HIV – Humanes Immundefizienz-Virus

Ein knapp zwei Seiten langer Aufsatz gilt heute als erster wissenschaftlicher Beitrag zum Thema Aids. Verfasst hat ihn Michael Gottlieb von der University of California in Los Angeles. Im Juni 1981 schrieb Gottlieb im wöchentlichen Bulletin der US-Gesundheitsbehörde über fünf junge Männer, die an einer äußerst seltenen Lungenentzündung erkrankt waren. Es handelte sich um homosexuelle Männer, von denen zwei bereits verstorben waren, als der Artikel erschien. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass die Erkrankten das HI-Virus in sich trugen. Die bislang noch unheilbare Krankheit entwickelte sich rasch zur Pandemie und verbreitete sich in Länder und Kontinente.

Französische Forscher entdecken HI-Virus

Das Virus selbst wurde erst 1983 von den französischen Forschern Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier entdeckt. Im November 2008 erhielten sie für ihre Leistung den Nobelpreis für Medizin. Aber auch Robert Gallo beanspruchte für sich, der Entdecker des Virus zu sein. Gallo beschrieb im Journals Science die Entdeckung eines Virus, das für Aids verantwortlich sein könnte. Seine Entdeckung hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler: Die Probe stammte aus dem Labor von Luc Montagnier, der sie seinem Kollegen zur Begutachtung geschickt hatte. Danach entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit, denn die Entdeckung des Virus ermöglichte es erst, einen Bluttest zu entwickeln. Wobei es letztlich auch um viel Geld für den Inhaber des Patents ging.

Täglich 7.000 Neuinfektionen

30 Jahre nach der ersten Beschreibung der Krankheit sind nach Angaben von UNAIDS, dem Aidsprogramm der Vereinten Nationen, 33 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Mehr als 25 Millionen Menschen sind in den letzten 30 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit gestorben. In Deutschland sind derzeit circa 70.000 HIV-positiv und/oder an Aids erkrankt. Im Jahr 2010 wurden 3.000 Neuinfektionen gezählt. Weltweit stecken sich täglich 7.000 Menschen an, darunter rund 1.000 Kinder.

Allein in Afrika südlich der Sahara trifft es pro Tag mehr als 4.800 Menschen. In Deutschland sind zwar die Neuansteckungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Einen Grund zur Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Besonders in den armen Regionen der Welt fehlt es nach wie vor an Aufklärung und einer ausreichenden ärztlichen Versorgung der HIV-positiven Menschen.

Herkunft des HI Virus: Affen

Lange Jahre wurde über die Herkunft des Virus spekuliert. Erst 2005 erbrachte ein internationales Forscherteam den Beleg dafür, dass das HI-Virus ursprünglich vom Affen stammt. Das Ergebnis basiert auf 446 Kotproben, die von freilebenden Affen in Kamerun genommen wurden. In zahlreichen Proben wurden Antikörper gegen SI-V festgestellt. SI-V ist die HI-V-Version bei Schimpansen. Zuvor wurde das Virus nur bei Schimpansen in Gefangenschaft nachgewiesen. Im 20. Jahrhundert infizierten sich erstmals Menschen mit SI-V.

Die Schimpansen wiederum sollen sich bei anderen Affenarten angesteckt haben. Das würde bedeuten, dass das Virus wenigstens zweimal die Artengrenze überschritten hat: Vom Affen zum Menschenaffen und von diesem zum Menschen. Wie die Übertragung auf den Menschen stattgefunden hat, ist allerdings noch nicht geklärt. Es wird aber vermutet, dass der Verzehr von Fleisch infizierter Affen die Ursache sein könnte.

HIV-1 und HIV-2

HIV ist die Abkürzung für das Humane Immundefizienz-Virus. Diese Bezeichnung wurde 1986 vom International Committee on Taxonomy of Viruses empfohlen. Das menschliche Immunschwäche-Virus gehört zur Familie der Retroviren und zur Gattung der Lentiviren. Nach dem heutigen Wissensstand sind zwei Arten von HI-Viren bekannt. Es wird unterschieden zwischen HIV-1 und HIV-2. Innerhalb dieser beiden Arten gibt es zahlreiche Subtypen. HIV-1 tritt häufiger in Erscheinung und gilt als Haupterreger von Aids. HIV-1 und HIV-2 haben einen ähnlichen Krankheitsverlauf, wobei die Infektion bei HIV-1 langsamer verläuft.

