Vaginalgel gegen HIV

Die HIV Forschung versucht seit Jahrzehnten, das HI Virus wirkungsvoll zu bekämpfen. In dieser Zeit hat sich viel verändert. HIV tendiert immer mehr von einer tödlichen Krankheit hin zu einer chronischen Infektion. Diese Tendenz ist der Pharma-Forschung und den entwickelten Medikamenten zur Behandlung von HIV und AIDS zu verdanken. Fakt ist aber auch, dass HIV bis heute eine unheilbare Krankheit darstellt, die – sofern der Patient nicht aufgrund anderer Umstände vorher aus dem Leben scheidet – sich zu AIDS beziehungsweise dem AIDS Vollbild entwickelt, in dessen Verlauf der HIV positive Mensch an den Folgen der sogenannten Opportunistischen Infektionen stirbt. Da das HI Virus das Immunsystem attackiert, ist es lange nicht mehr so abwehrfähig, wie bei einem nicht infizierten Menschen.

Die für einen absolut gesunden Menschen eher harmlosen Krankheiten (wie z.B. bereits eine leichte Lungenentzündung), die im Rahmen der Opportunistischen Infektionen auftreten, sind daher für HIV Patienten lebensgefährlich und können tödlich enden. Es gibt aber auch Opportunistische Infektionen, die auch für gesunde Menschen tödlich wären, wie beispielsweise diverse Krebs- und Tumorarten. Es bleibt aber dabei: bis heute konnte die HIV Forschung nur Teil-Durchbrüche erzielen, eine Heilung ist nachwievor unmöglich.

Die Forschung im Bereich des Reverse-Transkriptase-Inhibitors (NtRTI) Tenofovir wurde zuerst als Durchbruch kommuniziert. Ein vor HIV schützendes Vaginalgel sollte die Infektionsgefahr massiv senken. Dies ist aber faktisch falsch, wie mittlerweile bekannt wurde. Trotzdem oder gerade deshalb greifen wir das Thema an dieser Stelle auf und informieren über die Hintergründe.

Tenofovir

Tenofovir ist ein Arzneistoff zur Behandlung von HIV-1 Infektionen und Hepatitis B. Das Virostatikum gehlört zu den nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NtRTI) und wird seit Jahren im Rahmen der HIV Therapie eingesetzt, da es die Vermehrung des HI Virus hemmt. Tenofovir ist ein Arzneistoff zur Behandlung von HIV-1 Infektionen und Hepatitis B. Das Virostatikum gehört zu den nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NtRTI) und wird seit Jahren im Rahmen der HIV Therapie eingesetzt, da es die Vermehrung des HI Virus hemmt. Es kommt im Zuge der Kombinationstherapie immer mit anderen antiretroviralen Medikamenten zum Einsatz.

Tenofovir Vaginalgel

Ein Hoffnungsschimmer am Forschungs-Horizont stellte ein Vaginalgel mit 1% Tenofovir dar. Eine von Professor Salim Abdool Karim von der Universität von KwaZulu-Natal in Durban / Südafrika durchgeführte Studie, die unter nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Bedingungen durchgeführt wurde (Doppelblind-Studie mit 434 Probandinnen) konnte bei der Anwendung eines 1prozentigen Tenofovir Vaginalgels zuerst einen deutlicher Rückgang der Infektionen bei der getesteten Probanden-Gruppe verzeichnen.

Hinweis: die Studie wurde unter kontrollierten medizinischen Bedingungen durch einen der renommiertesten Professoren Südafrikas durchgeführt. In Südafrika werden viele Frauen von ihren Männern zu ungeschütztem Sex gezwungen – es liegt also nahe, dass die Studie ausschließlich Frauen umfasste. Alle Frauen wurde die Benutzung von Kondomen empfohlen und auch kostenlose Kondome ausgegeben. Es wurde also niemand zu ungeschütztem GV animiert oder überredet – im Gegenteil.

Innerhalb der Tenofovir Vaginalgel Gruppe infizierten sich laut Ärzteblatt 29 Frauen, bei der Gruppe, die mit einem Placebo Gel ausgestattet war lag die Anzahl der Neuinfektionen bei 58. Je regelmäßiger die Frauen das Tenofovir Gel angewendet haben, desto geringer war das Risiko einer HIV Infektion. Eine Anwendung des Vaginalgels in mehr als 80 Prozent des Geschlechtsverkehrs führte zu einem Rückgang des Infektionsrisikos bezogen auf Frauen um mehr als 50 Prozent und bezogen auf alle Neuinfektionen um insgesamt 39 Prozent. Bei einer Nutzung bei unter 50 Prozent der Geschlechtsakte konnte das Risiko hingegen nur um etwa ein Viertel gesenkt werden. (Vgl. http://www.sciencemag.org/)

Preise / Kosten

Die Kosten des Tenofovir Gels waren einer der wichtigsten Faktoren, da das Gel gerade in Gebieten mit hoher HIV-Prävalenz und einem geringen BIP zum Einsatz sollte. In Afrika, wo das Mittel besonders dringend gebraucht wird, spielt jeder Cent eine Rolle.

Kein Durchbruch in der HIV Forschung, kein Heilmittel!

Das Vaginalgel wurde zuerst als Durchbruch in der HIV-Forschung gewertet. Nachfolgende Studien konnten die Wirksamkeit des HIV Vaginalgels aber nicht bestätigen, wodurch die zuerst kommunizierte und auch medial massiv verbreitete „neue“ Schutzmethode vor HIV nicht als solche bezeichnet werden kann.

Der Ansatz des Gels ist aber grundsätzlich äußerst lobenswert, weil realitätsnah. Gerade in Hochprävalenzregionen herrscht große Armut und genau dort würde eine derartige Methode Millionen (!) HIV-Infektionen verhindern können. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Forschung auch zukünftig versucht, derartige Methoden umzusetzen und schlussendlich dennoch ein funktionierendes, günstiges Gel (oder eine vergleichbare Methode) entwickelt wird, damit die Verbreitung des HI Virus nicht nur in reichen Ländern, sondern auch in armen Regionen effektiv bekämpft werden kann.

Fakt ist aber auch, dass eine derartige Methode eine Infektion mit dem HI Virus nicht rückgängig machen kann. Es liegt nahe, dass eine zukünftige Methode mit ähnlichem Ansatz nur dann wirklich effektiv ihren Bestimmungsort erreichen kann, wenn die Kosten dafür deutlich unter denen von Kondomen liegen und gleichzeitig eine gute Verfügbarkeit, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent gewährleistet sein wird.

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