HIV in Bulgarien

Bulgarien hat mit einem offiziellen Anteil von 0,1% an der Gesamtbevölkerung relativ wenig HIV Infizierte im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten. Dennoch warnen viele Wissenschaftler und Organisationen davor, dass sich die Epidemie in Bulgarien rasch ausbreiten könnte. Die Gründe dafür sind vielseitig und zeigen, dass HIV keine Grenzen kennt. Im weiteren Verlauf des Textes soll darauf hingewiesen werden, welches die Hauptursachen für die Erkrankung an HIV in Bulgarien sind, welche Gründe es für die Annahme gibt, dass sich HIV in Bulgarien erheblich ausbreiten könnte und welche Maßnahmen zur Bekämpfung des HI-Virus getroffen werden.

Hauptursachen für HIV Erkrankungen in Bulgarien

Wie bereits zu Beginn des Textes erwähnt, hat Bulgarien nach offiziellen Angaben einen geringen Anteil von HIV Kranken. Die Zahlen schwanken dabei von 2900 bis zu 5000 Betroffenen. Dabei erlangt Bulgarien einen Wert von circa 0,1% an Infizierten anteilig an der Bevölkerung. Die stärkste Risikogruppe bilden in Bulgarien die Drogensüchtigen. Dabei fehlt bei vielen Konsumenten von besonders intravenösen Rauschgiften das Verständnis dafür, dass Gegenstände zur Verwendung von Drogen wie Nadeln und Spritzen steril sein müssen, um sich vor Krankheiten wie HIV zu schützen.

Nadeln und Spritzen finden dabei unter Drogenkonsumenten mehrfach Verwendung und werden hinzu auch häufig untereinander geteilt. Somit steigt das Risiko einer HIV Infektion rapide an. Gerade in den bulgarischen Großstädten wie Sofia, Varna, Burgas und Plowdiw findet man viele HIV Kranke, die sich durch verunreinigte Nadeln und Spritzen mit dem HI-Virus infiziert haben. Eine ebenfalls große Risikogruppe bilden dazu die Homosexuellen. Homosexualität wird in Bulgarien noch immer stark stigmatisiert. Besonders in ländlichen Regionen des Landes werden Homosexuelle aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Das führt einerseits dazu, dass Homosexuelle ihre Neigung verheimlichen und anderseits dazu, dass sie ihre Heimat verlassen und sich in den bulgarischen Großstädten niederlassen, wo viele Homosexuelle mit dem HI-Virus infiziert sind.

Hinzu kommt auch noch, dass in Bulgarien die Bereitschaft zur Benutzung von Kondomen sehr gering ausfällt. Hierdurch verbreitet sich besonders unter den bereits stark getroffenen Bevölkerungsgruppen wie den Homosexuellen die Infektion am HI-Virus schneller. Dreiviertel der HIV Erkrankten in Bulgarien sind dabei männlichen Geschlechts. Die wesentlich geringere Verbreitung des HI-Virus in Bulgarien unter der weiblichen Bevölkerung lässt sich auf die teilweise traditionellen Lebensweisen zurückführen, wobei vorehelicher Geschlechtsverkehrs besonders bei Frauen als verwerflich angesehen wird. Die Infektionen von Neugeborenen durch ihre Mütter ist in Bulgarien gering, sodass hier noch nicht von einem Risiko ausgegangen werden kann.

Als Grund lässt sich hierbei die Behandlung von HIV nennen, auf welche später noch eingegangen wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die häufigsten Ansteckungen an HIV in Bulgarien auf den Drogenkonsum durch verunreinigte Gegenstände wie Nadeln und Spritzen zurückzuführen sind und zudem viele HIV Infektionen durch gleichgeschlechtlichen Sex unter Männern entstehen.

Gründe für die Ausbreitung von HIV in Bulgarien

Noch ist HIV in Bulgarien zu kontrollieren. Doch die Perspektive für das osteuropäische Land sieht schlecht aus. Zum einen ist bereits jetzt schon zu erkennen, dass die meisten Neuinfektionen am HI-Virus bei unter dreißigjährigen Bulgaren festzustellen ist. Dies geht auf einen Veränderung in der Lebensgestaltung zurück. Dabei zieht es einerseits immer mehr Bulgaren aus den ländlichen Regionen in die Großstadt und anderseits werden sexuelle Kontakte häufiger. Die alte Tradition, wo sich die Frau ihre Jungfräulichkeit für ihren Ehemann „aufhebt“, verschwindet immer mehr.

