HIV Phobie

Die HIV Phobie schlechthin gibt es nicht. Vielmehr gibt es unterschiedliche Szenarien, die zu einer phobischen Neigung führen, die innerhalb der Spanne der möglichen HIV Phobien anzusiedeln ist. Die Manifestation kann so individuell sein, wie der Patient und dessen persönliche Lebenssituation. Es gibt praktisch gesehen eine Unmenge an involvierten Faktoren und unzählige Formen der Äußerung der Phobie. Im Folgenden haben wir Ihnen einige der am häufigsten auftretenden Phobie-Konstellationen zusammen gefasst. Bitte beachten Sie, dass diese Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat und nur dazu dient, die Thematik zu überblicken.

HIV in den Medien

Der Themenkomplex HIV / AIDS scheint in den Medien omnipräsent zu sein. Praktisch jeder wurde schon einmal mit der Thematik konfrontiert und sei es auch nur im Sexualkundeunterricht in der Schule oder im Biologie Grund- oder Leistungskurs (beziehungsweise Bio „Neigungsfach“ wie es nach der jüngsten Schulreform korrekt zu bezeichnen ist). Das Gesellschaft, das Schulsystem wie auch Privatpersonen haben erkannt, dass HIV und AIDS unser aller Leben beeinflussen – es wird also praktisch immer irgendwo über dieses Thema berichtet. Das Problem an dieser „Dauerkonfrontation“ mit HIV kann aber darin bestehen, dass sich eine Angstspirale bei Patienten entwickelt, die einen HIV-Test durchführen ließen oder lassen.

Unwissenheit über eigenen HIV Status und Angst können zur Phobie führen!

Nicht selten besteht auch schon vorher eine latente HIV Phobie, die sich meist aufgrund der eigenen Unwissenheit über den sicheren Serostatus gebildet hat. Jeder, der schon einmal ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, kann diese Angst wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen. Diese Ungewissheit wiederum bringt Tag für Tag deutschlandweit und weltweit abertausende Menschen dazu, einen HIV Test durchführen zu lassen. Diese Menschen haben dann meist mehrere Tage vor sich, die sie meist nur unter massiver nervlicher Belastung meistern können. Sobald das Testergebnis da ist, dann sollte man davon ausgehen, dass diese Anspannung von einer Sekunde auf die andere verfliegt – vorausgesetzt natürlich, der Test ist negativ. Das ist aber bei einer Vielzahl der Getesteten eben nicht der Fall.

Genau hier manifestiert sich, wie groß die Unwissenheit über HIV und AIDS in breiten Bevölkerungsschichten – quer durch alle gesellschaftlichen Schichten noch ist! Viele Menschen zweifeln an den Testergebnissen und recherchieren im Internet, ob und wenn ja wie der Test gegebenenfalls beinflusst werden konnte, so dass das Resultat vielleicht falsch ist. Auch hinterfragen viele Getesteten den eingesetzten Test-Typen, suchen nach Alternativen und lassen sich vielleicht noch viele weitere Male testen – selbst wenn der Test unter klinischen Bedingungen unter ärztlicher Beratung und Aufsicht durchgeführt wurde, so dass man per se davon ausgehen kann, dass ein derartiger Test als absolut sicher gilt.

Selbst wenn die 6 Wochen Phase innerhalb der ein Test laut Robert Koch Institut (RKI) nur zu einem bestimmten Prozentsatz als sicher bezeichnet werden kann, vorbei ist und ein Test ein negatives Testresultat anzeigt, lassen viele Leute noch einen zusätzlichen PCR Test oder Chemolumineszenz Tests (ChLIA) durchführen, um diese absolut sicheren Resultate nochmals abzusichern, was ja schon per se als äußerst fragwürdig erscheint. Viele Patienten lassen in diesem Augenblick aber die Fakten aus den Augen und steigern sich – nicht zuletzt, weil die Thematik praktisch in jeder TV Sendung, in jeder Zeitung und in jeder allgmeinen Zeitschrift auf ein Mal eine zentrale Rolle zu spielen scheint – in eine Psychose hinein, aus der sie durch eigene Kraft kaum entrinnen können.

Viele suchen dann über das Internet Hilfe. Eine HIV Phobie kann aber in vielen Fällen auch nicht über das Internet erkannt werden, da sich viele Patienten selbst äußern und die Realität verzerrt darstellen. Es ist in derartigen Fällen fast unmöglich, eine sichere Diagnose via Web zu erhalten. Fakt ist aber, dass jeder selbst prüfen kann, ob er an einer HIV Phobie leidet. In dem Moment, wo einem das Thema keine Ruhe mehr lässt, sobald man sich trotz eines „sicher negativen“ Tests immer noch die Frage stellt, ob man nicht doch positiv ist, beginnt die HIV Phobie, deren Verlauf im Endeffekt auch sehr stark davon abhängt, ob man sie selbst wahrhaben will oder nicht.

