Was ist AIDS? РErklärung des Acquired Immune Deficiency Syndrome

AIDS steht als Abk√ľrzung f√ľr das Acquired Immune Deficiency Syndrome, was √ľbersetzt „erworbenes Immundefekt-Syndrom“ bedeutet. AIDS wird seit 1981 als eigenst√§ndige Erkrankung betrachtet und gilt als sogenannte Pandemie. Eine Pandemie ist eine Infektionskrankheit, die nicht √∂rtlich beschr√§nkt ist, d.h. sich global ausbreitet. Ausl√∂ser von AIDS ist eine Infektion des menschlichen Organismus mit dem Humanen Immundefekt Virus (HIV bzw. HI-Virus), wodurch eine Immunschw√§che ausgel√∂st wird. Die HI-Viren befallen insbesondere Zellen des k√∂rpereigenen Abwehrsystems und zerst√∂ren sie.

Eine Infektion mit dem HI-Virus bleibt h√§ufig lange Zeit unbemerkt, da das Vorhandensein der Viren im K√∂rper zun√§chst keine sp√ľrbaren Symptome hervorruft. Meistens kommt es einige Wochen nach der Infektion zu einer Abwehrreaktion des K√∂rpers mit Fieber und Abgeschlagenheit, was aber h√§ufig mit einer Grippe verwechselt wird. Erst nach einer variablen, meist √ľber Jahre andauernden Inkubationszeit (Zeitspanne, zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome) kommt es zu schlussendlich zu der Erkrankung AIDS. HIV ist daf√ľr verantwortlich, dass das Immunsystem des Menschen systematisch zerst√∂rt wird, indem sog. CD4-Helferzellen durch das HI-Virus eliminiert werden.

Die kontinuierliche Abnahme der im K√∂rper vorhandenen CD4-Helferzellen f√ľhrt zu einer zunehmenden Abwehrschw√§che des Immunsystems. Das stark eingeschr√§nkte Immunsystem macht es anderen Krankheitserregern einfach, den K√∂rper zu schw√§chen. Es kommt zu AIDS, einer spezifischen Kombination verschiedener Symptome. AIDS stellt die letzte Phase einer Infektion mit dem HI-Virus dar, daher ist es besonders wichtig, HIV nicht mit AIDS gleichbedeutend zu verwenden. Es gibt bisher keinen wirksamen Impfstoff gegen HIV.

AIDS Definition

Weltweit ist die Klassifikation anhand der CDC-Klassifikation die Gängigste. Hier werden die Infektionen mit HIV in drei Kategorien von A-C eingeteilt (klassifiziert). Die Klassen A und B enthalten symptomlose Infektionen und mit HIV in Verbindung gebrachte Symptome. Kategorie C beinhaltet jene Erkrankungen, die das erworbene Immundefekt-Syndrom definieren. Dazu zählen folgende Krankheitsbilder:

  • Candidose (Besiedlung mit Candida-Pilzen) der Bronchien, Luftr√∂hre, Lungen oder der Speiser√∂hre
  • Zytomegalievirus-Infektionen (au√üer Leber, Milz, Lymphknoten)
  • Enzephalopathie: krankhafte Ver√§nderungen des Gehirns
  • Herpes-simplex-Infektionen: chronische Ulzera (Geschw√ľre), die l√§nger als einen Monat andauern; oder Bronchitis, Lungenentz√ľndung, Speiser√∂hrenentz√ľndung
  • Histoplasmose: Pilzinfektion, prim√§r Befall der Lunge
  • Infektion mit Mycobakterien
  • Kaposi-Sarkom: bestimmte Form der Krebserkrankung
  • Kokzidioidomykose, Kryptokokkose: spezifische Arten von Pilzbefall
  • Kryptosporidiose: spezifische Durchfallerkrankungen, ausgel√∂st durch Sporentierchen
  • Lungenentz√ľndung (Pneumonie) unterschiedlicher Ursache h√§ufiger als zweimal j√§hrlich
  • Lymphome: Vergr√∂√üerung der Lymphknoten (darunter gutartige und b√∂sartige Auspr√§gungen)
  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie: Erkrankung des zentralen Nervensystems
  • Salmonellen-Septik√§mie
  • Tuberkulose
  • Toxoplasmose
  • Wasting-Syndrom: ungewollte, starke Gewichtsabnahme (Verlust von mehr als 10 Prozent des K√∂rpergewichts) durch Durchf√§lle, teilweise in Verbindung mit Fieber
  • Zervixkarzinom (Geb√§rmutterhalskrebs)

