Retinitis

Bei der Retinitis handelt es sich um eine Entzündung der Netzhaut (Retina). Sie befindet sich im hinteren Teil des Auges und beherbergt die Sehzellen. Eine Retinitis entsteht dadurch, dass benachbartes, bereits selbst entzündetes Gewebe auf die Retina übergreift. Dies führt zu einer Degeneration der Netzhaut: Das feine Gewebe wird beschädigt, verfällt und bildet sich zum Teil zurück. Der Verlauf der Retinitis ist sehr unterschiedlich und von multiplen Faktoren abhängig; in manchen Fällen bleiben keinerlei dauerhafte Schäden zurück, in anderen kann es zum vollständigen Verlust der Sehkraft kommen. Wenn neben der Netzhautentzündung zudem auch die Aderhaut entzündet ist, spricht man von einer Chorioretinitis. Die Ursachen für eine Retinitis sind vielfältig und reichen von genetischen Fehlern bis hin zu mechanischen Einwirkungen. Oft entsteht eine Retinitis jedoch durch eine Infektionskrankheit.

Immunreaktion

Bei einer Entzündung handelt es sich immer um eine Reaktion des Körpers auf einen spezifischen Reiz. Der Organismus erkennt, dass es sich bei diesem Reiz um einen schädlichen Fremdkörper handelt. Diese Identifikation erfolgt über die Antigene mithilfe der Antikörper. Antigene sind kleine Strukturen, die sich auf der Oberfläche von Zellen (zum Beispiel Viren) befinden. Sie sind für jeden Virus charakteristisch und das entscheidende Erkennungsmerkmal. Zu jedem Typus von Antigenen gibt es im Idealfall eine bestimmte Sorte von Antikörpern, die vom Körper gebildet werden und Teil des Immunsystems sind. Die Antikörper passen durch ihre Form an die Antigene wie ein Schlüssel ins Schloss: Die Antikörper heften sich auf diese Weise an die Antigene an und markieren sie somit. Dadurch wissen Lymphozyten (weiße Blutkörperchen), dass es sich bei dem markierten Partikel um einen Eindringling handelt und sie beseitigen ihn. Dieser Vorgang findet auch im Rahmen einer Retinitis statt.

Retinitis Symptome

Die sichtbaren Entzündungssymptome wie Rötung, Wärmeentwicklung und Gewebeschwellung entstehen jedoch nicht durch das Eindringen des Fremdkörpers an sich – der Körper selbst setzt die Entstehung dieser Symptome in Gang. Auf der Mikroebene einer Entzündung spielen sich zahlreiche Abwehrprozesse ab. Dazu gehört auch die oben beschriebene Immunreaktion; die Schwellung des Gewebes durch einen erhöhten Flüssigkeitsgehalt begünstigt beispielsweise die schnellere und vermehrte Ausschüttung von Lymphozyten. Auch die Rötung der Netzhaut bei einer Retinitis dient dazu, dem Fremdkörper etwas entgegen zu setzen, indem das Gewebe stärker durchblutet und damit besser versorgt wird. Die Wärme bei einer Entzündung entsteht durch die verschiedenen Stoffwechselprozesse, die von statten gehen und dabei Energie freisetzen. Da durch diese Körperreaktion auch Schäden am Gewebe entstehen, versucht der Körper in einer späteren Phase der Entzündung, diese wieder zu reparieren. Wenn diese Reparatur bei einer Retinitis erfolgreich verläuft, entstehen keine weiteren Beeinträchtigung: Die Entzündung klingt ab, die Netzhaut bleibt intakt und das betroffene Auge ist wieder voll funktionsfähig. Erst dann, wenn diese normale Reaktion nicht korrekt abläuft, entstehen unter Umständen bleibende Schäden. Bei AIDS-Betroffenen nimmt eine Retinitis in den meisten Fällen einen etwas anderen Verlauf, als es der eben beschriebene Normalfall vorsieht.

