Familie und Co

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Mingmay, 27. November 2018.

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  1. Mingmay

    Mingmay Neues Mitglied

    Hallöchen liebes Forum,

    Vor ca. 2 Jahren erfuhr ich dass mein LebensgefährteHIV positiv ist.
    Wir leben seit 7 Jahren zusammen in einer Patchworkfamilie mit 4 Kindern ;)

    Ich muss zu Beginn sagen, dass mich diese Tatsache am Anfang wirklich umgehauen hat. Es war sprichwörtlich "a gnackfotzn" und das in vielerlei Hinsicht.
    Mein Partner hat es geschafft 5 Jahre kein Wort darüber zu verlieren. Er hat mit absolut keinem Gesprochen, ausser alle 3 Monate bei seinem Arzttermin.
    Seit dem haben wir unsere Beziehung "gesund geredet".
    Für uns ist es mittlerweile ein ganz "normales" Thema. Es hat ihn ungemein erleichtert ganz offen mit dem Thema umzugehen. Zumindest mir gegenüber.
    Ich versuche ihn so gut es mir möglich ist zu unterstützen. Wir haben Kontakte zur Aids Hilfe geknüpft, gehen auf Positiven Veranstaltungen. Es ist für mich völlig selbstverständlich eine "Ersatztablette" in meiner Handtasche zu haben, auch wenn wir sie noch nie genutzt haben. Es ist selbstverständlich für mich alle 3 Monate mit zum Arzt zu gehen und anschließend legen wir eine Bartour ein. So als Belohnung :)

    Nun kommt der nächste Schritt,......
    Zunehmend merke ich das mein Partner das Bedürfnis hat offener mit seiner Diagnose umzugehen. Für mich ist das absolut kein Problem, ich finde das super. Wir sprechen auch viel darüber ob er es nun diesem oder jenem Freund sagen sollte. Ich versuche ihn hierbei zu bestärken und sage ihm auch ganz bewusst, dass er es einfach versuchen soll. Egal wie die Reaktion ist, ich bin direkt hinter ihm ;)
    Er konnte diesen Schritt jedoch noch nicht gehen. Wie kann ich ihn hierzu noch ermuntern? Oder sollte ich einfach abwarten?
    Wie geht es anderen damit, wie unterstützen andere "negative" ihre Partner?

    Dann ist da noch das Thema Kinder und das ist wirklich eine harte Nuss :)
    Wir haben alle möglichen "Altersklassen" in der Familie vertreten :)
    Ich finde es wichtig innerhalb der Familie offen mit diesem Thema umzugehen, mein Partner hat jedoch große Angst vor dieser Offenheit. Ich weiß das es ihn unheimlich erleichtern würde. Dies hat natürlich mehrere Gründe. Die älteren zwei der Kinder sind Burschen im Teenager Alter, die jüngeren 2 Mädchen im Kindsalter. Wie handhabt Ihr das in euren Familien? Habt Ihr es Häppchenweise erzählt oder allen gleichzeitig?
    Der Älteste hat unlängst einen Satz fallen gelassen.
    "Irgendwas hat er, irgendwas stimmt nicht.",und ich wusste genau was er meinte. Ich war alleine mit Ihm und wollte meinem Partner nicht vorgreifen. Jetzt wäre doch der perfekte Zeitpunkt mit dem großen darüber zu sprechen oder nicht?? Wie kann ich meinen Partner über diese "hemmschwelle schupsen"?

    Ich wäre eher für die Holzhackermethode: Partner und Sohn in die gemütliche Küche und dann ein Gespräch anfangen. Jedoch weiß ich nicht ob es in diesem Zusammenhang so gut ist?!? Oder sollte ich einfach abwarten?!?

    Fragen über fragen ?!?!
     
  2. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Hmmmmmm...
    Ich kann dir soviel sagen, dass dies eine doch sehr persönliche Geschichte ist mit seiner Infektion. Er hat einfach Angst und stellt sich sicherlich die "Was-wenn-Fragen".

