Tuberkulose

Die auch als Schwindsucht oder Morbus Koch bezeichnete Tuberkulose (TBC) ist eine Infektionskrankheit, die meistens die Lunge befĂ€llt, aber auch andere Organe wie Nieren oder Knochen betreffen kann. Die TBC ist diejenige Infektionskrankheit, von der weltweit die meisten TodesfĂ€lle ausgehen. Besonders verbreitet ist die TBC in der Dritten Welt. Durch Einwanderung gewinnt sie aber auch in den westlichen LĂ€ndern an Bedeutung. Zudem bestehen erhöhte Erkrankungsrisiken in Form von „opportunistischen Infektionen“ bei SchwĂ€chung des Immunsystems (z. B. bei HIV/AIDS). Nach dem Infektionsschutzgesetz unterliegen TBC-Erkrankungen sowie TodesfĂ€lle einer Meldepflicht.

Ausgelöst wird die TBC durch das mittels Tröpfcheninfektion ĂŒbertragene „Mycobacterium tuberculosis“. Zu den gewöhnlich stĂ€bchenförmigen Mykobakterien gehören etwa einhundert Unterarten, die aufgrund ihres spezifischen Zellwandaufbaus besonders widerstandsfĂ€hig sind. Nur ein Teil der Infizierten entwickelt kurzfristig eine sogenannte PrimĂ€rtuberkulose, die sich in einer einzelnen EntzĂŒndung Ă€ußert, die hĂ€ufig in der Lunge angesiedelt ist („pulmonale TBC“). Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass sich die TBC-Erreger innerhalb des Körpers unbemerkt verbreiten und sonstige Organe infizieren („extrapulmonale TBC“). Selbst wenn eine Tuberkulose zunĂ€chst keine EntzĂŒndung auslöst oder ĂŒberstanden scheint, können sich einmal im Körper befindliche TBC-Bakterien noch nach etlichen Jahren reaktivieren und zu einer „PostprimĂ€rtuberkulose“ fĂŒhren.

Die „unspezifischen“ TBC-Symptome kommen auch bei anderen Krankheiten vor, so dass eine TBC-Diagnose eine besonders sorgfĂ€ltige Analyse der Krankheitsgeschichte sowie immunologische und mikrobiologische Untersuchungen erfordert (z. B. Interferon-Gamma-Test und Tuberkolin-Test). Die Heilungsaussichten einer Tuberkulose sind davon abhĂ€ngig, ob die Krankheit frĂŒhzeitig genug therapiert wird und welche Organe befallen sind.

Definition

Die Infektionskrankheit Tuberkulose verlĂ€uft chronisch: Die Erkrankung entwickelt sich also allmĂ€hlich und ĂŒber einen grĂ¶ĂŸeren Zeitraum. Wenn nach einem Kontakt mit TBC-Bakterien keine Symptome auftreten, wird von „latenter tuberkulöser Infektion“ gesprochen. Nur in 5 bis 10 % der KontaktfĂ€lle treten Beschwerden auf, die sich in zwei Krankheitsstadien Ă€ußern können: Einer PrimĂ€rtuberkulose liegt eine Erstinfektion zugrunde. Eine PostprimĂ€rtuberkulose Ă€ußert sich als Wiederholungserkrankung nach bewĂ€ltigter PrimĂ€rtuberkulose („Reaktivierungskrankheit“). Als Unterarten der Tuberkulose werden die ansteckende offene TBC und die nicht infektiöse geschlossene TBC unterschieden. Seit Anfang 2001 unterliegt eine Tuberkulose dem Infektionsschutzgesetz, das der Vermeidung und BekĂ€mpfung bestimmter Infektionserkrankungen beim Menschen dient. Mit diesem Gesetz wurde eine TBC-Meldepflicht eingefĂŒhrt. Außerdem können die TrĂ€ger von TBC-Erregern sogar zwangsweise isoliert werden.