Zunächst erkennt der Körper auch bei HIV-Positiven den eingedrungenen Fremdkörper, zum Beispiel einen Virus. Der Virus wird erkannt, markiert und soll nun abgetötet und beseitigt werden. Insbesondere diese letzte Stufe stellt im Rahmen von AIDS jedoch ein Problem dar: Es gibt nicht genügend Lymphozyten, die gegen den Virus schnell und effizient vorgehen können. Zwar können die vorhandenen Lymphozyten einige Exemplare des Virus vernichten; sie können aber nicht alle Viren eliminieren. Dadurch können sich die Vieren im Körper vermehren und gegebenenfalls auch Schaden anrichten. Der eigentliche Schaden an der Netzhaut kommt jedoch durch die Entzündungsreaktion zustande, die der Körper selbst in Gang gesetzt hat und aufrechterhält. Bei AIDS geht die Retinitis nicht einfach wieder zurück – denn der Körper registriert, dass sich nach wie vor Viren im Gewebe befinden, die er bekämpfen muss. Es bräuchte jedoch eine größere Anzahl von Lymphozyten, um die Viren vollständig abzutöten. Bei AIDS kann das Immunsystem eine solche erforderliche Lymphozytenkonzentration allerdings nicht bereitstellen. Durch die längere und heftigere Entzündungsreaktion des Körpers nimmt die Netzhaut im solchen Fällen stärkeren Schaden. Deshalb verläuft die Retinitis bei HIV-Positiven schwerer als bei HIV-Negativen und führt in vielen Fällen zur Erblindung des betroffenen Auges.

Retinitis Typen

Je nachdem, wodurch die Retinitis ausgelöst wird, lässt sie sich in verschiedene Subtypen untergliedern. Diese Typen sind jedoch nicht vollkommen unabhängig voneinander, sondern überschneiden sich teilweise oder stellen Spezifizierungen und kombinierbare Klassifikationen dar. Bei einer Retinitis centralis ist vorwiegend der mittlere Bereich der Netzhaut betroffen. Die Entzündung breitet sich also nicht über die gesamte Fläche des Auges aus, sondern bleibt lokal auf das Zentrum der Netzhaut begrenzt. In diesem Bereich, den man als Fovea bezeichnet, befinden sich besonders viele Sehzellen auf der Netzhaut. An dieser Stelle wird das physikalische Bild, das durch die Pupille ins Auge fällt, besonders scharf abgebildet. Eine Retinitis centralis bedeutet deshalb auch im Falle eines schweren Verlaufes mit bleibenden Schäden keinen vollständigen Verlust der Sehkraft; im schlechtesten Fall erblindet der Betroffene allerdings in diesem mittleren Sichtbereich des entzündeten Auges. Die Retinitis exsudativa tritt häufig zusammen mit einer Entzündung der Aderhaut des Auges auf (Chorioretinitis).

Neben den oben genannten Symptomen der Retinitis bilden sich Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme) und Blutungen können auftreten. Diese Ausprägung der Retinitis kann die Gestalt eine Kitahara-(Horniker-)Syndroms annehmen. Als solches bezeichnet man ein klinisches Bild, bei dem die Netzhaut sich ablöst – wodurch es recht schnell nach Beginn der Erkrankung zum Ausfall des zentralen Bereiches des Sichtfeldes kommt. Ein weiteres Syndrom, das bei einer Retinitis exsudativa entstehen kann, ist das Harada-Syndrom. Bei diesem liegt nicht nur eine Retinitis, sondern auch eine Meningoenzephalitis vor, also eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Als Symptome des Harada-Syndroms erscheinen Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Haarausfall und ein Verlust von Pigmenten, unter anderem im Auge. Eine Meningoenzephalitis führt bei etwa jedem Zehnten Erkrankten zum Tod. Eine exsudative Retinitis mit Blutungen trägt die spezifische Bezeichnung Retinitis haemorrhagica. Zwei weitere Arten der Retinitis sind die septische Retinitis, die infolge einer Blutvergiftung (Sepsis) auftritt, und die Retinitis syphilitica – eine Komplikation im Rahmen einer Syphilis.

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