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HIV in der Ukraine

Im Vergleich zu Asien und Afrika hat der europ├Ąische Kontinent deutlich weniger unter den Auswirkungen von HIV und AIDS zu leiden. Durch konsequente Aufkl├Ąrung und gute medizinische Versorgung gehen die Infektionsraten in Europa zur├╝ck und steigt die Lebenserwartung f├╝r Infizierte. Die Ukraine ist unter den Staaten Europas am schwersten von HIV betroffen. Zudem verbreitet sich HIV in der Ukraine schneller als im Rest von Europa.

Verbreitung von HIV in der Ukraine

Sch├Ątzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen davon aus, dass in der Ukraine etwa 350.000 Menschen mit HIV infiziert sind. Das entspricht 1,1 Prozent der erwachsenen Bev├Âlkerung. Beunruhigend ist ebenfalls die Rate der Neuansteckungen, die in der Ukraine bei um die 10% im Jahr liegt. In der Ukraine tauchte HIV erstmals in den 90er Jahren auf, was im Vergleich zu den USA und dem westlichen Europa recht sp├Ąt ist. Der Hauptgrund f├╝r Ansteckungen war dabei stets der Gebrauch von Spritzen zur Drogenverabreichung. Daher waren zun├Ąchst vor allem die Randgruppen wie Drogenabh├Ąngige und Prostituierte in den gr├Â├čeren St├Ądten der Ukraine betroffen.

Bis zum Jahr 2007 stieg die Zahl der HIV-Infizierten in der Ukraine kontinuierlich an und es ist keine Verbesserung der Situation zu erkennen. Um die genauen Zahlen zu erfassen, sind die Strukturen in der Ukraine nicht vorhanden. Es liegen der WHO und den ukrainischen Beh├Ârden nur Sch├Ątzungen vor. Die offiziellen Zahlen der registrierten Infizierten sind nicht besonders aussagekr├Ąftig, da sich die wenigsten Menschen testen lassen, wahrscheinlich aus Angst vor dem Ergebnis und vor Diskriminierung.

Da im Jahr 2007 nur etwa ein Drittel der an AIDS erkrankten Ukrainer Zugang zu einer antiretroviralen Behandlung hatte, haben die Patienten wenig Hoffnung auf Hilfe. Wie auch in den 90er Jahren ist der intraven├Âse Drogengebrauch noch heute der Hauptansteckungsweg. Aber seit den 2000er Jahren steigt auch der Anteil an ├ťbertragungen durch sexuelle Kontakte auf heute etwa 40%. Noch immer konzentriert sich die HIV Epidemie auf die Randgruppen, aber sie greift mehr und mehr um sich die ├╝brigen Gesellschaftsschichten sind immer mehr betroffen.

Ursachen der HIV Verbreitung in der Ukraine

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stieg die Arbeitslosenrate in der Ukraine stark an und Armut und Verzweiflung trieben viele Menschen in die Drogensucht. Da der junge Staat kaum Macht und Infrastruktur besa├č, hatte die Verbreitung von verschiedenen Drogen kaum Hindernisse. Vor allem in Regionen, die zu Sowjetzeiten boomten und voller Fabriken waren, st├╝rzte der Lebensstandard rapide ab und hinterlie├č eine orientierungslose und demotivierte Generation junger Arbeitsloser.

All diese Faktoren gepaart mit der Tatsache, dass die Ukraine ein Transitland f├╝r Opiate zwischen dem mittleren Osten und Europa ist, sorgten daf├╝r, dass Drogenkonsum sich schnell ausbreitete. Unbenutzte Spritzen waren bald teuer und Mangelware, was die Verbreitung von HIV beg├╝nstigte. Da heute auch etwa 40% der Ansteckungen durch Sexualverkehr erfolgen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich HIV und AIDS auch in anderen Gesellschaftsschichten zu einem ernsthaften Problem entwickeln.

W├Ąhrend die Ukrainer heute noch davon ausgehen, dass HIV nur H├Ąftlinge, Prostituierte und Drogenabh├Ąngige bef├Ąllt, breitet sich HIV aus, weil nur die wenigsten Menschen sich sch├╝tzen. Niemand m├Âchte davon h├Âren, dass infizierte Prostituierte der Grund daf├╝r sind, dass auch M├Ąnner aus der Mittelschicht angesteckt werden. Erst mit der zunehmenden Ausbreitung des Sex Tourismus in der Ukraine und mit der Angst vor Ansteckung, den die Sextouristen aus Westeuropa mitbringen, wird die Szene langsam sensibilisiert.