HIV Andock-Mechanismen

Im Gegensatz zu Bakterien haben Viren keinen eigenen Stoffwechsel. Deshalb können sie sich auch nicht selbst vermehren. Sie benötigen dazu die Zellen anderer Lebewesen. Beim Menschen sind das die Wirtszellen. Das HI-Virus ist extrem klein. Auf einem Millimeter finden 10.000 Viren aufgereiht Platz. In der äußeren Hülle des kugelförmigen Virus befinden sich die Andockstellen. Die Andocker ähneln Nadeln, die sich mit der Wirtszelle verbinden. Im Inneren des Virus, vergleichbar mit einer Kapsel, steckt die Erbinformation. Außerdem ist das Virus mit verschiedenen Werkzeugen ausgestattet – Enzyme, die behilflich sind, die T-Helferzelle zu zerstören.

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Virus und dem Auftreten der ersten Symptome, ist unterschiedlich lange. Bis zum Ausbruch der Krankheit können mehrere Jahre vergehen. Die Erkrankung selbst wird Aids bezeichnet, die Abkürzung für acqired immunodeficiency Syndrome (erworbenes Immunschwäche Syndrom).

Nach der Ansteckung

Was geschieht nach der Ansteckung im Körper? Das Virus schädigt die körpereigene Abwehrkräfte. Das Immunsystem schützt unseren Organismus. Es besteht aus einer Vielzahl von Zellen, deren Aufgabe darin besteht, Eindringlinge wie Viren, Bakterien oder Pilze auszumerzen. Das HI-Virus hat es aber nicht auf irgendwelche Zellen abgesehen, sondern stürzt sich gleich auf die ranghöchsten Zellen im Immunsystem. Hierbei handelt es sich um die T-Helferzellen, eine Form von weißen Blutkörperchen, die auch CD4-Zellen genannt werden. An diese CD4-Zellen dockt das HI-Virus an. Das HI-Virus wird bald nach dem Andocken komplett von der T-Helferzelle aufgenommen. Die Infizierung ist somit vollständig erfolgt.

In der nächsten Phase löst sich die Hülle des Virus, so dass die Erbinformation in der CD4-Zelle freigesetzt wird. Zugleich beginnt auch die Vermehrung des HI-Virus. Es programmiert mit Unterstützung der Reversen Transkriptase (RT) die Erbinformation der T-Helferzelle. Bei Reversen Transkriptase handelt es sich um eines der bereits erwähnten Enzyme. Es umschreibt das RNA in DNA. Das HI-Virus setzt nun seine eigene Erbinformation in die T-Helferzelle ein. Dies geschieht mit Integrase, einem weiteren Werkzeug, das dem Virus zur Seite steht. Es ist ebenfalls ein Enzym von Retroviren. Ist die Erbinformation in die Wirtszelle eingebaut, hat die T-Helferzelle keine andere Möglichkeit, als massenhaft neue Virenbestandteile zu produzieren.

Nun kommt das dritte Werkzeug des HI-Virus zum Einsatz, wiederum ein Enzym. Die Protease setzt die von der Wirtszelle hergestellten Virenbestandteile zu neuen HI-Viren zusammen, die dann die T-Helferzelle verlassen und andere CD4-Zellen infizieren. Durch die ständige Vermehrung der HI-Viren stirbt die Wirtszelle ab. Andocken und Umprogrammierung der Erbinformation in der Wirtszelle geschieht in einem Zeitraum von etwa zehn Stunden. Das HI-Virus ist äußerst wandlungsfähig und kann in kürzester Zeit verschiedene Unterarten entwickeln.

Irgendwann gewinnen die HI-Viren die Oberhand. Es gibt nicht mehr genügend T-Helferzellen, die den Körper gegen Krankheitserreger schützen können. HIV-positive Menschen sind nun anfälliger für Infektionserkrankungen, die bei einem intakten Immunsystem keinen Schaden anrichten würden.

