenen als einem aufgeklärten, informierten und kritischen Patienten.

    Natürlich besteht das Risiko von Fehlinformationen und Manipulationen im und durch das Netz. Aber man kann das eine - die bessere Aufklärung und Information - eben nicht bekommen, ohne das andere - die Gefahr von Fehlinformationen - bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren.

    Hinzukommt: Es ist lächerlich zu denken, dass man beim Arzt garantiert die richtige Info bekäme. Dazu nur ein Beispiel, das ich selbst bei der PEP erlebt habe:

    Der mich während der PEP betreuende Arzt gab mir am Ende der PEP für die letzte Woche ein Paar antiretrovirale Tabletten "R" mit der Dosierungsanweisung hiervon X Stück am Tag zu nehmen. Vorsorglich nenne ich weder Markennamen noch die Anzahl, damit nicht wieder jemand auf die Idee kommt, eine solche Information könne noch dereinst jemand in die Irre führen. Denn natürlich kommt es oft vor, dass jemand eine Packung antiretroviraler Tabletten "R" im Supermarkt kauft und dann X statt Y nimmt aufgrund falscher Info in einem Forum wie diesem.

    5 Minuten, nachdem ich den Arzt verlassen hatte, sah ich auf dem Display meines Handies, dass er vergeblich versucht hatte, mich zu erreichen (Die Verbindung war wegen eines anderen Telefonats belegt gewesen). Also bin ich wieder zurückgeeilt und bekam zu meinem großen Erstaunen die Info, dass ich die falsche Menge an Tabletten bekommen hätte. Ich sollte nicht X Tabletten, sondern die doppelte Menge an R nehmen. Entsprechend bekam ich auch die doppelte Anzahl ausgehändigt.

    Unsicher geworden, bat ich dann um eine Packungsbeilage zu diesen Tabletten. Der junge Assistenzarzt musste diese erst in einem anderen Raum hervorkramen. Als er dann wiederkam, teilte er mir mit, dass doch X Stück und nicht 2xX Stück die richtige Dosierung wären.

    Diese Erfahrung habe ich nicht in einem Provinzkrankhaus gemacht, sondern in der HIV-Ambulanz eines großen Krankenhauses in Deutschland.

    So viel nur noch generell als Hinweis, dass mitnichten immer nur die Beratung durch den Arzt Gewähr für die Richtigkeit medizinischer Informationen bietet. Das Netz offeriert zudem die Chance der Öffentlichkeit. Wer hier falsche Informationen verbreitet, wird meist sehr schnell und ebenso klar korrigiert. Diese "Selbstreinigungskräfte" lassen das Risiko einer Fehlmedikation infolge falscher Angaben im Netz in der Regel als sehr viel kleiner erscheinen als das Risiko einer Fehlmedikation durch Fehler, die einem Arzt im intimen Gespräch unterlaufen.

    Hinzukommt, dass die von mir genannten Medikamente *alle* verschreibungspflichtig waren. Man kommt also um einen Arztbesuch sowieso nicht herum. Und wenn man nicht - wie ich in obigem Beispiel - ausnahmsweise ein Paar Pillen ohne Packungsbeilage in die Hand gedrückt bekommt, ist man durch die Beilage auch noch geschützt.

    Die noch recht junge Psychiaterin, die mir das schließlich helfende Medikament verschrieb, hatte eine sehr viel entspanntere (und klügere) Einstellung zu diesem Thema. Sie fragte mich gleich, ob ich an ein bestimmtes Präparat dächte, weil viele Patienten aufgrund ihrer Internet-Recherchen schon konkrete Vorstellungen hätten.

    Wie auch immer. Ich will nur noch den Wirkstoffnamen des Medikaments nennen, das mir geholfen hatte. Er lautet Doxepin. Aber Achtung: Ich weiß nicht, ob das Medikament auch während einer antiretroviralen Medikation - also gleichzeitig zu einer PEP oder zusammen mit einer dauerhaften HIV-Medikation eingenommen werden kann. (Das hatte ich auch schon bei meinem letzten Beitrag geschrieben).

