Hallo Community! Meine Partnerin ist positiv.

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Anderzon, 11. September 2020.

  1. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Perfekt... Gratuliere. Ich freu mich für Dich.
     
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  2. Anderzon

    Anderzon Neues Mitglied

    Absolut verständlich! Meine Partnerin hat sich aus reinem Selbstschutz angestrengt eingeredet, dass ich nichts habe. Von Testergebnis zu Testergebnis ist ihr das leichter gefallen und jetzt kann sie endlich loslassen. Die Schuldgefühle bei anderem Ausgang wären extrem gewesen und das auch, obwohl - anders als wahrscheinlich bei dir damals - die Therapie inzwischen so weit fortgeschritten ist.

    Lieben Dank und auch nochmal danke für deine Hilfe. :)
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Das ist eigentlich der größte Blödsinn bei der ganzen Sache – sich Schuld einzureden, wo keine ist …
     
    AstridP und Anderzon gefällt das.
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Wieder offen …
     
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  5. Anderzon

    Anderzon Neues Mitglied

    Vielen Dank an AlexandraT und matthias für die Wiedereröffnung.

    Ich hoffe, ich kann zukünftig mit einer Regelmäßigkeit posten, damit der Thread sich nicht immer wieder automatisch schließt.

    Also ...

    Leider habe ich ihre letzten Werte nicht mehr im Kopf, seit ich das letzte mal hier schreiben wollte, aber die VL stieg nach Reduktion von zwei Medikamenten auf eines ganz leicht auf < 30. Ganz glücklich war sie nicht, dass die VL leicht stieg, aber ich sagte ihr, dass sie sehr tief im grünen Bereich ist und wenn es medikamentöse Probleme gäbe, wäre sie vermutlich weit höher. Der Arzt beruhigte sie da auch.

    Sie ist sehr routiniert und sicher im Umgang mit der Medikation. Nur einmal wusste sie nicht, ob sie ihre Tablette nahm und schluckte deswegen aus Nervosität eine hinterher. Beim Durchzählen des Blisters bemerkte sie, dass das zu viel war. Davor hatte ich einen Patienten, der die doppelte Dosis ihrer Medikation regulär einnehmen musste, aber erst ihr Arzt - der ihr auch bestätigte, dass er PatientInnen hätte, die eine viel höhere Dosierung haben als sie - konnte sie da komplett beruhigen.

    Ein Thema bei ihr war, ob sie ihrem Zahnarzt von ihrer Infektion erzählen sollte. Da Zahnärzte (und nicht nur die) generell Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen, empfahl ich ihr, nichts zu sagen, was auch ihr Arzt sagte. Mir ist in meinem Beruf als Krankenpfleger weiterhin einiges an Diskriminierung bezüglichHIV-PatientInnen aufgefallen. Jetzt kläre ich meine KollegInnen zwar beherzter auf (was ich natürlich früher schon hätte machen müssen), aber gesellschaftlich kommt das halt leider irgendwie nicht so richtig an. Sie war damit nicht ganz zufrieden, es verschweigen zu sollen. Aber es geht da wirklich nicht um die anderen, sondern um sie. Sie ist keine Gefahr für irgendjemanden. Das versteht sie heute u.a. auch weil:

    Sexuell haben wir inzwischen seit längerem die EKAF-Reife erreicht und lassen das Kondom weg. Auch AV klappt nun ohne Angst.
    Einmal schmeckte ich beim Cunnilingus, dass sie wohl ihre Tage bekam, obwohl man erstmal direkt nichts sehen konnte. Am Morgen darauf war es dann auch soweit und es machte ihr Angst, dass ich Blut von ihr geschluckt haben könnte, trotz niedriger VL. Ich hatte ihr erklärt, dass alles in Ordnung sei und der Arzt bestätigte das wieder. Nun sind wir auch beim Sex während ihrer Menstruation mutiger, meist mit Kondom, aber das reduziert sich in der Hitze des Gefechts manchmal.