Übertragungswege

Um sich zu infizieren, muss eine hohe Menge an HI-Viren in die Blutbahn gelangen. Das Virus ist außerhalb des Körpers nur kurzzeitig lebensfähig, da es auf Umwelteinflüsse sehr empfindlich reagiert. Im Körper eines Menschen befindet sich das Virus in verschiedenen Körperflüssigkeiten. Dazu zählen Blut, Sperma, Scheidenflüssigkeit, Menstruationsblut, Flüssigkeit in der Darmschleimhaut und die Muttermilch.

Das Virus kann dann übertragen werden, wenn eine Körperflüssigkeit, die zahlreiche HI-Viren enthält, in den Körper eines anderen Menschen gelangt. Bei einem HIV-positiven Menschen finden sich die meisten Viren in Blut und Sperma. Daher zählt ungeschützter Geschlechtsverkehr zu den häufigsten Übertragungswegen. Besonders risikoreich ist Analverkehr ohne Kondom, denn die Darmschleimhaut kann das Virus leicht aufnehmen und enthält auch viele HI-Viren.

Wegen minimaler Verletzungen der Scheidenschleimhaut kann das Virus beim Vaginalverkehr in das Blut der Frau gelangen. Auch Oralverkehr ist nicht frei von Risiken, wenn das Virus über Sperma oder Menstruationsblut in den Mund des Partners oder der Partnerin gelangt. Das Risiko, sich oder andere mit HI-Viren zu infizieren erhöht sich, wenn noch andere sexuell übertragbare Geschlechtskrankheiten hinzukommen. Dazu zählen Herpes genitalis, Hepatitis B und Gonorrhö, umgangssprachlich auch als Tripper bezeichnet. Durch die Entzündungen werden die Schleimhäute dünner und dadurch durchlässiger für das Virus. Im umgekehrten Fall enthalten entzündete Schleimhäute besonders viele Viren.

Drogenabhängige sind in Gefahr sich anzustecken, wenn sie gebrauchte Spritzen oder Nadeln benutzen. Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko während der Schwangerschaft einer Frau, die mit dem Virus infiziert ist. Das gilt auch für die Geburt und beim Stillen.

Keine Gefahr bei alltäglichen Kontakten

Viele Menschen fürchten noch immer, sie könnten bei einem Krankenhausaufenthalt über verseuchte Blutkonserven angesteckt werden. Aber nach der Einführung moderner Testmethoden ist die Gefahr einer Übertragung auf dem Wege einer Bluttransfusion äußerst minimal. Jeder Blutspender muss sich einer Routineuntersuchung auf HIV-Antikörper unterziehen. Auch eine Ansteckung durch Mückenstiche ist praktisch ausgeschlossen.

Bei alltäglichen Kontakten besteht ebenfalls keine Gefahr, sich mit HIV anzustecken. Zwar kommt das Virus auch in Urin, Stuhlgang, Tränen und Schweiß vor, aber die Mengen sind so gering, dass sie für eine Infizierung nicht ausreichen. Beim Händeschütteln und bei Umarmungen kann absolut nichts passieren. Man kann auch bedenkenlos aus dem Glas eines anderen Menschen trinken, gemeinsam Teller, Bestecke und Handtücher benutzen – die Ansteckungsgefahr ist gleich null. Auch Küssen ist nicht verboten. Hier ist nur dann Vorsicht angesagt, wenn beispielsweise nach einem zahnärztlichen Eingriff eine blutende Wunde vorliegt.

Wer sich versehentlich an einer weg geworfenen Spritze verletzt hat oder anderweitig einer akuten Ansteckungsgefahr ausgesetzt war, sollte innerhalb von zwei und spätestens vor Ablauf von 24 Stunden einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, damit eine Postexpositionelle Prophylaxe (PEP) durchgeführt werden kann. Als Postexpositionelle Prophylaxe wird allgemein eine medikamentöse Behandlung nach möglichem Kontakt mit den Erregern einer potentiell gesundheitsgefährdenden Erkrankung bezeichnet. Damit soll ihr Ausbruch zu verhindert werden. Die Prophylaxe betraf ursprünglich beispielsweise medizinisches Personal, um ein Infektionsrisiko nach einer Stichverletzung mit einer Injektionsnadel zu unterbinden. Heut gilt diese Nachsorge auch für alle anderen Personen. Ein Beispiel wäre hier eine drohende HIV-Infektion nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner.

