Risikoeinschätzung

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von fallingfree, 13. Juli 2021.

  1. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied

    Hallo ihr lieben,

    zuerst einmal zu mir, ich bin weiblich, 29 Jahre alt und mir geht es momentan nicht gut.

    Für mich ist es ein sehr großer Schritt, meine Geschichte zu erzählen.
    Aber ich überwinde mich einfach.

    Am 11. Juni wurde ich vergewaltigt.
    Ich war leicht angetrunken, jedoch habe ich ausdrücklich abgelehnt, sex zu haben.
    Er hat meine Strumpfhose zerissen, und hatte ungeschützen Sex mit mir. ich schätze ca 10 -15 Minuten.

    Ich habe versucht, mich zu wehren, was mir jedoch aufgrund des Schocks und meiner körperlichen Unterlegenheit nicht geling.
    Nach dem besagten Zeitraum ließ er mit den Worten "Ich hab keinen Bock mehr" ohne Samenerguss von mir ab, und ging einfach.

    Die nächsten zwei Tage befand ich mich in einer Schockstarre. Mein Kopf war leer und ich war wie betäubt.

    Zum Glück habe ich eine Psychologin, der ich mich anvertraut habe.

    Jedoch kam plötzlich die Angst vor einer möglichenHiv-Infektion in meinen Kopf.
    Ich kenne seinen Status nicht.

    Ich habe weder Brennen, noch Schmerzen im intimbereich, lediglich blaue Flecken an den Beinen.

    Ich hoffe, ihr könnt mir eine Risikoeinschätzung geben.

    Darüber zu schreiben fiel mir schwerer als gedacht, aber ich hab das Gefühl, ich bin hier gut aufgehoben.
    Vielen Dank schon mal
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2021
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Das hast Du ja sicherlich zur Anzeige gebracht.

    Ungeschützter Sex stellt ein Risiko dar, aber es gab keinen Samenerguß, das minimiert dasHIV-Risiko.. einenHIV-Test kannst Du ab dem 24.07. machen, alle anderen STI nicht vergessen.
     
  3. Gregor

    Gregor Bewährtes Mitglied

    Hallo erstmals,

    bei deiner Geschichte läuft es mir kalt den Buckel runter - das du dich deiner Psychologin anvertraut hast, ist schon mal ein sehr guter Weg.
    Nun zum Thema:
    Es gibt keine spezifischenHIV symptome. Ihr hattet ungeschützen Geschlechtsverkehr, welches Risiko darstellt. Da er wie du geschrieben hast, keinen Samenerguss hatte, vermindert sich das Risiko.
    Dir bleibt nichts anderes übrig als 6 WOchen nach dem Kontakt einen Labortest zu machen(den kannst du ja bald machen)

    Ich wünsche dir das du die ganze Sache therapeutisch aufarbeiten kannst.
    PS: auch wenn es mir nicht zusteht, aber darf ich fragen ob du das zur Anzeige gebracht hast? Solche Schw*e gehören aus dem Verkehr gezogen, ohne wenn und aber
     
  4. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied


    Ich meinte mit dem nicht vorhandenen Brennen usw keine Symptome, sondern dachte eher an vaginale Verletzungen.

    Ich werde auf jedenfall einen Test machen, aber die Wartezeit ist grade im Moment sehr schwer für mich.

    Ich kenn seine Status ja nicht, und dass es ein Risikokontakt war, ist mir bewusst. Gibt es eurer Erfahrung nach denn viele Fälle, bei denen sich beim vaginalverkehr ohne samenerguss Frauen angesteckt haben?

    Ihr habt ja jahrelange Erfahrungen. Und bevor ich zu viel google, dachte ich, ich frage hier.


    Ich habe eine Anzeige gemacht, jedoch sagte mir die Polizistin, dass ohne eine Vaginale Untersuchung kaum eine Chance besteht.
    Und diese konnte ich nicht direkt danach über mich ergehen lassen..es ging einfach nicht
     
  5. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Und was nutzt Dir das.... ? Statistiken sagen nichts über konkrete Fälle aus. Es gibt keine Ansteckungsautomatismen, es gibt hier Fälle, in denen sich der negative Partner beim (unwissend) positiven Partner jahrelang nicht angesteckt hat und es gibt hier Fälle, da hat ein ONS ausgereicht. Es bringt Dir also gar nichts, über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu spekulieren.
    Nutze Deine Energie, das Geschehen aufzuarbeiten. Halte durch bis zum 24.07.
     
  6. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied


    Danke für die Antwort.
    Und du hast Recht.
    Ich habe mich jedoch hier in den Forumsbeiträgen umgeschaut, und bin auf unterschiedliche Antworten gestoßen.
    Und ich kann auch ehrlich zugeben, dass ich nicht genügend Wissen überHIV habe, daher wende ich mich an euch.

    Der Lusttropfen ist nicht zwingend infektiös, da er zu wenig Viren enthält.

