HIV in Tansania

HIV, das Humane Immundefizienz-Virus, ist schon lange zur Pandemie ausgewachsen. In manchen Teilen der Erde ist es sehr stark verbreitet, in anderen weniger. Das ostafrikanische Tansania gehört, mit den ĂŒbrigen sĂŒdlich der Sahara gelegenen Gebieten, zu den LĂ€ndern mit der grĂ¶ĂŸten Verbreitung des HI-Virus. 2007 lebten in diesen Gegenden 67% der weltweit Infizierten, 75% der gesamten HIV-bedingten TodesfĂ€lle wurden hier registriert, wĂ€hrend 2,3 Millionen Menschen sich neu infizierten.

Die Lebenserwartung im sĂŒdlichen Afrika ist durch die Epidemie drastisch gesunken. Die prozentuale Verbreitung von HIV in Tansania liegt bei 5-10% der erwachsenen Menschen, 2008 waren es 6,2%. Benachbarte Staaten haben teilweise eine Verbreitungsrate des HI-Virus von bis zu 28%.

GrĂŒnde der rasanten Ausbreitung von HIV in Tansania

Der enorme Unterschied der Ausbreitung der HIV-Epidemie vom nördlichen und sĂŒdlichen Afrika liegt vermutlich an der ökologischen Grenze, die die Sahara zwischen beiden Gebieten zieht, und dem Einfluss, den Europa auf Nordafrika hat. Die weite und stetige Verbreitung von HIV in Tansania und den benachbarten LĂ€ndern, im Gegensatz zum Rest der Welt, hat mehrere verschiedene GrĂŒnde, die von Staat zu Staat in unterschiedlicher AusprĂ€gung zutreffen:

ZunĂ€chst liegt in Afrika vermutlich die Wiege des HI-Virus, das 1959 zum ersten Mal in einer Blutprobe aus dem Kongo nachgewiesen wurde. Hier ging eine Vorform des Virus vom Affen auf den Menschenaffen ĂŒber; so entstand der beim Schimpansen nachgewiesene SI-Virus. Dann kam es zu einer weiteren GrenzĂŒberschreitung zwischen den Arten, das SI-Virus ĂŒbertrug sich vom Menschenaffen auf den Menschen, vermutlich durch den Verzehr von Affenfleisch, und mutierte zum HI-Virus. Nach der Entdeckung des HI-Virus und seines pandemischen Verhaltens, wurde in den 80er Jahren sowohl in Europa als auch in Nordamerika die Bevölkerung gewarnt, informiert und aufgeklĂ€rt. In Afrika hingegen gab es in den meisten Gebieten erst ca. 20 Jahre spĂ€ter ausgedehnte PrĂ€ventionskampagnen zum Thema HIV.

n dieser Zeit hatte das Virus Gelegenheit, sich ungehindert weiter auszubreiten. Auch sind die Ausbreitung von HIV und die TodesfĂ€lle durch AIDS eine Ursache der großen Armut der afrikanischen Bevölkerung. HIV-Tests oder schĂŒtzende PrĂ€servative kosten viel nicht vorhandenes Geld und werden daher kaum in Betracht gezogen. Und im Bezug auf einen HIV-Test herrscht zudem eher GleichgĂŒltigkeit in der Bevölkerung, da ein positives Ergebnis in den meisten FĂ€llen nicht medizinisch behandelt werden könnte und die Krankheit auch noch immer ein starkes Tabu darstellt.

VersĂ€umt wird auf diese Art und Weise der Schutz der Gesunden vor einer Ansteckung. Daher sind die kulturell bedingte Polygamie, die sich ĂŒberschneidenden sexuellen Netzwerke und das sofortige Wiederverheiraten von Witwen eine wahre BrutstĂ€tte des Virus. Noch dazu kommen Prostitution und (sexuelle) Gewalt, die vermutlich dafĂŒr verantwortlich sind, dass ĂŒber die HĂ€lfte der HIV-Infizierten Frauen sind. Durch diese Tatsache steigt gleichzeitig das Risiko fĂŒr Kinder. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung des Ungeborenen einer HIV- Positiven betrĂ€gt ohne Behandlung ca. 15-30%. Viele der afrikanischen Kinder kommen so, in Anbetracht der fehlenden Geburtenkontrolle, bereits infiziert auf die Welt und sterben zumeist im ersten bis 5. Lebensjahr an AIDS. Wenn die Babys durch Schwangerschaft und Geburt nicht infiziert wurden, besteht fĂŒr sie nochmals das gleiche Ansteckungsrisiko durch die Muttermilch.