    Doxepin zu nennen, ist mir deswegen ein Anliegen, weil es tatsächlich nur extrem wenige wirkungsvolle sedierende und schlafanstoßende Medikamente gibt, die man über einen längeren (> 2 Wochen) Zeitraum ohne Gefahr einer Medikamentenabhängigkeit nehmen kann. Wenn man diese Medikamente nicht kennt (und selbst Ärzte kennen diese Medikamente offensichtlich keineswegs notwendigerweise) steht man in einer seelischen Ausnahmesituation schnell ohne Medikaton da. Ich war - trotz oder sogar wegen der vorausgegenen Konsultation *mehrerer* Ärzte - vor dem Besuch in der psychiatrischen Praxis fest davon überzeugt, dass es gar keine wirkungsvollen Schlaf- und Beruhigungsmittel gibt, die man längere Zeit nehmen kann.

    Ich bin mir recht sicher, dass man mit der Verschreibung von Doxepin als hochwirksamem Sedativum und Schlafmittel eine Vielzahl von Einweisungen in die Psychiatrie vermeiden könnte...

    Wer sich dazu aus anderen Quellen informieren möchte, dem empfehle ich neben dem Wikipedia-Eintrag zu Doxepin auch den Test der Stiftung Warentest zu Schlafmitteln.

    Es versteht sich von selbst, dass man sich auch dieses Medikament von einem vertrauenswürdigen Arzt nach einem ebenso offenen Gespräch über den Hintergrund des Anliegens (HIV-Angst, etc.) und ggf. anderer eingenommener Medikamente verschreiben lassen sowie einen Blick in die Packungsbeilage werfen sollte. Ich habe das unter der PEP nicht getan, weil ich all die befürchteten Nebenwirkungen aus der PEP gar nicht so genau kennen wollte. Aber das ist keine kluge Strategie, denn in der Packungsbeilage finden sich viele wichtige Informationen - beispielsweise zu anderen weit verbreiteten Medikamenten, die die Wirkung der antiretroviralen Medikamente zunichte machen können. Und das waren Infos, die ich von den Ärzten nicht bekommen hatte.

    Ich bin übrigens einverstanden damit, dass dieser Beitrag an das Ende meines ursprünglichen Beitrags gehängt wird, oder damit, dass beide Beiträge unter die Rubrik "HIV-Test" verschoben werden. Schließlich geht es unmittelbar um Anspannung und Schlafmangel wegen eines bevorstehenden, mutmaßlich positiven HIV-Tests. Die Infos zum Leben mit HIV sind nur sehr eingeschränkt nützlich bei der Bekämpfung einer HIV-Phobie. Darauf hat Matthias völlig zu Recht hingewiesen.

    Und nochmals: Ich weiß natürlich nicht, ob man Doxepin auch gleichzeitig zusammen mit einer Einnahme von antiretroviralen Medikamenten einnehmen kann. Man sollte generell extrem vorsichtig sein mit der Kombination von antiretroviralen Medikamenten mit anderen Medikamenten, da unter letzteren viele die Wirksamkeit der antiretroviralen Medikamente aufheben oder stark reduzieren.
     
  2. Alex-Facharbeit

    Alex-Facharbeit Bewährtes Mitglied

    Update

    Ergebnis des erstenElisa-4-Tests liegt inzwischen vor: Negativ.

    Zwischen Test und PEP lagen 9 Wochen, zwischen Test und RK 13 Wochen.

    Üblicherweise gilt ein Zeitraum von mehr als 12 Wochen ja als „sicher“. Zwischen Ende der PEP und dem Test lagen zwar keine 12 Wochen. Laut Ärzten soll für den AK/AG-Test die PEP angeblich ohne Relevanz sein (weil das Immunsystem bei einer Infektion trotz PEP reagieren soll.)

    Gleichwohl wurde ärztlicherseits ein abschließender Test 6 Monate nach RK empfohlen, so dass das finale Ergebnis erst irgendwann Anfang 2012 vorliegen wird. Werde mich wohl irgendwann zwischendurch noch einem Test unterziehen.

    Es fällt mir tatsächlich nicht ganz leicht, dem nicht-reaktiven Ergebnis zu vertrauen (wie von Matthias prognostiziert).