Prävention vor Ansteckung

Der einzige wirksame Verhütungsmittel gegen eine Ansteckung beim Geschlechtsverkehr ist das Kondom, das gleichzeitig eine Schwangerschaft verhindert und wirksam gegen Geschlechtskrankheiten schützt. Voraussetzung ist allerdings, dass es richtig angewendet wird. Safer Sex ist deshalb so wichtig, weil rund 90% aller HIV-Infektionen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr entstehen. Was bedeutet Safer Sex? Der Begriff stammt aus dem Englischen. Gemeint ist damit geschützter Sex, der ein Verhalten verlangt, seinen Partner beziehungsweise seine Partnerin vor Körperflüssigkeiten vom eigenen Körper zu schützen.

Umgekehrt bedeutet es, sich vor Körperflüssigkeiten seines Partners oder seiner Partnerin zu schützen. Das heißt in erster Linie, beim vaginalen und analen Verkehr Kondome zu benutzen. Beim Analverkehr müssen besonders starke Kondome verwendet werden, damit das Kondom durch die höhere Beanspruchung nicht reißt. Neben der erhöhten Wanddicke wird zudem empfohlen, fettfreie Gleitmittel zu verwenden. Dieses Mittel sind auf der Basis von Wasser und Silikon hergestellt und greifen die Schutzhülle des Kondoms nicht an. Beim Oralverkehr ist darauf zu achten, dass weder Sperma noch Menstruationsblut in den Mund gelangen. Wer diese Vorkehrungen trifft, schützt sich und seinen Partner/seine Partnerin.

HIV-Test

Wer in der Vergangenheit ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, kann sich mit einem HIV-Test Klarheit verschaffen. Wie funktioniert der Test? Beim HIV-Antikörper-Suchtest wird das Blut auf Antikörper untersucht. Es sind Abwehrstoffe, die das körpereigene Abwehrsystem bildet, wenn der Körper vom HI-Virus befallen ist. Es handelt sich dabei um keinen Aids-Test. Mit der Untersuchung wird nicht festgestellt, ob ein Mensch bereits an Aids erkrankt ist oder demnächst erkranken wird.

Der Test ist sehr verlässlich. Von 1.000 Menschen, die mit dem Virus angesteckt sind, wird nur einer nicht erkannt. Aber es handelt sich um keinen Sofort-Test, der unmittelbar nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr ein positives oder negatives Ergebnis bringt. Das liegt daran, dass erst zwölf Wochen nach einer Ansteckung genügend Antikörper im Blut vorhanden sind, um den HI-Virus nachweisen zu können. Einem positiven Testergebnis folgt immer ein zweiter Test zur Bestätigung. Erst wenn dieser ebenfalls positiv ausfällt, wird dem Patienten das Resultat mitgeteilt. Es gibt verschiedene Testmethoden. Als besonders zuverlässig gilt der PCR-Test. Die Polymerase Chain Reaction (PCR) ist eine Methode, die zur Ermittlung des genetischen Fingerabdrucks auch in der Kriminalistik Anwendung findet und ebenso verlässlich Viren und Bakterien entdeckt.

Der HIV-Test kann bei Gesundheitsämtern und Aids-Beratungsstellen durchgeführt werden. Auf Wunsch auch anonym. Zum Test gehört auch eine umfassende Beratung. Auch beim Hausarzt kann ein HIV-Antikörper-Suchtest durchgeführt werden. Allerdings muss der Test aus eigener Tasche bezahlt werden. Die Kosten bewegen sich zwischen 20 bis 25 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur, wenn zum Zeitpunkt des Tests erste gesundheitliche Beschwerden vorliegen. Eine Ausnahme wird bei schwangeren Frauen gemacht. Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge werden die Kosten für den Test von den Krankenkassen übernommen.

Niemand darf gegen seinen Willen getestet werden. Ein Arzt, der seinen Patienten ohne dessen Einwilligung testet, macht sich strafbar.

