HIV Heimtest

Unter einem HIV Heimtest versteht man einen HIV-Test, der zuhause durchgeführt werden kann. Er gehört zu den weltweit am meisten verbreiteten Tests überhaupt und wird seit vielen Jahren eingesetzt.

HIV Heimtest pro & contra

Weshalb ein HIV Test überhaupt zuhause und eben nicht in einer Arztpraxis durchgeführt werden sollte, erschließt sich vielen Menschen nicht auf den ersten Blick. Daher plädieren wir dafür, HIV Heimtests nicht per se als gut oder schlecht zu betrachten, sondern schlicht als eine Option, einen HIV-Test durchzuführen. Dies jedoch nur vorab.

Die Vorteile:

Die Frage, weshalb man sich zuhause auf HIV testen sollte, wird von vielen Menschen gleich beantwortet. Auch im Jahr 2018 unterliegen HIV positive Menschen nicht selten noch einer Stigmatisierung durch die Gesellschaft. Die Diagnose HIV positiv führt neben gesellschaftlichen Auswirkungen und einer ggf. unerwünschten Resonanz aus dem persönlichen Umfeld auch zu (versicherungs-)rechtlichen Konsequenzen für den HIV positiv getesteten Menschen.

Daher führen wir anbei einige Vorteile aus Sicht des Verbrauchers und schlussendlich auch aus gesundheitspolitischer Perspektive auf:

  1. Ein HIV-Heimtest ist vor allem deshalb von Vorteil, da er wirklich anonym duchgeführt werden kann.
  2. Zudem – und da sind sich viele Nutzer von Heimtests einig – fällt vielen Menschen ein Test leichter, wenn sie das (ohnehin schon vorher feststehende) Ergebnis erst einmal mit sich selbst ausmachen können.
  3. Darüber hinaus wird die Dunkelziffer an nicht erkannten HIV-Infektionen verringert.

Die Nachteile:

Die folgende Auflistung der Nachteile bezieht sich auf Deutschland, Österreich und Schweiz. Da die Verfügbarkeit von einwandfreien, unter seriösen Bedingungen hergestellten und einwandfrei vertriebenen Heimtests nicht zuletzt davon abhängt, ob HIV-Heimtests in einem Land legal vertrieben werden können, lesen Sie neben den bisherigen Nachteilen unbedingt auch die untenstehenden aktuellen Länder-Hinweise.