Nach den CDC-Richtlinien ist eine Diagnose nur nach erfolgtem und positiv bewertetem Test auf HIV m√∂glich. Erst nach einem Best√§tigungstest gilt die Diagnose AIDS als gesichert. Zus√§tzlich werden nach CDC-Klassifikation die Laborwerte √ľber die Anzahl CD4-Helferzellen in drei Kategorien von 1-3 eingeteilt. Eine Anzahl ab 500 CD4-Zellen / ¬Ķl z√§hlt in Kategorie 1, unter 500 bis 200 in Kategorie 2 und weniger als 200 CD4-Zellen/¬Ķl in Kategorie 3.

√úbertragung von HIV

Die Ansteckung mit HIV erfolgt in erster Linie √ľber K√∂rperfl√ľssigkeiten wie Blut, Samenfl√ľssigkeit, Vaginalsekret, Muttermilch und Gehirn-R√ľckenmarks-Fl√ľssigkeit. Das HI-Virus, das sich in den benannten K√∂rperfl√ľssigkeiten des Infizierten befindet, kann bei der nicht-infizierten Person in den Blutkreislauf gelangen, falls es in Kontakt mit dem Blutkreislauf kommt. Trifft also infizierte K√∂rperfl√ľssigkeit auf eine offene Wunde (z.B. in der Schleimhaut des Mundes, der Binde-, Anal-, Vaginal- oder Nasen-Schleimhaut), so kann das HI-Virus ungehindert in den Blutkreislauf der bislang HIV-negativen Person gelangen und sich dort ausbreiten. K√∂rperfl√ľssigkeiten wie Speichel, Tr√§nenfl√ľssigkeit, Urin oder Schwei√ü gelten als nicht infekti√∂s.

Die meisten Infektionen entstehen durch ungesch√ľtzten Vaginal- oder Analverkehr, aufnehmenden Oralverkehr und die Nutzung bereits gebrauchter, HIV-kontaminierter Nadeln zum intraven√∂sen Drogenkonsum. Medizinisches Personal ist zudem durch Nadelstichverletzungen gef√§hrdet. Die Verwendung von Bluttransfusionen stellte lange Zeit ein hohes Risiko f√ľr eine Ansteckung mit HIV dar. In Deutschland werden seit 1985 die Blutspender routinem√§√üig auf HI-Viren getestet, was das Risiko einer Ansteckung stark minimiert. Ein Restrisiko bleibt allerdings bestehen, da innerhalb der ersten ca. 25 Tage nach einer Neuinfektion des Blutspenders mit HIV der Routinetest f√ľr Blutspender noch keine Infektion erkennt.

Schwangere Frauen, die das HI-Virus in sich tragen, stecken das Ungeborene nicht zwangsl√§ufig mit dem Virus an. Eine √úbertragung von HIV w√§hrend der Schwangerschaft bzw. des Geburtsvorganges von der Mutter auf das Baby erfolgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 40 Prozent. Ist die Infektion der Mutter fr√ľh bekannt, kann die Gabe spezieller Medikamente ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel vor einer √úbertragung des HI-Virus sch√ľtzen. In Kombination mit dem Kaiserschnitt als geburtshilfliche Methode und durch den Verzicht auf das Stillen sinkt die √úbertragungswahrscheinlichkeit auf 2 Prozent.