Krankheitsverlauf ohne Behandlung

Wie verläuft die HIV-Infektion von der Ansteckung bis zum Ausbruch Aids, wenn keine Behandlung erfolgt? Beim Krankheitsverlauf werden vier Stadien unterschieden. Diese Stadien können unterschiedlich lang sein und sind gekennzeichnet durch verschiedene Symptome. In der ersten Phase der HIV-Erkrankung können drei bis sechs Wochen nach der Ansteckung Symptome auftreten ähnlich einer Grippe: Fieber, Durchfall, starkes Schwitzen, Müdigkeit und Anschwellungen der Lymphknoten.

Nach vier Wochen klingen diese Krankheitszeichen wieder ab. Viele Patienten gehen davon aus, eine Grippe oder eine Magen-Darm-Infektion überstanden zu haben. Der Körper hat inzwischen auf die HI-Viren reagiert und Antikörper gebildet. Die körpereigenen Abwehrkräfte kämpfen gegen das Virus an, können es aber auf Dauer nicht komplett ausschalten.

Nach der geschilderten Primärinfektion folgt das zweite Stadium der Erkrankung, die sogenannte Latenzphase. Nachdem die ersten Krankheitszeichen sich wieder verflüchtigt haben, treten zunächst keine weiteren Symptome auf, die einer Erkrankung zuzuordnen wären. Das HI-Virus vermehrt sich unterdessen weiter, während die T-Helferzellen weniger werden. Das Immunsystem wird weiter geschwächt. Der Patient ist zwar latent gefährdet, kann aber unter Umständen auch ohne Behandlung zwanzig Jahre frei von Symptomen leben. Die Dauer der Latenzphase hängt davon ab, wie viele Viren bei der Infektion übertragen wurden. Je mehr Viren, umso kürzer die symptomfreie Zeit.

Das dritte Stadium ist die Zeit, in der beim Infizierten zahlreiche Infektionskrankheiten auftreten. Das geschwächte Immunsystem versagt. Krankheiten in dieser Phase sind aber noch nicht lebensbedrohlich. Im Einzelnen kann es sich um Schwellungen der Lymphknoten handeln, Schweißausbrüche in der Nacht, Veränderungen der Haut und verschiedene Pilzerkrankungen. Auch dieses Stadium lässt sich zeitlich nicht exakt eingrenzen. Es kann sich über mehrere Jahre hinziehen und geht dann in das Vollbild der Aids-Erkrankung über.

Medizinische Behandlung / Therapie

Aber soweit muss es inzwischen nicht mehr kommen. War Aids früher eine Erkrankung mit unweigerlich tödlichem Ausgang, ist sie nun zu einer chronischen Krankheit geworden. Ein 20-jähriger, der mit dem Virus infiziert ist, kann bei rechtzeitiger Behandlung noch etwa 50 Jahre lang leben. Prominente wie der Schauspieler Rock Hudson oder der Sänger Freddie Mercury hatten nur eine geringe Lebenserwartung nach der Ansteckung und starben nach wenigen Jahren nach der Aids-Erkrankung.

Seitdem ist die Aids-Forschung einen großen Schritt weiter gekommen. Zwar ist eine vollständige Heilung nach wie vor nicht möglich, aber mit einer antiretroviralen Therapie kann die Infektion gehemmt und sogar zu einem gewissen Stillstand gebracht werden. Der Einsatz der neuartigen Medikamente dient dazu, die Vermehrung der Viren zu reduzieren. Das körpereigene Immunsystem wird nicht weiter geschwächt. Wenn sich weniger Viren im Blut befinden, wird auch die Gefahr geringer, andere zu infizieren.

Die CD4-Zellzahl gibt Aufschluss über das Stadium der Infektion. Umso niedriger der Wert ist, umso geschwächter ist das Immunsystem. Sinkt die Zahl unter 200 pro Mikroliter Blut, versagt das Immunsystem. Es kann keine Abwehr gegen Infektionen mehr aufbauen. Die Viruslast ist besonders hoch. Der Patient erkrankt an zahlreichen weiteren Infektionen. Schließlich bricht das Vollbild Aids aus. Um das abzuwenden, muss die Behandlung frühzeitig einsetzen. Die antiretrovirale Therapie verhindert den frühzeitigen Tod. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat die einst empfohlenen Grenzwerte zum Beginn einer Therapie geändert. Lag der CD4-Wert bei 200 pro Mikroliter Blut, sollte jetzt die Behandlung bei einem Wert von 350 pro Mikroliter Blut beginnen. Zum Vergleich: ein gesunder Mensch hat zwischen 500 und 1.200 CD4-Zellen pro Kubikmillimeter im Blut.