  1. Heimtests sind eher nur bedingt zuverlässig. Viele Hersteller werben mit einer „Sicherheit“ von 99 Prozent. Geht man davon aus, dass sich die Gesamtbevölkerung Deutschlands (etwa. 80 Millionen Menschen) mit einem Heimtest testen lassen würde, so würden in diesem Rechenbeispiel circa. 800.000 Menschen ein falsches Testresultat erhalten. Man mag nun argumentieren, dass ein Heimtest eher falsch positiv, als falsch negativ reagiert, aber genau hierin liegen weitere Probleme verborgen:
    • Falsch negative Tests: Ein falsch negatives Testergebnis kann durch einen Heimtest deutlich eher vorkommen, als bei einem herkömmlichen HIV-Antikörpertest oder PCR-Test beim Arzt, Gesundheitsamt oder im Labor. Falsche Testergebnisse können logischerweise zu einer weiteren Verbreitung von HIV und somit zu Infektionen Dritter führen.
    • Falsch positive Heimtests: Reagiert ein Heimtest falsch positiv, so wird der Getestete mit dem Ergebnis des Heimtests alleine gelassen. Ihm fehlt in der Regel die Kompetenz, dieses Ergebnis zu beurteilen. Auch bei klinischen Antikörpertests können falsch positive Ergebnisse auftreten. Im Gegensatz zum Heimtest kann dann aber direkt im Anschluss ein weiteres, spezialisiertes Testverfahren (z.B. ein Western blot Test) genutzt werden, um das Ergebnis zu prüfen. Der Patient wird umgehend – mal mehr oder weniger gut – über das weitere Verfahren aufgeklärt. Diese Prozedur ist bei klinischen Tests beim Hausarzt oder beim Gesundheitsamt absoluter Standard und dient dazu, falsch positive Testergebnisse so schnell wie möglich zu falsifizieren oder eben – bei einem korrekt positiven Ergebnis – die Diagnose HIV positiv zu stellen.
  2. Wird ein Heimtest zuhause durchgeführt, so hat man keinerlei ärztliche Beratung und keinen medizinischen Beistand. Man wird vor dem Test nicht über die Testmethode selbst und deren Eigenschaften (wie Wartezeiten zwischen Risikokontakt und dem Test selbst) aufgeklärt und kann nicht oder nur bedingt nachvollziehen, was ein positives oder negatives Testresultat bedeutet. Ohne Beratung werden viele HIV Heimtests fehlinterpretiert, was wiederum zur ungewollten Infektion Dritter führen kann.
  3. Desweiteren ist zu bemerken, dass ein HIV Heimtest nur dann funktionieren kann, wenn er wie vom Hersteller beabsichtigt durchgeführt wird. Zum Einen besteht hier das Problem, dass viele Anwender unabsichtlich und somit ggf. auch komplett unbemerkt Fehler bei der Durchführung des HIV Schnelltests machen und das Resultat somit hinfällig ist. Zum Anderen besteht in Ländern, in denen Heimtests nicht legal sind das Problem, dass die Hersteller oder zumindest der Vertrieb der Heimtests zwangsweise im Ausland zu finden sind und die Bedienungsanleitung bzw. der Beipackzettel aufgrund unsachgemäßer Übersetzungen einer gewissen Fehleranfälligkeit unterliegt. Selbst wenn man sich genau an die (zumeist übersetzte) Anleitung hält, so besteht die Möglichkeit, dass sich Fehler bei der Ausführung zuhause einschleichen und das Ergebnis somit ebenfalls falsch ist.
  4. HIV Heimtests können in der D-A-CH Region via Internet erworben werden. Hiervon kann dann abgeraten werden, wenn die Herstellungsbedingungen nicht bekannt sind und die Hersteller-Firmen nicht transparent genannt werden. Dieser Zustand führt dazu, dass man als Verbraucher nur schwer objektiv vergleichen oder nachprüfen kann, welche Testsicherheit tatsächlich beim online gekauften HIV Test vorliegt. Das Resultat ist, dass sich auch dubiose und unseriöse Anbieter auf den Weltmarkt drängen können, deren Tests ggf. nicht unter kontrollierten Bedingungen produziert werden. Durch die Legalisierung von Heimtests verändert sich diese Situation gerade langsam, aber sicher – die Gefahr ist jedoch quasi die direkte Konsequenz aus dem langjährigen Verbot und noch immer nicht gebannt.

Auf gar keinen Fall sollten Heimtests im Internet bestellt werden, deren Hersteller:

  • a) nicht genannt werden
  • b) nicht nachvollziehbar seriös sind [Google bemühen]
  • c) keine eigene Homepage mit ausführlichen Informationen zu Hersteller/Händler und eine reale Firmierung besitzen
  • d) in einer Region beheimatet sind, in der man die Produktionsbedingungen nicht sicher nachvollziehen kann

HIV Heimtest in Deutschland

In Deutschland ist der Vertrieb von HIV Heimtests seit 2010 bis aktuell im Jahr 2018 verboten. Die damalige Diskussion für das Verbot der bis dahin frei verkäuflichen HIV Heimtests war breit gefächert.

So kam es im Jahr 2009 zum Verbot in Deutschland:

Hauptargumente für das Verbot von HIV Heimtests waren unter anderem, dass man bei „tödlichen Infektionskrankheiten“ keinesfalls die Testsicherheit in die Hände von Patienten legen könne. Darüber hinaus wurden fehlende Standards für die Tests bzw. die Testsicherheit an sich durch die Gegner von HIV Heimtests bemängelt. Auch die fehlende Beratung – insbesondere bei einem positiven Ergebnis – waren immer wieder im Mittelpunkt der Contra-Argumente.

Die öffentliche Diskussion und das Gesetzgebungsverfahren (siehe bundestag.de – Basisinformationen über den Vorgang „Gesetzgebung Gesetz zur Änderung medizinprodukterechtlicher Vorschriften„) sind darin gemündet, dass der Deutsche Bundestag im Jahr 2009 das „Gesetz zur Änderung medizinprodukterechtlicher Vorschriften“ erlassen hat, das u.a. folgende Änderungen beinhaltet, die den Handel von HIV Heimtests für Endanwender in Deutschland verboten haben:

Nach § 11 Absatz 3 wird folgender Absatz 3a ein-
gefügt:

(3a) In-vitro-Diagnostika zur Erkennung von
HIV-Infektionen dürfen nur an
1. Ärzte,
2. ambulante und stationäre Einrichtungen im Ge-
sundheitswesen, Großhandel und Apotheken,
3. Gesundheitsbehörden des Bundes, der Länder,
der Gemeinden und Gemeindeverbände
abgegeben werden.

