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HIV in Europa

HIV ist noch immer ein ernstzunehmendes Problem. Eine nachhaltige L├Âsung wurde bisher weder medizinisch, noch politisch gefunden. Auch wenn die meisten Infizierten fernab des europ├Ąischen Kontinents leben, ist HIV in Europa noch lange nicht bek├Ąmpft und gerade im ├Âstlichen Teil stark verbreitet. Gerade in Europa wird klar, dass niemand vor der Krankheit gesch├╝tzt ist. Denn die Gr├╝nde der Ansteckungen unterscheiden sich von Staat zu Staat erheblich. Durch ein immer enger zusammenwachsendes Europa wird deutlich, dass HIV kein nationales Problem ist.

Das HI-Virus kennt keine Grenzen, sodass ein Ansteckungsrisiko in der Ukraine genauso besteht wie in Deutschland oder Spanien. Im Folgenden soll die gegenw├Ąrtige Entwicklung von HIV in Europa dargestellt werden. Dabei wird auf die unterschiedlichen Daten der Staaten genauso eingegangen wie auf Pr├Ąventionsma├čnahmen. Denn die Bedrohung HIV ist noch lange nicht bek├Ąmpft und auch in Europa ist man vor einer Ansteckung nicht sicher. Aufkl├Ąrung und Wissen sollen dabei helfen, HIV Ansteckungen zu verhindern.

Aufkommen und Ursachen von HIV in Europa

So vielseitig der europ├Ąische Kontinent ist, so unterschiedlich sind auch die Ursachen und Zahlen bei den HIV Infektionen. So betr├Ągt der Anteil der Infizierten in West- und Mitteleuropa 0,3% der Gesamtbev├Âlkerung. Der Wert f├╝r Osteuropa ist dabei mit 0,9% dreimal so hoch. F├╝r das Jahr 2010 wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation in Europa 118.000 Infektionen am HI-Virus diagnostiziert. Hiervon entfallen mehr als dreiviertel auf die osteurop├Ąischen Staaten. Vor allem Staaten wie die Ukraine, Lettland und Estland leiden unter einer immer st├Ąrker werden Infektionsrate innerhalb der Bev├Âlkerung. Die Ukraine vermeldet dabei einen Anteil von 1,1% an HIV Infizierten anteilig an der Gesamtbev├Âlkerung. Estland weist sogar 1,2% auf und Lettland kommt auf 0,7%. Aber auch f├╝r Mittel- und Westeuropa ist kein R├╝ckgang der HIV Infektionen zu vermelden.

Der Anteil der Infizierten zur Gesamtbev├Âlkerung ist zwar gering, aber die Tendenz geht zu einem Zuwachs. Staaten wie Portugal sind dabei mit einem Anteil an Infizierten an der Gesamtbev├Âlkerung von 0,6% besonders stark betroffen. Aber auch 0,4% in Frankreich und Spanien verdeutlichen das Problem. Auch wenn durch antiretrovirale Medikamente die Lebensqualit├Ąt und Dauer der an HIV erkrankten Personen stark angehoben werden kann, besitzen die Betroffenen in den ├Ąrmeren Regionen des Kontinents nicht immer Zugang zu der lebensnotwendigen Medizin. Die Gr├╝nde f├╝r eine Ansteckung mit dem HI-Virus sind ebenso unterschiedlich wie die Verteilung zwischen West- und Osteuropa.

W├Ąhrend im Osten des Kontinents 43% der Neuansteckungen auf den Gebrauch von infizierten Artikeln zum Drogenkonsum wie Nadeln und Spritzen fielen und 48% auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr zur├╝ckzuf├╝hren sind, verh├Ąlt es sich im Westen bedeutend anders. Hier fallen 39% der Neuinfektionen auf gleichgeschlechtlichen Sexualverkehr zur├╝ck und eine gro├če Zahl auf Migranten, deren Herkunft eine Region mit einem hohen Anteil an HIV Infizierten ist wie beispielsweise der s├╝dliche Teil Afrikas, wo die eigene Erkrankung nicht erkannt wurde.

Viele Probleme, wenige Lichtblicke

Die Bek├Ąmpfung von HIV in Europa liefert gegenw├Ąrtig mehr Probleme als Lichtblicke. So wird gerade in Osteuropa von einer sehr hohen Dunkelziffer an Infizierten ausgegangen, die nicht als HIV positiv gemeldet sind. Eine Begr├╝ndung hierf├╝r kann man an der mangelnden Bereitschaft zur der Teilnahme an HIV Tests bei Risikogruppen sehen. So hatten sich in osteurop├Ąischen Staaten gerade einmal die H├Ąlfte der Prostituierten und lediglich ein Drittel der Konsumenten von Drogen einem HIV Test innerhalb der letzten zw├Âlf Monate unterzogen.

Ein weiteres Problem bei der Bek├Ąmpfung von HIV in Europa ist die ungleiche Verteilung von antiretroviralen Medikamenten. W├Ąhrend in West- und Mitteleuropa die Versorgung der Infizierten mit geeigneten Therapien ├Ąu├čerst erfolgreich verl├Ąuft, sieht es im ├Âstlichen Teil des Kontinents ganz anders aus. Hier fehlt es vielen Betroffenen an Medikamenten, sodass in vielen Regionen gerade einmal 23% der Infizierten einen antiretrovirale Therapie erhalten k├Ânnen. Auch im Bereich der Aufkl├Ąrung ist das Gef├Ąlle zwischen Ost und West gro├č.

