Eltern-Reaktion auf HIV

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Mr. X97, 21. März 2013.

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  1. Mr. X97

    Mr. X97 Neues Mitglied

    Meine Eltern haben immer nur abwertend überHIV-infizierte geredet, typische Phrasen waren: "Die sind alle selbst schuld.", überhaupt wenn es um Homosexualität (finden sie als abartig) geht. Wenn wurden nur Personen akzeptiert, die durch Bluttransfusionen infiziert wurden.

    Somit war es natürlich schwer für mich, wie ich es meinen Eltern sagen sollte. Zuerst wurde bei mir eine PCP-Lungenentzündung im Krankenhaus festgestellt, und mir gesagt, es könne eine HIV-Infektion vorliegen. Somit sagte ich meinen Eltern, es werde jetzt einHIV-Test gemacht. Sie redeten sich natürlich ein, es sei ein routinemäßiger Test, als allerdings das positive Ergebnis kam, reagierten sie zum Glück anders als erwartet. Sie meinten es gäbe schlimmere Erkrankungen. (Keine Ahnung, ob sie auch so reagieren würden, wenn sie von ihrem schwulen Sohn wüssten? *g*)

    Daran erkennt man, das sie eine tolerante Haltung gegenüber HIV haben, jedoch Angst haben, wie ihre Umgebung darauf reagieren könnte. Das merkt man auch daran, dass sie mich bitten (bzw. von mir verlangen), nirgends von meiner HIV-Infektion zu erzählen. Auch wird bei uns über das Thema nicht gesprochen, wenn überhaupt, dann nur der Ausdruck "diese Erkrankung" verwendet.

    Besonders unangenehm ist es, wenn zum Beispiel Besuch von Verwandten, Bekannten und Freunden da ist, und es irgendwie auf das Thema kommt, wo man dann nur abwertende Dinge hört - und sich nicht dagegen währen kann, weil sonst Verdacht geschöpft werden könnte.

    Sicher wäre interessant, wie sie reagieren würden, wenn ich bei dieser Gelegenheit ihnen sagen würde, das ich selbst infiziert bin - und sie so merken würden, über mich so geredet zu haben. Aber das "Risiko" ist mir einfach zu groß.

    Außer meinen Eltern (und dem Krankenhaus), weiß bis jetzt niemand, von meiner Infektion - obwohl schon zwei Jahre vergingen.

    Ich denke mal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht - oder ....?

    Andreas
     
  2. Eisblume

    Eisblume Neues Mitglied

    In meiner Familie wissen es nur mein Vater + seine Freundin (meiner Oma + Schwester wollte ich es nicht sagen und mit dem Rest hab ich eh nix zu tun)

    Ich habe es ihnen sofort gesagt als ich davon erfahren bin, eigentlich aus dem Grund dass sich mich vorher mit dem Verlauf nie auseinander gesetzt habe und dachte "in einem Jahr biste eh tot"

    Bin direkt nach dem Arzt zu ihnen , wie seine Freundin reagiert hat weiß ich garnicht mehr, mein Vater kam erst später weil er arbeiten war hat aber nicht groß was dazu gesagt mich umarmt.. und auch das erste mal zum schwerpunktarzt begleitetet, aber sonst sprechen wir eigentlich nicht über das thema
     
  3. -cupcake-

    -cupcake- Bewährtes Mitglied

    Diese Haltung die du da beschreiben hast kennich nur zu gut von meinem Vater. Was meisnt du welche Angst ich hatte es ihm zu sagen aus Angst er würde sagen ich wär nicht mehr seine Tochter.

    Aber er sah mir an dass was nicht stimmt ich sagte es ihm tränen überströmt und er hielt mich ganz doll in seinen Armen und meinte wird schon alles gut werden. Wir haben dich trotzdem lieb.

    Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.


    wir haben es unseren Freunden Eltern und Geschwistern erzählt. Und niemand ist negativ aufgefallen.
     
