Hepatitis D

Als Hepatitis D wird eine virusspezifische Lebererkrankung bezeichnet, die durch Hepatitis-D-Viren (HDV) verursacht wird. Eine Infizierung mit Hepatitis D erfolgt über das Blut oder durch sexuelle Kontakte mit Infizierten und nur bei einer bereits vorhandenen Infizierung mit Hepatitis B. Der Hepatitis-D-Virus ist ein sogenannter „unvollständiger Virus“ und tritt niemals allein auf. Teile der Hepatitis-B-Viren werden zur Vermehrung und Ausbreitung von Hepatitis D benötigt. Der D-Virus dockt sozusagen an das B-Virus an. In Deutschland ist die virale Lebererkrankung durch Hepatitis D relativ selten.

HDV und dessen Antikörper werden vor allem in Nordafrika, Südamerika, einigen Gebieten des Mittelmeerraumes und des mittleren Ostens nachgewiesen. Weltweit sind etwa 15 Millionen Menschen chronisch an Hepatitis D erkrankt. Eine Erkrankung mit Hepatitis D durch verunreinigte Blutkonserven ist in Deutschland nahezu ausgeschlossen. Das Überwachungssystem bei Blutspenden ist inzwischen vorbildlich. Hierzulande sind Drogenabhängige (Personen, die sich ihre Drogen mittels Spritze intravenös zuführen) besonders gefährdet. Dieser Personenkreis ist zudem selten gegen Hepatitis B geimpft. Eine absolute Heilung ist bei einer Infektion mit Hepatitis D nur in einem Drittel der Fälle möglich. Meist verbleibt der Virus latent im Körper. Bei einer dauerhaft geschädigten Leber hilft nur eine Transplantation, um das Leben der Betroffenen zu retten.

Ursachen

HDV ist bei seiner Vermehrung auf Eiweißkomponenten angewiesen, die sich auf der Oberfläche der Hepatitis-B-Viren befinden. Besteht eine Infektion mit Hepatitis B, dann kann es zu Hepatitis D kommen. Voraussetzung für Hepatitis D ist demzufolge eine Hepatitis-B-Erkrankung bzw. der Nachweis von Hepatitis-B-Viren oder Hepatitis-B-Antikörpern. Die Übertragung von Hepatitis D erfolgt vorwiegend über das Blut, seltener durch Geschlechtsverkehr. Beim Geschlechtsverkehr müssten schon enorm heftige Praktiken angewendet werden, um dem Virus durch blutende Wunden den Eintritt in den Körper zu ermöglichen.

Theoretisch ist eine Ansteckung mit Hepatitis D auch über Blutkonserven möglich, in Deutschland jedoch nahezu ausgeschlossen. Eine Infizierung mit Hepatitis D bei bestehender Hepatitis-B-Erkrankung wird Superinfektion genannt, eine gleichzeitige Ansteckung mit beiden Viren heißt Simultaninfektion. In Deutschland sind vor allem Drogensüchtige gefährdet, die Drogenbesteck (Spritzen) gemeinsam benutzen. Auch eine Infizierung des ungeborenen Kindes kann vorkommen, wenn die Schwangere an Hepatitis D erkrankt. Selbst beim Geburtsvorgang und in den ersten Lebenstagen (perinatal) ist noch eine Ansteckung des Kindes möglich, wenn auch sehr selten.

Hepatitis D Symptome

Eine Infektion mit Hepatitis D macht sich in unterschiedlicher Intensität und vor allem mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bemerkbar. Eine akute Hepatitis D verursacht anfangs ein allgemeines Krankheitsgefühl wie bei einer Erkältung. Hinzu kommen Druckschmerz im rechtsseitigen Oberbauch (im Bereich der Leber) und eine leichte bis deutliche Gelbfärbung von Schleimhaut, Gesichtshaut und Augenweiß. Unerklärliches Kribbeln sowie Juckreiz am ganzen Körper werden ebenfalls von den Betroffenen beschrieben. Bei einer Superinfektion können die Symptome blitzartig auftreten, heftig verlaufen und schnell zu einem Leberversagen führen. Dann ist es für eine Heilung zu spät.

Ein Großteil aller Erkrankten behält selbst nach erfolgter, rechtzeitiger Behandlung eine chronische Hepatitis D, die in den meisten Fällen früher oder später zu einer Leberzirrhose oder Leberkrebs führt. Bei einer Simultaninfektion (Hepatitis D und B gleichzeitig) ist der Krankheitsverlauf individuell verschieden und etwas milder. Die Symptome treten auch hier in unterschiedlichen Schweregraden auf, abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand des Erkrankten. Die Heilungschancen sind jedoch besser.

