Einmal etwas von der Seele reden

Dieses Thema im Forum "HIV-Test" wurde erstellt von marie, 16. Dezember 2019.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. marie

    marie Neues Mitglied

    Hallo liebe Community,
    ich möchte mir gerne einmal meine Angst von der Seele reden, da ich momentan nicht weiß, mit wem ich sprechen kann.

    Ich (w) hatte vor vier Jahren eine sexuelle Beziehung zu einem Mann. Haben insgesamt öfter miteinander geschlafen, viel ausprobiert, keine Kondome benutzt.
    Nach dem 1. Mal Sex mit ihm ging ich zur Gynäkologin, um ihr zu erzählen, dass ich ungeschützten Verkehr hatte. Es wurde dann nur eine ungewollte Schwangerschaft ausgeschlossen. Über Krankheiten wurde nicht gesprochen und im Nachhinein glaube ich, dass ich das im Gesprächsverlauf vielleicht mit impliziert habe.

    Einige Zeit nach dem Beginn dieser Beziehung bekam ich Fieber, Rachenschmerzen, Gliederschmerzen. Dauerten nicht allzu lang an.
    Als ich dann einen nicht juckenden Ausschlag am Schlüsselbein bekam, suchte ich einen Allgemeinmediziner auf. Der fragte mich zu meinen Lebensumständen, nannte den Ausschlag stressbedingt und verschrieb mir eine Salbe.
    Ab da gehörte Nachtschweiß zum Programm. Habe ich auf die „Erkältungssymptome“ geschoben.

    Nach den beiden Arztbesuchen habe ich es dann tatsächlich geschafft, 4 Jahre meine Angst vor einer Ansteckung zu verdrängen.
    Keine Ahnung, was der Auslöser dazu war, dass ich nun endlich den Entschluss gefasst habe einen Test machen zu lassen! Jedenfalls habe ich es heute gemacht und warte jetzt auf das Ergebnis.

    Ich bin ununterbrochen den Tränen nahe, habe eine riesengroße Angst vor dem Ergebnis.
    Nicht einmal aufgrund der Krankheit an sich. Ich kann bestimmt damit Leben. Aber wie wird mein (neuer) Partner reagieren. Ach Mensch, ich kann mir eigentlich selber Antworten: „warte erstmal das Ergebnis ab“, aber es fühlt sich so an, als würde die Unsicherheit und Angst, die ich 4 Jahre ignoriert habe, nun in Summe auf mich einprasseln. Irgendwo bin ich mir so sicher, dass ichHIV habe (ungeschützter Verkehr - mehrmals, danach Grippeähnliche Symptome, dann Hautausschlag. Zeitlicher Verlauf passt zu dem einer Neuinfektion. Hinzu kommt, dass ich seit dem total viel Niese - ohne erkältet oder allergisch zu sein). Andererseits stirbt ja bekanntlich die Hoffnung zuletzt.

    Ich habe hier eigentlich garkeine Frage an Euch und weiß auch nicht, was ich für eine Antwort erwarte... ich würde mich einfach freuen eure Gedanken dazu zu hören. Fühle mich grade so alleine.
     
  2. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Ehrlich? Du machst dir viel zu viele Gedanken über viel zu viele ungelegte Eier...
    Das hättest du dir mit einem Schnelltest ganz leicht ersparen können. :cool:

    Tut mir ja leid, dass du dich fürchtest, aber wirklich ändern kannst du da nix dran. An der Wartezeit meine ich. An deiner Einstellung und den Umgang dir selbst gegenüber schon :)
     
  3. marie

    marie Neues Mitglied

    Danke @haivaupos für die Antwort.

    Da ich bisher mit keinem Arzt überHIV gesprochen habe, habe ich momentan ja nur die Infos aus dem Internet und Foren.
    Ist meine Wahrnehmung da korrekt, dass es sich mit HIV (natürlich in Behandlung) beinahe besser und uneingeschränkter leben lässt, als mit Diabetes oder einer anderen chronischen Erkrankung? Ein Herpes-Virus ist ja auch immer im Körper und bricht gelegentlich aus - wobei man das glaube ich nicht behandeln muss.
    Natürlich braucht man nichts von alle dem - keine Frage.
    Das ist mal ein ganz plumper Gedanke der mir beim stöbern hier in den Sinn kam. Ich habe da selber noch nicht lange drüber nachgedacht. Vielleicht ist das auch ein ganz dummer Gedanke...