Die Virusmenge im Blut sollte so niedrig sein, dass ein Viruslast-Test sie nicht mehr erfassen kann. Beide Werte, die CD4-Zellzahl und die Viruslast, müssen während der Therapie in regelmäßigen Abständen geprüft werden. Nur auf diese Weise lässt sich erkennen, ob die Behandlung anschlägt und eine nachhaltige Wirkung zeigt.

Um die Vermehrung des Virus zu bremsen, wird die sogenannte hochaktive antiretrovitale Therapie eingesetzt( abgekürzt HAART). Zum Einsatz kommen mindestens drei verschiedene Medikamente. Jedes Mittel wirkt auf eine andere Weise. In der Kombination der Medikamente wird das Ziel der Therapie erreicht. Würde der Arzt sich nur auf einen Wirkstoff beschränken, bestünde die Gefahr, dass das Virus mit der Zeit nicht mehr auf das Medikament reagiert. Es würde dagegen resistent werden. Die antiretrovitale Therapie dauert in der Regel ein Leben lang.

Therapietreue – sog. HIV Therapie Compliance

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die strikte Einhaltung des Therapieplans. Die Medikamente müssen zuverlässig und regelmäßig genau nach den Vorgaben des Arztes eingenommen werden. Therapietreue ist deshalb so wichtig, damit die Konzentration der Medikamente im Blut ausreichend hoch ist, um die Vermehrung der HI-Viren vollständig zu mindern. Sinkt diese Konzentration unter den notwendigen Wert ab, weil beispielsweise Tabletten vergessen oder nicht vorschriftsmäßig eingenommen wurden, können sich Resistenzen entwickeln, so dass die Behandlung scheitert.

Günstig ist es, die Therapie so weit wie möglich dem persönlichen Lebensrhythmus anzupassen. Im Alltag bedeutet das, die Tabletten zum Beispiel vor dem Zähneputzen oder nach dem Aufstehen einzunehmen. Hilfreich ist die Verwendung einer Tablettenbox für sieben Tage, die am besten eine Woche im Voraus gefüllt wird. Hier erkennt jeder sofort, wenn eine Einnahme vergessen wurde. Neigen sich die Medikamente dem Ende zu, muss rechtzeitig ein neues Rezept geholt und eingelöst werden. Reisen und andere Veränderungen im Alltag sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen und abgestimmt werden.

Keine Alternative zur antiretrovitalen Behandlung

Zur rechtzeitigen antiretrovitalen Therapie gibt es zurzeit keine Alternative. Aber ein früherer Behandlungsbeginn stellt die Gesundheitssysteme vor weitere finanzielle Herausforderungen. Schon nach den alten WHO-Empfehlungen müssten weltweit mindestens zehn Millionen HIV-Infizierte Arzneien erhalten. In Wirklichkeit sind es allerdings nur fünf Millionen Patienten, die ausreichend mit Medikamenten versorgt sind. Nach den neuen Empfehlungen für den CD4-Wert benötigen 15 Millionen Menschen weltweit eine Therapie. Sie kostet im günstigsten Fall 100 Euro pro Patient und pro Jahr.

Ziel muss es sein, die Medikamente zu verabreichen, bevor die ersten Krankheitssymptome auftreten. Ein früherer Behandlungsbeginn ermöglicht es den Infizierten, gesünder zu bleiben und länger zu leben. Studien zufolge könnte so die Sterberate von Aids-Erkrankten um 20 Prozent gesenkt werden. Vor allem Infektionen mit Tuberkulose-Bakterien könnten so in 90 Prozent der Fälle verhindert werden. Eine zusätzliche Tuberkulose (TBC) ist der häufigste Grund, weshalb HIV-Patienten sterben.

Im Jahr 2010 wurden 6,6 Millionen Menschen mit antiretroviralen Mitteln behandelt. Darunter waren 1,6 Millionen Patienten, die zum ersten Mal therapiert wurden

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