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Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den Parasiten Toxoplasma gondii ausgel√∂st wird. Der bogenf√∂rmige und etwa zwei bis f√ľnf Mikrometer gro√üe Parasit bef√§llt nicht nur Menschen, sondern alle S√§ugetiere sowie V√∂gel. Identifiziert wurde Toxoplasma gondii erstmals im Jahr 1908 bei einem tunesischen Nagetier (Gondi) und 1923 auch beim Menschen. Da er zwischen Menschen und Tieren √ľbertragbar ist, geh√∂rt der Parasit zur Klasse der sog. Zoonosen. Bevor Toxoplasma gondii den Menschen infiziert, bedient er sich immer einer Katze als Endwirt. Die Infektion eines Menschen erfolgt z. B. √ľber Katzenkot. Auch eine Ansteckung durch Verzehr rohen oder nicht ausreichend gekochten Fleisches ist m√∂glich. Nur in wenigen F√§llen bewirkt Toxoplasmose Symptome, die einer Grippe √§hneln.

Mögliche Anzeichen sind geschwollene Lymphknoten, Abgeschlagenheit und Fieber. Die normalerweise harmlose Infektion stellt aber bei geschwächtem Immunsystem (u. a. bei HIV/Aids) ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar. Außerdem kann der Parasit bei Auftreten innerhalb einer Schwangerschaft das ungeborene Kind gefährden. Über das Ausmaß möglicher Schäden beim ungeborenen Kind entscheidet maßgeblich der Zeitpunkt innerhalb der Schwangerschaft, zu dem sich die Frau erstmals mit Toxoplasmose-Parasiten infiziert. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sind die gesundheitlichen Folgen einer Infektion gravierender als bei einer zu einem späteren Zeitpunkt erfolgenden Übertragung des Parasiten. Zur Feststellung einer Toxoplasmose wird das Blut auf Antikörper untersucht. Nur bei den erwähnten Risikogruppen sind Antibiotikabehandlungen erforderlich

Lebenslange Immunit√§t gegen den Parasiten weisen diejenigen Menschen auf, die bereits einmal an Toxoplasmose erkrankt waren. Ist allerdings eine Infektion √ľberwunden, so tritt dauerhafte Immunit√§t ein. Wenn also eine Frau bereits vor ihrer Schwangerschaft an Toxoplasmose infiziert war, besteht kein Gesundheitsrisiko f√ľr das Kind. Toxoplasma gondii ist √ľberall auf der Welt stark verbreitet. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil infizierter Menschen alle zehn Lebensjahre um ungef√§hr zehn Prozent ansteigt. Bei etwa siebzig Prozent der Menschen im Alter von mehr als 50 Jahren ist der Parasit vorhanden. Das Infektionsschutzgesetz sieht eine Meldung bei w√§hrend der Schwangerschaft erfolgter Infektion mit Toxoplamose vor. Es besteht allerdings keine namentliche Meldepflicht.

Ursachen der Toxoplasmose

Unter den von Toxoplasma gondii befallenen S√§ugetieren kommt der Katze eine bedeutsame Funktion zu: Die Fortpflanzung der Parasiten findet nur im Katzend√ľnndarm statt. M√§nnliche und weibliche Toxoplasma gondii bringen sog. Oozysten hervor, die von einer infizierten Katze ausgeschieden werden. Auf den Boden oder auf Gem√ľse und andere Pflanzen gelangt, werden die Toxoplasma Gondii von anderen S√§ugetieren aufgenommen.

Beim Menschen l√∂sen die von der Katze ausgeschiedenen Parasiten jedoch nur dann eine Erkrankung aus, wenn sie sich in einer warmen und feuchten Umgebung drei Tage lang entwickeln konnten. W√§hrend dieses Entwicklungszeitraumes werden aus den Oozysten zun√§chst sog. Sporozysten und dann Sporozoiten, die auch noch nach Jahren eine Infektion bewirken k√∂nnen. Im menschlichen K√∂rper siedelt sich Toxoplasma gondii im ‚Äěretikuloendothelialen System‚Äú an, einem Teil des Immunsystems. In den Wirtszellen, die der Parasit bef√§llt, vermehrt sich Toxoplasma gondii durch Zellteilung, bis die Zelle durch Parasiten vollst√§ndig gef√ľllt ist, so dass ein zysten√§hnliches Gebilde entsteht (‚ÄěPseudozyste‚Äú). Nach Platzen der Pseudozyste erfolgt die Verteilung der Parasiten √ľber die Blutbahnen (Parasit√§mie).

Das menschliche Immunsystem reagiert nach etwa einer Woche auf den Angriff der Parasiten, was deren Abkapselung in mit festen Wänden ausgestatteten, nunmehr tatsächlichen Zysten bewirkt. Die Widerstandsfähigkeit dieser Gebilde ermöglicht den Parasiten ein inaktives, langjähriges Überleben.

Symptome

In bis zu 90 % aller F√§lle zeigt die Toxoplasmose keine Symptome, soweit die Infizierung nicht vor der Geburt oder bei Menschen mit geschw√§chtem Immunsystem (z. B. bei HIV/Aids) stattfindet. Bei den √ľbrigen 10 bis manchmal 20 % der nachgeburtlich (postnatal) Betroffenen treten grippe√§hnliche Krankheitsanzeichen auf. Au√üerdem ist bei postnataler Infektion ein Anschwellen der Lymphknoten insbesondere am Hals festzustellen (Halslymphknoten-Toxoplasmose).