Diagnose

HDV, also die für die virale Leberentzündung verantwortlichen Hepatitis-D-Viren, lässt sich nur im Blut nachweisen. Drogensüchtige und Prostituierte sollten im eigenen Interesse regelmäßig ihr Blut auf HDV oder Antikörper untersuchen lassen. Bei letzterer Personengruppe sind regelmäßige Untersuchungen in kurzen Zeitabständen ohnehin gesetzlich vorgeschrieben. Sollte es zu trotzdem zu einer Infektion mit Hepatitis D kommen, so sind die Heilungschancen gut, wenn Hepatitis D und B rechtzeitig festgestellt werden.

Sollte bei vorhandenen Symptomen die Blutuntersuchung keine ausreichenden Erkenntnisse für den Ausbruch der Krankheit liefern, so wird eine Gewebeprobe der Leber vorgenommen (Biopsie). Hiermit kann geprüft werden, ob sich HBV und HDV bereits im Lebergewebe festgesetzt haben. Vorhandene Antikörper deuten übrigens nicht darauf hin, dass der Körper die Hepatitis-Viren selbstständig bekämpfen kann. Dies ist nur bei weniger als einem Prozent der Betroffenen möglich und nicht gesichert nachgewiesen.

Therapie / Behandlung

Sogenannte Interferone werden bei der Behandlung von Hepatitis D eingesetzt. Das sind entzündungshemmende Mittel, die direkt über das Blut auf das Virus wirken sollen. Nach erfolgter Diagnose wird absolute Bettruhe empfohlen. Nicht selten wird der Patient bei fortgeschrittener Hepatitis D stationär in ein Krankenhaus aufgenommen. Der Verzicht auf Alkohol ist überlebensnotwendig. Scharfe, zuckerhaltige und fettige Lebensmittel sowie Nikotin und Drogen müssen ebenfalls vermieden werden. Eine die Leber schonende Diät ist dauerhaft einzuhalten. Der behandelnde Arzt entscheidet, ob anderweitige Medikamente, welche die Leber zusätzlich schädigen können, für die Dauer der Behandlung abgesetzt werden müssen.

Die akute Hepatitis D heilt bei rechtzeitiger Diagnose in 90 Prozent der Fälle aus, wobei allerdings nur bei einem Bruchteil der Erkrankten die Viren restlos aus dem Körper entfernt werden können. Die Folge ist eine chronische Hepatitis-D-Erkrankung. In schweren Fällen kann die Behandlung über sechs Monate andauern und trotzdem nicht zum Erfolg führen. Ist die Leber durch die Entzündung bereits soweit geschädigt, dass sie nicht mehr selbstständig arbeiten kann, hilft nur noch eine Lebertransplantation. Hepatitis D führt unbehandelt unweigerlich zum Tod. Die Behandlung bei einer schweren Superinfektion wirkt immerhin lebensverlängernd.

Verlauf

Die Inkubationszeit ist bei einer sogenannten Superinfektion (erst Hepatitis B, dann Hepatitis D) deutlich kürzer als bei einer Simultaninfektion (gleichzeitige Ansteckung mit Hepatitis D und B). Allgemeine Erkenntnis: „Zwischen der Ansteckung mit Hepatitis D und den ersten Symptomen können zwischen zwei Wochen und acht Monaten vergehen.“ Die Erkrankung beginnt mit Übelkeit und Bauchschmerzen im Bereich der Leber. Hinzu kommen Anzeichen einer typischen Gelbsucht. Unbehandelt führt Hepatitis D zum Leberversagen.

Vorbeugung

Hepatitis D kann ohne Hepatitis B nicht auftreten. Vorbeugend gegen Hepatitis D hilft demzufolge nur eine Hepatitis-B-Impfung. Eine Impfung gegen Hepatitis D gibt es nicht! Die Verwendung von Kondomen bei wechselnden Partnern ist nicht nur im Ausland hilfreich. Wenn es nach einem Auslandsaufenthalt in gefährdeten Gebieten und/oder nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu den bereits beschriebenen Symptomen kommt (und es besteht keine Immunität durch eine vorherige Hepatitis-B-Impfung), so ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen.

Nach erfolgter Blutprobe und Klassifizierung erfolgt die Behandlung. Medizinisches Personal oder Personen, die sich unbeabsichtigt an eventuell infizierten Spritzen verletzt haben, können unmittelbar danach noch erfolgreich gegen Hepatitis B geimpft werden. An Hepatitis D und B Erkrankte sollten zum Schutz ihrer Partner immer ein Kondom verwenden, auch wenn eine Behandlung vermeintlich erfolgreich war.

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