Immer wieder Sorgen, Partner positiv

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Engel10, 12. Januar 2019 um 02:01 Uhr.

  1. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Hallo, vielleicht könnt ihr mich ein bisschen beruhigen

    Oktober 2017 kam durch puren Zufall raus, dass mein Mann HIV positiv ist.
    Er hatte sich bei einem positiven Patienten eine Nadelstichverletzung eingefangen und durch die darauf immer folgenden Testungen ist die bestehende Infektion aufgefallen.

    Für uns beide erstmal eine Schockdiagnose, obwohl wir beide in der Krankenpflege arbeiten, ist unser Wissen auf dem Stand unserer Ausbildung geblieben.(Wir wissen bei weitem noch nicht viel, aber deutlich mehr als vor der Diagnose)
    Dazu kam die Sorge um unsere Kinder zu dem Zeitpunkt 1,5 und 0,5 Jahre. Die kleine noch voll gestillt.
    Mein direkter Test war zum Glück negativ, auch sechs Monate später noch.

    Insgesamt kommen wir sehr gut mit der Diagnose klar. Ein paar wenige Freunde wissen davon.
    Teilweise vergesse ich sogar, dass sie uns immer und immer begleitet.

    Dann kommen aber immer wieder mal Tage, an denen ich mir große Sorgen mache.
    Was ist wenn ...
    Natürlich geht mein Mann alle drei Monate zur Kontrolle, er war sehr schnell unter der Nachweisgrenze.
    Trotzdem habe ich Angst, dass ich mich irgendwie mal anstecke.
    Wir wussten z. B. Nicht, dass der Patient 6 Monate unter der Grenze sein muss damit auch das Sperma nicht mehr ansteckend ist.
    Viel schlimmer für mich wäre aber, wenn, wie auch immer, sich unsere Kinder angesteckt haben
    Mein Mann hatte, bevor wir davon wussten, eine große Wunde, die täglich Verbandswechsel brauchte. Ich weiß nicht, ob die Kinder eventuell mal mit dem Sekret in Berührung gekommen sind/sich danach die Augen gerieben haben.

    Der behandelnde Arzt meinte, wenn ich negativ bin, sind es die Kinder auch, ein Test nicht notwendig.
    Kann man sie trotzdem irgendwo testen lassen, einfach nur um mir die Sorgen zu nehmen?

    Hören diese Tage, an denen man sich solche Sorgen/Gedanken macht, irgendwann auf?
     
  2. Unser Tipp Frage jetzt einen Arzt! HIV-Symptome.de

  3. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Hallo,
    also Dein Mann war unentdeckt positiv und aufgrund der üblichen Tests bei Nadelstichverletzung kam die Infektion raus?
    Deine Kinder können sich bei Deinem Mann im Alltag nicht anstecken. Und auch das Berühren von Wundsekret stellt kein Infektionsrisiko dar oder haben sie mit eigenen großen, tiefen Wunden im Sekret rumgemanscht? Kann ich mir nicht vorstellen.
    HIV ist sehr schwer übertragbar. Sieht man ja schon daran, dass Du bisher nicht infiziert bist.
    Du willst die Kinder also einer völlig unnötigen Blutentnahme aussetzen, dem Stress, dem kurzen Schmerz, nur um deine, durch Unwissenheit bestehenden, unnötigen Sorgen, zu beruhigen?
    Bitte informiere Dich dringend über HIV und dessen Übertragungswege. Sonst hören die Sorgen nämlich nicht auf. Such Dir therapeutische Hilfe.
     
  4. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Genau, er hat sich auf der Arbeit mit ner Nadel gestochen und wurde dann getestet.
    Er wird sich irgendwann 2015 auf der Arbeit angesteckt haben. März 2015 war der letzte negative Test.

    Naja, mein Wissen sagt mir, dass eine Infektion der Kinder quasi ausgeschloss ist. Allerdings soweit ich weiß ist Wundsekret bei einem unbehandelten HIV infektiös und eine theoretische Ansteckung übers Auge möglich?!
    Und, dass ein Kind mit dreckigen Finger ins Auge fasst, ist jetzt nicht so undenkbar.