Diese Symptome bilden sich gew√∂hnlich ohne jede Behandlung zur√ľck. Starke Symptome kann die Erkrankung dagegen bei Vorliegen eines geschw√§chten Immunsystems verursachen. Das Toxoplasma gondii greift oft Gehirn und R√ľckenmark an (zentrales Nervensystem, ZNS). W√§hrend nun die Parasiten bei gesundem Immunsystem dauerhaft im Gehirn verbleiben, ohne Symptome auszul√∂sen, entwickeln sich zum Beispiel bei AIDS oder bei der Einnahme Immunsystem-unterdr√ľckender Medikamente umfangreiche Entz√ľndungen aus den nicht vom K√∂rper bek√§mpften Zysten.

Die wichtigsten Toxoplasmose-Symptome bei schwachem Immunsystem sind Kopfschmerzen, Kr√§mpfe, Gleichgewichtsst√∂rungen, L√§hmungen, Fieber sowie Augenhintergrund- und Wesensver√§nderungen. Bei Auftreten solcher Krankheitsanzeichen ist eine gezielte Behandlung erforderlich, da die Toxoplasmose ansonsten innerhalb einiger Wochen t√∂dlich verl√§uft. Eine erstmalig von Toxoplasma gondii infizierte schwangere Frau sp√ľrt zwar zumeist selbst keine Krankheitssymptome, doch √ľbertr√§gt sich der Parasit mit f√ľnfzigprozentiger Sicherheit auf das Kind (konnatale Toxoplasmose). Je nach Schwere und Zeitpunkt der Infektion sind Tot- oder Fehlgeburten, die Ausbildung eines Wasserkopfes (Hydrozephalus), Verkalkungen im Gehirn und Augeninnenhaut-Entz√ľndungen m√∂glich.

Jede f√ľnfhundertste Lebendgeburt ist von konnataler Toxoplasmose betroffen. Die Symptome sind umso geringer, je sp√§ter sich die Schwangere mit Toxoplasmose infiziert hat. Auch scheinbar gesund geborene Kinder k√∂nnen selbst Jahre sp√§ter Augenver√§nderungen aufweisen, die bis zur Erblindung reichen. Teilweise sind auch St√∂rungen der kindlichen Entwicklung zu beobachten.

Diagnose

Toxoplasmose l√§sst sich durch direkten oder indirekten Nachweis des Erregers diagnostizieren. F√ľr einen direkten Nachweis ist eine Biopsie (Gewebeprobe) erforderlich. Allerdings hat sich dieses Verfahren als nicht diagnosesicher herausgestellt, so dass der Erkrankungsnachweis in der Regel auf indirektem Weg vorgenommen wird. Dabei erfolgt eine Blutuntersuchung auf Toxoplasma gondii-Antik√∂rper. Entsprechend der Reaktionszeit des Immunsystems auf die Parasiten l√§sst sich eine Erkrankung schon eine Woche nach der Infektion feststellen.

Therapie

Nur die genannten Risikogruppen sollten sich gegen Toxoplasmose behandeln lassen. Die Therapie umfasst sowohl die Verabreichung von Antibiotika als auch die Einnahme von Folinsäure, um Knochenmarksschädigungen zu vermeiden.

Verlauf der Toxoplasmose

Bei Infizierung im Laufe der Schwangerschaft werden zwar ungef√§hr 90 % der Kinder gesund geboren, doch k√∂nnen sich Sp√§tsch√§den einstellen. Bei geschw√§chtem Immunsystem (z. B. bei HIV/Aids) kommt es √∂fter zu Enzephalitis (Gehirnentz√ľndung). Au√üerdem k√∂nnen andere wichtige Organe wie Milz, Leber, Lunge oder Herz gesch√§digt werden. Lungen- oder Herzmuskelentz√ľndungen kommen vor. Ohne Behandlung verl√§uft die Krankheit t√∂dlich.

Vorbeugende Maßnahmen

Besonders an AIDS erkrankte Menschen und Patienten, deren Immunsystem anl√§sslich von Operationen durch Medikamente unterdr√ľckt wird, sollten einige hygienische Ma√ünahmen zur Prophylaxe gegen die Toxoplasmose beachten: Nach der Ber√ľhrung von Erde (z. B. nach einer Gartenarbeit) oder nach Kontakt mit rohem Fleisch empfiehlt sich sorgf√§ltiges H√§ndewaschen unter Benutzung von Seife. Dies ist ebenfalls vor den Mahlzeiten anzuraten. Obst und Gem√ľse sollten vor dem Konsum gewaschen werden. Auf den Verzehr rohen oder nicht ausreichend erhitzten Fleisches sollte verzichtet werden.

Eine hygienische Vorgehensweise ist im Umgang mit Katzen erforderlich: Freilaufende Tiere k√∂nnen sich √ľber Beutetiere infizieren.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt √ľberarbeitet am: 12. Oktober 2020.
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