    Wir haben schon ziemlich zu Beginn die Regel aufgestellt, dass der eine nichts macht, was ihm nicht gefällt, nur weil er denkt oder sieht, dass der andere es mag (schwieriger Satz, ich weiß :oops:). Damit fahren wir recht gut.

    HIV ist nur zu ihren dreimonatigen Arztbesuchen ein kurzes Thema. Wir leben einen normalen Alltag und wir freuen uns auf unseren ersten gemeinsamen Urlaub. Ihre Medikamente teilen wir auf unsere beide Koffer auf, falls da etwas verlorengeht.

    To be continued. :)
     
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  6. Anderzon

    Anderzon Neues Mitglied

    Wir hatten einen wundervollen Urlaub und sehr viel Sex. Aber ihre Periode blieb aus und das machte ihr schwer zu schaffen. Für mich war klar, dass wir einen Schritt nach dem anderen gehen, ohne uns vorher verrückt zu machen, heißt: Erstmal Schwangerschaftstest machen. Und dann noch einen. Ich hatte da leicht reden, ist ja nicht mein Körper. Ihre Angst war, wenn sie schwanger sein würde, dass das Kind mitHIV zur Welt käme. Da sie ja verständlicherweise mehr auf ihren Spezialisten hört, als auf mich, wiederholte ich ihr das, was er sagte. Sie verstand es und weinte noch etwas weiter. Ich hielt sie im Arm, küsste sie dabei und sie beruhigte sich. Da war so viel Druck in ihr. Der negative Schwangerschaftstest erleichterte sie dann komplett. Sie erkennt ihre Triggerpunkte und ist jetzt aktuell dabei, dass professionell in Therapie zu bearbeiten.

    Die nächste dramatische Episode folgte schnell:

    Wir hatten erneut ungeschützt Sex, vor ihrer Periode, aber die kam dann währenddessen, als ich in ihr drin war. Das merkten wir nicht sofort. Was wir (oder besser sie) aber merkten war, dass ich einen kleinen Einriss an der Vorhaut hatte und eine Hautabschürfung an der Unterseite des Penis (fragt nicht, wie mir das immer wieder passieren kann, lol). Ihre VL ist irgendwo unter 36, ich habe den exakten Wert leider nicht. Sie hat demnächst wieder einen Termin zur Kontrolle.
    In diesem Moment meinte ich sie beruhigt zu haben (ich zeigte ihr z.B. die Kohortenstudie zu "Viral suppression and HIV transmission in serodiscordant male couples"), aber einige Tage später brach es wieder aus ihr raus. Es war großer Stress für sie. Ich sagte, dass nichts passieren könne. Es half ihr etwas, mich ruhig zu sehen. Der Tag ihrer Diagnose hat sich kürzlich gejährt. Das spielt wahrscheinlich ebenfalls mit rein in ihre Ängste.
    Sie wird auch diese Episode bei ihrem Spezialisten und in Therapie ansprechen.

    Ich beobachte, dass ihre Angst mich nachträglich nervös macht bezüglich Ansteckungsgefahr, doch die Studienlage ist ja eigentlich ziemlich tröstend. Selbstberuhigung ist immer wieder mal nötig. :rolleyes: Ist alles ein stetiger Lernprozess. Für uns beide.
     
  7. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Respekt, wie toll Du zu ihr hältst und wie Du sie immer wieder beruhigen kannst. Was ich allerdings traurig finde ist, dass sie nach nun 1 Jahr noch immer nicht in der Lage ist, zu verstehen, dass sie mit dieser niedrigen Viruslast niemanden gefährden kann.
    Ich wünsche Euch, dass sie dies in naher Zukunft verinnerlichen und die Partnerschaft richtig genießen kann.
     
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  8. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    100%ige Zustimmung :)
    Und ich kann das schon nachvollziehen, dass sie da immer wieder mal verunsichert ist.
    Das "Restrisiko" wirklich aus dem Kopf zu bekommen ist nicht immer leicht, vor allem am Anfang. Und da ist sie scheinbar immer wieder mal. Aber das passt schon so und gehört auch irgendwie dazu. Alles gut :cool:
     
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