    Wie ist es denn mit der Penisschleimhaut bzw dem Eingang der Harnröhre?
    im Leitfaden steht ja, das genügend infizierte Flüssigkeit zur Ansteckung führt. Jedoch steht dort nichts vom Flüssigkeitsfilm auf besagten Schleimhäuten. Darauf beruht meine Unsicherheit

    ich weiß, ich habe eine Menge aufzuarbeiten, aber das Thema lässt mir momentan ebenso keine Ruhe.
     
  7. Gregor

    Gregor Bewährtes Mitglied

    das kann ich gut nachvollziehen, die wartezeit ist für keinen eine angenehme sache - hier musst du durchhalten
    ich kann mich hier nur @LottchenSchlenkerbein anschliessen. nutze die energie den test zu machen. ein hätte, wäre, könnte bringt dich nicht weiter > es gibt keine ansteckungsmechanismen
    Gute Entscheidung, lass googlen bleiben
     
  8. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Ja, hast Du... von daher solltest Du Deine Energie auch wirklich darauf konzentrieren und nicht über Wahrscheinlichkeiten spekulieren.
    Es kam zu keinem Samenerguß, dasHIV-Risiko ist gering. Also.. halte durch, Du schaffst das.
     
  9. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied


    danke..
     
  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Oh weh … da hast Du echt eine Menge zu verarbeiten … und ich schließe mich meinen Vorschreiber*innen an: Gut, dass Du psychologische Hilfe in Anspruch genommen hast!

    Aber in einem Punkt kann auch ich Entwarnung geben: Ohne Samenerguss ist das Risiko einerHIV-Infektion so verschwindend gering, dass man sich darum gar keinen Kopf machen muss. Ein Test wird Dir das bestätigen.

    Ich wünsche Dir, dass Du das Trauma bald verarbeitet hast. Übrigens war es völlig richtig, den Fall zur Anzeige zu bringen – auch wenn das wahrscheinlich wegen fehlender Indizien im Sande verläuft. Aber so ist der Fall wenigstens dokumentiert.
     
  11. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied



    Danke für deine Antwort
    Ich habe bei eurem Forum ein wahnsinnig gutes Gefühl.
    Ich habe auch bei zwei Aids-Hilfe-hotlines angerufen (in meiner irrationalen Panik wusste ich nicht, an wen ich mich wenden sollte)

    Bei einer Hotline sagte man mir, ich bräuchte sofort eine PEP, bei der anderen sagte man mir, es ist ein sehr geringes Risiko, ein theoretisches.

    Daher hab ich mich an euch gewendet, und deine Antwort beruhigt mich sehr.

    Nur für mein Verständnis würde ich gern noch etwas fragen, wenn dies okay ist.
    Gibt es im Flüssigkeitsfilm am Penis überhaupt genügend Viren für eine Übertragung?
    Und dass der Lusttropfen zu wenig Viren für eine Übertragung beim OV enthält, hab ich verstanden. Wie sieht es denn bei der Zeit von ca 15 minuten beim vaginalverkehr aus?

    Ich vertraue auf deine Antwort, und möchte nicht unbelehrbar oder panisch wirken.
    Aber um Dinge für mich anzunehmen, muss ich sie verstehen können.

    Ich hoffe, die Frage ist nicht anmaßend.
    Vielen Dank für eure Mühe
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Du musst nicht fragen, ob Du fragen darfst … ;)
    In der Theorie … vielleicht. In der Praxis eher nein, denn es ist zu wenig Flüssigkeitsmenge.
    Die Anzahl möglicherweise vorhandener Viren ist nicht von der Zeit abhängig. Der Lusttropfen ist eine einmal gebildete Flüssigkeit.

    Das tust Du weiß Gott nicht. Da haben wir ganz andere Kandidaten.;)
    Das ist schon im Normalfall verständlich – in Deiner Situation aber erst recht!
     
  13. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied


    Die Antworten sind grad Balsam für meine Seele..bei den ganzen verschiedenen Aussagen, war ich wirklich unendlich verunsichert.
    Ich kann mich nur nochmals bedanken.

    Kannst du mir erklären wie es zur Übertragung durch Reibung der Schleimhäute kommen kann?
    Ich glaube, ich habe in einem anderen Beitrag gelesen, das längere Reibung ( was jedoch unter länger zu verstehen ist, weiß ich nicht)
    es auch zu einer Übertragung kommen kann.

    Bedeutet dies dann, dass die wenigen Viren im Lusttropfen in die Schleimhaut der Vagina "eingerieben" werden und sich somit die Wahrscheinlichkeit erhöht?

    Tut mir leid, ich komm mir gerade vor, wie eine Schülerin im Biounterricht. Da ich immer verhüte, war ich auf diese intensive Auseinandersetzung mit dem ThemaHIV nicht vorbereitet und hab jetzt einige Fragezeichen im Kopf.

    Auf einigen Seiten der AIDS- Hilfe, die ich mir anschaute, bevor es Google Verbot von mir für mich gab, wurde auch aufgeführt, das Vaginaler verkehr Ohne ejakulat sehr risikobehaftet ist. Weißt du, wie die diese Aussage begründen, wenn das Risiko im theoretischen Bereich liegt?