Durch den häufigeren Wechsel der Sexualpartner rückt ein weiteres Problem Bulgariens in den Mittelpunkt. Denn die Bereitschaft zur Verwendung von Kondomen ist unter den Bulgaren bedeutend gering. Kondome werden beispielsweise kaum als Schutz vor Geschlechtskrankheiten betrachtet, sondern fast nur als Verhütungsmittel einer Schwangerschaft. Zudem stören sich viele Bulgaren beim Sex an der Benutzung eines Kondoms und vertreten die Meinung, dass dadurch der Geschlechtsverkehr an Intensität verliert. Hierdurch wird deutlich, dass in Bulgarien generell eine Erkrankung an HIV als geringes Risiko betrachtet wird. Dies lässt sich einerseits auf den geringen Anteil von HIV Infizierten an der Bevölkerung zurückführen, welches viele Menschen glauben lässt, dass der HI-Virus keine reale Bedrohung bedeuten würde und andererseits auf die lange Zeit vernachlässigten Aufklärungskampagnen im Land. Zudem wird HIV in Bulgarien zwar ausreichend therapiert, dennoch lässt die Erkennung des HI-Virus zu wünschen übrig.

HIV wird in den meisten Fällen durch Voruntersuchungen bei einer Operation diagnostiziert. Die Bereitschaft der Bevölkerung, sich einem HIV Test zu unterziehen, ist dabei gering. Auch das ist mit der schlechten Aufklärung der Bevölkerung im Bezug auf HIV zu begründen. Denn da der HI-Virus meist in der Anfangsphase keine größeren Symptome aufzeigt, lassen sich wenige Menschen darauf testen, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, sich mit HIV infiziert haben zu können. Neben den Lebenswandel innerhalb der Gesellschaft, der mangelhaften Aufklärung der Bevölkerung und der ungenügenden Früherkennung sehen Wissenschaftler und Organisationen Bulgarien besonders von HIV bedroht an, weil die Staatsgrenzen immer mehr verschwinden.

Als Mitglied der Europäischen Union wird Bulgarien immer mehr zum Ziel von Einwanderern aus anderen osteuropäischen Staaten und den Ländern Westasiens. Die Migranten erhoffen sich dabei politische Stabilität, besser Arbeitsbedingungen und einen höheren Lohn als in ihrer Heimat. Hierdurch wird Bulgarien nicht nur in der Migrationspolitik vor schwere Aufgaben gestellt, sondern auch erheblich im gesundheitlichen Bereich. Denn in vielen Heimatländern der Migranten wird wenig zur Bekämpfung des HI-Virus gemacht. Somit sind unter den Einwanderern in Bulgarien auch viele HIV Infizierte vorzufinden. Dadurch gehen Wissenschaftler und Organisationen davon aus, dass die Zahl der Infizierten in Bulgarien in nächster Zeit erheblich ansteigen könnte, wenn man in Bulgarien nicht stärker gegen HIV vorgeht. Hieran wird deutlich, dass HIV keine Grenzen kennt und selbst ein bisher kaum von der HIV Epidemie getroffenes Land wie Bulgarien sich in einer globalisierten Welt besser für den Kampf gegen den HI-Virus rüsten muss.

Maßnahmen gegen den HI-Virus in Bulgarien

Die Warnung vor einer Ausbreitung von HIV in Bulgarien sind berechtigt. Denn besonders die Aufklärungsarbeit wird in Bulgarien vernachlässigt. Jedoch ist Bulgarien in der Behandlung von HIV bisher gut aufgestellt. Die Kosten der Behandlung werden dabei vollkommen vom Staat übernommen. Dabei können die HIV Erkrankten auf eine Behandlung durch antiretrovirale Medikamente bauen und werden auch sonst durch andere Therapieformen unterstützt. Deshalb ist auch die Ansteckungen von Neugeborenen an HIV durch ihre Mutter in Bulgarien sehr gering.

Durch die Therapieformen kann somit die Lebensqualität der HIV Patienten beibehalten werden. Dennoch bleibt abzuwarten, wie das bulgarische Gesundheitssystem mit einem erheblichen Anstieg von HIV Infizierten umgehen kann. Schließlich ist die Zahl der HIV Patienten gegenwärtig gering. In der Erkennung von HIV in Bulgarien zeigen sich weitere Mängel. Denn wie bereits erwähnt, wird HIV hauptsächlich im Vorfeld von Operationen entdeckt und die Durchführung und Bereitschaft für HIV Tests ist gering.

Deshalb liegt hier das Augenmerk von Organisationen. Das bulgarische Gesundheitsministerium hat die Warnungen ernst genommen. Mit dem nationalen Anti-Aids Programm werden in zahlreichen Bezirken des Landes kostenlos Kondome verteilt, besonders in Schulen und unter Risikogruppen soll gezielt über HIV aufgeklärt werden und auch die Medien sollen häufiger über den HI-Virus berichten. Der Globale Fonds investierte zur Unterstützung im Kampf gegen Aids und HIV bis zum Ende von 2011 über 3 Millionen Euro in Bulgarien. Es bleibt abzuwarten, ob die Maßnahmen greifen. Im Kampf gegen HIV ist Bulgarien gerade für die Europäische Union ein wichtiger Schauplatz. Von hier gelangen viele Migranten aus Osteuropa und Asien in die EU und damit auch der HI-Virus. Deshalb sollte Bulgarien von der gesamten EU unterstützt werden, um eine Ausbreitung von HIV zu verhindern.

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