    Mein Mann würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er wüsste was ich mir wieder zusammen dichte
     
  5. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Stop...Deine Kinder infizieren sich nicht im Alltag. Du schusterst unmögliche Infektionswege zusammen. Sekrete von der Hand ins Auge wäre eine Schmierinfektion und das geht bei HIV nicht.

    Ich persönlich kenne niemanden, der sich mittels Spritze infiziert hat. Das Risiko ist ja bei errechneten 0.3% wenn man sich bei zb. der Blutentnahme bei einem HIV-positiven Patienten mit hohem VL sticht. Wurde der Patient nicht sofort gefragt und eine PEP angesetzt?
     
  6. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Alexandra, der erwähnte Nadelstich ist nicht die Infektionsquelle.
     
  7. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Nein genau, der Stich war nur der Punkt an dem wir "Glück im Unglück" hatten. Sonst hätte es vermutlich noch Jahre gedauert, bis wir die Diagnose erhalten hätten.

    Mein Mann ist Krankenpflege auf einer Intensivstation, ist Teil des Notfallteams. Er kommt oft und viel mit Blut in Kontakt, bei dem keiner weiß, ob es infektiös ist.
    (abgesehen davon, dass nicht jeder Mensch weiß, ob er positiv ist oder nicht, selten könnten sie in der Situation eine Antwort geben)
    Die Anerkennung als Berufskrankheit war, nachdem alle Papiere vorlagen nurnoch eine Formsache. Sowohl der Arzt der Unfallkasse, als auch der behandelnde Arzt sagen, dass es garnicht sooo selten in der Medizin vorkommt.



    Danke für eure Antworten.
    Ja das mit den zusammen Schuster trifft wohl zu.
     
  8. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Achso....das hab ich demnach missverstanden.
     
  9. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    [QUOTE="Engel10, post: 90345, member: 5306“]
    Die Anerkennung als Berufskrankheit war, nachdem alle Papiere vorlagen nurnoch eine Formsache. Sowohl der Arzt der Unfallkasse, als auch der behandelnde Arzt sagen, dass es garnicht sooo selten in der Medizin vorkommt.
    [/QUOTE]

    Danke für Deine Erklärung....dann hab ich das andere wohl missverstanden. Ich weiss, dass es in einem Schockraum und auf der Intensiv massiv blutig zu und her gehen kann.....in der Rettung ja auch. Aber wenn es „nicht so selten vorkommt“ sollte man da aktiv nach Lösungen suchen....es kann nicht sein, dass das med. Personal Risiken eingehen muss...bekannte Risiken und es wird nichts getan.
     
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  10. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Hallöchen Engel10 :)

    Zunächst mal:
    Herzlich Willkommen im Forum, auch wenn der Anlass sicher kein schöner ist.

    Ich denke, du bist hier im Forum goldrichtig, hier leben viele User seit Jahren, gar Jahrzehnten mit der Infektion, die du jederzeit mit Fragen löchern darfst.

    Wie Alexandra und devil schon gepostet haben, eine Infektion im Alltag ist ausgeschlossen.
    Auch ist HIV keine Schmierinfektion.

    Ich wünsche deinem Mann und dir weiterhin alles Gute! :)
     