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit dem HI-Virus, sollte so schnell als m√∂glich ein Arzt aufgesucht werden. Es besteht die M√∂glichkeit, eine sogenannte postexpositionelle Prophylaxe (PEP) durchzuf√ľhren. Idealerweise wird diese innerhalb von zwei Stunden nach der m√∂glicherweise erfolgten Infektion begonnen. Bei der PEP wird versucht, mittels Medikamentengabe √ľber einen Zeitraum von vier Wochen eine Infektion zu verhindern, selbst wenn der Erreger den Blutkreislauf erreicht hat. Je fr√ľher die PEP durchgef√ľhrt wird, desto wahrscheinlicher ist die Abwendung einer Infektion mit HIV. Die Wirksamkeit ist jedoch nur innerhalb von 24 Stunden nach erfolgter intraven√∂ser Infektion bzw. innerhalb von 72 Stunden bei Infektion √ľber Schleimh√§ute m√∂glich.

Durch die gro√üe Furcht der Menschen vor HIV und AIDS bestehen gegen√ľber HIV-positiven Personen h√§ufig starke Ber√ľhrungs√§ngste. Beim allt√§glichen Kontakt mit einem HIV-infizierten oder an AIDS erkrankten Menschen sind allerdings keine besonderen Hygienema√ünahmen erforderlich. Das HI-Virus ist aufgrund der √§u√üeren Einfl√ľsse au√üerhalb des K√∂rpers nicht lebensf√§hig. Eine √úbertragung durch das gemeinsame Anfassen von T√ľrklinken, Lichtschaltern etc. ist ausgeschlossen. Das gilt auch f√ľr H√§ndesch√ľtteln, Umarmen oder Streicheln, auch die gemeinsame Nutzung von Kleidung, Geschirr und Besteck gilt als ungef√§hrlich. Durch Husten und Niesen ist eine Ansteckung mit dem HI-Virus ebenfalls nicht zu erwarten. Die gemeinsame Nutzung √∂ffentlicher Einrichtungen wie Schwimmb√§der, Saunaeinrichtungen oder Schulen ist ebenfalls nicht mit dem Risiko einer Infektion mit HIV behaftet.

Auch wenn die mit HIV infizierte Person keine Krankheitssymptome aufweist und sich gesund f√ľhlt, so kann das HI-Virus in jedem Stadium der Infektion auf den benannten Infektionswegen andere Menschen anstecken. Schon zwei Tage nach einer Neuinfektion mit HIV kann das Virus an andere Personen √ľbertragen werden.

HIV-Test (im Volksmund f√§lschlicherweise: „Aidstest“)

Ein Test kann nur auf eine bestehende HIV-Infektion hin erfolgen, ein spezieller AIDS-Test existiert nicht. Dies ist dadurch zu erkl√§ren, dass AIDS keine spezielle Infektionsform ist, sondern das finale Stadium einer Infektion mit HIV darstellt. In Deutschland bieten die meisten Gesundheits√§mter HIV-Tests anonym und teilweise sogar kostenlos und in Verbindung mit einer ausf√ľhrlichen Beratung an. Die Durchf√ľhrung eines HIV-Tests bedarf grunds√§tzlich dem Einverst√§ndnis der untersuchten Person und findet idealerweise zusammen mit einem Beratungsgespr√§ch unabh√§ngig vom Testergebnis statt. Bei HIV-Tests unterscheidet man zwischen dem Suchtest und dem Best√§tigungstest.

Der Suchtest dient dem Nachweis von Antik√∂rpern im Blut, die das Immunsystem bei einer erfolgten HIV-Infektion bildet. Aus diesem Grund ist der Suchtest ein sog. Indirekter Nachweis, da nicht das HI-Virus direkt nachgewiesen wird, sondern die k√∂rperliche Immunantwort (als Reaktion auf die Viren). Ein HIV-Test kann 6 Wochen nach einer HIV-Infektion durchgef√ľhrt werden und liefert ein relativ zuverl√§ssiges Ergebnis. Ein zu fr√ľh durchgef√ľhrter Test kann eine erfolgte Infektion nicht zuverl√§ssig feststellen. Der Suchtest sucht unspezifischer, da er zur breiten Identifikation m√∂glicher Infektionen mit dem HI-Virus konzipiert ist. Daher kann es zu falsch positiven Ergebnissen kommen.