Ursachen einer TBC-Erkrankung

Die die Tuberkulose auslösenden Bakterien sind unbewegliche und gegen SÀure unempfindliche StÀbchenbakterien. Die Infektion erfolgt gewöhnlich durch unmittelbaren Kontakt mit einem an offener Tuberkulose Erkrankten. Die Bakterien werden durch Husten ausgeworfen (Lungentuberkulose) oder durch Urin oder Stuhl ausgeschieden (Harnwegs- bzw. Darmtuberkulose). Sie können sich auch im Magensaft befinden, bevor sie in die Umwelt gelangen. Meistens werden die Erreger durch Tröpfen beim Husten, Niesen oder Sprechen weitergegeben. Zwischen Infizierung und dem Entstehen erster Krankheitssymptome (Inkubationszeit) können Monate vergehen.

Gewöhnlich entwickelt sich eine PrimĂ€rtuberkulose nach 6 bis 8 Wochen, wĂ€hrend eine PostprimĂ€rtuberkulose noch viele Jahre nach dem Kontakt mit TBC-Erregern ausbrechen kann. Solange die Bakterien mikroskopisch nachgewiesen werden können, besteht höchste Infektionsgefahr. Bei erfolgreicher Behandlung geht von den Erkrankten nach etwa drei Wochen kein Ansteckungsrisiko mehr aus. Ein kleinerer Teil der Erkrankungen geht auf das Mycobacterium bovis zurĂŒck. Infizierungen des Menschen mit diesen TBC-Erregern erfolgen durch Konsum nicht-pasteurisierter Milch infizierter Rinder. Allerdings ist der mitteleuropĂ€ische Rinderbestand nahezu frei von Tuberkuloseerkrankungen.

Symptome

Bei einer PrimĂ€rtuberkulose entwickeln sich zunĂ€chst kaum nennenswerte oder aber unspezifische Symptome wie Appetitmangel, Nachtschweiß, Husten oder eine geringe Temperaturerhöhung. Vor allem auf der Grundlage eines geschwĂ€chten Immunsystems (wie z. B. bei HIV/AIDS) können sich jedoch weitergehende Symptome einstellen: Wenn die Erreger in Brustkorb-Lymphknoten gelangen (Hiluslypmphknoten-Tuberkulose), können die Bronchien abgedrĂŒckt werden, so dass zu wenig Sauerstoff in die Lunge gelangt. Sollte sich das Rippenfell entzĂŒnden (Pleuritis exsudativa), bewirkt eine mögliche Ansammlung von LungenflĂŒssigkeit Atemprobleme. Falls das Bakterium ĂŒber die Blutbahnen in weitere Organe gelangt (Miliartuberkulose), entstehen nicht zwangslĂ€ufig und sofort zusĂ€tzliche Beschwerden. In den befallenen Organen (z. B. Milz, Leber und Lunge) können sich aber spĂ€ter PostprimĂ€rtuberkulosen entwickeln. Wird die Hirnhaut von den Bakterien erreicht, entsteht möglicherweise eine HirnhautentzĂŒndung (Meningitis tuberculosa).

Diagnose

Da die TBC-Symptome hĂ€ufig unspezifisch (uncharakteristisch) oder zuweilen sogar unauffĂ€llig sind, ist die Krankheitsdiagnose oft schwierig. Fehldiagnosen sind nicht selten. Indizien fĂŒr eine TBC-Erkrankung können sich aus der Krankheitsgeschichte, aus im engeren Umfeld (z. B. in der Familie) bestehenden Erkrankungen, aus einem geschwĂ€chten Immunsystem oder aus den Symptomen weiterer vorliegender Krankheiten ergeben. Auch eine Röntgenaufnahme kann auf TBC hindeuten.

