Syphilis

Die Infektionskrankheit Syphilis, auch Lues, Lues venerea oder harter Schanker genannt, ist seit vielen Jahrhunderten bekannt und gehört zur Gruppe der sexuell übertragbaren Krankheiten. Bekannte Persönlichkeiten wie Casanova, Heinrich Heine oder Friedrich Nietzsche litten unter der auch als Lustseuche bezeichneten Erkrankung. Die Symptome der Infektionskrankheit beginnen relativ harmlos und werden daher leider häufig erst mal ignoriert.

Ein anschauliches Beispiel für die gefürchteten Spätfolgen der Syphilis ist der deutsche Komponist Ludwig van Beethoven, der durch die Infektion mit dem Bakterium Treponema pallidum sein Gehör verlor. Die letzten beiden Jahrzehnte seines Lebens war der weltberühmte Komponist taub. Während früher schwere Fälle beim Krankheitsverlauf und sogar Todesfälle auftraten, ist der Verlauf der Syphilis im 21. Jahrhundert eher chronisch.

Durch die revolutionäre Entdeckung der Antibiotika, eine der bedeutendsten Fortschritte in der Medizingeschichte, kam es zu einem drastischen Rückgang der gefürchteten Infektionskrankheit. Gravierende Spätfolgen wie die Zerstörung des zentralen Nervensystems wurden wirkungsvoll verhindert, die Erkrankung gilt als heilbar. Seit den 1990er Jahren ist jedoch wieder ein Anstieg der Erkrankungen festgestellt worden. Im Jahr 2011 erkrankten fast 22 Prozent mehr Menschen an der sexuell übertragbaren Krankheit als 2010. Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt den Anstieg der Fälle vor allem auf eine allgemein gestiegene Resistenz der Erreger und eine weltweite Verbreitung des Bakteriums zurück. In der Schweiz, in Österreich und in Deutschland ist die Infektion meldepflichtig.

Ursachen

Kontakte mit einem infizierten Partner sind die Hauptursache für die Übertragung der Syphilis. Besonders Männer sind überdurchschnittlich betroffen von einer Infizierung mit dem Bakterienstamm. Im Jahre 2011 waren es in Deutschland 93,6 Prozent Männer und nur 6,4 Prozent Frauen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit Syphilis steigt am Anfang der Infektion prozentual mit dem Krankheitsstadium des Überträgers.

Treponema pallidum, das Bakterium, dringt durch kleinste Verletzungen der vaginalen, analen oder oralen Schleimhäute in den Körper ein und verbreitet sich. Auch über Hautkontakt und Verletzungen kann eine Übertragung der Syphilis erfolgen. Besonders das austretende Sekret der Geschwüre gilt als hochansteckend. Neben den sexuellen Kontakten als Ursache für Infektionen ist eine Übertragung der Syphilis auch von der Mutter auf das ungeborene Kind möglich. Hierbei erfolgt der Übertritt der Bakterien über die Plazenta. Eine Infektion des Fötus kann sehr gefährlich sein und zu einer schweren Schädigung des Kindes oder zu einer Totgeburt führen. Die vorgeschriebenen Untersuchungen während der Schwangerschaft überprüfen daher auch eine mögliche Infektion der werdenden Mutter.

Syphilis Symptome

Etwa drei bis vier Wochen nach der Infektion zeigen sich die ersten Symptome. Direkt an der Eintrittstelle des Bakteriums entwickelt sich an der Haut oder Schleimhaut ein kleines verhärtetes Geschwür. Im Anfangsstadium ist das gerötete Geschwür noch relativ schmerzlos und sondert eine farblose Flüssigkeit ab. Ca. ein bis zwei Wochen später kommt es zu einem Anschwellen der Lymphknoten. Nach acht Wochen treten grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auf. Auch rosa Hautausschläge und kupferfarbene Knötchen entwickeln sich im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf.