Es kann beim Suchtest also vorkommen, dass fälschlicherweise eine HIV-Infektion als wahrscheinlich betrachtet wird. Aus diesem Grund wird bei einem positiven Suchtest ein Bestätigungstest angeschlossen. Dieser weist eine höhere Zuverlässigkeit auf als der Suchtest. Sind sowohl der Such- als auch der angeschlossene Bestätigungstest positiv, so gilt der Nachweis einer HIV-Infektion als gesichert. Ist eine HIV-Infektion nachgewiesen, so muss in Deutschland diese dem Robert-Koch-Institut angezeigt werden. Die betroffene Person sollte sich an einen Schwerpunktarzt wenden, der sich auf die Behandlung von HIV-positiven Patienten spezialisiert hat.

Auf dem Markt bekommt man mittlerweile sog. Home-Test zur Durchf√ľhrung eines HIV-Tests zu Hause. In Deutschland sind HIV Heimtests allerdings nicht zugelassen, wenn auch der Kauf nach wie vor legal ist.

Krankheitsverlauf

Eine Infektion verl√§uft in vier Phasen. Nach der Infektion gehen HI-Viren in den menschlichen Blutkreislauf √ľber und verteilen sich so im Organismus. Die erste Phase wird als akute Phase bezeichnet. Sie beginnt etwa zwei bis sechs Wochen nach der HIV-Infektion und √§u√üert sich durch Symptome, die √ľblicherweise mit einer Grippe in Verbindung gebracht werden. Dazu geh√∂ren u. A. Fieber, Nachtschwei√ü und eine Schwellung der Lymphknoten.

Am h√§ufigsten treten w√§hrend der akuten HIV-Infektion folgende Beschwerden auf: Fieber, M√ľdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Hautausschl√§ge, Nachtschwei√ü, Gelenk-und Muskelschmerzen, √úbelkeit, Durchfall, Schleimhautgeschw√ľre im Mund, Gewichtsabnahme und Empfindlichkeit gegen√ľber Licht. Die genannten Beschwerden treten allerdings nicht bei allen Neuinfizierten auf, bzw. werden solche Beschwerden h√§ufig eher mit einem grippalen Infekt und nicht mit einer HIV-Infektion in Verbindung gebracht. In diesem Stadium der Infektion dient ein HIV-Suchtest als diagnostisches Verfahren. Der Best√§tigungstest kann zu diesem Zeitpunkt noch ein negatives oder unklares Ergebnis aufweisen.

An die akute Phase schließt sich die sogenannte Latenzphase an. Körperlich merkt die infizierte Person keine Auswirkungen. Das HI-Virus breitet sich in dieser Phase jedoch im Organismus aus und vermehrt sich kontinuierlich. Die Latenzphase dauert durchschnittlich zwischen neun und elf Jahre. Sie kann jedoch in manchen Fällen auch nur wenige Monate andauern, in seltenen Fällen kommt es sogar gar nicht zu einem Übergang in die nächste Phase der Infektion. In diesem Stadium kann eine Infektion mittels Such- und Bestätigungstest ein sicheres Ergebnis liefern.

An die Latenzphase schlie√üt sich der Aids Related Complex, kurz ARC, an. Die Phase des ARC wird durch die Beschwerden der Akutphase gepr√§gt. Es kommt zu einem anhaltenden Krankheitsgef√ľhl, die Symptome wie z.B. Fieber, geschwollene Lymphknoten und Abgeschlagenheit manifestieren sich, d.h. die Beschwerden bleiben dauerhaft bestehen.

Die letzte Phase der HIV-Infektion stellt die Krankheitsphase dar. Treten AIDS-definierende Erkrankungen wie spezifische Infektionen bzw. bösartige Tumorbildungen auf, kann die Diagnose AIDS gestellt werden. Bei den Infektionen handelt es sich um sogenannte opportunistische Infektionen, d.h. Erreger wie Pilze, Bakterien oder Viren nutzen die Immunschwäche als Gelegenheit, den Organismus zu infizieren. Ein gesundes Immunsystem könnte diese Erreger wahrscheinlich problemlos abwehren. Das Immunsystem des an AIDS Erkrankten kommt jedoch nicht mehr gegen Erreger an, der Körper kann eine Infektion nicht abwehren.