  11. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Hallo @Engel10 erstmal herzlich willkommen im Forum. Bei meinem Mann wurde 2013 Vollbild AIDS diagnostiziert, seitdem ist er in Therapie und unter NWG. Ich bin negativ. Ich selbst habe 2 Kinder mit in die Ehe gebracht.
    Ich verstehe Deine Ängste als Mutter. Deshalb ist es wichtig, die richtigen Informationen einzuholen, damit einem Ängste und Sorgen im Alltag nicht mehr einholen.
    Im normalen Alltag kann man sich nicht infizieren. Dir geht es wahrscheinlich auch rückwirkend gesehen, vor Diagnose. Auch da ist es nicht möglich.
    HIV ist keine Schmierinfektion. Diese Augen"szenarien" bspw. sind nur theoretisch möglich unter laboratorischen Umständen. Mit der Realität hat das nix zutun, da größere Mengen infektiöser Flüssigkeit (sagen wir mal nen Eierbecher voll) ins Auge geraten müssten, dann hat das Auge trotzdem noch eine Schutzfunktion, die das ganze wieder ausstößt, also Tränenflüssigkeit etc.
    Ich denke, das braucht halt wirklich seine Zeit, bis man alles verarbeitet, aber das schaffst Du und das Ganze schweißt einen noch mehr zusammen.
    Bezüglich GV, normalerweise würde der Arzt Deines Mannes signalisieren, ob und wann GV ohne Kondom möglich wäre. Aber das sieht tatsächlich jeder Arzt anders.
    Wir verhüten mit Kondom, aber das kommt vorallem daher, das ich die Pille nicht vertrage. Deshalb haben wir das Thema auch nie beim Arzt angesprochen.
    Ich hoffe, Deinem Mann geht es soweit gut. Wie fasst er das Ganze auf?
     
  12. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Danke für eure liebe Aufnahme und die Antworten.

    Für den normalen Klinikalltag gibt es viele Schutzmaßnahmen. In der Notfallsituation kommt es oft zu Situationen mit denen man nicht rechnet/rechnen kann. Da helfen dann auch keine Handschuhe und Schutzkittel mehr.

    Danke Traumpaar. Ja das sind wohl die Sorgen einer Mutter und es geht um die Zeit vor der Diagnose. Auch wenn die für 2 Jahre vermutlich eher kurz war.
    Wie geschrieben, wenn es mich trifft wäre es mir relativ egal. Man kann gut mit HIV leben.
    Aber wenn es dazu unsere Kinder getroffen hätte, das könnte ich mir nicht verzeihen. Die können ja mal überhaupt nichts für die Situation.

    Bzgl GV sagte unser Arzt, dass mein Mann nicht mehr ansteckend ist, sobald er unter der NWG liegt. Ich vertrage die Pille auch nicht, deswegen hat mein Mann sich sterilisieren lassen.

    Ab dem Punkt, wo wir wussten, dass er mich nicht angesteckt hat, ging es ihm gut.
    Wir leben ganz normal weiter, haben grade ein Haus gebaut.
    Wir wollen unser Leben bestimmen und nicht von einer Erkrankung bestimmen lassen.
     
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  13. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Wir sind beide aus der Pflege, die, die von der Erkrankung wissen, sind auch alle aus dem Bereich.
    Es ist wirklich unglaublich, wie unwissend man ist, wenn man nicht selber betroffen ist.
    Meine Ausbildung ist jetzt 10 Jahre her, damals bekamen auch behandelte HIV Patienten ein Einzelzimmer mit eigenem Bad. Nen dicker roter Mülleimer vor der Tür für die Schutzkleidung.
    Bei den meisten bleibt das Wissen auf diesem Stand. Das finde ich ganz furchtbar
     
  14. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Da seid ihr doch auf einem guten Weg. Und wegen Deiner Kinder, wenn Du immer mal wieder unsicher bist, dann lass doch den Test zu Deiner Sicherheit machen. Dann kannst Du danach mit den Zweifeln abschließen.
     
  15. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Niemand kann etwas für die Situation.
    Dein Mann nicht und du auch nicht.
    Das ist wichtig, dass ihr das wisst.

    Genau, ihr seid die Herren im Ring!
    Finde die Einstellung ganz arg klasse!
     