    Ich weiß natürlich, dass es keine eindeutigen Symptome eines akuten Primärinfekts gibt. Ich hatte in dem üblichen Zeitfenster eines Primärinfekts allerdings einen Großteil der Symptome, die im Zusammenhang mit einem Primärinfekt genannt werden:

    2 x mehrtägiges (moderates) Fieber - das erste Mal genau drei Wochen nach RK, das zweite Mal knapp 5 Wochen danach, beide Male mit massivem Krankheitsgefühl wie bei einer schweren Grippe

    Kräftiger Nachschweiß über ca. eine gute Woche in Verbindung mit dem zweiten Fieber

    Körpergewichtsverlust ca. 7 Kg im Laufe von 2 bis 3 Wochen

    Gelegentliche leichte, nur kurze Zeit vorhaltende Schmerzen sowie seltsame Mißempfindungen im Kopf (mögliche alternative Ursache: Einnahme von Doxepin nach Ende der PEP)

    Tastschmerzempfindliche Unterkiefer-Lymphknoten über längere Zeiträume

    Spannungsgefühl in Hals und Nacken

    Übelkeit über mehrere Wochen nach Ende der PEP

    Aphten nahezu durchgängig über den gesamten Zeitraum (gelegentlich auch früher für ein, zwei Wochen aufgetreten)

    Non-spezifisch:
    Ab dritter PEP-Woche Dyspepsie mit massivem Kloßgefühl (bis heute fortbestehend Mißempfindungen im Bereich Speiseröhre / Magen – eventuell auch Folge der PEP).

    Dazu sollte ich vielleicht anmerken, dass ich sonst kaum krank bin. Ich kann mich an genau drei Mal Fieber in den letzten 20 Jahren erinnern.

    Vielleicht habe ich mir aber auch etwas anderes eingefangen. Da gibt es ja noch eine Vielzahl weiterer Möglichkeiten…

    Ansonsten nochmals Danke für den Zuspruch hier im Forum, allen voran an Matthias und Chris und allen alles erdenklich Gute.

    Vielleicht dauert es ja gar nicht mehr so entsetzlich lang, bis man dieses Dreckszeug vollständig ausrotten kann. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Forschungsansätze am MIT - Stichwort „Draco“ ( http://www.aidsmeds.com/articles/hiv_he ... 0979.shtml ). Ich bin zwar in der Regel selbst eher pessimistisch / skeptisch, wenn es um Erfolgsmeldungen zu angeblich neuen Heilmethoden schwerer Krankheiten (Krebs,HIV) in den Medien geht. Meist steht bekanntlich das „Geltungs- und Geldbedürfnis“ einzelner Forscher dahinter. Krebs müsste schon längst ausgemerzt sein, wenn nur ein Bruchteil der Erfolgsmeldungen in den Medien zugetroffen hätte. Andererseits wird die Heilung auch dieser schweren Krankheiten irgendwann ganz sicher möglich sein. Die Frage ist nur wann. Die beschriebenen Forschungsansätze am MIT gehen jedenfalls nach meinem Eindruck über ein hilfloses Herumprobieren mit irgendwelchen Pharmazeutika deutlich hinaus. Es wird Zeit, dass endlich ein Mittel auch gegen Viren gefunden wird. Es ist allen auf dieser Welt zu wünschen – gleich, ob infiziert oder (noch) nicht.

    Übrigens stimmt es wohl nicht mehr so ganz, wenn auf der Website hier zu lesen steht, dass noch kein einziger Infizierter jemals von seiner Infektion geheilt worden sei. Diesen *einen* Fall hat es wohl tatsächlich gegeben - http://www.zeit.de/2010/29/M-HIV-Patient Leider ist das aber natürlich keine mögliche Heilbehandlung. Das Todesfallrisiko bei einer Stammzellentransplantation soll außerordentlich hoch sein.

    EDIT 18.10.11: Link zum Artikel der Zeit war korrupt
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nur zur Info: Der »Berliner Patient« ist vorrangig wegen der Leukämie behandelt worde und zählt daher nicht alsHIV-Heilung, weil das ein unerwarteter und zufälliger Nebeneffekt war.

    Zu Deinem Eingangsposting: Ich bitte Dich, zu verstehen, wenn die Admin und Mods bei Präparatenamen so reagieren, wie sie es tun. Es ist Internetforen untersagt, rechtliche oder medizinische Beratungen zu geben ... und der Admin ist haftbar. Das hat also nichts mit »dumm halten« zu tun, sondern mit der Beachtung juristischer Voraussetzungen.

    Zu Deinem zweiten Posting: Du wirst um einen weiteren Test nicht herumkommen, weil Du ihn für die Psyche brauchst. Trotzdem wird der aber negativ sein.
     
