Histoplasmose

Histoplasmose ist eine durch den Pilz Histoplasma capsulatum hervorgerufene Infektionskrankheit. Der Pilz kommt in tropischen und gemäßigten Klimazonen vor. Besonders bei Patienten mit einer Immunschwäche (z. B. bei vorliegender HIV-Infektion) können sich aufgrund der geschwächten Abwehrkräfte im Verlauf der Krankheit Komplikationen einstellen. Die Infektion mit Histoplasma capsulatum erfolgt durch die Atemluft, mit der der Pilz in die Lunge gelangt. Besonders oft befindet sich der Pilz in Staubpartikeln, die mit Fledermaus- oder Vogelausscheidungen versetzt sind. Eine Häufung von Erregern tritt oft im Bereich von Fledermaushöhlen, alten Hühnerstallungen und verrottendem Altholz auf. Entsprechend sind die häufigsten Fälle nach Europa importierter Histoplasmosen nach dem Aufsuchen von Fledermaushöhlen in Risikogebieten festzustellen.

Über neunzig Prozent aller Infektionen betreffen die USA, wobei die im mittleren Westen liegenden Flusstäler von Ohio und Mississippi besonders gefährdet sind. Daher wird Histoplasmose auch als Ohio Valley Fever bezeichnet. Hauttests der dortigen Bevölkerung haben zu 90 % positive Ergebnisse erbracht, so dass davon auszugehen ist, dass nahezu die gesamte Bevölkerung des Mittleren Westens eine Histoplasmose-Infizierung erlebt hat. Aber auch Mittel- und Südamerika einschließlich der Karibik sowie Afrika, Australien, Indonesien sowie eng begrenzte europäische Gebiete sind betroffen. Während in den USA jährlich ungefähr 500.000 Histoplasmose-Neuinfizierungen registriert werden, sind Erkrankungen in Europa selten und könnten sogar in der Regel aus den USA importiert worden sein.

Ursachen der Histoplasmose

Die Histoplasmose ist eine sog. systemische Krankheit, die den gesamten Körper betrifft. Daher wird die Infizierung mit Histoplasma capsulatum auch Systemmykose genannt. (Als Mykosen werden Pilzinfektionskrankheiten bezeichnet.) Häufig erfolgt die Infektion durch Aufwirbelung von dungverseuchtem Staub. Gelangen mit diesem Staub Pilzsporen in die Lunge, dringen sie in den Blutkreislauf ein und verursachen dann zwingend eine Erkrankung. Zwar reagiert das Immunsystem, indem bestimmte Fresszellen (sog. Makrophagen, die zu den Leukozyten gehören) die Pilzsporen aufnehmen, doch gelingt es den Sporen in wenigen Tagen, sich in Hefe umzuwandeln und sich innerhalb der Fresszellen zu vermehren.

Die Pilze vom Typ Histoplasma capsulatum verteilen sich deshalb besonders leicht im menschlichen Körper, weil sie sich dort nicht als Pilzgeflecht, sondern als Einzeller bewegen und vermehren, was ihnen ab einer Umgebungstemperatur von 37 °C möglich ist. Sehr unterschiedlich ist allerdings das Ausmaß der Körperreaktionen. Teilweise sind die Symptome so schwach, dass der Betroffene seine Infizierung kaum bemerkt. In anderen Fällen kommt es dagegen zu lebensgefährlichen Ganzkörperinfektionen.

Symptome

Die Zeit zwischen Infizierung und dem Auftreten erster Symptome (Inkubationszeit) liegt zwischen einer Woche und drei Wochen. Schmerzen beim Einatmen deutet auf die befallene Lunge hin. Hinzu kommen grippeähnliche Symptome wie Schüttelfrost, Fieber und Husten. Bei sich länger hinziehender Krankheit ist blutiger Husten und Nachtschweiß zu beobachten. Später können sich warzenartige Knoten auf der Haut entwickeln. Geschwollene Lymphknoten ergänzen die Symptomatik.

Diagnose

Der Diagnose geht eine Erhebung der möglichen Erkrankungsumstände voraus. Insbesondere muss festgestellt werden, ob der Erkrankte sich in einem Hochrisikogebiet, insbesondere im Mittleren Westen der USA aufgehalten hat. Aufgrund der in Europa seltenen Erkrankungen kann es bei Infektionen mit Histoplasmose leicht zu Fehldiagnosen kommen, was zu einer erst spät einsetzenden Therapie führen kann.

Im Regelfall erfolgt wegen der unspezifischen Symptome der Histoplasmose eine Diagnose im Ausschlussverfahren, indem schrittweise Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden (Ausschlussdiagnostik). Der Pilz Histoplasma capsulatum lässt sich durch Hautabstriche, durch eine Biopsie der Lunge oder anderer betroffener Organe sowie durch die Untersuchung von Rückenmarksflüssigkeit oder Blut nachweisen.