  16. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ja, das sehe ich auch bei meinen Leuten..... die schauen mich meistens mit grossen Augen an wenn ich denen erkläre, dass ich nen Patienten mit HIV irgendwo schnell dazwischen schiebe und dann die Sanität nicht desinfiziere. Ich hab Patienten mit HIV, mit Hepatitis C etc. Ich mach absolut keinen Unterschied....bei mir sollen sich die Leute wohl fühlen. Aber es ist erstaunlich wie wenig die Leute in med. Bereich über HIV lernen.... auch in den Erste Hilfe-Ausbildungen der Laien kein Thema... ich bau es immer mit ein.

    Sehr gute Einstellung..... ihr bestimmt euer Leben und nicht die Krankheit.
     
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  17. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Danke, danke.
    Allein ein paar Antworten zum Austausch helfen ungemein

    Ich denke, sollte bei den Kids aus irgendeinem Grund mal ne BE gemacht werden müssen, dann lassen wir sie testen.
    Nur um meine letzten Zweifel schwarz auf weiß zu beseitigen.
    Damit ich nicht hinter jeder Lungenentzündung, Ausschlag etc das Schlimmste vermute. :confused:
    (der elendige Pessimist in mir o_O)
     
  18. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    so, das sind ALLE möglichen Übertragungswege:
    Übertragungswege

    HIV wird übertragen wenn frische, infektiöse Sekrete ohne Umwege und in ausreichender Menge, auf unsere Schleimhäute oder frische, tiefe, offene, blutenden Wunden gelangen.
    - ungeschützter vaginaler Verkehr
    - ungeschützter Analverkehr
    - Sperma- und/oder Blutaufnahme beim Oralverkehr
    - Kontakt infektiöser Sekrete mit frischen, akut blutenden Wunden.
    Die normale Haut unseres Körpers ist für die HI-Viren undurchdringlich.
    und nun erkläre mir bitte, wie sich Deine Kinder infiziert haben sollen?
    Die frischen, akut blutenden Wunden müssen allerdings auch entsprechend tief sein. Und zwar so groß und tief, dass eine chir. Wundversorgung notwendig ist.
    Also, bitte erkläre uns den Übertragungsweg Deiner Kinder.
     
  19. Nebel

    Nebel Mitglied

    Nach der Diagnose vor ca 3 Monaten bei meinen mann war ich auch im absoluten Schock zustand.
    Ich hatte leider nicht soviel Glück und bin ebenfalls positiv.
    Mein Mann über 10 Jahre und ich habe mich wahrscheinlich erst vorletztes jahr angesteckt.
    Allerdings kann man damit wirklich gut umgehen.
    Ich verstehe aber deine Ängste voll und ganz.
    Auch wenn alle sagen das es unmöglich ist habe ich unsre Kinder (9jahre,2x14jahre) ebenfalls testen lassen.
    Alle 3 negativ.
    Das gibt einen als Mutter jede menge Sicherheit zurück.
    Und lässt auch mich und meinen Mann mit der Situation leichter umgehen.
    Auch wenn mein Männe sehr damit zu kämpfen hat das ich mich bei ihn angesteckt habe. Hoffe aber das legt sich wieder-er konnte ja nichts dafür.
     
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  20. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    @devil_w mein Gedanke war einfach für mich ganz simpel. Frisches infektiöses Sekret, Schleimhaut im Auge. Das die Möglichkeit bei 0% liegt, habe ich verstanden.
    Irgendwo war hier ein Beitrag mit dem Titel "Angst ist gefährlicher als HIV"

    Wir wissen jetzt seit gut einem Jahr von der Erkrankung und heute Nacht hatte ich das 2. Mal überhaupt, dass mich solche Gedanken überrannt haben.
    Das ist absolut nicht rational. Vielleicht ist das die Art von meinem Kopf, das ganze zu verarbeiten?!
    Vielleicht sind wir viel zu schnell, zu gut mit dem ganzen klar gekommen?
     
  21. Engel10

    Engel10 Neues Mitglied

    Danke Nebel.
    Selbst wenn es 1000% sicher keine Ansteckung geben konnte, ein "negativ" schwarz auf weiß, durch einen Test bewiesen würde Sicherheit geben.
    Dann gäbe es keinen Zweifel mehr.
     
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