  4. Alex-Facharbeit

    Alex-Facharbeit Bewährtes Mitglied

    Ein völlig "zufälliger und unerwarteter" Nebeneffekt war es wohl nicht, wenn man den Medienberichten Glauben schenken kann. Denn der Effekt wurde ja gezielt angestrebt und erhofft. Klar ist aber natürlich auch, dass es sich um eine - leider - bislang nicht reproduzierte und aufgrund der außergewöhnlichen Umstände kaum reproduzierbare Heilung handelt.

    Ob es überhaupt eine "Heilung" war, kommt darauf an, wie man den Begriff deutet. Allgemeinsprachlich wird unter Heilung wohl sogar schon das bloße "Wieder-gesund-Werden" verstanden. Aber auch wenn man Heilung als aktives "Wieder-gesund-Machen" versteht, war das eine Heilung.

    Wenn man Heilung mit genereller Heilbarkeit gleichsetzt, ist es natürlich keine. Ganz klar ist HIV per heute unheilbar und es ist völlig unabsehbar, wann sich dieses ändern wird.

    Vielleicht es aber nicht ganz verkehrt, auch die kleinen Lichtblicke am Ende des Tunnels zu sehen - ?

    Ich mag dazu nicht mehr viel schreiben, weil ich aus meiner Sicht das Meiste dazu bereits ja zum Ausdruck gebracht habe. Natürlich müssen die Forenbetreiber selbst entscheiden, wie viel Risiko sie mit einem Forum wie diesem tragen wollen. Eine Website und noch mehr ein Forum stellen - leider - inzwischen unvermeidlich - per se - ein rechtliches Risiko dar. Ich fände es aber sehr schade, wenn der Hinweis auf das besagte Antidepressivum mit stark schlafanstoßender und auch sedierender Wirkung unterginge. Es gibt natürlich viele Schlaf- und Beruhigungsmittel. Dummerweise wird man von nahezu ebenso vielen innerhalb kürzester Zeit abhängig. Diese zu nehmen ist also mindestens ebenso fatal wie keines zu nehmen, wenn man sich wirklich in einem Ausnahmezustand befindet und absolut keinen Schlaf mehr findet. Und ganz offensichtlich kommt es vor, dass Allgemeinmediziner in der Frage nach möglichen Schlafmitteln / Sedativa schnell überfordert sind.

    Ja, stimmt. Natürlich auch zur Vergewisserung. Ein Test *kann* ausnahmsweise auch falsch-negativ sein. Inwieweit die PEP darauf einen Einfluss haben kann, vermag ich nicht abzuschätzen. Das Studienmaterial dürfte dazu äußerst dünn sein. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass er negativ bleibt. Ich denke, *völlig* überflüssig wird der Test nach 6 Monaten wohl auch aus Sicht der Ärzte nicht sein

    Zur Zeit irritiert mich die Reizung in Hals / Speiseröhre. Scheint, als wäre da etwas nicht ganz glücklich über die 4-monatige Roßkur. Fühlt sich an, als wäre etwas in der Speiseröhre weggeätzt... Schmerzt aber nicht im eigentlichen Sinne...

    Vielleicht zur PEP noch eine Empfehlung für die Website. Dort steht irgendwo sinngemäß, dass man vielleicht auch die Kostenübernahme durch die Krankenkasse vor Beginn der PEP klären könne / wolle / solle. Andererseits sei natürlich die Investition in eine PEP möglicherweise das in einem Leben am besten angelegte Geld, etc.

    Ich würde empfehlen, den Hinweis auf die mögliche Vorab-Klärung der Kostenübernahme zumindest so nicht zu geben.

    Erstens ist das kaum praxistauglich, weil man in so in einer Situation kaum die Nerven hat, auch noch die Kontaktdaten eines Ansprechspartners seiner Krankenkasse herauszusuchen, zu hoffen, dass dieser - womöglich mitten in der Nacht am Wochenende - erreichbar ist und am Telefon nach Abschätzung des Infektionsrisikos aufgrund des detailliert ausgemalten Risikokontakts eine Kostenübernahmeerklärung erteilt.

