Durchfall

Durchfall ist ein fast alle Menschen mehr oder weniger häufig betreffender, das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigender, Sachverhalt, der in der Regel harmlosen Charakter hat, aber in vielen Fällen auch Symptom für ernste akute oder chronische gesundheitliche Störungen ist. Das nach dem griechischen Begriff „diarrhoia“ („dia“ = „durch“, „rheo“ = „fließen“) in der medizinischen Fachsprache zumeist „Diarrhoe“ (auch „Diarrhö“) genannte Krankheitsbild des Durchfalls ist als in Häufigkeit und Gewicht durch vom Üblichen deutlich abweichenden Stuhlgang gekennzeichnet, wobei sich der Stuhl ungewöhnlich flüssig darstellt.

Die Feststellung, ob Durchfall vorliegt oder nicht, ist im Vergleich zum normalen Stuhlverhalten des jeweils Betroffenen zu machen, da das individuelle Stuhlverhalten eine überaus große Bandbreite aufweisen kann. Als grobe Faustregel gilt, dass bei einem Stuhlgewicht von mehr als 250 g und einem Flüssigkeitsanteil von mehr als 75 % sowie einer Stuhlgang-Frequenz von mehr als drei Mal am Tag von Durchfall ausgegangen werden kann. Abzugrenzen vom Durchfall ist die Krankheitserscheinung der oft mit einem Reizdarmsyndrom im Kausalzusammenhang stehenden Pseudodiarrhoe, bei der Stuhlgangs-Häufigkeit und Flüssigkeitsgehalt zwar auch erhöht sind, das Stuhlgewicht aber normal geblieben ist. Ein vermindertes Stuhlgewicht bei abnormal vermehrter Frequenz und Flüssigkeit wird „Paradoxe Diarrhoe“ genannt und ist oft ein Hinweis auf Krebserkrankungen im Darmbereich. Diarrhoe kann unter anderem nach Dauer und nach der Pathogenese, also dem Ablauf der Erkrankung, eingeteilt werden. Dabei gilt Durchfall, der mehr als drei Wochen andauert, als „Chronische Diarrhoe“, kürzere Durchfall-Erkrankungen als „Akute Diarrhoe“.

Sich am Beginn der Pathogenese orientierende Einteilungen unterscheiden insbesondere zwischen osmotischer, hypermotiler, sekretorischer und exsudativer Diarrhoe sowie Fettstuhl (Steatorrhoe). Bei der osmotischen Diarrhoe wird Flüssigkeit durch osmotische Prozesse in das Innere des Darms gezogen. Eine Störung der Darmbewegung verkürzt die Verweildauer des Darminhalts und führt zur hypermotilen Diarrhoe. Die sekretorische Diarrhoe steht mit Sekretabsonderungsprozessen sowie dadurch vermehrten Wasserzuflüssen im Darm in Verbindung und der exsudative Durchfall basiert auf Darmentzündungen. Beim Fettstuhl kommt es zu Störungen bei der Gallensäurezufuhr. Typisch für Fettstuhl sind breiig-massive Stühle, die fettig glänzen und hartnäckig kleben.

Ursachen und Verlauf von Durchfall

Durchfall gehört zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Im Durchschnitt leidet jeder zweite Mensch einmal im Jahr an Durchfall. In der Regel zählt Durchfall zu den harmlosen bis mittelschwereren Erkrankungen. In 7,5 Millionen Fällen jährlich sind die Folgen des Durchfalls allerdings so schwerwiegend, dass der Erkrankte stirbt. Die Erkrankungsursachen, die auch als Kriterien für eine Klassifizierung des Durchfall-Spektrums herangezogen werden, sind vielfältig. Eine große Rolle spielen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Infektionen, die in der Regel akuten Durchfall zur Folge haben, während chronische Darmkrankheiten zumeist ursächlich für chronische Diarrhoe sind.

In den meisten Fällen wird Durchfall durch bakterielle oder virale Infektionen ausgelöst, die zu Magen-Darm-Entzündungen mit Durchfall führen. Zu den global gefährlichsten Infektionserregern gehört das Bakterium Vibrio cholerae, dem Auslöser der in Mitteleuropa selten gewordenen Cholera. In Mitteleuropa sind als infektiöse Durchfallauslöser vor allem Salmonellen und Escheria coli-Bakterien (ETEC) sowie Noro- und Rotoviren bedeutend.