Ferner wird versucht, Pilzkulturen anzulegen, die im positiven Fall innerhalb von etwa 8 bis 13 Tagen ein weiteres starkes Indiz für eine Histoplasma-Erkrankung ergeben können. Antikörper-Nachweise sind eher unzuverlässig, da gerade bei Menschen mit einer Immunschwäche (z. B. bei HIV/AIDS) ausreichende Immunreaktionen nicht festgestellt werden können. Wird die Lunge in einem bildgebenden Verfahren durchleuchtet, zeigen Schatten oder kleinen Kalkknoten den Befall mit Histoplasma capsulatum an.

Auswirkungen und Verlauf

Neunzig Prozent aller Infektionen verlaufen symptomfrei. Entscheidend für das Ausbrechen einer Histoplasmose sind zum einen die Anzahl der inhalierten Pilzkeime und zum anderen die Funktionsfähigkeit des Immunsystems. Ein schwererer Krankheitsverlauf bildet sich vor allem bei geschwächtem Immunsystem heraus. Bei ungefähr einem Zehntel der Erkrankten kommt es zu Gelenk- oder Herzbeutelentzündungen. Zudem können sich Geschwüre in den Weichteilen des Brustkorbes entwickeln.

Möglicherweise tritt auch eine Augen-Histoplasmose auf. Eitrige Geschwüre können sich in der Lunge und im späteren Verlauf der Erkrankung auch in anderen Organen zeigen. Bei Vorliegen einer Immunschwäche tritt die akute Erkrankung oft in ein chronisches Stadium über: In den Lymphknoten ruhende Erreger können sich zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit aktivieren. Eine über den gesamten Körper verstreute Histoplasmose wird als „disseminiert“ (verteilt) bezeichnet. Dabei kann es zur Infizierung des Harntraktes, der Nieren und Nebennieren sowie von Prostata und Hoden kommen. Die disseminierte Histoplasmose zeigt sich während eines ein- bis dreimonatigen Zeitraums mit unspezifischen Symptomen wie Husten, Atemnot, Fieber, Schwellungen der Lymphknoten sowie von Leber und Milz, Blutarmut, Appetitmangel und Gewichtsverlust. Bei schweren Krankheitsverläufen treten Gehirn- oder Hirnhautentzündung, ein Absterben von Nebennierenzellen sowie eine Form der Blutvergiftung auf.

Wird eine disseminierte Histoplasmose nicht therapiert, führt sie in 90 % der Erkrankungsfälle zum Tod. Erfolgt eine Behandlung der disseminierten Histoplasmose, so besteht eine 85-prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit.

Therapie

Wegen der zumeist geringen Krankheitsanzeichen einer akuten Histoplasmose ist eine Behandlung dieses Krankheitsstadiums zunächst nicht erforderlich. Bei gesundem Immunsystem erfolgt gewöhnlich eine Ausheilung innerhalb von sieben bis achtzehn Tagen. Wenn die Histoplasmose jedoch einen chronischen Verlauf nimmt oder disseminiert, muss unbedingt eine medikamentöse Therapie vorgenommen werden

Dazu werden Antimyotika (pilzbekämpfende Präparate) zumeist für einen mehrwöchigen Zeitraum verordnet. Allerdings können während einer Schwangerschaft eingenommene Antimyotika das ungeborene Kind gefährden. Eine Operation muss durchgeführt werden, falls einzelne Organe besonders stark befallen sind, sich große Eiterherde gebildet haben oder nach überwundener Infektion Vernarbungen entstanden sind. Liegt eine HIV/Aids-Erkrankung vor, wird nach einer Histoplasmose-Infizierung die lebenslange Einnahme von Antimyotika empfohlen.

Prophylaxe

Wer sich in einem Riskogebiet aufhält, kann durch einen Mundschutz die Gefahr einer Infektion reduzieren. Insbesondere beim Aufsuchen z. B. von Fledermaushöhlen sollte diese Vorsichtsmaßnahme getroffen werden. Personen mit geschwächtem Immunsystem können vorbeugend Antimyotika inhalieren oder spezielle Antibiotika einnehmen.

Bei gesundem Immunsystem erzeugt eine erfolgreich durchgestandene Histoplasmose-Infektion Immunität, die aber dann durchbrochen wird, wenn eine eigentlich immun gewordene Person den Erregern in besonders massiver Form ausgesetzt wird. Zudem können „schlafende“ Erreger bei einer künftigen Schwächung des Immunsystems aktiviert werden.

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