    Irgendwie hat es (neben der doofen Ungewissheit und Angst), grade das Gute, dass ich merke wie unwissend ich eigentlich bin. Ich habe mein Wissen über HIV in den letzten zwei Tagen wohl verzehnfach - und kratze immernoch an der Oberfläche
     
  4. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Wie lange musst du denn auf das Ergebnis warten? Wenn es länger dauert, kannst Du ja morgen, wie von haivaupos morgen einen Schnelltest machen. Der ist nach so langer Zeit genauso sicher wie der Labortest, nur hast Du das Ergebnis dann nach ca 20 Minuten.
    Du gehst trotz Deiner Angst recht rational an die Sache ran und das finde ich echt klasse.
    Machen leider wenige.
    Was die damaligen Symptome betrifft, sie können zwar mitHIV in Verbindung gebracht werden, haben aber in den Allermeisten Fällen dann doch Nichts damit zu tun.
    Hast Du denn noch Kontakt zu dem Mann?
    Ich denke, wenn er inzwischen positiv getestet worden sein sollte, hätte er sich doch bestimmt bei Dir gemeldet.
    Trifft auf einige chronische Erkrankungen sicherlich zu.
    Ich bin HIV Negativ, aber dank zweier Verkehrsunfälle chronisch krank. Ich habe seit dem Autounfall 2001 eine Belastungstachykardie und vergesse ich einmal meine Tabletten, die ich dafür nehme, kann es mein Leben kosten.
    Jetzt warte, wie schon gesagt, das Ergebnis ab. Ich bin doch recht zuversichtlich, dass es Negativ lauten wird.
    Und wenn Du die Wartezeit nicht aushältst, dann mach morgen einen Schnelltest.
     
  5. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Nun ja. Das ist eine Frage bzw Sache der Herangehensweise, der Sicht der Dinge...
    Wenn ich mir anschaue was ein Diabetiker (hab einen nahen Kollegen) alles auf sich nehmen muss und wie eingeschränkt der manchmal ist, ist die einmalige Einnahme meiner Therapie ein Pappenstiel dagegen :cool:
    Wenn du das Ganze aus der sozialen Sicht betrachtest, ist der Diabetiker mir als positiven wahrscheinlich "überlegen", d. h. Diabetes ist wohl sowas wie normaler. Wenn du weißt was ich meine ;)
    Obwohl ich dazu sagen muss, dass ich noch nie eine negative Erfahrung machen musste mit meiner Infektion. Gut, ich hänge das aber auch nicht an die große Glocke :cool:

    Doch wie gesagt. Mach dir doch keine solchen Gedanken. Das ist doch ein wenig verfrüht. Und eigentlich nicht nur wenig, eher zuviel. Auch wenn du recht vernünftig damit umzugehen scheinst...
    Wird schon schiefgehen :)
     
  6. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Auch auf die Gefahr hin, mich mal wieder unbeliebt zu machen (aber einer muss es ja tun).. Du konntest 4 Jahre warten, da hat es Dich nicht die Bohne interessiert und jetzt auf einmal fällt Dir ein " Oh, da war doch was, früher" ?? Da kannst Du auch locker die Zeit bis zum Ergebnis aushalten, es ging ja vorher auch und hat Dich nicht gekümmert
     
  7. marie

    marie Neues Mitglied

    Bis Mittwoch, also noch einen Tag.
    Ich wusste auch nicht, dass ein Schnelltest bereits so zuverlässig ist. Was ich so gelesen habe ergab, dass die mal schneller positiv ausfallen. Daher dachte ich ein Labortest sei genauer.


    Das denke ich auch. Aber vielleicht weiß er auch nicht, dass er eventuell positiv ist. Sind ja zur Zeit nur Mutmaßungen. Ich werde es morgen genauer wissen.

    Alles gute für dich @devil_w! Wenn ich mir vor Augen führe was du da mitmachst, wird’s mir direkt wieder unwohl hier über meine Situation zu schreiben.
    Danke für deine Antwort.
     
  8. marie

    marie Neues Mitglied

    Ich glaube, dass ich weiß was du meinst.
    Danke für deine Antwort :)
     
  9. marie

    marie Neues Mitglied

    Ja, die Zeit halte ich aus.
    Trotzdem tat es gut nun zum aller ersten Mal meine Sorge in Worte zu fassen.
    Und noch besser tut es jetzt, antworten zu lesen und mich austauschen zu können.

    Dass ich 4 Jahre warten konnte und es mich „nicht die Bohne interessiert“ hat, kann man glaube ich nur nachvollziehen, wenn man selber schonmal erlebt hat wie einen der eigene Kopf hinters Licht führen kann. Die Angst vor einer Ansteckung + Symptome, die man auch so mal haben kann + zwei Arztbesuche, bei denen vonHIV nie die Rede war + das war eine längere sexuelle Beziehung in der auch ein gewisses Vertrauen bestand + der Wille einfach kein HIV haben zu wollen ..... (ich glaube ich könnte die Rechnung noch weiterführen)... haben einfach ergeben, dass ich 4 Jahre dumm und feige war.
     
