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HIV in S├╝dafrika

In den afrikanischen L├Ąndern, vor allem im S├╝den Afrikas, zeigt sich die HIV- und AIDS-Problematik sehr unterschiedlich im Vergleich zu der auf dem amerikanischen oder dem europ├Ąischen Kontinent. Grund daf├╝r sind einerseits die gro├čen demographischen Unterschiede zu den westlichen Industrienationen, andererseits auch die in praktisch allen afrikanischen L├Ąndern noch immer weit verbreitete strukturelle Armut und die weithin unzureichenden Regierungsorganisationen der meisten afrikanischen Staaten.

Lokale Besonderheiten der Kultur und Gesellschaft f├╝hren aber weiterhin dazu, dass beispielsweise die prim├Ąren Ansteckungswege ganz andere sind, als in westlich orientierteren Kulturkreisen. S├╝dafrika nimmt auf dem afrikanischen Kontinent dabei eine Sonderstellung ein: es gilt als eines der wirtschaftlich am weitesten entwickelten L├Ąnder des Kontinents, mit in manchen Teilen des Landes herrschenden, westlichen Standards.

Nach der ├ťberwindung der Apartheid kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und zu einer Verbesserung des Lebensstandards und der medizinischen Versorgung f├╝r weite Teile der Bev├Âlkerung – aber eben nicht f├╝r alle, und nicht in allen Teilen des Landes. S├╝dafrika ist also vor allem gepr├Ągt von einer sehr unterschiedlichen Pr├Ąvalenz, aber auch von sehr wechselhaften Bedingungen bei der Diagnose, der Behandlung, der Aufkl├Ąrung und der Pr├Ąvention von HIV-Infektionen und AIDS.

Demographische Besonderheiten in S├╝dafrika, die sich auch auf HIV und HIV-bezogene Erkrankungen auswirken

Zum ersten einmal gibt es in S├╝dafrika eine sehr gro├če Kluft zwischen armen und reichen Gebieten. Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs kann ein gro├čer Teil der Bev├Âlkerung nicht von einem wesentlich erh├Âhten Lebensstandard profitieren, viele Gebiete gelten auch noch heute als unterentwickelt. Rund 60 Prozent aller S├╝dafrikaner leben in den gro├čen St├Ądten, weitaus die meisten in der Provinz Gauteng, die am dichtesten besiedelt ist.

Die gro├če Mehrheit der Bev├Âlkerung lebt hier aber in sogenannten Townships, unterentwickelten Vorst├Ądten rund um die gro├čen Ballungszentren, mit vergleichsweise relativ wenig Zugang zu Bildung und Ausbildung. Die ├╝brigen 40 Prozent leben in teils immer noch stark unterentwickelten Landgebieten mit sehr niedriger Bev├Âlkerungsdichte. In diesen Bereichen sind sowohl die Aufkl├Ąrung als auch die medizinische Versorgung in Bezug auf HIV in S├╝dafrika immer noch mehr als mangelhaft und nur schlecht organisiert.

Ein explosives, stetig anhaltendes Bev├Âlkerungswachstum mit niedriger durchschnittlicher Lebenserwartung – im Mittel rund 49,2 Jahre – f├╝hrt dazu, dass nahezu 30 Prozent der Bev├Âlkerung Kinder und Jugendliche sind, praktisch der gesamte Rest zwischen 15 und 55 Jahre alt ist. Das wirkt sich nat├╝rlich auch deutlich auf die Pr├Ąvalenz von HIV in S├╝dafrika aus.

HIV in S├╝dafrika – die Zahlen

Insgesamt – bezogen auf die Gesamtbev├Âlkerung – lag der Anteil der HIV-Infizierten in S├╝dafrika 2005 noch bei einem Wert von knapp ├╝ber 30 Prozent. Das war selbst zum damaligen Zeitpunkt noch weitaus h├Âher als in vielen anderen afrikanischen Staaten. F├╝r das Jahr 2008 geben die statistischen Untersuchungen aber bereits eine Quote von nur noch rund 18,5 Prozent der Gesamtbev├Âlkerung an – zum damaligen Zeitpunkt aber immer noch einer der Spitzenwerte unter den afrikanischen Staaten.

Zum Vergleich: der weltweite Durchschnittswert betr├Ągt – und betrug auch zum damaligen Zeitpunkt – nur knapp ├╝ber 1 %. Mittlerweile d├╝rften die Werte auch in S├╝dafrika in den vergangenen Jahren durch sehr engagiert betriebene Projekte, eine Vielzahl von nationalen und internationalen Programmen und durch intensives Bem├╝hen der Regierung noch einmal gesunken sein – aufgrund der anhaltenden sozialen Probleme in S├╝dafrika kann man aber davon ausgehen, dass die Rate f├╝r HIV in S├╝dafrika immer noch vergleichsweise sehr hoch ist.

