neu dabei und einige fragen

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von ve, 17. Mai 2012.

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  1. ve

    ve Neues Mitglied

    hallo allerseits,

    ich (24) habe letzte woche einen positiven befund erhalten, nun schon einiges gelesen und hoffe, hier ein paar fragen beantwortet zu bekommen, bevor ich nächste woche meine ersten ergebnisse beim arzt abholen werde. den zeitraum der ansteckung kann ich auf die letzen 3 oder 4 monate eingrenzen - falls denn das relevant ist.
    bisher wurde mir von ärztlicher seite erklärt, dass ich kurzfristig vielleicht mit einigen, langfristig mit keinen therapie-induzierten nebenwirkungen rechnen kann und ich - therapie vorausgesetzt - nicht infektiös wäre. mir wurde der eindruck vermittelt, dass mich mit einer HAART das themaHIV in meinem alltag und meiner lebensführung nicht im geringsten beeinflussen/beeinträchtigen wird (gut, 2 mal am tag eine pille nehmen und 4 mal im jahr zum arzt gehen sind kleinigkeiten, die ich gerne in kauf nehme, um das thema abhaken zu können). das ist auch der grund, warum ich z.z. auf jeden fall so rasch als möglich (und völlig unabhängig vom blutbild; also auch bei "sehr guten" werten) mit einer therapie beginnen möchte.

    nun zu meinen fragen:

    1)habe ich das bis hierher alles richtig verstanden?

    2)bezüglich nicht-infektiosität/EKAF: ich habe in diesem zusammenhang öfter den vergleich mit der sicherheit des kondomgebrauchs gefunden. das ist mir etwas zu uneindeutig. auf der einen seite ist die gefahr, mit kondom schwanger zu werden, etwa 5%. einfach deshalb, weil die leute - mit verlaub - zu dämlich sind, das ding richtig zu verwenden. auf der anderen seite liegt die wahrscheinlichkeit, dass ein kondom materialmängel aufweist, etwa im promillebereich oder darunter. ist ein großer unterschied. kennt hier vielleicht jemand eine fundierte zahl, die angibt, wie wahrscheinlich eine infektion unter effektiver HAART ist?

    3)HIV, HAART und kognitive leistungseinbußen (das wäre für mich eine der schlimmsten nebenwirkungen). oder ganz allgemein langzeitnebenwirkungen. wieso hat mir mein arzt gesagt, dass ich keine zu erwarten hätte, wenn man (in recht neuen studien) dennoch davon lesen kann? und kann man diese kognitiven einschränkungen wirklich beobachten? rühren die von HIV oder HAART her?

    4)die viruslast scheint anzugeben, wie schnell der abbau des immunsystems fortschreitet. die absolute cd4-zahl den zustand des immunsystems. was besagen nun die relative cd4-zahl (relativ zu was überhaupt?) und das cd4/cd8-verhältnis? und sind das dann alle relevanten zahlen, über die man kenntnis haben sollte?

    5)habe texte gelesen, die eine zusammenhang zwischen HIV/HAART und beschleunigter alterung bzw. früherem auftreten von altersbedingten krankheiten suggerieren. ist da was dran?

    6)private krankenversicherung und berufsunfähigkeitsversicherung sind möglich?

    hm, sollte mal reichen. hoffe, mir kann geholfen werden. ;)

    lg
     
  2. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Guten Morgen,

    also die EKAF-Studien besagen ja eindeutig, das man unter medikamentöserHIV-Therapie, nicht mehr als infektiös gilt. Diese Meinungen werden auch von den Aidshilfen vertreten.

    Mit der Einnahme der Medikamente würde ich nicht zu früh beginnen. Die Richtwerte belaufen sich eigentlich auf eine CD4-Zahl von 350. Vorher macht das keinen großen Sinn. Denn, wenn Du jetzt schon anfängst, bedenke bitte, das Du diese Medikamente regelmäßig nehmen musst. Viele Medikamente haben keine bis sehr wenig Nebenwirkungen. Meine merke ich zum Beispiel überhaupt nicht. Und ich nehme sie schon seit 03/10.

    Die Infektion ist ja bei Dir auch in einem sehr frühen Stadium erkannt worden. Daher kann man sehr gut mit der Behandlung beginnen. Allerdings - wie gesagt - bitte nicht zu früh.

    Lasse es bitte, im Internet nach Texten zu suchen. Viele sind veraltet und nicht mehr auf dem neuesten Stand. Die neuen Medikamente sind noch nicht so lange auf dem Markt und die Texte in Zeiträumen davor geschrieben worden. Als kleines Beispiel: Truvada (Erstzulassung 1997), Isentress (Erstzulassung 2008). Was die Medikamente davor verursacht haben, das kann Dir besser Matthias sagen, der den Virus seit fast 20 Jahren in sich trägt.

    Eines ist in der heutigen Zeit fakt. Dein Facharzt wird mit Dir eine Kombination suchen, die Dich in Deinem Leben in keinster Weise beeinträchtigen wird. Ob es nun 1 oder 3 Tabletten sind, das kann ich Dir nicht sagen. Ich nehme Truvada und Isentress, also 2, wobei ich Isentress morgens und abends nehmen muss.

