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Kryptokokkose

Die Infektionskrankheit Kryptokokkose wird beim Menschen durch den (gegen Hitze und Austrocknung widerstandsf√§higen) Hefepilz Cryptococcus neoformans ausgel√∂st. Eine neue Variante des Cryptococcus neoformans ist der Pilztyp Cryptococcus gattii, der mit 25-prozentiger Wahrscheinlichkeit zum Tod f√ľhrt und damit bedrohlicher als der urspr√ľngliche Neoformans-Pilz ist. Bei Kryptokokkose handelt sich um eine der wichtigsten opportunistischen Erkrankungen bei HIV/Aids, die insbesondere im dritten Stadium von HIV-Erkrankungen (Aids) auftritt.

Die Besonderheit der opportunistischen Krankheiten besteht darin, dass sie fast ausschlie√ülich bei einem geschw√§chten Immunsystem ausbrechen. Allerdings wird zunehmend von Kryptokokkose-Erkrankungen auch unabh√§ngig von einer auf HIV/Aids basierenden Immunschw√§che berichtet. Kryptokrokkose tritt vor allem in S√ľdostasien und in den USA auf, w√§hrend Erkrankungen in Europa weniger h√§ufig sind. Ungef√§hr jeder zwanzigste AIDS-Patient erkrankt an Kryptokokkose. Weltweit erkranken derzeit etwa eine Million HIV/Aids-Patienten an durch Cryprotcoccus neoformans ausgel√∂ster Meningoenzephalitis (Hirn- und Gehirnentz√ľndung). J√§hrlich werden 600.000 Todesf√§lle allein aufgrund dieser Form der Kryptokokkose verzeichnet. Bei Nichtbehandlung verlaufen diese Erkrankungen zumeist t√∂dlich. Erfolgt eine Therapie, √ľberleben 80 Prozent der zus√§tzlich von Kryptokokkose betroffenen HIV-Infizierten. Das Einatmen von aus Vogelausscheidungen stammenden, infizierten Staubpartikeln wird als wichtigste Krankheitsursache vermutet. Daneben sind einzelne Kryptokokkosen auch als Folge des Eindringens des Pilzes in durch Verletzungen entstandene K√∂rper√∂ffnungen beobachtet worden. Bei dieser Infektionsform besteht die M√∂glichkeit einer nur lokalen Erkrankung. Ist das Immunsystem eines Menschen normal ausgebildet, verl√§uft die Infektion gew√∂hnlich weitgehend symptomfrei. Dagegen f√ľhrt Cryptococcus neoformans bei vorliegender HIV-Infektion nahezu in allen F√§llen zur Ausbildung einer disseminierten (sich √ľber den ganzen K√∂rper ausbreitenden) Kryptokrokkose. Die Kryptokrokkose betrifft zun√§chst die Lungen. Nach Ausbreitung des Erregers √ľber die Blutbahnen wird sp√§ter h√§ufig das zentrale Nervensystem (ZNS) betroffen. Daneben treten Hautver√§nderungen und Entz√ľndungen der Lymphknoten (Lymphadenitiden) auf. Seltener werden die Organe des Harn- und Geschlechtsapparates (Urogenitaltrakt), die Verdauungsorgane (Gastrointestinaltrakt), die Augen und die Knochen befallen. Die lang andauernde und komplexe Behandlung der Krankheit erfolgt station√§r.

Ursachen der Kryptokrokkose

Unter den verschiedenen Kryptokrokkose-Pilzen f√ľhrt beim Menschen nur der Typ Cryptococcus neoformans zum Ausbrauch einer Krankheit, da lediglich dieser Cryptococcus-Hefepilz das menschliche Abwehrsystem √ľberwinden kann. Dies gelingt dem Pilz durch Ausbildung einer aus Polysacchariden (Kohlenhydraten aus Mehrfachzucker) bestehenden Kapsel, die ihn vor dem Zugriff der menschlichen Abwehrzellen sch√ľtzt.

Au√üerdem befindet sich in der Zellmembran des Pilzes das Pigment Melanin, das ihn vor Angriffen durch bestimmte Ausscheidungsprodukte der Abwehrzellen bewahrt. Kryptokokken befinden sich im Erdboden sowie auf Gr√§sern und Getreide. F√ľr die Verbreitung des Pilzes sorgen V√∂gel, die mit dem Pilz √ľberzogene Gr√§ser und Pflanzensamen aufnehmen. Nach Vermehrung des Pilzes in den Verdauungsorganen der V√∂gel werden die infektionsbereiten Sporen des Cryptococcus neoformans ausgeschieden. Offenbar hat hierbei Taubenkot f√ľr die Infektion von Menschen eine besondere Bedeutung. Auch einige Papageienarten scheinen f√ľr die Verbreitung der Kryptokkose verantwortlich zu sein. Die Wirtsv√∂gel zeigen selbst keinerlei Krankheitsanzeichen.

Die Inhalation von mit Cryptococcus neoformans versetztem Vogelkot f√ľhrt zun√§chst zur Infizierung der menschlichen Lunge. Nur bei Menschen mit Immunschw√§che (wie z. B. bei HIV/Aids) treten Krankheitssymptome auf, die vor allem auch das Gehirn betreffen. Nachdem der Pilz sich dort f√ľr einige Zeit festgesetzt und sich mit variabler Geschwindigkeit vermehrt hat, verursacht er im Gehirn gravierende St√∂rungen und kann unter Bildung von Granulomen (entz√ľndlichen Gewebeknoten) bis zu einer Hirn- und Hirnhautentz√ľndung (Meningoenzephalitis) f√ľhren. Von Mensch zu Mensch kann der Cryptokokkus neoformans sehr wahrscheinlich nicht √ľbertragen werden.