Im Jahr 2010 ist basierend auf dieser Gesetzesänderung faktisch das Verbot für den Vertrieb von HIV-Heimtests an Endverbraucher in Deutschland in geltendes Recht umgesetzt worden.

Erneute Zulassung von HIV Heimtests im Jahr 2018?

Wie auch in Österreich und der Schweiz kommt auch in Deutschland deutlich Bewegung in die Sache. Nachdem HIV längst keine „tödliche Infektionskrankheit“ mehr ist, sondern – sofern erkannt und behandelt – immer mehr zu einer gut behandelbaren chronischen Erkrankung tendiert, ist eines der Hauptargumente weggebrochen. Dass Heimtests von zertifizierten Herstellern stammen können und müssen, haben längst andere europäische Länder (Frankreich, Großbritannien) vorgemacht.

Aus der Argumentation von damals bleiben also nur noch das  – kritisierbare – Argument übrig, dass die Anwender von HIV Heimtests mit dem Ergebnis allein gelassen werden. In einer digitalisierten Welt sollte aber auch das machbar sein.

Dass Verbraucher Beipackzettel und Anleitungen verstehen können müssen, versteht sich von selbst. Hier helfen unserer Meinung nach einfache Testverfahren und eine gute Beschreibung – all dies können zertifizierte Tests auch in anderen Bereichen längst liefern.

In den vergangenen Monaten mehren sich die Hinweise, dass der amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Debatte rund um die Zulassung von HIV Heimtests nicht nur neu entfacht hat, sondern sich intensiv für die Zulassung von HIV Heimtests in Deutschland einsetzt. Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-06/hiv-selbsttests-jens-spahn

Ende August 2018 gibt es diesbezüglich noch keine finalen Neuigkeiten. Man findet daher bisher keine in Deutschland ansässige Firma, die HIV Heimtests für Privatanwender online zur Bestellung anbietet. Ein HIV Heimtest kann in Deutschland daher auch nicht in einer Apotheke oder in einer Drogerie erworben werden – auch, wenn sich dieser Mythos hartnäckig hält.

Es bleibt daher abzuwarten und zu hoffen, dass sich Gesundheitsminister Jens Spahn durchsetzt und die Dunkelziffer an HIV-Infektionen durch die Zulassung von HIV-Heimtests gesenkt wird. Wir drücken die Daumen!

HIV Heimtests in Österreich

In Österreich werden zertifizierte HIV Heimtests seit Juni 2018 rezeptfrei über Apotheken vertrieben. Der Handel via Internet und Drogerien bleibt weiterhin verboten. Dem Problem der fehlenden Betreuung durch Fachpersonal entgegnet man in Österreich durch das Aufführen von kostenlosen Hotlines der AIDS Hilfe Österreich in den Beipackzetteln, die bei Bedarf angerufen werden können.

Quellen:

HIV Heimtest in der Schweiz

In der Schweiz sind seit dem 19.06.2018 HIV Heimtests erlaubt, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Pressemitteilung tagesaktuell veröffentlich hat.  Zertifizierte Tests werden primär in Apotheken und Drogerien angeboten.

Anders als in Österreich dürfen die Heimtests in der Schweiz jedoch auch online über das Internet vertrieben werden, was die Reichweite mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit deutlich vergrößern wird.

Quellen:

HIV Heimtest oder Test beim Arzt / Gesundheitsamt?

HIV Heimtests sind i.d.R. so ausgelegt, dass sie eher falsch positive, als falsch negative Ergebnisse liefern. Fakt ist daher auch, dass eine – auf die Masse aller Test für zuhause gesehen – relativ große Anzahl an Heimtests ein falsch positives Resultat liefern. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass der Getestete HIV positiv ist, sondern kann auch daher rühren, dass der Test so ausgelegt ist, dass er eher richtig negative als falsch positive Ergebnisse liefert. Zur sicheren Abklärung ist bei einem positiven HIV Heimtest ein Arztbesuch absolut unumgänglich. Der Arzt führt dann z.B. mit dem Western blot Test einen sogenannten Bestätigungstest durch, der das Ergebnis des Heimtest verifizieren oder falsifizieren kann.

Wir plädieren daher ausdrücklich dafür, dass man bei einem positiven HIV Heimtest direkt zum Arzt oder Gesundheitsamt geht und dort einen Test nach einer qualifizierten Beratung unter kontrollierten medizinischen Bedingungen durch eine medizinisch geschulte Fachperson durchführen lässt.

Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Detailseite zum Thema HIV Test.

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Sinnvolle Anwendungen von Heimtests:

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Stand: 27. August 2018

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