    Zweitens und vor allem, weil es hier um Zeit geht. Jede Minute ist kostbar. Wer glaubt, einer ernsthaften Risikosituation ausgesetzt gewesen zu sein, sollte sich mE *sofort* in ein Auto / Taxi / Was-auch-immer setzen und auf schnellstem Wege zur nächstbesten Notaufnahme fahren. Es kann vielleicht sein, dass die Klinik dort für die Einleitung einer PEP nicht ausgestattet ist, aber die Ärzte dort müssen auf jeden Fall wissen, wo eine PEP zu bekommen ist.

    Aus meiner Sicht ist es absolut nicht empfehlenswert, sich mit Gedanken zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse und auch noch nicht einmal zu sehr mit Recherchen im Netz zur Höhe des Ansteckungsrisikos und zur Wirksamkeit der PEP, usw., usw. auseinanderzusetzen. Das alles kostet unnötig viel Zeit und die hat man in dieser Situation einfach nicht. Es ist auch gut möglich, dass man - wie bei einem "Kondomunfall" noch unter einem gewissen Schock steht und selbst gar nicht so recht begreift, was genau eigentlich passiert ist.

    Ausmaß und Dauer der Wirksamkeit einer PEP sind nicht genau bekannt. Wie so oft gibt es auch hier eine sehr, sehr große Spanne zwischen den Meinungen unterschiedlicher Ärzte. Ich habe von Ärzten zwischen 60% und 90% genannt bekommen (neben einer nichtärztlichen, aber auch kompetenten Mindermeinung, die generell nicht allzu viel von der PEP hielt.) Aber in einem Punkt stimmten alle Quellen überein: Je früher, desto besser. Wird die PEP innerhalb von 2 Stunden begonnen, wird die Wirksamkeit mancherorts sogar mit deutlich über 90% angegeben.

    Das bedeutet nicht, dass man nicht auch noch nach 20 Stunden mit einer PEP anfangen kann und vielleicht auch soll. Aber warum um Himmels willen soll man 10, 20, 30, 40 oder mehr % an Chancen verschenken, wenn man sowieso die gesundheitlichen Risiken einer Knall-auf-Fall-Behandlung mit hochdosierten antiretroviralen Medikamenten auf sich nimmt? Ich habe viel Zeit verloren, weil ich erst im Netz recherchierte, dann wartete, bis um 10:00 Uhr endlich jemand telefonisch bei der AIDS-Hilfe zu erreichen war, der mir schließlich auch nur insoweit weiterhalf, als er mir die Telefonnummer des diensthabenden Infektiologen an einer größeren Klinik in der Nähe gab, usw., usw.

    Ich verstehe auch nicht, warum die Kontakt-Informationen nicht direkt im Netz zur Verfügung gestellt werden. Vielleicht fürchtet man einen zu großen Run auf die Krankenhäuser oder überflüssige Telefonate überbesorgter Seelchen, etc. Aber entweder steht man zur PEP, oder man steht nicht dazu. Die PEP einerseits als "Segen" zu bepreisen und andererseits die Ansprechpartner / Kliniken zu "verstecken", macht mE keinen Sinn.

    Das Notfall-Pack für ein, zwei Tage gibt es in der Klinik wohl meist ohne Kosten. Wenn man also zu dem Ergebnis kommt, dass man die gesundheitlichen Risiken aus der PEP oder die finanzielle Belastung doch nicht tragen will, kann man nach ein, zwei Tagen immer noch (mit größter Wahrscheinlichkeit) schadlos aussteigen.

    Übrigens sind "gastrointestinale Beschwerden" - insbesondere Übelkeit - in den ersten beiden Wochen wohl sehr gewöhnlich. Mir wäre sehr geholfen gewesen, wenn ich zusammen mit der PEP auch gleich ein Mittel gegen Übelkeit verschrieben bekommen hätte. In meinem Fall wäre es unnötig gewesen, mit Brechreiz am dritten Tag der PEP in der Arbeit zu kämpfen. Das Antiemetikum war - bei ausreichender Dosierung gemäß Packungsbeilage - absolut wirkungsvoll. Ich weiß nicht, ob ich das hier schreiben darf, aber ich mache das trotzdem einmal: Ich habe schließlich MCP-Tropfen verschrieben bekommen. Wie immer gilt: Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker (und zwar ausnahmslos unter Hinweis auf die gleichzeitig eingenommenen antiretroviralen Medikamente). Ich hätte es gut gefunden, wenn ich spätestens zusammen mit der Monatspackung auch MCP verschrieben bekommen hätte. Nicht falsch verstehen: Ich meine nicht, dass man das Antiemetikum vorbeugend nehmen soll. Aber wenn einem schlecht wird, sollte man es zur Hand haben und nicht erst vielleicht am nächsten Tag erneut beim Arzt vorsprechen müssen. Übrigens wäre auch der Hinweis sehr nützlich (beruhigend) gewesen, dass die Übelkeit in absolut aller Regel spätestens nach zwei Wochen von selbst vergeht.