    In meinem Umfeld weiß es niemand. Nicht unsere Kinder, nicht meine Eltern, kein anderer Verwandter, auch keine Freunde oder Kollegen. Ich finde es geht ganz einfach niemanden etwas an. Das hat speziell mitHIV gar nicht viel zu tun. Ich würde, wenn es mir möglich wäre, auch eine andere, zb Krebserkrankung, niemandem auf die Nase binden. Wenn ich an die mitleidigen Blicke denke wird mir schlecht... :rolleyes:
    Außerdem entstehen durch ein solches "Coming-Out" jede Menge Fragen, die ich nicht bereit bin zu beantworten. Und damit meine ich jetzt nicht die sachlichen/medizinischen/wissenschaftlichen Dinge rundherum von HIV und Co.
    Weiters gebe ich zu bedenken, dass ihr/er keine Kontrolle mehr darüber hat, ist es erst mal raus. Und das ist es was zb mir Sorgen bereitet in der Hinsicht... o_O

    Ich kenne dich nicht, auch nicht deinen Mann oder dein/euer Umfeld, aber dennoch bitte ich dich ihn nicht zu "outen". Das wäre sehr schlimm für mich, sollte das jemand (und schon gar nicht mein(e) Partner/Partnerin) mit mir machen :eek:

    So weit mein Blickwinkel... :)
     
  3. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

  4. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Guten Abend @Mingmay. Mein Mann will gar nicht darüber reden, eher verdrängen. Das war am Anfang schwer für mich, ich wollte reden. Mittlerweile hab ich mich damit arrangiert und kann mich im Forum mit dem Thema beschäftigen. Das tut mir gut. Es ist auch für mich ein normales Thema geworden.
    Bei uns wissen es nur meine Mutter. Sonst niemand. Ich habe 2 Kinder mit in die Ehe gebracht, die waren damals bei der Diagnose noch klein. Ob wir es jemals erzählen, wenn sie erwachsen sind, keine Ahnung.
    Bezüglich Kollegen, Gesellschaft denke ich halt auch, was man einmal gesagt hat, kann man niemals wieder zurück nehmen. Es kann halt ungeahnte Folgen haben, muss aber nicht.
    Matthias und triplex gingen damit an die "Öffentlichkeit" und sind damit absolute Vorreiter in Bezug auf Aufklärung, Akzeptanz und Information. Was ich total löblich finde und mutig!
    Es muss halt jeder wirklich seinen Weg finden und nicht gedrängt werden.
    Also ein Allgemeinrezept gibt nicht.
     
    Wyoming und haivaupos gefällt das.
  5. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Nur zur Sicherheit. Also mit meiner Frau sprech ich natürlich schon drüber :)
    Und auch mit dem überwiegenden Teil meiner Sexpartner seither. Das klingt jetzt nach einer großen Menge, sind aber nur ganz wenige :cool:
    Bin ja keine Schl*mpe, naja, wenn doch, nur eine ganz kleine :D
     
    Wyoming gefällt das.
  6. PositiVerliebt

    PositiVerliebt Neues Mitglied

    Hallo Mingmay,

    mein Partner ist auch seit vielen Jahren positiv, ich habe es vor einiger Zeit zufällig erfahren.
    Wir haben seitdem sehr lange und oft über das Thema geredet. Er war auch sehr erleichtert, dass das Versteckspiel ein Ende hat und er endlich jemandem ausser seinem Arzt hat, mit dem er über das Thema reden kann.
    Ausser uns beiden weiß es keiner und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass das auch so bleiben soll. Denn wenn es erstmal "raus ist" haben wir keine Kontrolle mehr darüber wer es weiß und wer nicht.
    Wir leben hier sehr ländlich, ich vermute viele der Anwohner hier sind noch sehr ängstlich dem ThemaHIV gegenüber eingestellt.
    Mein Partner ist sehr engagiert in der Politik. Seine Erkrankung könnte sich negativ auf seine Karriere auswirken. Aber auch in Bezug auf die Familienplanung.
    Noch haben wir keine Kinder, möchten aber in den nächsten Jahren welche. Wir haben ehrlich gesagt etwas die Befürchtung, dass wenn die Infektion erstmal öffentlich ist, dass unsere Kinder darunter mal leiden könnten, weil sie als Kinder eines HIV-Infizierten vielleicht bei manchen Dingen ausgeschlossen werden könnten.
     
  7. -triplex-

    -triplex- Poweruser

    Hmm auf der einen Seite kan ich dich berstehen, aber auf der seite des Aktivisten widerrum nicht ..
    Wir machen vieles um genau diese "Selbst-stigma" zu brechen ... die neue Kampanie der Deutschen AIDS Hilfe #wissenverdoppeln kann da schon einiges mindern .

    Und die Sache mit der politik hmm sorry aber das ist und sollte kein Kriterium sein .. denn es kanditiert gerade ein sehr jungerHIV positiver Mann in der Partei :)
     
  8. Mingmay

    Mingmay Neues Mitglied

    @haivaupos die liebe "Was-Wenn-Frage", mit dieser beschäftigt sich sicher jeder immer wieder.
    Oje niemals würde ich meinen Lebensgefährten "Outen", ich dachte eher an die"Athmosphäre" das es ihm vielleicht besser gelingt.:confused: Ich habe einen sanften Vorschlaghammer:D
    Schlussendlich ist das ganz klar seine Entscheidung.

