Appetitverlust

Unter Appetitverlust, fachsprachlich als Anorexie oder Inappetanz bezeichnet, wird ein länger andauernder Mangel an Appetit verstanden, welcher Symptom zahlreicher Erkrankungen darstellen kann. Das Hungergefühl scheint dabei gänzlich verloren gegangen zu sein. Besteht dieser Zustand an Appetitlosigkeit länger führt dieser unmittelbar zum Gewichtsverlust. Da dieses Symptom, in Kombination mit anderen, zahlreichen Erkrankungen sowohl psychischer als auch physiologischer Natur zugeordnet werden kann, ist es nahezu unmöglich nur anhand dieses Umstandes diagnostische Aussagen zu treffen.

Psychische Ursachen eines Appetitverlustes sind u.a. anhaltende Stresssituationen, sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich, Depressionen, Essstörungen wie Bulimie und Magersucht sowie bei Störungen der Persönlichkeit (z.B. Schizophrenie, Borderline-Syndrom). Des Weiteren lassen sich zahlreiche körperliche Ursachen einer Anorexie finden wie etwa Tumore, Geschwüre oder Entzündungen des Magen-Darm-Trakts, HIV-Infektion, Diabetes Mellitus, Schilddrüsenerkrankungen oder Herzerkrankungen. Ebenso gehen viele Organerkrankungen an Leber, Speiseröhre oder Mund mit dieser Symptomatik einher. Auch schwere Infektionen durch Viren oder Bakterien (z.B. Grippeviren, Noroviren u.ä.) können zu einem Verlust des Appetits führen.

Keine Erkrankung im eigentlichen Sinne, aber dennoch ein anzusprechender Faktor für Appetitverlust stellt zudem eine Schwangerschaft dar. Besondern in der Frühschwangerschaft (1. Trimester) kann es aufgrund der veränderten Hormonzusammensetzung im Körper zu einem Verlust des Hungergefühles kommen, einhergehend mit Übelkeit und/oder Erbrechen. Selbst die Einnahme bestimmter Medikamente kann das Symptom als Nebenwirkung auslösen. Oftmals tritt zudem bei langer Dauer der Appetitlosigkeit eine Schwächung des Körpers sowie des Immunsystemes ein, einhergehend mit Mangelerscheinungen durch eine zu geringe oder gänzlich fehlende Zufuhr an Nährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen.

Appetitverlust – Ursachen und Diagnose

Wie sich feststellen lässt, kann keine pauschale Diagnose anhand eines bestehenden Appetitverlustes abgeleitet werden. Um eine Ursachenforschung zu betreiben ist es daher zunächst wichtig, in ausführliche Kommunikation mit dem Patienten zu treten. Geklärt werden sollte dabei die persönliche Situation des Betreffenden (Ist ein hohes Maß Stress gegeben? Probleme im persönlichen Umfeld oder Beruf? Etc.) und eventuelle andere Symptome wie Schmerzen, Durchfall, blutiger Stuhl, Schwindel, erhöhte Blutdruck- und/oder Pulswerte etc.

Bestehen keine Auffälligkeiten in dieser ersten Anamnese könnte ein Blutbild Aufschluss über die auslösende Grunderkrankung geben. Schilddrüsenerkrankungen, aber auch Entzündungen im Körper (z.B. an der Leber) können auf diese Weise diagnostiziert werden. Selbst Drogenmissbrauch (z.B. bei Kokain) kann als Ursache nicht ausgeschlossen werden und ist auf diesem Wege nachweisbar. Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, kann ein psychologisches Gespräch bei der Suche nach Ursachen hilfreich sein.

Stress, ein fehlerhaftes Körpergefühl, Unsicherheit und Trauer, aber auch ernste psychische Leiden können Auslöser für Appetitlosigkeit sein. Ebenso sollte vom behandelnden Arzt nachgefragt werden, welche Medikamente eingenommen werden, da zahlreiche Arzneien als Begleiterscheinung und Nebenwirkung Inappetanz auslösen. Sind die Ursache oder gar Ursachen des Appetitverlustes erkannt, kann mit einer Therapie begonnen werden.

Therapie und Hilfe bei Appetitverlust

Die Haupttherapie besteht in der Behandlung der Grunderkrankung. Meist verschwindet bei Heilung dieser auch die Symptomatik des Appetitverlustes. Schwieriger kann sich die Behandlung des Symptoms gestalten, handelt es sich bei der Grunderkrankung um eine Krebserkrankung im voranschreitenden Stadium, bei HIV-Infektion oder bei schweren Essstörungen. Bei diesen Krankheiten kann es von Nöten sein, besondere Maßnahmen zu ergreifen, um den Appetit anzuregen und eine Nahrungsaufnahme herbei zu führen.

Zum einen kann der Versuch unternommen werden durch appetitanregende Lebensmittel den Patienten zum Essen zu motivieren. Als appetitanregend gelten vor allem Gewürze und Kräuter wie Lorbeer, Petersilie und Majoran, ebenso Senf, frisches Obst und Gemüse sowie Lebensmittel mit vielen Bitterstoffen. Eine andere Möglichkeit ist der Versuch mittels Aromatherapie eine Steigerung des Appetits zu erzielen. Hilfreich kann ebenso sein, besonders kalorienreiche Getränke zu sich zu nehmen, um Energiedefizite auszugleichen. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, die Nahrung besonders vitamin- und mineralstoffreich zu gestalten, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Das Reichen großer Mahlzeiten ist oftmals eher kontraproduktiv, daher ist es sinnvoller, kleine, dafür aber häufige Mahlzeiten anzubieten. Nüsse, Samen und Kerne als kleine Knabberei zwischendurch sind ebenfalls zu empfehlen, da sie sowohl Energie, als auch wichtige Fette enthalten. Bei der Speisezubereitung und Darbietung sollte darauf geachtet werden, dass die Nahrung nicht allzu stark riecht (dies könnte Übelkeit auslösen, was zu noch stärkerem Appetitverlust führt) und besonders appetitlich angerichtet wird. Das Auge speist mit. Des Weiteren ist bei Patienten mit so schwerwiegenden Krankheitsbildern stets die Lust auf bestimmte Speisen dem gesundheitlichem Aspekt vorzuziehen.

Eine Nahrungsaufnahme in einer Gruppe kann ebenso hilfreich sein. Neben diesen kleinen Hilfestellungen ist es besonders wichtig den Betreffenden in eine emotional möglichst stabile Lage zu versetzen, um zusätzlichen Stress zu vermeiden. Wenn möglich sollte Bewegung an der frischen Luft stattfinden, da diese zum einen den Appetit steigern kann und zum anderen Stress reduzieren kann. Manchmal ist es zudem von Nöten zusätzlich zu diesen Tipps und Hilfestellungen eine medikamentöse Therapie einzuleiten, um den Appetit zu steigern und eine ausreichende Nahrungs- und somit Nährstoffaufnahme zu gewährleisten.

Ein besonderer Fall besteht immer bei schweren Essstörungen. Besonders bei Magersucht ist Appetitlosigkeit ein ausschlaggebendes Symptom, welches psychotherapeutische Betreuung unumgänglich macht. Durch Einsatz von Gruppenkochen, Esstraining und der bereits genannten Hilfen kann der psychische Zustand jedoch stabilisiert werden, auch wenn eine komplette Heilung nicht eindeutig vorhergesagt werden kann.

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