  4. maryjane

    maryjane Neues Mitglied

    Hallo ihr Lieben,
    Ich habe vor einem Jahr selbst erfahren, dass ich positiv bin. Hatte seit dem große Schwierigkeiten es für mich zu behalten, weil ich sehr offen sprechen möchte und es mich natürlich selbst belastet hat. Vor etwa einem Monat habe ich mich meiner Mutter offenbart, davor wussten es schon vier Freundinnen, zwei Lehrerinnen und mein neuer Freund. Ich habe als Jugendliche immer von ihr hören müssen, ich soll auf mich aufpassen und Kondome benutzen, habe es aber mit meinem damaligen Freund nicht getan. Durch diese Vorgeschichte hatte ich große Angst vor Vorwürfen, aber meine Mutter liebt mich über alles und sie ist jetzt noch mehr bemüht mich zu unterstützen damit es mir gut geht (Seit der Pubertät war ich wegen Übergewicht und Minderwertigkeitskomplexen stark depressiv und versuche dies immer noch in den Griff zu kriegen). Meine restliche Familie geht es garnichts an, man muss viel zu viel erklären, damit keine Gerüchte gestreut werden. Jedoch glaube ich nicht, dass ich stigmatisiert werden würde, denn im Grunde sind sie auch alle nur Menschen die Fehler machen. Ich bereue meinen Fehler auch, mich nicht geschützt und zu wenig auf mich selbst geachtet zu haben.
    Beruflich befinde ich mich gerade in der Ausbildung und bin ständig Krankheitserregern von Kleinstkindern ausgesetzt, daher ist es auch unangenehm darum herum zu reden, was genau gesundheitlich bei mir los ist, wenn ich oft krank bin.
    Ich will nicht über diese Krankheit schweigen, aber ich kann es zum Beispiel meinem Vater auch nicht sagen, da dieser alkoholkrank und suizidgefährdet ist, und ihn dies sicher nur noch mehr Sorgen bereiten würde. Ich versuche immer positiver durchs Leben zu gehen. Wie gesagt, ich versuche es. Wahrscheinlich fange ich bald eine Therapie an, mein Schwerpunktarzt hat gestern eine lange Mail bekommen.
    Wie stark belastet euch das Schweigen? Wehrt euch gegen euch verkrampften Eltern! Seid stolz darauf, wer ihr seid, ob schwul, oder lesbisch oder hetero oder transsexuell. Ist doch alles egal! Das wichtigste ist, dass ihr ein gutes Herz habt.

    Liebe
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Sind die Eltern dennn wirklich verkrampft? Oder befürchten wir das nur?

    Ich habe meinen Eltern - als einzigen Menschen - nichts von der Infektion erzählt, weil ich einen anderen Grund hatte: Mein ältester Bruder ist 1977 im Alter von 30 Jahre an den Folgen eines Gehirntumors verstorben und ich wollte meine Eltern für die letzten Jahre ihres Lebens - sie waren damals schon um die 70) schonen. Das hatte ich mit meinen Geschwistern so vereinbart.

    Es war zwar - rational - die beste Lösung. Trotzdem hat mich nie das Gefühl verlassen, ich hätte meine Eltern - zu denen ich ein supertolles Verhältnis hatte - mit meiner Nicht-Information betrogen, ihnen etwas vorenthalten, ihnen mein Vertrauen entzogen.

    Merke: Menschen reagieren ganz oft anders, als man sich das selbst ausmalt.
     
  6. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Guten Morgen ...

    ich bin von Anfang an mit der Infektion offen umgegangen. Negative Erfahrungen habe ich bisher in keinster Weise machen müssen. Ich denke wenn dies so gewesen wäre, wäre es mir egal gewesen.

    Meine Mutter hatte es ebenfalls sehr gut aufgenommen. Aber, wer was wann und wem erzählt, sollte doch jeder selber entscheiden und von der Situation abhängig machen. Bei meiner Arbeitsstelle habe ich meine Infektion bisher verschwiegen. Auch wenn man Positiv ist, senkt das ja nicht die Arbeitsleistung.
     
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