Gerissenes Kondom bei Anal, Risiko?

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von jabedabe, 22. November 2021.

  1. jabedabe

    jabedabe Neues Mitglied

    Hallo zusammen

    Wie bereits viele vor mir erbitte ich eure Einschätzung meiner Lage.
    Gestern hatte ich GV mit einer Transfrau die ich auf einer Dating-Plattform kennen gelernt habe.
    Ich bin anal mit Kondom in sie eingedrungen. Die Penetration dauerte etwa 2-3 Minuten, ich bin nicht gekommen. Als ich meinen Penis herauszog bemerkte ich, dass das Kondom gerissen und bis zum Penisansatz zurückgerutscht war. Meine Eichel lag also frei.
    Natürlich machte ich mir dann Sorgen. Ich habe mit ihr geredet, sie hat einen negativenHIV Test vom Sommer 2019 und hatte laut eigener Aussage zuletzt vor 20 Monaten das letzte Mal eindringenden Sex. Sie selbst macht sich, obschon des grösseren Risikos für sie, keine Sorgen bezüglich einer Infektion. Dies machte mich ein wenig stutzig.
    Sie wirkt zwar vernünftig und vertrauenswürdig, trotzdem kenne ich sie nicht wirklich. Wir hatten davor lediglich für ein paar Stunden geschrieben und danach kam es zum Treffen.

    Da es gestern Abend passierte, überlege ich mir ob es Sinn macht mit einer PEP anzufangen. Einen Test werde ich in 6 Wochen definitiv machen. Rational gesehen denke ich war das Risiko für eine Ansteckung minim, aber ich könnte es mir nie verzeihen wenn der Test positiv ausfällt und ich keine PEP gemacht habe.


    Wie schätzt ihr die Lage ein? Danke euch im Voraus.

    Grüße

    Michi
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Moin Michi,
    ja - sie hatte so etwas wie ein Risiko, aber ohne Sperma ein sehr kleines. Du hingegen hattest von Anfang eh das geringere Risiko.

    Warum wirst Du stutzig, wenn sie besser informiert ist als Du? Eine PEP auf der Basis ist Kanonen -> Spatzen.
     
  3. jabedabe

    jabedabe Neues Mitglied

    Hey Matthias

    Danke für Deine schnelle Antwort. Stutzig deshalb weil sie meinte dass sie aufgehört habe, sich wegen solchen Dingen einen Kopf zu machen. Das könnte dann als fahrlässiger Umgang mit Safer Sex interpretiert werden, sprich dass sie häufiger ungeschützten GV mit Internetbekanntschaften hat. Noch eine Ergänzung: Ich habe mich davor intim rasiert. Das erhöht das Risiko doch auch aufgrund möglicher kleinster Verletzungen der Haut, oder?

    Je mehr Zeit vergeht (und weniger für PEP übrig bleibt), desto verrückter mache ich mich natürlich, aber das hört ihr in diesem Forum hier natürlich fast täglich. Und in praktisch allen Fällen entschärft sich die Situation.
    Wenn man sich aber bei offiziellen Anlaufstellen erkundigt, wird ja jeder ungeschützte Kontakt, egal wie lange und intensiv, als Risikokontakt beschrieben nach welchem man eine PEP durchführen sollte. Unterm Strich ist halt noch ne Menge Glück/Pech im Spiel.
    Das verunsichert mich umso mehr. Vielleicht wäre es besser lieber vier Wochen lang Kanonen in Kauf zu nehmen, dafür dann aber Gewissheit und Ruhe zu haben.
     
  4. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Aha... jemand, der also nicht jeden Tag mindestenst einmal anHIV denkt handelt automatisch beim Sex fahrlässig .. das sind ja dolle Ansichten !

    Weißt Du das, oder unterstellst Du es ihr einfach mal ? Und unter anderem hatte sie auch Sex mit Dir, also mal fein den Ball flach halten !

    Ja, das Leben ist generell lebensgefährlich. Man kann auch Pech haben und vom Baugerüst fallen, vom Auto überfahren werden, an einem Stück Brot ersticken oder in der Badewanne ersaufen.

    Das Kondom ist gerissen, das kann passieren und ist nicht das Ende der Welt. Also komm wieder auf`n Teppich. Und ausserdem ist ja nichts passiert, weil
    also hatte Dein Gegenüber kein HIV-Risiko, schließlich war sie auch ungeschützt vor Dir ! Und das Deine ist so minininininimal, dass man es nicht mal messen kann.

    Andere STI können möglich sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2021
    matthias gefällt das.
  5. jabedabe

    jabedabe Neues Mitglied

    Nein, mir ist bewusst dass hierbei meine Angst eine grosse Rolle spielt und es weniger mit ihr zu tun hat. Deshalb schrieb ich auch man "könnte" das hineininterpretieren.
    Weder noch! Die Einzige die hier gerade unterstellt bist du. Genauso könnte ich dir unterstellen, dass du voreilig Schlüsse über mich ziehst, obwohl du weder mich noch die Details der Situation kennst. Das bringt aber niemanden weiter. Natürlich habe ich auch ihr nahe gelegt sich testen zu lassen da sie ein grösseres Risiko hat, darauf wie sie damit umgeht habe ich aber keinen Einfluss. Sie möchte sich nicht testen lassen.
    Es handelt sich um meinen ersten Kondomplatzer, deshalb bin ich verunsichert.
    Überall wird seit Jahrzehnten propagiert dass man sich bei bereits einmaligen, kurzen Kontakt ohne Blut/Sperma nur über die Schleimhäute infizieren kann, und hier heisst es dann "kein Risiko, komm auf den Teppich". Die empirisch ermittelten Infektionswahrscheinlichkeiten nach Sexualpraktik sind mir auch geläufig, diese sind sehr klein, aber nicht null. Der Rest ist Angst.