Pr├Ąvention und Behandlung von HIV und AIDS

Die Regierung der Ukraine hatte nach der Revolution andere Sorgen als die Verbreitung von HIV, die sich ja der ├Âffentlichen Meinung nach nur auf Randgruppen beschr├Ąnkte. Erst durch den internationalen Druck wurde HIV ├╝berhaupt als Problem anerkannt. Der Kampf gegen die Diskriminierung den Infizierten hat bisher nur wenig Erfolg. Verschiedene NGOs und auch nationale Organisationen haben jedoch Programme zum Tausch von Spritzen ins Leben gerufen und versuchen so, die Neuansteckungen zu verhindern.

Auch gibt es mittlerweile Zentren zur Betreuung und Behandlung f├╝r Menschen , die bereits an AIDS erkrankt sind. Das Gesundheitswesen in der Ukraine ist ├╝berwiegend staatlich organisiert. Theoretisch steht jedem Ukrainer eine kostenlose Behandlung in Krankenh├Ąusern und Praxen zu. Deren Ausstattung l├Ą├čt jedoch einiges zu w├╝nschen ├╝brig und ist oft veraltet, also nicht auf die Behandlung solch neuer Krankheiten wie AIDS vorbereitet. Oft fehlt es am n├Âtigsten und die Patienten m├╝ssen zum Beispiel Lebensmittel und Bettzeug selbst mit ins Krankenhaus bringen.

Leben mit HIV in der Ukraine

Die Zust├Ąnde im Gesundheitswesen sind ohnehin problematisch. Dazu kommt, dass viele ├ärzte aus Angst und Unkenntnis die Behandlung von HIV Infizierten ablehnen. Der Bedarf an Behandlung f├╝r AIDS Patienten wird in den kommenden Jahren noch rapide ansteigen. Die ├ärzte sind in der Regel nicht daf├╝r ausgebildet, Medikamente sind zu teuer und sogar die Diagnose ist mit den begrenzten Mitteln vieler ├ärzte und Kliniken nur schwer m├Âglich. Wer in der Ukraine in den Genuss einer antiretroviralen Therapie HAART gelangt, der muss in der Regel nichts daf├╝r zahlen. Die Behandlung der Nebenwirkungen einer solchen Therapie muss jedoch bezahlt werden. Aus verschiedenen Gr├╝nden brechen ├╝berdurchschnittlich viele Menschen ihre Behandlung ab oder nehmen ihre Medikamente nicht regelm├Ą├čig ein.

Tuberkulose und HIV in der Ukraine

In der Ukraine kommt es h├Ąufig vor, dass HIV Infizierte sich mit Tuberkulose anstecken und daran sterben. Tuberkulose als sogenannte opportunistische Infektion, bricht bei Menschen aus, die ein durch HIV und AIDS geschw├Ąchtes Immunsystem haben. In der Ukraine leiden auch viele Menschen an Tuberkulose, die nicht mit dem HI Virus infiziert sind. Diese haben durch das schlechte Gesundheitssystem auch nur schlechte Heilungschancen und bieten Ansteckungsm├Âglichkeiten f├╝r HIV Infizierte, bei denen sich die Tuberkulose schneller und leichter einnisten kann.

Die Zahl der Tuberkuloseerkrankungen in der Ukraine steigt ebenfalls seit den 90er Jahren beunruhigend schnell an. Da die Behandlung von Tuberkulose aufw├Ąndig und teuer ist, und die Patienten ihre Medikamente auch noch Monate ├╝ber die Beschwerdefreiheit hinaus einnehmen m├╝ssen, hat die Behandlung, wenn sie ├╝berhaupt fachgerecht erfolgt, nur wenig Erfolg. ├ähnlich wie bei HIV und AIDS fehlt auch bei Tuberkulose vielen ukrainischen ├ärzten die Erfahrung und die professionelle Ausbildung.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt ├╝berarbeitet am: 14. Oktober 2020.
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