Therapie / Behandlung

F√ľr AIDS gibt es zum heutigen Zeitpunkt keine Heilung. Langfristig f√ľhrt AIDS zum Tode der betroffenen Person. Je fr√ľher eine Infektion mit HIV erkannt und behandelt wird, umso besser sind jedoch die Aussichten auf ein lebenswertes Leben mit bestehender HIV-Infektion. Der ‚ÄěAusbruch‚Äú von AIDS, sprich das Eintreten in das letzte Stadium der Infektion mit HIV, kann mithilfe von Medikamenten h√§ufig √ľber Jahre bzw. Jahrzehnte hinausgez√∂gert werden und dem Infizierten bei rechtzeitigem Therapiebeginn f√ľr lange Zeit ein nahezu normales Leben erm√∂glichen.

Eine bew√§hrte Therapiem√∂glichkeit stellt die medikament√∂se Kombinationstherapie dar, die in der Fachsprache als Highly Active Antiretroviral Therapy (kurz HAART) bekannt ist. Die Therapie besteht aus einer Kombination von mindestens drei verschiedenen Wirkstoffen, die in erster Linie die Vermehrung der HI-Viren hemmen sollen, um so die zerst√∂rerische Wirkung des HI-Virus m√∂glichst begrenzt zu halten. Die Viruslast, sprich die Anzahl von HI-Viren auf eine bestimmte Menge Blut wird geringer gehalten, wodurch die Anzahl der CD4-Helferzellen wieder ansteigen kann. Bei einer erfolgreichen HAART wird also die Konzentration von HIV im Blut gesenkt und zugleich das Immunsystem aufgebaut. Auf diese Weise k√∂nnen die sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen lange abgewehrt werden. Die Progression der HIV-Infektion in das Krankheitsstadium AIDS kann also durch die HAART hinausgez√∂gert werden, die Infektion des Organismus mit HIV ist jedoch auch mit derartigen antiretroviralen Wirkstoffen nicht mehr r√ľckg√§ngig zu machen.

Zur Highly Active Antiretroviral Therapy werden st√§ndig Studien durchgef√ľhrt, um die Arzneimittel und deren Dosierung kontinuierlich besser abzustimmen. Die aktuellen Leitlinien zur HAART werden auf unterschiedlichen Ebenen herausgegeben, die sich zum Teil inhaltlich nicht einig sind. Dies betrifft insbesondere den besten Zeitpunkt zum Beginn einer HAART. Diese Ungleichheit in der Therapieempfehlung liegt darin begr√ľndet, dass die Therapieempfehlungen im Hinblick auf den Startzeitpunkt der HAART in den Leitlinien anhand unterschiedlicher gesundheitlicher Aspekte abgewogen werden.

Zu diesen Aspekten z√§hlen insbesondere die Langzeittoxizit√§t (Wirkstoffe k√∂nnen bei langfristiger Anwendung giftig auf den Organismus wirken) und die Bildung von Resistenzen des HI-Virus. Das HI-Virus ist in der Lage, schnell zu mutieren und sich den √§u√üeren Einfl√ľssen (und somit auch der Wirkung von Medikamenten) anzupassen. Dadurch k√∂nnen Medikamente f√ľr das HI-Virus besonders schnell unwirksam werden, es bildet Resistenzen. Aus diesem Grund wird bei der HAART auch auf die Kombination gleich mehrerer antiretroviraler Wirkstoffe zur√ľckgegriffen. Die Therapie von HIV-infizierten Personen erfolgt analog der aktuellen nationalen Leitlinie. Generell wird empfohlen, mit einer HAART erst bei einer deutlichen Abschw√§chung des Immunsystems zu beginnen.

