Tourette-Syndrom

Das Tourette-Syndrom ist eine neurologisch-psychiatrische Erkrankung, die sich durch das Auftreten von Gesichts- und Nervenzuckungen, die auch Tics genannt werden, auszeichnet. Die dabei vorkommenden Tics sind rasche und teilweise sehr heftige Bewegungen, die unwillkürlich gemacht werden und oft von ungewollten verbalen Äußerungen, Ausrufen oder eigenartigen Geräuschen begleitet werden. Benannt wurde das Tourette-Syndrom nach dem französischen Arzt Georges Gilles de la Tourette.

Nachdem die Krankheit 1825 erstmals erwähnt wurde, verfasste er im Jahre 1885 eine der ersten wissenschaftlichen Arbeiten darüber. In den darauffolgenden Jahrzehnten geriet seine Beschreibung jedoch wieder in Vergessenheit. Erst etwa 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung entstand wieder verstärkt Interesse an der Erkrankung. Laut der deutschen Gesellschaft für Neurologie leiden in Deutschland zwischen 300.000 und 580.000 Menschen am Tourette-Syndrom. Dabei sind Männer ungefähr dreimal so häufig betroffen wie Frauen.

Tourette-Syndrom Ursachen

Tourette-Syndrom Symptome / UrsachenBis heute ist nicht umfassend geklärt, welche Veränderungen im Gehirn die typischen Symptome einer Tourette-Erkrankung auslösen. Mediziner können das Tourette-Syndrom auch nicht mit der Hilfe von apparativen Methoden nachweisen. Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass bei Patienten mit dem Tourette-Syndrom Stoffwechselvorgänge im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten und zwar im Bereich der Basalganglien, die für die Steuerung der Bewegungsabäufe verantwortlich sind. Aus diesem Grund wird das Tourette-Syndrom auch zu den extrapyramidialen Hyperkinesien gerechnet – dies sind Bewegungsstörungen, die auf einer Fehlfunktion bestimmter Anteile der Basalganglien beruhen.

Bei Patienten mit dem Tourette-Syndrom sind in diesem Bereich besonders die Neurotransmitter Serotonin und Dopamin betroffen. Diese Stoffe sind im Gehirn für die Signalübertragung, wie z. B. bei Bewegungsabläufen, zuständig und sind bei Tourette-Patienten teilweise übermäßig aktiv, so dass die typischen Tics entstehen. Experten finden zunehmend Hinweise darauf, dass das Tourette-Syndrom eine Autoimmunerkrankung sein könnte. Bei manchen Patienten mit dem Tourette-Syndrom scheint ein Zusammenhang zwischen den Tics und einer Infektion mit Streptokokken, einer Bakterienart, zu bestehen. Einige Menschen produzieren Antikörper gegen diese Bakterien, die dann jedoch anfangen, auch körpereigenes Gewebe anzugreifen.

Dieses sogenannte PANDAS-Syndrom tritt überwiegend bei Jungen nach einer Streptokokken-Infektion auf und zeigt, wie das Tourette-Syndrom, Tic-Störungen und Zwangssymptome. Einige Wissenschaftler machen genetische Ursachen für das Tourette-Syndrom verantwortlich. Amerikanische Wissenschaftler fanden bei einem Patienten eine Veränderung im Erbgut des Chromosom 13. Ein Endstück dieses Chromosoms war ursprünglich abgebrochen und verkehrt herum wieder eingebaut worden. Dieses Phänomen wurde bei vielen Tourette-Patienten festgestellt. Jedoch zeigen Studien auch, dass Veränderungen bei den Chromosomen 2 und 7 eine Rolle beim Tourette-Syndrom spielen können.

Tourette Symptome

Die typischen Symptome beim Tourette-Syndrom sind die verschiedenartigen Tics, die ungewollt und häufig auftreten. Zu den einfachen motorischen Tics gehören Kopfwerfen, Augenblinzeln, Naserümpfen und Grimassen, während zu den einfachen vokalen Tics bedeutungslose Laute, Husten und das Nachahmen von Tiergeräuschen zählt. Zu den komplexen Tics zählen im motorischen Bereich selbstverletzende Handlungen, die Imitation anderer Personen und das Grimassieren, während im vokalen Bereich das Wiederholen von Wörtern oder das Herausschleudern von obszönen und aggressiven Worten das Tourette-Syndrom kennzeichnet.

Viele der Patienten mit dem Tourette-Syndrom zeigen weitere Störungen und Auffälligkeiten wie Impulsivität, Asperger-Syndrom, Restless-Legs-Syndrom, ADS/ADHS, Schlagstörungen, Angststörungen, Konzentrations- und Lernschwierigkeiten, Zwangsstörungen und Depressivität. Das Tourette-Syndrom ist eine sehr komplexe Erkrankung, bei denen sich die Symptome jedes Betroffenen voneinander unterscheiden.

Tourette-Syndrom Diagnose

Die Diagnose des Tourette-Syndroms wird klinisch gestellt und zwar anhand der beobachteten Symptome und des bisherigen Krankheitsverlaufs. Es existieren keine psychologischen oder neurologischen Verfahren, mit denen eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Darum wird versucht, das Tourette-Syndrom mit der Hilfe von Schätzskalen und Fragebögen von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Hilfreich sind dabei auch medizinische Untersuchungen wie ein Elektroenzephalogramm, mit denen auch die Schweregrade der Tics bestimmt werden können.