Symptome

M√∂glich sind bei einer Erkrankung an Kryptokrokkose untypische (uncharakteristische) Symptome. Am h√§ufigsten treten die Krankheitsanzeichen einer Enzephalitis (Hirnentz√ľndung) auf. Die fiebrig Erkrankten klagen in erster Linie √ľber Kopfschmerz. Innerhalb einiger Tage k√∂nnen schnell Verwirrtheitszust√§nde auftreten. Zuweilen ist das Seh-, H√∂r- oder Gehverm√∂gen eingeschr√§nkt. Bei regelm√§√üig festzustellendem erh√∂htem Hirndruck funktionieren die Hirnnerven nicht mehr in vollem Umfang. Der Befall der Lungen zeigt mit auswurflosem Husten und schmerzender Brust die Merkmale einer Lungenentz√ľndung. Ist die Haut betroffen, bilden sich Pusteln √§hnlich einer Mollusca contagiosa-Erkrankung, die im sp√§teren Krankheitsverlauf zu geschw√ľr√§hnlichen Hautver√§nderungen zusammenwachsen.

Diagnose

Der Diagnose einer Kryptokokkose gehen eine genaue Erhebung der Krankheitsgeschichte und eine körperliche Untersuchung des Patienten voraus. Die Zeit zwischen der Infektion mit dem Pilz und dem Auftreten erster Krankheitssymptome (Inkubationszeit) ist nicht bekannt, beträgt aber vermutlich einige Wochen. Wegen der Lebensgefährlichkeit der Erkrankung ist ein möglichst schneller Beginn der Therapie vonnöten.

Besteht ein Kryptokrokkose-Verdacht, sollten daher vor allem die Lunge und das zentrale Nervensystem schnellstens auch mittels bildgebender Verfahren untersucht werden. Nach Magnetresonanztomographie und Funduskopie (Augenspiegelung) stellt die Liquorpunktion (Entnahme von Organfl√ľssigkeit) eine entscheidende Diagnosegrundlage dar. Die Pilzkapseln verdr√§ngen die Tuschefarbe, mit der die Untersuchungsfl√ľssigkeit versetzt wird, so dass die Krankheitserreger innerhalb eines farblosen Hofes zu erkennen sind. Bei Meningoenzephalitis werden die Pilze zumeist unmittelbar auf mikroskopischem Weg nachgewiesen. Bei Hautver√§nderungen erfolgt die Diagnose durch Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe).

Verlauf und Therapie

Erfolgt keine Therapie, endet eine Kryptokkose sehr oft tödlich. Die Behandlung eines immungeschwächten Patienten orientiert sich an der Art und dem Ausmaß der Krankheitsanzeichen, an den betroffenen Organen sowie an den prognostizierten Folgen der Erkrankung. Wegen der bestehenden Lebensgefahr werden zeitnah Antimykotika (Medikamente gegen Pilzinfektionen) eingesetzt. Durch gleichzeitige Verabreichung mehrerer Antimykotika wird die Ausbildung von Resistenzen gegen einzelne Antipilzmedikamente vermieden und häufig eine Verringerung der Akutbehandlung auf einen vier- bis sechswöchigen Zeitraum erreicht.

Bei der √ľberwiegenden Zahl der Meningitis-F√§lle erfolgt eine vollst√§ndige Krankheitsr√ľckbildung. Wenn nach mindestens vierw√∂chiger Akuttherapie eine Fl√ľssigkeitsuntersuchung keine Anzeichen des Pilzes aufweist, schlie√üt sich eine prophylaktische Therapie unter Einsatz von speziellen Antimykotika zur Absicherung des erregerfreien Zustandes an. Sollte ein allzu gro√üer Hirndruck entstanden sein, wird erg√§nzend eine druckentlastende Fl√ľssigkeitsdrainage vorgenommen. Nach mindestens sechsmonatiger Therapie kann die Prophylaxe-Therapie beendet werden, falls innerhalb der letzten drei Behandlungsmonate keine Pilze mehr nachzuweisen waren. Sollte eine Abschlussuntersuchung allerdings noch Cryptococcus neoformans-Antigene nachweisen, muss die Behandlung weitergef√ľhrt werden.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Kryptokokkose

Es d√ľrfte schwierig sein, sich den Erregern der Pilzkrankheit vollst√§ndig zu entziehen. Innerhalb von Klinikgel√§nden sollten jedoch Gef√§hrdungen z. B. durch starke Taubenpopulationen zur√ľckgedr√§ngt werden. Da vor allem Immunschw√§che-Patienten von der Kryptokrokkose betroffen werden, besteht eine wesentliche Prophylaxe-Ma√ünahme in der Vermeidung z. B. einer HIV-Infizierung.

Generell l√§sst sich das Immunsystem durch regelm√§√üige sportliche Aktivit√§ten, eine ausgewogene Ern√§hrung sowie die Vermeidung eines zu gro√üen Alkohol- und Nikotinkonsums st√§rken. Eine allgemeine Prophylaxe speziell gegen den Erreger Cryptococcus neoformans wird nicht angeraten, da diesbez√ľgliche Versuche keine Prognoseverbesserungen ergeben haben.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt √ľberarbeitet am: 14. Oktober 2020.
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