    Alle 3 Monate zum Arzt gehen, das ist nun wirklich kein Problem. Ich selber habe durch die Infektion in keinster Weise Einschränkungen in meinem Alltag.

    Ich komme noch einmal auf die EKAF-Studie zurück, was ja Deine Eingangsfrage war. Diese besagt: man ist nicht infektiös, wenn:

    1. man 6 Monate konstant mit der Viruslast unter der Nachweisgrenze ist,
    2. man die verordneten Medikamente regelmäßig nimmt,
    3. man seine Werte regelmäßig überprüfen lässt (alle 3 Monate)
    4. man frei von anderen sexuell-übertragbaren Krankheiten ist.

    Das sind die Kernaussagen, die ja auch stimmen. Allerdings sieht man ja einem Menschen nicht an, ob er "nur" HIV-Positiv ist oder ob da noch was anderes mit im Spiel ist.

    Ich hoffe, ich konnte Dir Deine Fragen erst einmal beantworten. Wenn Dir noch etwas unklar ist, dann schreib wieder :)

    Dir einen schönen Feiertag!
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo und herzlich willkommen,

    auch wenn der Anlass sicherlich nicht so prickelnd ist. Ich finde es gut, dass Du Dich gleich so intensiv mit dem Umgang mitHIV befasst und will versuchen, Deine Fragen - soweit ich kann - zu beantworten.

    Wenn die Viruslast sechs Monate unter der Nachweisgrenze liegt, gilt ein HIV-positiver Mensch medizinisch nicht mehr als infektiös.

    In der Theorie stimmt das ... allerdings ist die Gesellschaft leider noch nicht so weit, HIV im Alltag als etwas »Alltägliches« zu sehen. Tatsächlich hat die Infektion aber im Wesentlichen keine Auswirkung auf das »tägliche« Leben.

    Die »Jagd« nach statistischen Werten ist insofern unnötig, als sie keine Aussagekraft auf die jeweilige Einzelsituation haben. Der Vergleich mit dem Kondom ist in der Tat etwas unglücklich; er soll aussagen, dass bei ungeschütztem Sex mit Positiven, die die EKAF-Bedingungen erfüllen, das Risiko einer Infektion ähnlich hoch ist, wie beim »normalen« geschützten Verkehr.
    Die 5%-Angabe solltest Du gleich wieder vergessen ... die falsche Handhabung eines Kondoms lässt sich nicht auf die allgemeine Situation hochrechnen. Übrigens wird man bei gleichem Handhabungsfehler leichter schwanger als positiv ... Und: Es gibt Kondome in verschiedenen Größen und verschiedenen Stärken ... zumeist liegen die Kondomplatzer daran, dass falsche Kondomgrößen verwendet wurden. Materialfehler befinden sich im µ-Bereich - auch wenn immer wieder über Mikrolöcher oder Mikrorisse gefaselt wird.

    Es ist in der letzten Zeit beobachtet worden, dass die HAART leichter zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen kann. Die Schwerpunktärzte haben aber darauf bereits reagiert und checken bei den regelmäßigen Terminen alle relevanten Werte.

    Mit einer chronischen Erkrankung, die HIV heute ist, zumal einer durch die Therapie regelmäßig Kosten verursachenden Erkrankung ist es ausgesprochen schwierig, Änderungen bestehender Versicherungsverträge bzw. Neuabschlüsse zu erreichen. Allerdings: Das Verschweigen einer bei Vertragsabschluss bekannten Krankheit führt zur Ungültigkeit des Vertrages und berechtigt die Versicherung, von allen Leistungen zurückzutreten. Auf bestehende Versicherungen hat HIV keine Auswirkung. Arzt- und Medikamentenkosten werden übernommen.

    Das wär's zunächst mal von meiner Seite. :)
     
  4. lost

    lost Bewährtes Mitglied

    Hallo & herzlich Willkommen im Forum

    Diese Berichte betreffen vor allem Menschen wie mich, bei denen die HAART zu spät angesetzt wurde.
    Man geht allerdings mittlerweile davon aus, dass das HI-Virus schon in einem frühen Stadium (wobei der Begriff "frühes Stadium" natürlich sehr dehnbar ist) die Blut-Hirn-Schranke überwinden und neurologische Schäden hervorrufen kann.

    Es gibt Neurologen, die sehr erfahren mit HIV-Patienten sind und einige Tests, um solche neurologischen Schäden frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

    Sprich in Ruhe mit Deinem Schwerpunktarzt (im Forum oft "SPA" genannt) das Für und Wider eines frühen HAART-Beginns durch.
    Sicher hast Du schon gelesen, dass nur in den USA die Meinung vorherrscht, so früh wie möglich zu beginnen ("hit hard & early").
    Hierzulande ist das sehr umstritten, und im allgemeinen wird eine HAART bei einem Wert zwischen CD4=500/µl & CD4=350/µl empfohlen, oder bei Auftreten einer opportunistischen Infektion (Ausnahme: Tuberkulose bei CD4>350/µl).
     