    Danke für eure Geduld, und für meine fast schon unangenehme Unwissenheit entschuldige ich mich.

    Ich bin sehr rational, und auch gefasster, als ich dachte. Aber ab und zu überrennt mich die Angst nach diesem Vorfall
     
  14. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    In dem Fall hätte ich vorher schon zu einerPCR geraten.
     
    matthias gefällt das.
  15. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ich habe dafür großes Verständnis – wie wir alle hier. Trotzdem neigen wir zu klaren Aussagen … gerade, um manchen Leuten in ihrer Sorge den Kopf gerade zu rücken.

    Aaaalsoooooooo:

    Die Übertragung durch Reibung passiert, wenn Schleimhäute aufeinander treffen, was den Austausch ermöglicht. Das kommt – bzw. muss heute gar nicht mehr vorkommen – wenn unbehandelteHIV-positive Frauen mit hoher Viruslast auf »normalem Wege« ein Kind zur Welt bringen. Da ist aber die Fläche der Schleimhäute unendlich größer als bei der Penisschleimhaut – oder dem Lusttropfen.

    Es gibt – das stelle ich immer öfter fest – in der Historie der HIV-Erzählungen ein paar Punkte, bei denen alles in einen Topf oder durcheinandergeworfen wird, weil man nicht zu abstrahieren vermag: Blut und Schleimhäute. In beiden Fällen muss es »viel« davon sein – in der Menge oder der Fläche.

    Auch wenn Blut eine infektiöse Körperflüssigkeit ist, auch wenn Schleimhäute als Eintrittspforte gelten – es handelt sich immer um ein Risiko … um ein »vielleicht«, ein »möglicherweise«, ein »es ist nicht auszuschließen« – aber niemals um ein »das ist dann so«.

    In der Tat ist HIV die am schwersten zu übertragende STI – es müssen viele Dinge zuammenkommen, um die Möglichkeit überhaupt erst einmal zu schaffen, und selbst dann gibt es noch keine »Garantie« für die Übertragung. Es ist wahrscheinlich diese Indifferenz, die vielen Menschen Ängste verschafft, so dass sie zwischen Theorie und Praxis bzw. unter der mindestnotwendigen Menge für die Möglichkeit und der Realität nicht mehr unterscheiden können.

    Wäre es so, wie sich die meisten Leute ein HIV-Risiko vorstellen, hätten wir weit mehr als 80.000 bekannt Infizerte in Deutschland … von denen übrigens mehr als 90% dank der Medikamente das Virus gar nicht mehr weitergeben können.
     
  16. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied

    darf ich fragen wieso?
     
  17. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Alexandra bezieht sich auf den »ungeschützten Sex«, nicht auf den fehlenden Samenerguss. Zu einerPCR wird in Fällen, in denen eine Übertragung tatsächlich realistisch ist, also z. B. bei Samenerguss, geraten. Allerdings ist ausschließlich eine positivePCR sicher – eine negative muss durch Antikörpertest nach mindestens sechs Wochen bestätigt werden.

    Aber wenn Viren nachgewiesen werden (das kann diePCR), kann schon früh mit der Behandlung anfangen werden oder man kann prüfen, ob evtl. eine PEP zum Einsatz kommen kann. Dazu sollten aber erst max. 72 Std., besser nicht mehr als 24 Std. vergangen sein.
     
    AlexandraT gefällt das.
  18. fallingfree

    fallingfree Neues Mitglied



    Genau, das abstrahieren war für mich auch ein Problem in meiner Situation. Sonst stellt das für mich kein Problem dar, nur eben momentan..
    Und dazu die Fülle von Infos

    Ich weiß auch, dass mein Gegenüber erstmal HIV positiv sein muss, und dann noch unbehandelt bzw unwissend über seine Infektion.
    aber in meiner Situation hat dieses rationale Denken ausgesetzt, eben weil ich über mich und meinen Körper keine Kontrolle hatte in diesem Moment.

    Wäre deiner Schilderung nach "Coitus Interruptus ", wenn richtig praktiziert, ein hohes Risiko, falls der Mann HIV positiv wäre?
     
  19. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Weil Du 2 Wochen nach der Vergewaltigung diesen Test hättest machen können und er hätte Dir ein wenig Stress genommen. Es ist zwar keinHIV-Ausschlusstest.... aber wenn er nicht reaktiv ist, ist die Chance wirklich hoch, dass danach auf der Antikörpertest negativ ist. Wärst Du direkt nach der Sache zu mir gekommen hätte ich mit Dir sogar über eine Pep diskutiert.
     
  20. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ein klassischer »Coitus interruptus« ist als Verhütung von Schwangerschaften oder STI absolut ungeeignet. Aber der lag bei Dir ja nicht vor … ich nehme an, das A*loch, das Dir das angetan hat, konnte einfach nicht …
     
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