Wundstarrkrampf

Bei Wundstarrkrampf handelt es sich um eine oftmals tödlich verlaufende Infektionskrankheit, welche die für die Muskelsteuerung verantwortlichen Nervenzellen befällt und dadurch schwere Muskelkrämpfe und Lähmungen verursacht. Ausgelöst wird die Krankheit durch die Sporen des Bakteriums Clostridium tetani, die über Wunden in den Körper dringen und Toxine in diesen abgeben, welche die typischen Symptome von Wundstarrkrampf auslösen.

Die medizinische Bezeichnung der Krankheit lautet Tetanus, was dem Altgriechischen entlehnt ist und frei übersetzt „krankhafte Verzerrung“, beziehungsweise „Starre“ bedeutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Infektionskrankheiten ist nach einer eventuellen Genesung von Tetanus keine vollständige Immunisierung der Fall.

Auf Grund der hohen Wirkstärke des Neurotoxins Tetanospasmin löst selbst eine tödliche Dosis des Giftes keine Immunreaktion aus, wodurch selbst ein eigentlich resistenter Körper stirbt. Schon 0,1 Nanogramm des Nervengiftes tötet eine Maus innerhalb von 48 Sekunden. Seit der Entwicklung eines Impfstoffes ist die Inzidenz in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen, doch insbesondere in Ländern mit feuchtwarmem Klima und geringerer Impfquote sind noch immer einige Fälle von Wundstarrkrampf zu verzeichnen. Da die Wundstarrkrampf auslösenden Sporen über offene Wunden eintreten empfiehlt sich nach einem Unfall die augenblickliche Wundreinigung, auch wenn eine Impfung stattgefunden hat oder es nur kleine Schürfwunden sind.

Wundstarrkrampf Ursachen

Wundstarrkrampf Symptome und UrsachenDie Ursache von Wundstarrkrampf sind die resistenten Sporen des Bakteriums Clostridium tetani, welche überall, sogar in Staub oder fruchtloser Erde, vorkommen können. Durch Wunden dringen sie in den Körper ein. Das Bakterium ist anaerob, vermehrt sich daher unter Sauerstoff-Abwesenheit und sondert dabei Toxine in Form von Tetanolysin und Tetanospasmin ab. Tetanolysin ist hämolysierend und kardiotoxisch, was bedeutet, dass es die Erythrozyten auflöst und herzschädigend wirkt, jedoch für die für Tetanus typischen Symptome unbedeutend ist.

Für den eigentlichen Krankheitsverlauf primär verantwortlich ist Tetanospasmin. Über die peripheren Nervenbahnen und das Blut gelangt es zum Zentralnervensystem, genauer gesagt in die graue Substanz der Rückenmarks, wo es das Protein Synaptobrevin spaltet und somit die Freisetzung der Neurotransmitter Glycin und ?-Aminobuttersäure von Seiten der Renshaw-Zellen verhindert. Das Nervensystem kann dadurch nicht mehr hemmend auf die betroffenen Muskeln einwirken, da die Synapsen durch die fehlenden Neurotransmitter von Motoneuronen blockiert werden.

Wundstarrkrampf Symptome

Die Inkubationszeit, welche zwischen Eintritt des Erregers und Auftritt der ersten Symptome vergeht, kann je nach Fall von wenigen Tage bis zu mehreren Wochen und in seltenen Fällen mehrere Monate betragen.

Die ersten auftretenden Symptome ähneln denen einer Influenza, auch Grippe genannt, wie beispielsweise Schwindel, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Schüttelfrost. Wenig später erfolgt eine Kieferklemme, medizinisch Trismus, womit ein Krampf der unteren Kaumuskulatur bezeichnet wird, welche verhindert, dass der Betroffene den Mund auch nur leicht öffnen kann. Aufgrund dieser Verkrampfung der mimischen Muskulatur entsteht ein grinsender Gesichtsausdruck, der häufig als Teufelsgrinsen bezeichnet wird. Der exakte medizinische Begriff für das Symptom lautet Risus sardonicus und kann korrekt mit „Sardonisches Lachen“ übersetzt werden.

Ein weiteres Symptom ist die wenig später folgende Verkrampfung der Streckmuskulatur des Rückens, welche als Opisthotonus bekannt ist. Der Krampf führt zu Neigung des Kopfes in Richtung Nacken und der Überstreckung von Torso und Extremitäten, was bei zu starker Überlastung sogar zu Wirbelbrüchen führen kann. Es folgen Muskelkrämpfe in den Gliedern, dem Kehlkopf und dem Zwerchfell, die schon von minimalen äußeren Reizen, gleich ob akustisch, optischer oder mechanischer Natur, ausgelöst werden und ein bis zwei Minuten andauern. Wird dem Erkrankten nicht geholfen folgt unweigerlich der Tod durch Erstickung.