Ein endgĂŒltiger Nachweis einer TBC-Erkrankung kann jedoch nur durch Isolierung des TBC-Erregers in einer klinischen Untersuchung erfolgen. Entsprechend dem vermuteten Infektionsort werden Urin, Bronchial-FlĂŒssigkeit, Magensaft oder der Hustenauswurf analysiert. Unter dem Mikroskop wird zunĂ€chst das speziell eingefĂ€rbte Material auf das Vorkommen von TBC-Bakterien untersucht. Da eine mikroskopische Untersuchung bei kleiner Erregerdichte jedoch nicht zuverlĂ€ssig genug ist, werden zusĂ€tzlich Bakterienkulturen angelegt, um den TBC-Erreger sicher nachweisen zu können.

Ein Nachweis fĂŒr das Vorliegen einer TBC-Erkrankung kann auch mittels Tuberkolin-Test erfolgen, bei dem Tuberkolin (Teile von abgestorbenen Bakterien) in geringem Volumen unter die Haut injiziert wird. Falls in den darauf folgenden 72 Stunden eine rötliche Hautschwellung (im Durchmesser von etwa sechs Millimetern) entsteht, ist allerdings nicht zwangslĂ€ufig eine TBC-Erkrankung nachgewiesen. Die Hautrötung kann auch auf eine TBC-Impfung zurĂŒckzufĂŒhren sein. Ein negatives Testergebnis kann trotz vorliegender Infektion angezeigt werden, da der Erreger im Krankheitsverlauf temporĂ€r nicht nachweisbar ist.

Seit dem Jahr 2005 wird das sogenannte „Interferon-Gamma-Release-Assay“-Verfahren eingesetzt, bei dem das Blut auf das Vorhandensein von Interferon-Gamma untersucht wird. Wird kein Interferon-Gamma gefunden, liegt möglicherweise eine Tuberkulose-Infektion vor. Wenn TBC diagnostiziert ist, sollten nicht nur die Quelle der Infektion, sondern im Rahmen einer gezielten – den Interferon-Gamma-Test einschließenden – Umgebungsuntersuchung alle Kontaktpersonen schnell festgestellt werden, um eine Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Therapie

Die Behandlung offener Tuberkulosen erfolgt unter Verabreichung einer Antibiotika-Kombination grundsĂ€tzlich in einer Klinik. Mit einer Wirkstoff-Mischung wird die Möglichkeit einer partiellen Antibiotika-Resistenz berĂŒcksichtigt. Zudem haben einige Antibiotika eine abtötende, andere dagegen eine die Bakterienvermehrung hemmende Wirkung. Bei Lungen-TBC erfolgt regelmĂ€ĂŸig eine sechsmonatige Antibiotika-Behandlung, die sich in eine zweimonatige „Initialphase“ und eine sechsmonatige „Stabilisierungsphase“ gliedert

Die beiden Phasen unterscheiden sich durch die Zusammensetzung der einzunehmenden Antibiotika.Selbst nach Abschluss dieser Behandlung unterliegt ein TBC-Patient in den zwei Folgejahren Ă€rztlicher Betreuung und Überwachung. Sollten sich nĂ€mlich bei zu frĂŒhzeitigem Behandlungsabbruch resistente TBC-BakterienstĂ€mme bilden, können die zuvor eingesetzten Antibiotika bei erneutem Ausbruch der Krankheit nicht mehr genutzt werden.

Verlauf der Erkrankung

Wenn TBC frĂŒhzeitig diagnostiziert und therapiert wird, ist die Prognose fĂŒr eine vollstĂ€ndige Heilung gut. Bei zu spĂ€ter Diagnose sind aufgrund von OrganschĂ€digungen schwere ErkrankungsverlĂ€ufe möglich, die bis zum Tod fĂŒhren können.

Prophylaxe

Einer Ausbreitung der Tuberkulose kann durch schnelle Erkennung und Therapie erkrankter Personen entgegengewirkt werden. Generell möglich ist eine vorbeugende Schutzimpfung, die aber seit 1998 wegen einer eingeschrĂ€nkten Wirksamkeit, zurĂŒckgehender Infektionszahlen in Deutschland und möglicher Nebenwirkungen nicht mehr empfohlen wird.