    Spätestens wenn man die PEP wirklich fortsetzen will, sollte man übrigens beim Einkauf der Monatspackung tatsächlich am besten viel Bargeld (2.000,-- Euro sollten reichen) oder eine EC-Karte dabei haben. Ich habe selbst erlebt, dass die Apotheke die Kreditkarte wegen der ach so geringen Gewinnmarge *nicht* akzeptierte (die armen, armen Apotheker).

    Was ich davon halte, dass die Medikamente so teuer sind, dass sie in keiner kleineren Stückelung als einer Monatspackung erhältlich sind, und die Kosten zumindest zu 100% vorfinanziert (und final oft auch selbst) getragen werden müssen sollen, schreibe ich hier besser nicht.

    Übrigens wäre es vielleicht für Euere Seite gar nicht so schlecht, wenn jemand der Berufeneren solche und weitere Informationen zur PEP in strukturierterer Form auf der Site selbst veröffentlichte. Bei der PEP kann einiges unrund laufen und das Meiste davon ist völlig unnötig...
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Zum Thema »die armen, armen Apotheker«: Ein Apotheker verdient an einer Packung einesHIV-Medikamentes, das € 1.300,00 kostet, gerade mal € 25,00. Und muss davon die Miete zahlen, die Angestellten, die Ware vorfinanzieren und gelegentlich mal eine Suppe essen. Vorsicht also mit Vorurteilen, wenn man keine Ahnung hat!

    Noch einmal zum Thema »Berliner Patient«: Wenn Du die Presseberichte richtig liest, dann ging es darum, die Leukämie zu heilen. Dass durch die ausgesprochen seltene Konstellation der Spenderzellen auch HIV nicht mehr nachweisbar ist (das ist übrigens die offizielle Lesart und nicht »geheilt«), war nicht vorherzusehen, weil es nämlich noch gar keine Erkenntnisse in diese Richtung gab - und außer diesem einen Fall bis jetzt auch keine weiteren Erkenntnisse gibt.

    Und zum Thema PEP: Die Postexpositions-Prophylaxe ist ein absoluter Notnagel für echte Risikokontakte. Wäre sie »frei« zugänglich, hätten schon tausende von verwirrten Menschen chemische Keulen gefressen, weil sie befürchten, sich bei der Masturbation mit einer Klobürste und dergl. infiziert zu haben.

    Ach ja: Was ich davon halte, wissentlich mit einem Infizierten ungeschützten GV zu betreiben und hinterher das große Jammern zu bekommen, schreibe ich lieber auch nicht. Dein ganzer Beitrag zeugt trotz Deines Alters von einer gewissen Unreife. Sorry, wenn ich das so deutlich sage, aber Deine Erkenntnisse mögen für Dich richtig sein - mit der allgemeinen Realität haben sie allerdings nicht viel zu tun.
     
  6. Alex-Facharbeit

    Alex-Facharbeit Bewährtes Mitglied

    Lieber Matthias, zu Deinem Posting könnte ich einiges entgegnen :). Meist vermeint man die eigenen Eigenschaften ja immer am besten im anderen zu erkennen. Ich lasse es Dir aber durchgehen - selbst die unterstellte Unreife, die hart an Beleidigung grenzt.

    Nicht nur ist heute ein schöner Tag, sondern ich unterstelle einfach einmal, dass Deine Aktivität hier nicht Eitelkeit und Geschäftssinn entspringt, sondern dem Wunsch zu helfen. Es ist Deine Art, das Leben zu bewältigen. Vielleicht solltest Du Dir aus Rücksicht auf andere Hilfe- und Ratsuchende gleichwohl überlegen, ob Du nicht vielleicht mit etwas weniger Absolutheitsanspruch auftreten willst und Dich vielleicht auch etwas zurücknimmst in der Bewertung der Meinungen und Erfahrungen anderer.