  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    @marie

    … zunächst einmal: Du musst Dich für nichts entschuldigen, und Dir muss auch nicht unwohl sein. Was Dir devil mitteilen wollte ist schlicht: Mach Dir keine Gedanken um ungelegte Eier … und: Es gibt Schlimmeres alsHIV.

    HIV ist seit 23 Jahren gut zu behandeln, trotzdem ist es immer noch mit einem großen Schamfaktor belastet, weil die Gesellschaft HIV-Positive immer noch ausgrenzt. Das machst übrigens – wenn auch ungewollt – auch Du, indem Du die völlig unnötige Angst vor HIV (und damit auch vor positiven Menschen) beflügelst. Auch wenn Du im Eingangsposting einen recht aufgeklärten Eindruck machst und Dich relativ sachlich zum Leben mit HIV äußerst, ist das doch nur die rationale Seite. Die emotionale Seite sieht eben völlig anders aus.

    Allerdings muss ich auch ehrlich sagen: Für jemand, der sich im Internet »informiert« haben will, würde ich gerne wissen, auf welchen Seiten das gewesen sein soll. Die Seiten der AIDS-Hilfen oder der Gesundheitsämter sind voll von aktuellen Informationen, die bei Dir aber nicht angekommen sind. Warum nur?

    Und zum Schnelltest: Auch wenn ein Test positiv oder reaktiv anschlägt, heißt das so lange nichts, bis ein Bestätigungstest das Ergebnis bestätigt oder eben nicht. Das ist bei allen Testverfahren so und klingt für mich eher nach einer Ausrede.

    Aber Du hast es ja bald geschafft und die Unsicherheit hat ein Ende. Die von Dir geschilderten Symptome können natürlich etwas bedeutet, aber müssen es überhaupt nicht. Die meisten tatsächlichen HIV-Infektionen verlaufen komplett symptomfrei.

    Ach so … ganz nebenbei: Ich bin seit fast 28 Jahren positiv und mir geht es sehr gut. Der einzige Unterschied: Als ich mein Testergebnis 1994 bekam (die Infektion hat sehr wahrscheinlich 1992 stattgefunden), war die Diagnose noch ein Todesurteil. Mittlerweile (also eigentlich schon ganz lange) ist HIV … und hier gebe ich haivaupos Recht … leichter zu behandeln als eine Diabetis.
     
  11. marie

    marie Neues Mitglied

    stimmt absolut!


    Welche der Informationen, die ich habe, sind denn falsch? Oder was meinst du sind es für Infos, die bei mir nicht angekommen sind?
    Ich habe es so verstanden, dass der Schnelltest öfter mal falsch positiv ist. Deshalb habe ich mich einfach für das Gesundheitsamt entschieden, um den eventuellen Schreck über ein erstmals falsch positives Ergebnis zu umgehen.
    Naja für mich ist die Hauptsache erstmal, dass ich endlich einen Test gemacht habe und bald Gewissheit habe. Dann gehts weiter.

    Danke @matthias für die Worte. Sollte mein Test positiv sein, hoffe ich darauf auch einmal so sachlich und rational damit umgehen zu können wie es bei dir zu sein scheint. Ach ich rede total Quatsch! Da ertappe ich mich wieder dabei:
    Wieso sollte ich nur bei einem positiven Ergebnis sachlich und rational mit HIV umgehen? Blöder Gedanke :mad:
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Genau so … da habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt.

    Tatsache ist: Bei Tests kommt es darauf an, wer sie ausführt … und da sind Labortests beim Gesundheitsamt genauso sicher wie Schnelltests bei z. B. der AIDS-Hilfe. Nur bei Selbsttests sind wir sehr vorsichtig, da es hier gerne mal zu Anwendungsfehlern kommen kann, die ein Ergebnis verfälschen. Dass Schnelltests »gerne mal falsch-positiv« ausfallen, ist ein Gerücht, das sich durch nichts bestätigen lässt.

    Nach 28 Jahren erlaube ich mir einen entspannten Umgang. Aber auch ich habe 1994 etwa 18 Monate gebraucht, um mich in die (damals noch tödliche) Situation hineinzufinden. Das sollte heute, dank der Therapie, schneller möglich sein.

