Kaposi-Sarkom

Der ungarische Dermatologe Moritz Kaposi (sprich „Kaposchi“) beschrieb 1872 erstmals die bräunlich-blauen Knoten im Darm und den Schleimhäuten und die braunen bis dunkelroten Flecken auf der Haut. Es handelt sich um eine Krebserkrankung, die bei immungeschwächten Personen auftreten kann. Auslöser ist wahrscheinlich das Humane Herpesvirus Typ 8, kurz HHV-8, im Zusammenhang mit Faktoren wie einer Immunsuppression oder schädlichen Umwelteinflüssen.

Kaposi-Sarkome bei HIV-Patienten

Erste Berichte über das vermehrte Auftreten von Kaposi-Sarkomen bei jungen Männern mit einer Immunschwäche kamen 1981 auf. Bis dahin war die Erkrankung extrem selten, sie trat nur bei etwa zwei bis fünf von 10 Millionen Menschen auf. Bei den meisten Betroffenen handelte es sich um Südeorpäer und Afrikaner. Seit sich AIDS immer mehr verbreitet hat, treten auch häufiger Fälle von Kaposi-Sarkomen auf und die Tumore sind insgesamt aggressiver geworden. Bei etwa einem Drittel aller an HIV Erkrankten bilden sich Kaposi-Sarkome.

Symptome

Bei der HIV-assoziierten Erkrankung spricht man von einem epidermischen Kaposi-Sarkom. Deutlich sichtbar sind die vielen rotbraunen Flecken auf der Haut. Sie können bis zur Größe eines Handtellers wachsen. Diese oberflächlichen Hautirritationen können sich zu roten, ovalen und leicht glänzenden Knoten entwickeln, deren Farbe sich zu violett und dunkelbraun verändern kann. Aus den Knoten wiederum können harte, großflächige und schmerzhafte Tumore entstehen. Alle drei Entwicklungsstadien können nebeneinander bestehen. Bei HIV-Patienten sind vor allem die Mundschleimhaut, der Intimbereich und die Fußsohlen betroffen. Besonders an den Füßen können die Tumore starke Schmerzen beim Gehen und Stehen auslösen. Auch Arme, Beine und Gesicht können betroffen sein.

Ein Befall innerer Organe ist in etwa 75 Prozent der Fälle gegeben. Vor allem Leber, Niere, Lunge, Lymphknoten und Magen-Darm-Trakt sind dabei betroffen. Die inneren Tumore können lebensgefährliche Blutungen auslösen. Oft bilden sich sogenannte Lymphödeme, Wasseransammlungen im Gewebe, die entstehen, wenn die Tumore verhindern, dass das Gewebewasser frei fließen kann. Diese Ödeme können stark drücken und schmerzen. Übelkeit, Bauchschmerzen und Völlegefühle bis hin zum Darmverschluss können bei Sarkomen im Magen-Darm-Trakt die Folge sein. Sitzen die Tumore in der Lunge, können Beschwerden wie Atemnot, Kurzatmigkeit, Husten, das Spucken von Blut oder eine Lungenentzündung auftreten.

Oft ist der Krankheitsverlauf chronisch. Wie schnell oder langsam sich die Krankheit verschlechtert oder verbessert, ist schwer vorauszusagen und hängt unter anderem davon ab, wo der Tumor sitzt. Eine spontane selbstständige Besserung der Erkrankung ist aber grundsätzlich möglich.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt im fortgeschrittenen Stadium über die typischen Hautveränderungen. Um die Krankheit möglichst früh erkennen zu können, werden aber auch feingewebliche Untersuchungen durchgeführt und bildgebende Verfahren der Brust, des Bauchraums und der Lymphknoten angewandt. Dazu zählen Röntgenbilder und Ultraschalluntersuchungen sowie Magen- und Darmspiegelungen. Die Kaposi-Zellen können zudem im Blut nachgewiesen werden.