Ferner kann infektiöser Durchfall auch als Folge einer HIV-Infektion auftreten. Wesentlich häufiger sind aber die Fälle, in denen Nahrungsmittelvergiftungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie Laktoseintoleranz, Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) oder Nuss-Allergien, relevant sind. Bei der Aufnahme von verdorbener Nahrung bilden Bakterien, wie Staphylokokken oder Cereus-Bazillen, durch Zersetzungsprozesse Giftstoffe (Enterotoxine), die verantwortlich für Durchfallreaktionen sind. In einigen Fällen können auch Darmflora beeinträchtigende Medikamente, insbesondere Antibiotika, oder Abführmittel zu Durchfall führen. Als weitere Durchfall-Ursachen kommen unzureichende Nahrungsverwertung (Malassimilation), Vergiftungen, chronische Darmentzündungen, wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, Angstzustände, Mukoviszidose, Diabetes, Alkoholmissbrauch, Behandlungen mit Strahlen und Zytostatika, Tumore, Darmverschlüsse oder Hormon-Erkrankungen in Betracht.

Durchfall ist in erster Linie ein Krankheitssymptom, er kann aber selbst auch zu einer unmittelbaren Gefährdung führen. Durch den abnormal heftigen Stuhlgang kommt es regelmäßig zu einem so erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, dass er nicht sofort ausgeglichen werden kann. Die Folge kann lebensbedrohliche Exsikkose durch Dehydratation (Austrocknung) sein.

Durchfall – Diagnose und Therapie

In den häufigen Fällen von Durchfall aufgrund eines “verdorbenen Magens“ kann zumeist auf medizinische Hilfe verzichtet werden. In der Regel bekämpfen die körpereigenen Abwehrmechanismen die für den Durchfall ursächlichen Infektionen innerhalb eines Tages erfolgreich und führen die Giftstoffe auf natürlichem Wege ab. Bei eher ungewöhnlichem Krankheitsverlauf, zumal bei Kindern, sollte aber der Rat eines Experten eingeholt werden. Der Arztbesuch ist auf jedem Fall bei Bluteinmischungen im Stuhl oder bei sehr dunklem Stuhl („Teerstuhl“) dringend erforderlich. Der Arzt informiert sich über das normale Stuhlverhalten des Patienten, mögliche Reisen in für Durchfall-Infektionen bekannte Länder („Reisediarrhoe“) und mögliche Medikamentierungen und Erkrankungen. Der Bauch kann abgetastet und abgehört werden. In schwierig zu diagnostizierenden Fällen können Rektal- und Stuhlproben-Untersuchungen sowie Laktosetoleranztests, Ultraschalluntersuchung oder Endoskopie angezeigt sein. Bei leichten Fällen sind kurzfristiger Nahrungsverzicht beziehungsweise reizarme Kost (Reisbrei, Zwieback, Haferschleim), Ruhe und reichlich Flüssigkeitszufuhr, um den durch den Durchfall verursachten Wasser- und Elektrolytverlust auszugleichen, zumeist vollkommen ausreichend, um die natürliche Abwehr zu unterstützen.

Zum Ausgleich des oft nicht harmlosen Elektrolytverlustes reicht in der Regel gängiges Trinkwasser. Empfehlenswert ist aber auch die reichliche Aufnahme von einer Mischung (auf einem Liter Wasser) von jeweils einem Viertel Teelöffel Kochsalz (Natriumchlorid) und Backpulver (Natriumcitrat), zwei Esslöffeln Zucker, Honig oder Traubenzucker (Glukose) sowie 0,1 l Orangen- oder Bananensaft (Kaliumchlorid). Das alte Hausmittel „Cola und Salzstangen“ gilt dagegen wegen des zu hohen Zuckergehalts nicht mehr als vorteilhaft. Als beruhigend und heilunterstützend haben sich oft auch medizinische Kohle und pflanzliche Mittel, wie Eichenrinde, Trocken-Heidelbeeren, Gänsefingerkraut, Pfefferminzextrakt, Apfelpektin und Uzara-Wurzel, erwiesen. Für die bei Durchfall besonders unangenehm betroffenen Kinder gibt es spezielle Heilnahrungsangebote. In ernsteren Fällen werden manchmal zusätzlich verstopfend wirkende Medikamente, wie Loperamid, empfohlen. In Sonderfällen von erheblicher Abwehrschwäche, wie bei AIDS, kommen unter Umständen auch Antibiotika in Frage. Durchfall lässt sich oft durch Vorbeugung vermeiden. Sorgfalt bei der Hygiene und vor allem bei der Nahrungszubereitung ist immer angezeigt. Bei Reisen in warme Länder ist darüber hinaus peinlich genau auf die Trinkwasserqualität zu achten, um die Gefahr einer Reisediarrhoe zu minimieren.

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