    Deshalb, Danke schonmal für die beruhigenden Worte bisher. Ich werde innerhalb der "PEP-Frist" wohl noch mit der lokalen Anlaufstelle Kontakt aufnehmen und mir anhören was sie meinen.

    lg Michi
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Du musst uns keinen Glauben schenken. Aber dann akzeptiere bitte unsere Einschätzungen, die wir Dir auf Deine Bitte hin gegeben haben.

    Die PEP-Frist liegt bei 24 Stunden nach RK. Aber ob Du Dich dafür qualifizierst, muss der Arzt entscheiden. Immerhin kann eine unnötige PEP zu Resistenzen führen.
     
  7. jabedabe

    jabedabe Neues Mitglied

    Sehr gerne akzeptiere ich eure Einschätzungen, bitte entschuldigt falls dies anders rüberkommt.
    War nun bei der Beratung und sie haben mir eine PEP empfohlen, da sie bei ungeschütztem Analverkehr "generell" eine PEP empfehlen. Und bei mir war die Penetration möglicherweise über die volle Dauer ungeschützt, wenn das Kondom bereits zu Beginn platzte.
    Mir ist natürlich bewusst, dass solche Anlaufstellen in der Regel eher auf Nummer sicher gehen und die Kanonenmethode empfehlen.
    Eure Einschätzung wird das natürlich nicht ändern. Ich lebe in der Schweiz und laut dem Berater würden sie bis max. 48h nach dem RK mit PEP starten. Ich wurde also nachhause geschickt es mir nochmal zu überlegen und ggf. morgen nochmal hinzugehen.
     
  8. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Letztlich ist es Deine Entscheidung, was Du machst. Unsere Ansicht dazu kennst Du ja.
    Bedenke, dass eine PEP keine Lutschbonbons sind, es können Nebenwirkungen auftreten.
    Wenn Du sie anfängst, musst Du sie auch zu Ende nehmen, und sie verschiebt denHIV-Test auf 6 Wochen nach Beendigung der PEP nach hinten.
     
  9. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    DAS stimmt nicht.
    Sogar manche AIDS Hilfen sagen inzwischen was ganz Anderes. Es MÜSSEN ZWINGEND MEHRERE Faktoren zusammenkommen.
    HIV Infektion + hohe Viruslast + infektiöses Material in ausreichender Menge + Zeit + intensive Reibung/Druck = Risiko für HIV (aber nur Risiko,eine Infektiion ist nicht gewährleistet)
     
  10. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das ist natürlich blöd gelaufen...
    Da interpretierst du zuviel hinein
    Ist die nicht nachweislich positiv und unbehandelt, nein *
    Eine gute Idee :)
    Das ist Unsinn (nicht böse gemeint)
    Rein theoretisch stimmt das
    Das stimmt nicht mehr, ist längst überholt... *
    Nachvollziehbar
    Das liegt daran, dass es Null im Leben nicht gibt :cool:
    Ganz genau so ist das

    *
    Laut dem neuestem "guideline for the use ofHiv Post-Exposure Prophylaxis" von 2021 (die letzte von der DAIG ist von 2019) ist in deinem Fall eine PEP nur dann empfohlen wenn...
    Aber es steht dir natürlich frei eine solche zu machen, wenn sie dir angeboten wird. Deine Entscheidung :cool:
     
  11. jabedabe

    jabedabe Neues Mitglied

    Hallo zusammen

    Danke nochmal für eure rege Beteiligung zu meinem Anliegen. Ich war vorhin nochmal bei ihr und habe zwei Selbsttests von der Apotheke mitgebracht. Wir sind beide negativ.
    Mir ist bewusst dass der Selbsttest nur Infektionen erkennt die älter als 3 Monate sind. Meinen letzten Sex hatte ich im August, und sie meinte sie hatte in den letzten 3 Monaten niemanden getroffen. Ich vertraue ihr da, wir haben noch ein bisschen geredet und ich war ihr dankbar dass sie ein offenes Ohr für meine Sorgen hatte, trotz Internetbekanntschaft und schneller Nummer.

    Nichts desto trotz werde ich Ende Jahr mal einen Rundumcheck auf die häufigsten STDs machen, schadet ja nicht und jetzt bin ich definitiv für das Thema sensibilisiert.
    Bis dahin werde ich aber definitiv wieder ruhig schlafen können! Auch bin ich froh dass ich mich nicht zur PEP habe hinreissen lassen.

    Beste Grüße
    Michi
     
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  12. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Klingt sehr vernünftig :cool:
     
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  13. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Es ist richtig, dass es hier nur eine relative Sicherheit geben kann. Aber die Tatsache, dass Ihr das gemeinsam gemacht habt, spricht doch sehr dafür, dass Ihr beide einen vernünftigen Umgang mit dem Thema habt. Wenn nicht, hätte sie den Test wohl eher abgelehnt.

    Ich darf Dich noch einmal an Dein »stutzig werden« erinnern: Offensichtlich weiß sie tatsächlich mehr als Du bzgl.HIV. Da ist ihr eher entspannter Umgang eben keine Nachlässigkeit, sondern tatsächlich ein Vorteil … den Du aber leicht aufholen kannst … ;) … Wissen ist der Anfang des erfolgreichen Schutzes.

    Eine PEP ist eine Nothilfe, aber kein Panikbeseitigungsprogramm. Es ist gut, dass es sie gibt – aber sie wird sehr bewusst nicht bei jedem Anlass verschrieben. Und auch das ist gut.

    Und das ist nie ein Fehler.

    Alles Gute für Dich!
     
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