    Natürlich geht es im GRUNDE niemanden etwas an. Bis dato wussten auch nur wir zwei davon..wir handhaben es genauso.
    Seit geraumer Zeit aber ändert sich die Meinung meines Lebensgefährten und er tendiert dazu sich gewissen Personen anzuvertrauen.Dafür hat er mehrere Gründe und ich möchte ihn unterstützen, egal wie er es handhabt. Natürlich sind diese "Mitwisser" sorgfältig ausgewählt, Plaktieren werden wir es nicht.
    Ich glaube schon dass es einen Unterschied macht ob ich es in der Familie oute, Freunden oder Bekannte. :rolleyes:
     
  9. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Natürlich macht es (das) einen Unterschied, keine Frage :cool:
    Das ist was anderes. Wenn er es so will, kein Problem. Denn ganz grundsätzlich hat triplex schon recht. Wir "positiven" leben mitten unter all den anderen Leuten die nix davon ahnen oder wissen. Und wahrscheinlich auch niemals auf diesen Gedanken kommen werden. Darum bleibt das Bild der 80er in den Köpfen der Menschen drin. Wir könnten dieses Bild ändern. Wir.
    Aber, und freilich gibt es ein aber, viele werden das so sehen wie ich: "warum soll ausgerechnet ich mich dem (womöglich negativen) aussetzen". Und letztendlich bin ich wohl einfach zu feig dazu, habe nicht den Mut. Auch wenn ich sehr gern derjenige wäre, der den Mut hat... :rolleyes:
     
  10. Mingmay

    Mingmay Neues Mitglied

    @Traumpaar Ich kann gut nachvollziehen das es sehr schwer ist wenn der Partner nicht darüber reden möchte. Schön das Du eine Möglichkeit gefunden hast damit umzugehen.
    Nein, ein Allgemeinrezept gibt es bestimmt nicht und wird es auch nicht geben :oops:. Ich bin froh dieses Formun gefunden zu haben um sich austauschen zu können, finde ich wichtig.
    Das ist es, absolut..


    @PositiVerliebt
    Mir erging es genau wie Dir. Ausser uns 2 weiß niemand bescheid, jedoch ändert sich die Sichtweise meines Lebensgefährten.
    Ich kann das wirklich sehr gut verstehen unsere größte "Sorge" liegt auch bei den Kindern, dass sie einfach bei manchen Dingen ausgeschlossen werden. Es ist unvorhersehbar wie das Umfeld reagiert, ich bin ebenso vom Land und das Thema ist hier doch eher ein Tabuthema:eek:.
     
  11. Nebel

    Nebel Bewährtes Mitglied

    Hallo mingmay.

    Also wir wohnen in einen Dorf mit nichtmal 2000 bewohnern.
    Mein Mann hat eine Tochter mitgebracht und ich eine.damals waren die beiden 2 Jahre alt.
    Jetzt sind sie 14. Unser gemeinsamer Sohn ist 9 Jahre alt.

    Also meine Tochter weiß alles.
    Sie ist aber auch seid 8 ! Jahren in der Feuerwehr und ihr traumjob ist notfallsanitäterin.
    Sie hat schon mehrere Praktikas im medizinbereich hinter sich und ist offen für alles. Sie kommt damit super klar. Will aber auch nicht das irgendjemand davon weis.

    Mein bonuskind weiß noch nichts davon.sie ist eine ganz liebe aber ich glaube sie ist noch nicht so weit das alles zu verstehen.

    Und unseren kleinen habe ich noch nichts erzählt. Er ist noch zu klein und daß sein Papa jetzt 2 Monate im kkh ist, ist so schon schwer genug für ihn.

    Unseren Eltern und Geschwistern habe ich auch die Wahrheit gesagt.

    Mein Mann ist normalerweise immer ein sehr offener mensch. Ich hoffe allerdings das er das ThemaHIV außerhalb der Familie nicht erwähnt.
    Nicht falsch verstehen, ich würde auch am liebsten los und offen damit umgehen um auch den letzten die angst vor HIV positiven Menschen zu nehmen aber ich will und kann es meinen Kindern nicht antun das es rauskommt.

    Jeder von uns weiß wie die meisten Menschen damit umgehen und das meine kinder aufgrund dessen leiden müssten kann ich nicht verantworten.
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Es gibt dazu ein Buch von Dieter Niemeyer (»Ich muss euch was sagen«), das sich mit genau diesem Thema befasst: https://www.perlentaucher.de/autor/dieter-niemeyer.html
     
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