  5. ve

    ve Neues Mitglied

    ja vielen dank für eure antworten soweit! schön, dass einem hier so rasch geantwortet wird! :) muss dennoch ein bisschen nachhaken.

    wieso macht es keinen großen sinn, früh damit zu beginnen? habe diagramme gesehen, die nahelegen, dass der cd4-wert, der ja recht wichtig zu sein scheint, mit therapie umso höher sein und bleiben wird, je höher der cd4-ausgangswert zu beginn der therapie ist.
    ich seh das so, dass man somit einen größeren puffer hat. ich will nicht bei jedem schnupfen angst haben müssen, dass der cd4-wert soweit absinkt, dass es ungesund wird. denkfehler?

    kommt es denn bei funktionierender therapie vor, dass die VL auf einmal spontan wieder über der nachweisgrenze liegt? wäre doch irgendwie blöd, wenn man dann 6 monate warten muss, bis die sache wieder "safe" ist. ;)

    führen kann... kommt das oft vor?
    da ich mich damit nicht auskenne eine vielleicht dumme frage: kann man solch ein risiko am blutbild ablesen? und dann auch aktiv was dagegen machen? wenn das der fall wäre, ist das ja auch keine große sache. bei den engmaschigen kontrollen, die bei einer HAART gemacht werden, werden die ärzte wohl über jedes kleine wehwehchen - im vergleich zum durchschnittsbürger, der selten mal zur vorsorgeuntersuchung geht - früher bescheid wissen. (ist ja eigentlich ne praktische sache, diese 3monatigen arztbesuche, oder?)

    wieder ne frage aus unwissenheit: das kann man behandeln? und wird standardmäßig untersucht?
     
  6. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Hallo,

    absoluter Denkfehler. Ich habe mit der Therapie begonnen, wo ich noch 287 Helferzellen hatte. Ich habe Erkältungen hinter mir und habe seit dem ich Positiv bin, keine Probleme diese weg zu bekommen. Und das ohne große medizinische Hilfe.
     
  7. ve

    ve Neues Mitglied

    gibt es da auch eine erklärung, warum eine höhere cd4-zahl keinen günstigeren zustand für den körper darstellt?

    wäre euch übrigens auch verbunden, wenn jemand, der sich auskennt, mir meine fragen aus dem vorletzten posting beantworten könnte. :)

    übrigens hätte ich noch ne frage (sorry, da die sache noch neu ist für mich, tauchen laufen neue fragen auf^^): wie sieht es mit der gefahr einer lipodystrophie unter HAART aus? ist das unter den modernen medikamenten noch ein thema? das wäre für mich nämlich definitiv ein grund, die therapie abzuändern/abzusetzen.
     
  8. bindabei

    bindabei Neues Mitglied

    Ich habe das mal gelöscht. Meinen Artikel kann man auch oben lesen und der braucht hier nicht doppelt zu stehen.

    Chris (Moderator)
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ja, kann passieren. Ich bin komischerweise beim letzten Check bei 71 gelandet - weiß der Teufel warum - aber ist so. Aber ich mache Sex eh nur mit Kondom.

    Das ist mir nicht bekannt. Aber die SPAs ticken einfach so, dass alles, was merkwürdig erscheint, vorsichtshalber abgecheckt wird. Und das ist mir lieber als andersherum ...
     
  10. lost

    lost Bewährtes Mitglied

    Hallo.

    Okay, dann versuche auch ich noch mal, auf Dein Nachfragen zu antworten.

    Sowohl das erhöhte Herzinfarkt-/Schlaganfall-Risiko, als auch die Lipodystrophie scheinen vor allem vorzukommen, wenn die HAART mindestens einen Proteaseinhibitoren beinhaltet.

    Wenn die VL wieder die Nachweisgrenze überschreitet, muss man genau hinschauen. Es gibt so genannte "Blips", also wenn die VL bei einer Messung über der Nachweisgrenze liegt, bei der nächsten Messung aber wieder drunter. Vermutlich können diese Blips durch Infekte wie Erkältungen oder STIs verursacht werden.
    Wenn die VL aber bei mehreren Messungen über der Nachweisgrenze liegt, kann das auf ein virologisches Therapieversagen hindeuten.
    Das muss der SPA dann sorgfältig überwachen.

    Was die neurologischen Tests angeht, solltest Du selbst wenigstens einmal jährlich einen Termin bei einem Neurologen vereinbaren.

    Bei mir ist das einfach "dumm gelaufen", weil ich mich nicht informiert und nicht auf mich geachtet habe. Hätte ich auf mich geachtet, wären mir solche Sachen wie Wortfindungsstörungen, Konzentrationsprobleme etc. schon viel früher selbst aufgefallen, und ich hätte meine Taubheitsgefühle besser zuordnen können.

    Insgesamt kommen solche schweren neurologischen Defekte heutzutage glücklicherweise nur noch sehr selten vor.
     
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