Im Gegensatz zu anderen sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten tritt bei der Syphilis kaum bis gar kein Juckreiz an den befallenen Partien auf. Da das Fortschreiten der Erkrankung häufig durch einen Stillstand unterbrochen wird, entsteht bei den Infizierten der fälschliche Eindruck, die Erkrankung sei verschwunden. Tatsächlich bleibt der gefährliche Bakterienstamm im Körper und der Betroffene ist nach wie vor ansteckend. Unbehandelt können sich die Erreger der Syphilis nach Jahren im ganzen Körper verteilen. Innere Organe, Knochen und Muskeln werden befallen. Es entstehen große Geschwüre auf der Haut und besonders gefährlich sind die Knoten an den Wänden der Blutgefäße. Als Spätsymptom der Syphilis gelten die gefürchteten Schädigungen des zentralen Nervensystems.

Diagnose

Moderne medizinische Diagnoseverfahren erleichtern das frühzeitige Erkennen der Syphilis. Neben der sorgfältigen Befragung des Patienten sind es zunächst die typischen Symptome an Haut und Schleimhaut, die dem behandelnden Arzt erste wichtige Hinweise geben.

Da die kleinen Geschwüre im Anfangsstadium nicht selten wieder verschwinden, ist eine weitergehende Diagnostik unumgänglich, um eine Erkrankung auszuschließen. Hier kommen vor allem umfangreiche Laboruntersuchungen zum Einsatz. Das Identifizieren des Erregers unter dem Dunkelfeldmikroskop ist eine der Möglichkeiten den Bakterienstamm zu erkennen. In den meisten Fällen wird das Blut des potenziell Infizierten in verschiedenen Diagnoseverfahren untersucht. Wenn der Zeitpunkt der Infektion nicht mehr bekannt ist, kann eine Entnahme von Liquor den nötigen Aufschluss über das Krankheitsstadium liefern.

Therapie / Behandlung

Das Mittel zur Wahl bei der Behandlung der Syphilis ist nach wie vor Penicillin. Besonders das Benzylpenicillin, auch Penicillin G genannt, wird seit rund 60 Jahren erfolgreich gegen die Erreger der Syphilis eingesetzt. Eine Behandlung mit dem Antibiotikum kann im Anfangsstadium der Erkrankung durch eine einmalige intramuskuläre Injektion erfolgen. Bei späteren Stadien der Infektionskrankheit werden die Medikamente über einen mehrwöchigen Zeitraum per Infusion verabreicht. Ein Krankenhausaufenthalt ist hier unumgänglich. Hat der Infizierte Allergien entwickelt, greifen die Ärzte auf andere Antibiotika zurück. Hier sind es die Cephalosporine, die Tetrazykline und die Makrolide die zur Behandlung der Syphilis eingesetzt werden.

Verlauf

Der Verlauf einer Erkrankung mit Syphilis teilt sich in vier Stadien. Im sogenannten Primärstadium, auch Lues I genannt, sind die Symptome der Infektion noch relativ harmlos und verschwinden auch unbehandelt wieder. Das Sekundärstadium, Lues II, zeigt dagegen deutliche Hinweise auf eine Infektion. Die starken grippeähnlichen Symptome und die generalisierten Hauterscheinungen deuten auf eine Ansteckung hin, die viele Wochen bis Monate zuvor stattgefunden hat. Beim Tertiärstadium, Lues III, hingegen liegt der Zeitpunkt der Infektion bereits drei bis fünf Jahre zurück. Innere Organe, Muskeln und Knochen sind hier in Mitleidenschaft gezogen worden. Das letzte Stadium der Syphilis wird als Neurolues, Lues IV, bezeichnet und kennzeichnet den gefährlichen Befall des zentralen Nervensystems.

Vorbeugen

Wie bei allen sexuell übertragbaren Krankheiten gilt auch für die Syphilis: Ein zu häufiger Wechsel der Geschlechtspartner erhöht das Risiko der Ansteckung. Das Verwenden von Kondomen ist nicht nur als Vorbeugung der Syphilis ein wichtiger Faktor. Trotz Kondomen sollte auch darauf geachtet werden, dass eine Übertragung der Erreger durch die Mundschleimhaut erfolgen kann.

Da der Bakterienstamm durch kleinste Risse in den Körper eindringt, gelten verletzungsanfällige Praktiken als Risikofaktor zur Übertragung von Syphilis. Eine regelmäßige Untersuchung des Blutes auf eine mögliche Infektion ist daher sinnvoll.

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