Bedingungen für die Diagnose bestehen aus mindestens einem vokalen und zusätzlich zwei motorischen Tics in der Anamnese, dabei müssen diese nicht gleichzeitig aufgetreten sein. Jedoch müssen die Tics mehrmals täglich meist anfallartig entweder fast jeden Tag oder über ein Jahr wiederkehrend erscheinen. Die ersten Symptome müssen erstmals bereits vor dem 21. Lebensjahr aufgetreten sein, bei der Diagnosestellung spielt die Stärke der Tics jedoch keine Rolle. Mit diesen Festlegungen kann dadurch die multiple Ticstörung, die sich vom Tourette-Syndrom unterscheidet, ausgeschlossen werden. Da die Palette der möglichen Tics sehr breit und vielfältig ist, wird die eindeutige Diagnose erschwert.

Tourette-Syndrom Therapie / Behandlung

Da das Tourette-Syndrom als nicht heilbar gilt, konzentriert sich eine Therapie auf die Verbesserung der Symptome. Ärzte unterscheiden zwischen psychologischen und pharmakologischen Therapiemaßnahmen. Zur psychologischen Therapie zählen verschiedene pädagogische Beratungen zur Hilfe gegen die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, die in Zusammenhang mit dem Tourette-Syndrom häufig auftreten.

Auch die Tiefe Hirnstimulation, ein neurochirurgischer Eingriff, zeigt Erfolge bei manchen Patienten. Entspannungsverfahren und verschiedenen Verhaltenstherapien lehren den Umgang mit Stresssituationen, die Tics begünstigen. Einige Ärzte setzen auf Selbstkontrolltrainings, bei denen gelehrt wird, wie sozial unangenehme Tics durch andere, sozial akzeptiertere Tics ersetzt werden können.

Auch eine Musiktherapie erzielt positive Ergebnisse. Zum Beispiel können nervöse Impulse beim Spielen eines Musikinstrumentes abgeleitet werden. Wichtig dabei ist, dass der Patient mit Händen und Füßen aktiv ist, wie z. B. bei den Instrumenten Schlagzeug und Orgel, oder ein sehr schnelles Instrument spielt. Kontrollzwänge, wie z. B. der Zwang, ständig Phrasen zu wiederholen, begünstigen das regelmäßige Üben. Vokal Tics können in Stimmbildungsübungen oder bei bläserischen Arikulationsübungen umgewandelt werden.

Bei der pharmakologischen Therapie besteht der Ansatz darin, die Symptome mit der Behandlung durch Psychopharmaka aus der Gruppe der Neuroleptika zu mindern. Meist kommen die Wirkstoffe Tiaprid, Pimozid oder Haloperidol zum Einsatz. Die notwendige Dosis muss durch eine langsame Steigerung für jeden Patienten individuell herausgefunden werden. Bei zusätzlichen Zwangsstörungen können Medikamente mit den Stoffen Clomipramin, Fluvoxamin, Fluoxetin oder Paroxetin hilfreich sein. Dagegen können Stimulantien wie Pemolin und Methylphenidat Tics unter gewissen Umständen sogar verstärken. Einige klinische Studien bestätigen, dass einer der Hauptwirkstoffe, der in Cannabis enthalten ist, THC, die Symptome des Tourette-Syndroms wirksam reduziert.

In vielen Fällen sind Patienten, die am Tourette-Syndrom leiden jedoch nicht so schwerwiegend beeinträchtigt, dass eine Therapie bzw. Behandlung mit Medikamenten nötig ist.

Tourette-Syndrom Verlauf

Meist treten die typischen Symptome der Tourette-Krankheit, die verschiedenartigen Tics, im Alter von ungefähr sieben Jahren zum ersten Mal auf und entwickeln sich vollständig bis zum 14. Lebensjahr. Bei vielen Patienten verstärken sich die Symptome in der Pubertät. Bei ungefähr 70 % der Tourette-Patienten lässt die Intensität der Tics zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr wieder nach. Bei manchen Patienten verschwinden die Symptome im Laufe der Zeit sogar wieder vollständig, bei der Mehrheit treten sie jedoch ein Leben lang auf. Meist erscheinen die Symptome mehrmals am Tag, meist in Serien, auf oder auch in wiederkehrenden Abständen.

Im Schlaf sind die Patienten meist beschwerdefrei. Bei emotional belastenden Situationen wie Anspannung, Stress und Ärger oder zu wenig Schlaf treten die Tics verstärkt auf. Vielen Patienten gelingt es, die Tics für eine gewisse Zeit in beschränktem Maße zu kontrollieren bzw. zu unterdrücken, z. B. wenn sie in Gesellschaft sind, was zu einer zeitlichen Verschiebungen der sogenannten „Tic-Entladungen“ führt.

Tourette-Syndrom Vorbeugen

Es ist nicht möglich, dem Tourette-Syndrom vorzubeugen, da dessen Ursache nicht vollständig geklärt ist. Patienten können jedoch die Symptome vermindern, indem sie Stress und Überlastung vermeiden und Entspannungsübungen machen. Auch regelmäßige körperliche Bewegung hilft dabei, bestehende Anspannungen abzubauen und die Häufigkeit von Tics zu vermindern. Mit dem Tourette-Syndrom ist ein normales Leben möglich, und es beeinträchtigt in keinster Weise die Lebenserwartung.

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