Gerade Staaten in der N├Ąhe des asiatischen Raums investieren kaum Beitr├Ąge in die Aufkl├Ąrung. Dagegen werden in Westeuropa gro├če Kampagnen gestartet und bereits an Schulen ├╝ber die Ansteckungsm├Âglichkeiten informiert. Als Lichtblick kann man die Minderung des Ansteckungsrisikos bei Geburten betrachten. So konnte die ├ťbertragung bei Schwangerschaften von einer HIV infizierten Mutter auf das neugeborene Kind stark gemindert werden, da im Jahr 2010 ├╝ber 88% der Schwangeren mit dem HI-Virus ausreichend medizinisch versorgt wurden. Auch die Ansteckung durch eine Bluttransfusion wird innerhalb Europas immer geringer. Denn viele Staaten verpflichten sich gesetzlich dazu, gespendetes Blut auf den HI-Virus zu testen.

Ma├čnahmen gegen HIV in Europa

Ma├čnahmen zur Bek├Ąmpfung von HIV in Europa gibt es viele. Die meisten sind dabei national beschr├Ąnkt. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass Staaten, die mehr in die Aufkl├Ąrung von HIV investieren wie beispielsweise Deutschland, weniger Infizierte aufweisen als solche, die kaum Ma├čnahmen treffen wie die Ukraine. Da HIV ein grenz├╝bergreifendes Problem ist, hat sich die Weltgesundheitsorganisation kurz WHO daran gemacht, das Problem europaweit zu l├Âsen. Die WHO hat im Europ├Ąischen Aktionsplan gegen HIV/ Aids (2012 – 2015) Ziele und Ma├čnahmen formuliert, die auf dem ganzen Kontinent zur Bek├Ąmpfung von HIV greifen sollen.

Die Ziele f├╝r Europa lauten demnach, dass man die Ausbreitung des HI-Virus erheblich eind├Ąmmt und sp├Ątesten im Jahr 2015 zu einer Trendwende kommt. Dazu soll ebenfalls ein allgemeiner Zugang f├╝r Pr├Ąvention, Behandlung und Betreuung im Zusammenhang mit HIV bis 2015 geschaffen werden. Dabei setzt die WHO auf 4 strategische Schwerpunkte zum Erreichen ihrer Ziele:

  1. Schwerpunkt 1 sieht vor, dass die Pr├Ąvention, Diagnose und Behandlung von HIV optimiert wird. Hierbei sollen gezielte HIV Tests bei Risikogruppen durchgef├╝hrt werden, einen besseren Zugang zu Kondomen geschaffen werden, Aufkl├Ąrung unter Drogenkonsumenten bez├╝glich der Gefahren bei der Benutzung gebrauchter Artikel wie Spritzen und Nadeln intensiviert werden und bessere Behandlung, Pflege und Unterst├╝tzung von HIV Infizierten gew├Ąhrleistet sein.
  2. Der 2. Schwerpunkt will weiter reichende gesundheitliche Resultate durch Ma├čnahmen zur Bek├Ąmpfung des HI-Virus herbeif├╝hren. Dies bedeutet, dass man durch Ma├čnahmen gegen andere Krankheiten Erkenntnisse ├╝ber HIV gewinnt oder andersherum. So l├Ąsst sich beispielsweise bei einem Drogenentzug gleichzeitig ├╝ber die Gefahren von HIV aufkl├Ąren oder bei einer Geschlechtskrankheit auch ein HIV Test durchf├╝hren.
  3. Als strategischen Schwerpunkt 3 versteht man den Aufbau von starken und vor allem nachhaltigen Systemen. Hierbei setzt man besonders auf starke Gesundheitssysteme, die sich den Bed├╝rfnissen der HIV Infizierten anpassen, die ausreichende Bereitstellung von Medikamenten zur HIV Behandlung und auch die Verbesserung der Qualit├Ąt der angebotenen Leistungen. Dazu ist unter diesem strategischen Punkt auch enthalten, dass besonders die einzelnen Akteure aus Politik, Medizin, Pflege und Gesellschaft enger miteinander vernetzt sind, um somit effektiver zusammen arbeiten zu k├Ânnen.
  4. Der strategische Schwerpunkt 4 zielt auf den Abbau sozial und strukturell bedingter Hindernisse beim Zugang zu den Angeboten. Dabei sollen Gesetze der Bek├Ąmpfung von HIV nutzen, Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen vorgebeugt werden und die Chancengleichheit beim Zugang verbessert werden. Nebenbei ist in diesem europaweiten Ma├čnahmenkatalog Evaluierung und Kontrolle von gro├čer Bedeutung. Denn durch das st├Ąndige Pr├╝fen der einzelnen Institutionen erhofft man sich weitere Erkenntnisse und Fortschritte zur Bek├Ąmpfung von HIV in Europa.

Mit dem Europ├Ąischen Aktionsplan gegen HIV/ Aids durch die WHO ist Europa ein kontinentaler Plan gegen die Ausbreitung des HI-Virus an die Hand gelegt. Die Ziele sind hochgesteckt, aber dennoch bleibt zu hoffen, dass sich die Ma├čnahmen umsetzen lassen. Denn HIV in Europa ist ein Problem, welches allein von nationaler Seite aus nicht gel├Âst werden kann, sondern ein gemeinschaftliches Handeln ├╝ber die staatlichen Grenzen hinaus voraussetzt.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt ├╝berarbeitet am: 12. Oktober 2020.
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