Die europäische Leitlinie macht den Beginn einer HAART von der Klinik der HIV-infizierten Person, den CD4-Laborwerten und der Viruslast abhängig. Befindet sich der HIV-positive Patient laut CDC-Klassifikation bereits in Kategorie C (AIDS-definierende Erkrankungen), so ist der Beginn einer HAART indiziert. Die Empfehlung zum Therapiebeginn lautet jedoch, bereits bei Anzeichen auf eine Immunschwäche mit der HAART zu beginnen (analog der CDC-Klassifikation also ab Kategorie B). Sinkt der CD4-Wert unter 500, sollte eine HAART in Betracht gezogen werden. Zudem ist eine HAART auch bei beschwerdefreien Patienten mit einem CD4-Laborwert größer als 200 oder einer sehr hohen Viruslast (höher als 100000) dringend indiziert, da die Erkrankung an AIDS dann meist nicht mehr weit entfernt ist.

Wie bei jedem Arzneimittel kommt es bei der antiretroviralen Therapie h√§ufig zu unerw√ľnschten Nebenwirkungen, die die Lebensqualit√§t des Behandelten stark einschr√§nken k√∂nnen. Unerw√ľnschte Nebenwirkungen der Kombinationstherapie stellen anfangs h√§ufig Kopfschmerzen und Durchf√§lle dar, welche aber innerhalb einiger Wochen meist zur√ľckgehen. Unangenehm k√∂nnen sich Langzeitnebenwirkungen in Form von schmerzenden Nervenentz√ľndungen in Armen und Beinen bemerkbar machen.

Eine gro√üe Belastung f√ľr den Patienten kann die sog. Lipodystrophie darstellen. Dabei kommt es zu einem Schwund des Unterhautfettgewebes von Gesicht und Extremit√§ten, au√üerdem wird Unterhautfett verst√§rkt in der Bauch- und Nackenregion eingelagert. Die Infektion mit HIV bzw. die Erkrankung an AIDS wird so f√ľr die Umwelt erkennbar. Selbstverst√§ndlich f√ľrchten sich die meisten Patienten sehr davor, dass ihre Erkrankung oder Infektion nach au√üen sichtbar wird. Eine Kombinationstherapie kann aber auch irreversible Organsch√§digungen bis hin zu Organversagen (z.B. der Leber) mit sich bringen.

Vor dem Beginn der Behandlung muss der Patient dar√ľber informiert sein, dass die Medikamente ein Leben lang weiter eingenommen werden m√ľssen. Wird die medikament√∂se Therapie eingestellt bzw. unterbrochen, k√∂nnen sich Resistenzen gegen√ľber den eingesetzten Medikamenten entwickeln, sie sind dann nicht mehr wirksam. Die regelm√§√üige Einnahme der Medikamente kann eine Belastung, insbesondere psychischer Natur, beim Patienten hervorrufen. Das Auftreten von Nebenwirkungen kann den Patienten zus√§tzlich stark belasten. Die Behandlung sollte idealerweise in einer sog. HIV-Ambulanz oder einer auf HIV spezialisierten Arztpraxis erfolgen.

AIDS Prävention

Um AIDS vorzubeugen, muss selbstverst√§ndlich einer Infektion mit dem HI-Virus vorgebeugt werden. Durch die Nutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, Verwendung steriler Nadeln bei intraven√∂sen Injektionen bzw. Punktionen und bei Blutspenden kann einer Infektion mit HIV relativ sicher vorgebeugt werden. Sollte es zu einer Nadelstichverletzung oder einem potentiell infekti√∂sen Kontakt mit dem HI-Virus kommen, so bietet die unmittelbare Durchf√ľhrung einer postexpositionellen Prophylaxe gute Erfolgsaussichten auf die Vermeidung einer drohenden HIV-Infektion.

Die PEP muss allerdings so fr√ľh als m√∂glich nach einem Risikokontakt begonnen werden. Die PEP stellt zwar eine gute M√∂glichkeit zur Vermeidung von HIV durch einen Risikokontakt dar, eine Ansteckung kann jedoch nicht in allen F√§llen verhindert werden. Somit ist die PEP als eine Art Notfallma√ünahme zu betrachten und darf auf keinen Fall zu einem leichtsinnigen Umgang mit HIV verleiten. Besonders wichtig ist zur Vermeidung von Neuinfektionen die Aufkl√§rung √ľber HIV und AIDS.