Angst vor HIV Infektionen im Alltag

Nicht selten manifestiert sich die HIV Phobie auch durch die Angst vor HIV Infektionen im Alltag. Viele Patienten fürchten entweder durch mit im Haushalt lebende, sicher HIV positive Mitbewohner oder sogar durch normale alltägliche Situationen mit bekannten oder fremden Personen mit unbekanntem Serostatus mit HIV inifziert zu werden. Ganz normale Situationen wie Händewaschen, der Gang auf die Toilette, Händeschütteln, Küssen, Umarmen und sogar die Benutzung von Stühlen in Bars und Restaurants werden auf ein Mal mit HIV in Verbindung gebracht. Dies aber wohlgemerkt ohne jeden faktischen Hintergrund, denn im Alltag kann man sich praktisch nicht mit HIV infizieren.

Lediglich in Situationen, in denen infektiöse Körperflüssigkeiten (das sind Blut, Sperma, Vaginalflüssigkeit) übertragen werden, kann eine HIV Infektion erfolgen. Dies ist im alltäglichen Leben in dieser Form eigentlich absolut ausgeschlossen – vorausgesetzt, man nimmt an, dass der Patient keine Drogen intravenös injiziert und die Spritzen mit Dritten teilt, dass kein ungeschützter Geschlechtsverkehr praktiziert wird und, dass man sich z.B. als Ersthelfer bei einem Unfall ordnungsgemäß vor HIV schützt. Fakt ist auf jeden Fall, dass derartige Alltagssituationen durch die Patienten mit HIV in Verbindung gebracht werden und, dass sie sich deshalb praktisch permanent fragen, ob durch gerade passierte oder längst vergangene Alltagssituationen nicht vielleicht doch irgendwie eine Infektion zustande gekommen sein könnte. Mit der Realität hat dieses Verhalten wie oben hinreichend belegt, nichts gemein.

Selbsthilfe – Ausweg aus der HIV Phobie

Wie in obigen Szenarien beschrieben, ist es relativ schwer, nur durch eigenen Antrieb der HIV Phobie zu entrinnen – es ist aber definitiv möglich. Um Kant zu zitieren „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Soll heißen: jeder, der sich selbst fundiertes Fachwissen über HIV beibringt, kann alleine dadurch schon eine HIV Phobie präventiv verhindern oder sich selbst durch die Beantwortung der vermeintlich offenen Fragen zum Ausweg aus dieser unangenehmen Situation verhelfen.

Die Erfahrung in unserer Community hat gezeigt, dass viele Menschen der Phobie durch die Aneignung von Fachwissen besiegen können; eine Garantie auf Erfolg gibt es aber auch hier nicht. Insbesondere in Fällen, wo die Betroffenen trotz ausführlicher, fachlich fundierter und sogar durch offizielle Quellen untermauerter Fakten nicht einsehen wollen, dass sie HIV negativ sind, ist die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe praktisch unausweichlich vorprogrammiert.

Professionelle Hilfe zur Bekämpfung der HIV-Phobie

Nicht selten kann eine HIV Phobie nur durch die Konsultation von Profis erkannt oder therapiert werden. Den meisten Betroffenen ist es nicht möglich, aus eigenen Kräften der Phobie zu entfliehen. Es ist daher besonders wichtig, dass bereits bei ersten Anzeichen ein Arzt konsultiert wird. Mit dem Arzt des Vertrauens – in der Regel mit dem Hausarzt – kann man dann als Patient erste klärende Gespräche führen. Sollte dies nicht ausreichen, um dem Patienten den Ausgang aus der Phobie zu ermöglichen, so kann der Hausarzt je nach individueller Lebenssituation und je nach Status und Verlauf der Phobie den Patienten an weitere Profis überweisen.

Gerade Psychologen und Psychiater sind spezialisiert, um in derart ausweglosen Situationen schnelle, kompetente Hilfe zu ermöglichen. In den meisten Fällen kann eine HIV Phobie durch wenige Konsultationen eines Profis beendet werden. Gerade deshalb können wir nur jedem raten, der sich selbst potentiell für betroffen erachtet, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich somit selbst den langen, unnötigen Leidensweg und gegebenenfalls daraus resultierende Folgeerkrankungen einer HIV Phobie zu ersparen.

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