Ein weiterer Verbreitungsfaktor kann das im afrikanischen Raum hĂ€ufigere Auftreten anderer Geschlechtskrankheiten sein, eventuell durch Wunden der Haut im Bereich der Geschlechtsorgane und des so fĂŒr den Virus einfacheren Eindringens in den Blutkreislauf. Zudem geht eine HIV-Infektion oft mit den in Afrika weit verbreiteten Krankheiten Malaria und Tuberkulose einher, hierfĂŒr gibt es jedoch noch keine ErklĂ€rungen. Im internationalen Vergleich werden aber im Hinblick auf die unterschiedlichen HI-Virus-StĂ€mme auch genetische Voraussetzungen in Betracht gezogen.

Erfolge und Probleme in der HIV-BekÀmpfung

Die Verbreitung von HIV in Tansania ist, wie in den anderen Gebieten in Ost- und Zentralafrika, etwas rĂŒcklĂ€ufig. Diese Tatsache ist vermutlich auf die Mitte der 80er Jahre gemeinsam mit der WHO gestartete PrĂ€ventionskampagne zurĂŒckzufĂŒhren. Im Allgemeinen erscheint die AufklĂ€rung der Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent aber eher problematisch, wenn man sich bestimmte Tatsachen vor Augen fĂŒhrt. Landesweit herrschen hier Ignoranz und Ablehnung gegen Erkenntnisse und Forschungen auf dem Sektor des HI-Virus. Diese Gegebenheiten stark unterstĂŒtzend wirken die so genannten AIDS-Leugner, die sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch die bloße Existenz der Krankheit verneinen.

Das Problem wird dadurch vergrĂ¶ĂŸert, das selbst einige StaatsoberhĂ€upter dieser Gruppe angehören, die der Bevölkerung z.B. bereits von der Einnahme antiviraler Mittel abgeraten haben. Zudem sind die RegierungsfĂŒhrer unter anderem fĂŒr die Besetzung von AIDS-Beratungskommissionen verantwortlich, was offensichtlich zu weiteren Schwierigkeiten in der AufklĂ€rung fĂŒhren kann. Davon abgesehen gibt es aber auch BetrĂŒger, die die gesundheitlichen MissstĂ€nde ausnutzen und die Bevölkerung zusĂ€tzlich ausbeuten, wie etwa Matthias Rath, der mit UnterstĂŒtzung der sĂŒdafrikanischen Gesundheitsministerin VitaminprĂ€parate als AIDS-Medikamente ausgab und verkaufte. Die Behandlungschancen einer HIV-Infektion oder einer AIDS-Erkrankung sind in Afrika katastrophal. Die antiretrovirale Therapie, die in Europa bis ca. 15.000 US-Dollar pro Person und Jahr kosten wĂŒrde, ist fĂŒr den Großteil der afrikanischen Bevölkerung völlig unerschwinglich.

In den Gebieten Afrikas, in denen der medizinische Einsatz der Medikamente so dringend erforderlich wĂ€re, konnte er so z.B. im Jahr 2005 in mindestens 85-90% der FĂ€lle nicht stattfinden. Der Grund der hohen Kosten einer medikamentösen Behandlung sind die Patentrechte an dem Wirkstoff, die in einigen afrikanischen LĂ€ndern durch die Herstellung von Generika, wirkstoffgleicher Kopien, zu 140 US-Dollar pro Person und Jahr mit Hilfe von Spenden umgangen werden können. Zur weiteren Hilfe wurden 2003 von UNAIDS Kernprinzipien zur Organisation und Koordination von Mitteln und Geldern aufgestellt, welche grĂ¶ĂŸtenteils fĂŒr den Aufbau von nationalen Programmen gegen HIV dienen sollen. Auch viele kleinere Gruppen und Organisationen engagieren sich inzwischen im Kampf gegen die Epidemie.

Bei sĂ€mtlichen Organisationen, Ämtern und Regierungen besteht allerdings immer das erhöhte Risiko der Korruption, welches fĂŒr einige Verluste im Kampf gegen das Virus sorgt. Die Auswirkung von HIV in Tansania und anderen afrikanischen Staaten auf deren direkte Zukunft, die Kinder, ist verheerend. Kommen sie nicht infiziert auf die Welt und werden nicht durch sexuelle Gewalt bereits Infizierter angesteckt, so fĂŒhren sie dennoch ein sehr hartes Leben. Stets bedroht von dieser und anderen Krankheiten lebten bereits 2006 ca. 12 Millionen Kinder als Waisen verstorbener AIDS-Kranker. Als Waisen gelten sie noch stĂ€rker von Armut und UnterernĂ€hrung bedroht als der Rest der Bevölkerung es bereits ist. Zudem mĂŒssen gerade junge MĂ€dchen, deren Bildungschancen sowieso sehr gering sind, hĂ€ufig die Schule verlassen, um ihre (an AIDS) erkrankten Eltern zu pflegen.

In Anbetracht der hoffnungslosen Lage dieser Kinder, der Masse an Infizierten und der noch immer vorhandenen Ignoranz gegenĂŒber dem HI-Virus, wird ohne internationale Hilfe, UnterstĂŒtzung und Zusammenarbeit der Kampf gegen die Epidemie in Afrika vermutlich verloren werden.