Therapie

  1. HIV-Therapie: Die Behandlung der AIDS-Erkrankung selbst kann als Therapie der Kaposi-Sarkome ausreichend sein, da sie das Immunsystem stärkt und die Selbstheilungskräfte des Körpers weckt. Schließlich ist die Entstehung der Tumore eng mit der Immunschwäche verbunden.
  2. Lokale Therapie: Bei nur wenigen und nur leicht ausgeprägten Hautveränderungen, örtlich begrenzten Tumoren und einzelnen Tumoren, die nach der Chemotherapie noch resistent geblieben sind, werden lokale Therapiemaßnahmen angewandt. Dazu zählen das chirurgische Entfernen des Tumors sowie Laser- und die Strahlentherapie. Besonders in den Narbenbereichen kann es später zu einer erneuten Tumorentwicklung kommen. Ebenfalls zu den lokalen Therapien zählt das Überschminken von sichtbaren Hautveränderungen vor allem im Gesicht. Dies wirkt sich zwar nicht auf das Tumorwachstum aus, kann aber eine erhebliche seelische Erleichterung verschaffen.
  3. Kryotherapie: Als Kryotherapie bezeichnet man die gezielte Vereisung von erkranktem Gewebe. Die Anwendung von flüssigem Stickstoff hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Sie kann in vielen Fällen in wenigen Monaten zu einer kompletten oder zumindest teilweisen Heilung der behandelten Bereiche führen. Meist ist auch das kosmetische Ergebnis zufriedenstellend. Die besten Heilungschancen bestehen bei kleineren Hautveränderungen mit einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter. An einem Behandlungstag wird die betroffene Stelle zweimal vereist. Die Auftauphase soll jeweils zehn bis 30 Sekunden betragen. Nach zwei Wochen erfolgt die nächste Behandlung. Durchschnittlich vier bis fünf Wiederholungen sind bis zur Heilung erforderlich. Die bei der Vereisung entstehenden Blasen verheilen nach ein bis drei Wochen.
  4. Intraläsionale Chemotherapie: Häufig wird auch eine Chemotherapie durchgeführt. Die Erfolgschancen betragen etwa 60 bis 80 Prozent mit einem insgesamt guten kosmetischen Erscheinungsbild. Mit der Chemotherapie können auch größere Tumore gut behandelt werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Haarverlust, Schmerzen und vorübergehende Nervenschädigungen wie Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in der betroffenen Stelle.
  5. Experimentelle Therapieansätze: Es gibt verschiedene weniger verbreitete Therapieansätze, die durchaus auch erfolgversprechend sein können. Gute Therapieerfolge mit wenigen Nebenwirkungen wurden beispielsweise durch eine Sklerosierung (Bindegewebsverhärtung) des Tumors mit Natriumtetrasulfat oder eine Lokaltherapie mit Retinoid-Gel erreicht. Auch photodynamische Therapien scheinen bei Kaposi-Sarkomen Wirkung zu zeigen. Es handelt sich um eine Behandlungsform, bei der zunächst mit Licht aktivierbare Substanzen verabreicht werden. Unter Lichtbestrahlung reagieren diese mit dem im Gewebe befindlichen Sauerstoff zu Substanzen, die den Tumor schädigen. Auch anti-angiogenetische Therapien werden zur Behandlung von Kaposi-Sarkomen diskutiert. Die Angiogenese bezeichnet das Wachstum von Blutgefäßen. Tumore brauchen Blutgefäße, um mit Stoffen versorgt zu werden, die ihr Wachstum ermöglichen. Wird das Wachstum solcher Blutgefäße unterbunden, kann der Tumor sich nicht weiter ausbreiten.
  6. Systemische Therapie: Bei einer systemischen Therapie werden verschiedene Behandlungsmethoden zu einem ganzheitlichen Therapieansatz verbunden. Dabei können immunmodulierende, anti-angiogenetische und antivirale Therapien sowie Chemo- und Hormontherapien individuell auf den Patienten zugeschnitten und kombiniert werden.
  7. Unterstützende Maßnahmen: Die bisher genannten Therapiemaßnahmen zielen alle auf eine direkte Bekämpfung des Kaposi-Sarkoms ab. Je nach Sitz des Tumors können aber auch verschiedene Behandlungen angewandt werden, die Folgeerscheinungen lindern oder verhindern sollen. Bei Lymphödemen können Lymphdrainagen oder Medikamente, die die Wasserausscheidung vermehren, verschrieben werden. Bei Lungentumoren ist es wichtig, eine Lungenentzündung zu verhindern, zum Beispiel durch Massagen oder spezielle Atemtechniken. Sauerstoff kann über eine Sonde eingeatmet werden, wenn es zur schweren Atemnot kommt. Um einen Darmverschluss bei Sarkomen im Darm zu verhindern, kann eine Operation nötig sein. Die Liste der unterstützenden Behandlungsmethoden geht noch viel länger, hier sind nur einige Beispiele aufgeführt.

Heilungschancen

Kaposi-Sarkome sind eine häufige Todesursache von HIV-Patienten. Gefährlich wird es vor allem, wenn andere Infektionen oder Blutarmut dazukommen. Wichtigste Maßnahme zur Verhinderung oder Linderung von Kaposi-Sarkomen ist der rechtzeitige Beginn einer Therapie gegen das HI-Virus. Dabei sind die Chancen für ein verlangsamtes Fortschreiten oder vereinzelt sogar einer Rückbildung der Sarkome am größten.

Da aber immer wieder Folge-Sarkome entstehen können, ist eine komplette Heilung eher unwahrscheinlich. Zumindest ist in der Literatur bisher kein einziger Fall einer vollständig verheilten HIV-assoziierten Kaposi-Erkrankung beschrieben worden.

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