In Deutschland sind nach einer Umfrage immer noch viele Jugendliche der Meinung, man k√∂nne einer HIV-positiven Person die Infektion ‚Äěansehen‚Äú. UNAIDS fand heraus, dass weltweit weniger als 40 Prozent der jungen Menschen ausreichend √ľber HIV informiert sind. Au√üerdem wissen von allen HIV-infizierten Menschen weniger als 40 Prozent von ihrer Infektion.

Epidemiologie

Untersuchungen der UNAIDS zufolge lebten zum Ende des Jahres 2007 etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. In diesem Erhebungsjahr infizierten sich rund 2,7 Millionen neu mit HIV, ca. 2 Millionen starben an den Folgen der HIV-Infektion bzw. AIDS. Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren ist HIV-positiv.

Nach Sch√§tzungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 leben in Deutschland rund 70.000 Menschen mit HIV oder AIDS. Die Anzahl HIV-positiver M√§nner liegt mit etwa 57.000 signifikant √ľber der Anzahl HIV-positiver bzw. an AIDS erkrankter Frauen. Zudem tragen in der Bundesrepublik circa 200 Kinder (Personen bis 15 Jahre) das HI-Virus in sich. Die Infektionswege sind anteilig sehr unterschiedlich verteilt.

So machen M√§nner, die Geschlechtsverkehr mit M√§nnern praktizierten, mit knapp 42.000 HIV-Infizierten den h√§ufigsten √úbertragungsweg aus. Auf heterosexuelle Kontakte gehen etwa 10.000 der Infektionen mit HIV zur√ľck. Wiederum 10.000 Menschen haben sich sch√§tzungsweise √ľber den Gebrauch HIV-kontaminierter Nadeln zur intraven√∂sen Verabreichung von Drogen mit dem Virus infiziert. Etwa 7.300 HIV-infizierte Personen haben sich in ihrem Herkunftsland, zumeist durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr, mit dem Virus angesteckt. Diese kommen aus sogenannten Hochpr√§valenzregionen, d.h. das Herkunftsland weist eine gro√üe Anzahl HIV-infizierter Personen in der Bev√∂lkerung auf.

Mit 500 Infizierten nimmt die Gruppe der Empf√§nger von Bluttransfusionen eine verh√§ltnism√§√üig kleine Personengruppe aus. Die meisten dieser Infektionen fanden vor 1986 und somit vor der Einf√ľhrung routinem√§√üiger HIV-Tests an Blutspendern. √úbertragungen des HI-Virus von HIV-positiven M√ľttern auf ihr Kind machen ca. 430 der F√§lle aus. In Deutschland haben sich im Jahr 2010 ungef√§hr 3.000 Menschen, davon 2.700 M√§nner neu mit HIV infiziert. Von den insgesamt 70.000 HIV-positiven Personen in der Bundesrepublik erkrankten 2010 rund 760 Personen neu an AIDS. Von Beginn der Ausbreitung der HIV-Infektion in Deutschland an starben etwa 29.000 Menschen an der Infektion. Im Jahr 2010 erlagen ca. 550 Menschen der HIV-Infektion. 40.000 der HIV-Infizierten stehen unter antiretroviraler Therapie.

F√ľr die globale Entwicklung von HIV und AIDS ver√∂ffentlicht UNAIDS Sch√§tzungen √ľber Infektionen und Erkrankungen. Seit Beginn der Ausbreitung von HIV haben sich weltweit etwa 60 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, 25 Millionen Menschen sind an den Folgen der Infektion zu Tode gekommen. Sch√§tzungen von UNAIDS zufolge trugen 2008 33 Millionen das HI-Virus in sich, es kam zu 2,7 Millionen Neuinfektionen und 2 Millionen Todesf√§llen durch AIDS.

Fast eine halbe Million Kinder kamen mit dem Virus zur Welt. Ein Drittel der HIV-Infizierten sind zusätzlich an Tuberkulose erkrankt. Die am stärksten von HIV betroffene Region weltweit stellt die Subsahara dar. Der Großteil der Bevölkerung, ca. 67 Prozent, sind HIV-positiv. Etwa 90 Prozent der Neuinfektionen entfallen dort auf Kinder.