Vor allem in den vielen l├Ąndlichen Gebieten greifen Aufkl├Ąrungsma├čnahmen nur schwach, und einige Kulturtraditionen, wie etwa traditionelle Polygamie und die hohe Geburtenrate besonders in solchen Gebieten, tun das Ihre dazu um die Rate von HIV in S├╝dafrika nur langsam sinken zu lassen. Zudem sind diese Gebiete f├╝r Aufkl├Ąrungsarbeit oft nur schwer zug├Ąnglich – aus demographischen und kulturellen Gr├╝nden. Im Vergleich der unterschiedlichen Provinzen zeigt sich deutlich die h├Âchste Pr├Ąvalenz f├╝r HIV-Infektionen in der Provinz KwaZulu-Natal, dicht gefolgt von Mpumalanga und Free State. Die am dichtesten besiedelte Provinz Gauteng hat – trotz guter medizinischer Vorsorge – immer noch einen Platz im oberen Drittel der Provinzen. Das l├Ąsst sich auf die teilweise sehr schwierigen Bedingungen in den dicht besiedelten Townships zur├╝ckf├╝hren. Auch die Kriminalit├Ątsrate ist dort eine der h├Âchsten des Landes.

Gr├╝nde f├╝r die hohe HIV-Quote in S├╝dafrika

Ganz allgemein sind f├╝r die Unterschiede in der HIV-Pr├Ąvalenz zwischen den nord- und s├╝dafrikanischen Staaten wohl zwei wesentliche Gr├╝nde ausschlaggebend: einerseits der hohe westliche Einfluss auf die nordafrikanischen Staaten, der bei den s├╝dafrikanischen Staaten fehlt, und andererseits die Sahara als nat├╝rliche Barriere f├╝r die virale Ausbreitung. In S├╝dafrika selbst liegen die Gr├╝nde vor allem in der immer noch hohen Armut in vielen Teilen des Landes und im nur sehr schlechten Zugang zu Bildung f├╝r weite Bev├Âlkerungsschichten.

Dazu kommt eine nur sehr mangelhafte medizinische Versorgung f├╝r weite Teile der Bev├Âlkerung, und auch das Fehlen von finanziellen Mitteln f├╝r die Behandlung. Die schlechte medizinische Grundversorgung machte auch f├╝r lange Zeit die Diagnose und Fr├╝herkennung von HIV-Infektionen sehr schwierig. Als grundlegend kann auch eine sehr mangelhafte Regierungsorganisation in jedem Fall bis zum Ende der Apartheid Anfang der neunziger Jahre, teilweise auch noch in den Jahren danach, angesehen werden. Kampagnen zur Aufkl├Ąrung und zur besseren und umfassenderen Behandlung von HIV-Infektionen wurden vergleichsweise erst sehr sp├Ąt gestartet.

Bei Pandemien, wie die HIV-Infektion ganz sicherlich eine ist, ist aber vor allem wichtig, m├Âglichst fr├╝h mit der Eind├Ąmmung zu beginnen. In Bezug auf HIV in S├╝dafrika war das ganz sicher nicht der Fall. Auch nach Konsolidierung einer stabilen Regierung gingen die Fortschritte der Kampagnen nur langsam vor sich, ebenso die Besorgung von ausreichend finanziellen Mitteln und Medikamenten und die Teilnahme an internationalen Programmen wie etwa von UNAIDS. In einigen Bereichen des Landes sind auch bis heute viele der Kampagnen und auch die Behandlung und Versorgung bis heute noch sehr mangelhaft. Die anhaltende soziale Problemlage S├╝dafrikas verhindert dabei ebenfalls weitere Fortschritte der Programme. Sozial spielen heute noch in vielen Schichten Tabuisierung, Prostitution und Diskriminierung von HIV-Infizierten eine mehr oder weniger bedeutsame Rolle neben den polygamen oder kulturellen Traditionen, die eine Ausbreitung des HI-Virus in S├╝dafrika in vielen Gebieten und Bereichen weiter f├Ârdern.

Projekte, Programme und F├Ârderungen zur Pr├Ąvention von HIV in S├╝dafrika

Die Zusch├╝sse der Weltbank und von PEPFAR (President’s Emergency Plan for Aids Relief), eine amerikanische Initiative die noch auf die Bush-Regierung zur├╝ckgeht, waren bei weitem die wichtigsten Geldgeber f├╝r die Bek├Ąmpfung von AIDS und HIV in S├╝dafrika, w├Ąhrend die UN-Initiative UNAIDS wohl zum wichtigsten KnowHow-Geber geh├Ârte. In weiten Teilen S├╝dafrikas, auch in der am st├Ąrksten betroffenen Provinz KwaZulu Natal, sind es aber vor allem kleine Freiwilligen-Gruppen, die Aufkl├Ąrung und Hilfe bieten, oft nur im d├Ârflichen Rahmen. Sie stehen manchmal – aber bei weitem nicht immer – auch in Verbindung mit der nationalen Initiative AFSA (Aids Foundation South Africa). In Zukunft will die AFSA aber mit besonderen Projekten diese kleinen Gruppen besser unterst├╝tzen und m├Âglichst auch entlasten.

Ausblick auf die Zukunft

S├╝dafrika wird mit Sicherheit auch noch weiterhin f├╝r viele Jahre eines der von HIV am st├Ąrksten betroffenen L├Ąnder weltweit sein. Um die HIV-Quote nachhaltig zu senken bedarf es in S├╝dafrika auch noch der Beseitigung einer gro├čen Zahl von sozialen und gesellschaftlichen Hemmnissen, was in manchen Kulturkreisen des Landes und in Anbetracht der allgemein schwierigen sozialen Lage im Land wohl noch lange dauern wird. Auch wenn die internationalen Hilfen und Hilfsprogramme bereits einiges bewirkt haben, hat S├╝dafrika in diesem Bereich sicherlich noch einen langen Weg vor sich.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt ├╝berarbeitet am: 14. Oktober 2020.
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