Wundstarrkrampf Diagnose

Da es gegenwärtig keinerlei Bluttests gibt, mit denen man Tetanus feststellen kann, wird sich beim Stellen der Diagnose auf das Beobachten der vielfältigen und ausgeprägten Symptome beschränkt. Die Diagnose beruht nicht auf der etwaigen vorherigen Isolation des Bakteriums auf der Wunde des Patienten, aus der es nur in etwa 30% aller Fälle entfernt werden kann, sodass bei dem Betroffenen kein Tetanus auftritt. Wenn eine Grundimmunisierung durchgeführt wurde und auch die regelmäßigen Auffrischungen nicht vernachlässigt wurden, dann ist eine Erkrankung an Wundstarrkrampf von vornherein unwahrscheinlich. Als endgültige Absicherung kann jedoch ein Neutralisationstest unter Verwendung von Wundmaterial des Erkrankten mithilfe eines Tierversuchs an Mäusen durchgeführt werden, um einen Toxinnachweis zu erbringen.

Wundstarrkrampf Therapie / Behandlung

Gegen Wundstarrkrampf gibt es keine kausale Behandlung. Da Tetanospasmin die Nervenzellen direkt angreift und sich auch über Nervenscheiden ausbreitet sind sogar Injektionen von fremden Antikörpern und passive Immunisierung über den Blutkanal umstritten. Durch chirurgische Wundrevision und ausgedehntes Débridement, wenn nötig sogar eine Amputation, wird die Vermehrung des Erregers verhindert um die Toxinproduktion der Wunde unterbinden muss.

Da häufig eine Mischinfektion vorliegt werden dem Erkrankten zudem oft hochdosiertes Penicillin und Breitspektrumantibiotika gegeben, diese zu unterbinden. Ist eine Grundimmunisierung vorhanden die letzte Auffrischung liegt über fünf Jahre zurück wird Tetanustoxoid für eine aktive Immunisierung benutzt. Bei nicht klarem Impfstatus des Patienten werden eine aktive Immunisierung mithilfe von Tetanustoxoid, sowie zeitgleich eine passive Immunisierung durch Hyperimmunglobulin eingeleitet.

Außerdem kann bei milden Fällen eine symptomatische Behandlung erfolgen, welche sich an den spezifischen Krankheitszeichen orientiert und versucht diese so gut wie möglich zu hemmen und für den Betroffenen erträglich zu machen. Bei schweren Erkrankungen an Wundstarrkrampf ist eine medikamentöse Muskelrelaxation, sowie maschinelle Beatmung unvermeidlich.

Wundstarrkrampf Verlauf

Da das Gefühl und das Bewusstsein des Erkrankten nicht betroffen sind ist die Krankheit, vor allem unbehandelt, oft sehr schmerzhaft. Wird Wundstarrkrampf nach beobachten der Symptome diagnostiziert wird der Patient aufgenommen und während seines Krankenhausaufenthalts und insbesondere seiner Krampfanfälle betreut. Wird ein ausreichender Antikörperspiegel erreicht klingen die Symptome ab und man kann die maschinelle Beatmung in der Regel nach vier bis acht Wochen beenden.

Auch der modernen Medizin gelingt es nicht immer Folgeschäden zu vermeiden, wodurch der Patient weiterhin in Behandlung bleiben muss. Der Antikörperspiegel ist, auch nachdem die Erkrankung erfolgreich bekämpft wurde, ohne aktive Impfung nicht hoch genug, um eine weitere Erkrankung zu verhindern, was eine Vorsorgeimpfung auch für ehemals Erkrankte bedeutsam macht.

Wundstarrkrampf Vorbeugen

Für Wundstarrkrampf gibt es eine Vorsorgeimpfung, welche empfohlen wird. Experten raten zur prophylaktischen Immunisierung gegen Tetanus, da selbst kleine und besonders tiefe Wunden die Gefahr einer Infektion reell machen. Eine vollständige Immunisierung wird nach normalerweise drei Impfungen erreicht, welche im Abstand von einem Monat und danach einem Jahr schon im Kindesalter gesetzt werden sollten. Die erste Auffrischung erfolgt ungefähr im fünften Lebensjahr, danach wird eine aktive Immunisierung alle zehn Jahre erforderlich.

Besteht dieser Schutz nicht wird nach einer Verletzung eine simultane Immunisierung notwendig, welche sowohl aus einer aktiven, als auch einer passiven Immunisierung besteht. Anschließend werden weitere aktive Wiederholungsimpfungen in geregelten Zeitabständen angesetzt, um einen langfristigen Schutz vor Wundstarrkrampf zu gewährleisten.

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