    Der Gedanke hat was. Man muss mit jedem Ergebnis umgehen (können). Wir haben hier im Forum schon Spezialisten gehabt, die ein negatives Testergebnis einfach nicht anerkennen wollten … einer wurde nach 25 Tests innerhalb von vier Monaten stationär von seiner Familie eingewiesen. Daran sieht man, wohin emotionale Panik führen kann …

    Tatsache ist: HIV ist immer noch Mist. Aber aus einer tödlichen Bedrohung ist eine recht einfach und unaufwändig behandelbare chronische Infektion geworden, die weder das eigene noch andere Leben beeinträchtigt. Das Problem ist nur, dass 99,9% aller Menschen Angst vor 0,1% Positiven haben, von denen bereits mehr als 90% nicht mehr ansteckend sind.

    (Zahlen Deutschland 12/2018 – das sind die aktuellsten Infos des Robert-Koch-Instituts)
     
  13. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Dankeschön.
    Ne, ne, da musst Du Dir kein schlechtes Gewissen einreden wegen Deiner Frage hier. Ich wollte damit eigentlich nur Deinen Gedanken, dass manche chron. Erkrankung einschränkender ist alsHIV, bestätigen.
    Ich komme inzwischen mit dieser Einschränkung super zurecht. Habe einen Tablettenblister im Arbeitsrucksack und 1 in der Arbeitsjacke, falls ich mal in der Früh, wenns pressiert, die Tabletten vergesse. Ich hatte bei dem einen Autounfall eine Herzbeutelprellung und durch die dadurch entstandenen Vernarbungen habe ich nun eine Belastungstachykardie. Das heißt, je nach Belastung steigt mein Puls bis hin zum Herzkammerflimmern. Wenn ich in der Ebene mit meinen Hunden Gassi gehe, habe ich auch ohne Tabletten überhaupt keine Probleme. Da kann ich stundenlang gehen. Macht überhaupt Nichts aus.
    Sobald ich aber Steigungen oder Treppen hinauf laufe oder mit dem Rad fahre, dann steigt der Puls gefährlich hoch. Dank der Tabletten hält sich der Pulsanstieg aber in Grenzen.
    Ich habe lange gebraucht, diese massive Einschränkung zu akzeptieren. Denn ich war mal Leistungssportlerin und der Sport war mein Ventil z.B. zum Stressabbau.
    Also, wie gesagt. Mach Dir mal keinen Kopf, wollte damit lediglich Deine Aussage bestätigen.
     
  14. marie

    marie Neues Mitglied

  15. marie

    marie Neues Mitglied

    Guten Morgen liebe Community,

    ich wollte mich nochmal melden.
    War grade beim Gesundheitsamt, um meine Ergebnisse abzufragen.
    Diese waren negativ!

    Ich kann kaum beschreiben wie kurios das ist, denn ich hatte mich eigentlich in den letzten Tagen schon total mit einem positiven Ergebnis arrangiert.

    Wahnsinn, was ein Zufall das war, dass meine Symptome damals zeitlich und auch vom Ausmaß so unglaublich passend zu einer frischen Infektion waren. Vielleicht habe ich das mal irgendwo gelesen und hatte dann solch eine Angst, dass das alles psychosomatisch war... oder wirklich nur eine starke Erkältung und der Hautausschlag am Schlüsselbein zufällig auch noch.

    Naja, ich bin erleichtert nicht chronisch krank zu sein.

    Das Lesen eurer Beiträge hier, sowohl in meinem Post als auch in den anderen, hat mir riesig geholfen!!!
    Ich habe meine Einstellung zu dieser Krankheit absolut geändert und nehme das nun in meinen Alltag mit.

    Hätte ich heute das erwartet positive Ergebnis bekommen, wäret ihr meine erste Anlaufstelle für einen Austausch gewesen und ich war mir sicher, hier auch gefangen zu werden.
    Das war (neben der Ansgt und Unsicherheit) ein gutes Gefühl!

    Ihr leistet hier tolle „arbeit“! Es ist sicherlich auch ermüdend, die ganzen Angshasen wieder ernst zu nehmen und dann hinterher zu hören, dass doch
    gemacht wurden :rolleyes:

    Danke für das offene Ohr und den Austausch in einer Situation, in der eigentlich Freunde und Familie für einen da sein sollten, man (aufgrund der eigenen Vorurteile und bestimmt auch der bestehenden Vorurteile der anderen) aber den Mut nicht fasst diese zu involvieren!

    Ich stöbere hier bestimmt trotzdem nochmal rum, wünsche aber in diesem Zuge frohe Feiertage!

    Ganz herzliche Grüße!
     
    haivaupos gefällt das.
Die Seite wird geladen...
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Unser HIV Forum nutzt Cookies. Details zur Nutzung von Cookies auf unseren Seiten findest Du hier und unter "Weitere Informationen":

    Information ausblenden