    Den obigen Absatz lasse ich mir aber so nicht gefallen. Ich weiß ja nicht, wie "unschuldig" Du an Deine Infektion gekommen bist (und nein, ich werde Dein Buch jetzt sicher nicht mehr kaufen, um es zu erfahren). Aus meinem Eingangsposting geht aber ganz unmissverständlich hervor, dass ich zu keinem Zeitpunkt wissentlich und noch nicht einmal bewusst fahrlässig ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte. So wie ich das übrigens auch mein ganzes bisheriges Leben immer ausnahmslos gehalten habe.

    Der Risikokontakt war ein Unfall. Ja, mag sein - ein zwar nicht subjektiv, aber objektiv fahrlässiger - Unfall. Die meisten (aber gewiss auch nicht alle!) anderen hätten die konkrete Gefahrensituation erkannt. Ich erkannte sie nicht.

    Ob Dir ein Unwert-Urteil hierüber und damit indirekt auch die über vielen, vielen sicher oft nicht so viel anders gelagerten Fälle zusteht, wage ich ganz massiv in Zweifel zu ziehen. Ich gehe jedenfalls davon aus, dass Du die Fahrlässigkeit nicht schon darin erkennen magst, mit einem mutmaßlich Infizierten *geschützten* Sex gehabt zu haben. Du wärst unter den ersten, die lauthals Diskriminierung (und Ignoranz) anprangern würden.
     
  7. niemehrwieder

    niemehrwieder Poweruser

    Kritik an Matthias ?
    Ist vollkommen fehl am platz. Wenn einer recht hat mit seinen Aussagen , und das sie auch ankommen dann Mathias.
     
  8. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Soen,

    ob Du mein Buch kaufst oder nicht, ist völlig irrelevant. Soviel also zu Deinem (für die Diskussion unnötigen) Seitenhieb, für den ich Dir aber trotzdem danke. Er lässt nämlich tief blicken.

    Du solltest Deine Postings besser noch einmal lesen. Ich habe jetzt - im dritten oder vierten Anlauf - aus vier deiner Postings die Gesamtgeschichte herausgefunden. Und ich nehme das »wissentlich« zurück - weil es wirklich nicht den Tatsachen entspricht.

    Ich habe keinen Absolutheitsanspruch. Ich habe nur sehr wahrscheinlich ein wenig mehr Kenntnis zum Thema als Du - nicht nur, weil ich tatsächlich positiv bin (und das schon seit fast 20 Jahren), sondern weil ich im Thema sehr aktiv unterwegs bin und auch beruflich eine Menge damit zu tun habe.

    Ich habe schon eine Menge an Menschen kommen und gehen sehen, die mit ihrem Leben abgeschlossen hatten - obwohl nicht mal ein Risiko vorhanden war. Ich habe auch schon eine Menge an Leuten kommen und gehen sehen, die wissentlich oder fahrlässig Risiken in Kauf genommen haben. Und ich habe etliche Menschen erlebt, die tatsächlich ein positives Testergebnis erhalten haben. Wie Du der feinen Mengenabstufung entnimmst, bekommen erheblich weniger Leute ein positives Testergebnis als die, die ein vermeintliches oder tatsächliches Risiko hatten.

    Wenn Du hier mein - zugegebenermaßen provokatives - Zitat zum Maßstab Deines Werturteils machst, dann bitte ich Dich herzlich, den Bezug auf Deine Aussage in Deine Bewertung miteinzubeziehen. Dein Beitrag strotzt nämlich vor Egoismus und Egozentrik - alles das, was nicht in Deinem Sinne ist, ist schlecht - und ich habe mir lediglich erlaubt, in deutlichen Worten darauf hinzuweisen, dass es sich bei Dir nicht um den Nabel der Welt handelt. Und bei dieser Aussage bleibe ich auch. Damit ist dieser Diskurs für mich beendet.

    @ niemehrwieder: Danke für Dein Posting, aber Kritik an meinen Aussagen ist völlig okay und sogar erwünscht. Allerdings wäre es hilfreich, wenn sie dann auch widerlegt werden könnten. Ich lerne gerne hinzu. Das ist nur im letzten Posting von Soen nicht möglich.
     
  9. niemehrwieder

    niemehrwieder Poweruser

    Ich finde da gibts nix zu kritisieren. Auf betroffene magst du manchmal ein bischen schroff wirken, aber so zieht es wenigstens.
     
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