Schwerhörigkeit

Als Schwerhörigkeit (wissenschaftlich Hypakusis) wird die Einschränkung der Hörfähigkeit bezeichnet. Etwa jeder fünfte Deutsche über 14 Jahre ist von Schwerhörigkeit betroffen. Prozentual steigt die Zahl der Betroffenen mit zunehmendem Alter. In der Altersgruppe von 14-19 Jahren ist nur etwa 1 Prozent mit einer Höreinschränkung konfrontiert. Ein sprunghafter Anstieg der Schwerhörigkeit, von 6 auf 25 Prozent, tritt im Lebensalter von 50-59 Jahren ein. Senioren, die 70 Jahre und älter sind, bei denen wird zu 54 Prozent eine Schwerhörigkeit diagnostiziert. Ausgangspunkt zur Definition der Schwerhörigkeit ist das normale, durchschnittliche Hörvermögen. Es wird als Normalhörigkeit bezeichnet.

Schwerhörigkeit lässt sich in 4 Stufen einteilen:

  1. Die erste Stufe der Schwerhörigkeit nennt sich leichtgradig schwerhörig. Sie ist ab einer Höreinschränkung von 20 Dezibel gegeben. Für das tägliche Leben bringt eine leichtgradige Schwerhörigkeit kaum Einschränkungen. Relevante Umweltgeräusche sind weiterhin hörbar. Nur beispielsweise das Ticken einer Uhr kann nicht mehr gehört werden.
  2. Die Stufe zwei der Schwerhörigkeit ist als mittelgradig schwerhörig definiert. Sie tritt ein ab 40 Dezibel ein. Mittelgradig schwerhörige Menschen haben 40-60 Prozent der Hörfähigkeit eingebüßt. Sie können einen Behindertenausweis beantragen. Relevante Einschränkungen sind bei der Wahrnehmung der Umweltgeräusche erkennbar.
  3. Stufe drei, die hochgradige Schwerhörigkeit, sie ist bei einem Hörverlust von 60-80 Prozent gegeben. Ohne Hörhilfen können Gespräche nicht mehr verfolgt werden. Ein Hörverlust von 80-95 Prozent wird als an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit bezeichnet.
  4. In der vierten Stufe können kaum noch Geräusche wahrgenommen werden. Einen plastischen Vergleichsmaßstab bieten die Startgeräusche eines Düsenjägers. Erst diesen Schallpegel können Hörgeschädigte wahrnehmen, die kein Hörgerät tragen und an Taubheit grenzend schwerhörig sind.

Schwerhörigkeit Ursachen

Schwerhoerigkeit SymptomeDie Schwerhörigkeit kann auf eine Vielzahl verschiedener Ursachen zurückgeführt werden. Bei der Analyse der Ursachen ist zwischen Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit zu unterscheiden. Schallleitungsschwerhörigkeit, verbreitet als Mittelohrschwerhörigkeit bezeichnet, kann ganz einfache Ursachen haben. Häufig ist ein Fremdkörper der Auslöser für die Schwerhörigkeit.

Nicht selten hat sich ein Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans) gebildet. Er verstopft den Gehörgang. Weitere, gerade in der Kindheit häufige Ursachen sind, der Paukenerguss (Mittelohr-Erguss) und Gehörgangsentzündungen. Weitere Gründe für die Mittelohrschwerhörigkeit können verschiedene Fehlbildungen sein. Die Ohrmuschelfehlbildung kann ebenso zur Schwerhörigkeit führen, wie Missbildungen des Gehörgangs. Ein gerissenes oder perforiertes Trommelfell kommt als weitere Ursache für Schallleitungsschwerhörigkeit infrage.

Nicht selten sind Entzündungen für die Schwerhörigkeit verantwortlich. Schwerhörigkeit, die als Schallempfindungsschwerhörigkeit bezeichnet wird, kann angeboren und erworben sein. Die Bezeichnung dient vorwiegend als Sammelbegriff für eine frühkindliche Schwerhörigkeit. Angeborene Schwerhörigkeit lässt sich auf über 100 verschiedene Syndrome zurückführen. Besonders häufig ist das Usher-Syndrom (Retinitis pigmentosa). Neben der Schwerhörigkeit und Taubheit kann es außerdem für Blindheit verantwortlich sein.

Beim Alport-Syndrom, das oft zum Nierenversagen führt, sind zu 80 Prozent männliche Patienten betroffen. Ererbte Schwerhörigkeit muss nicht nur durch Syndrome begründbar sein. Innerhalb der chromosomalen Erbgänge können Gendefekte die Schwerhörigkeit verursachen. Der häufigste diagnostizierte Gendefekt ist das Zellverbindungsprotein Connexin 26. Die Schwerhörigkeit kann, neben genetischen Gründen, ebenso durch eine Infektion im Mutterleib ausgelöst oder auf das frühe Kindesalter zurückgeführt werden. Mögliche Ursachen wären eine Geburtsschädigung und Viruserkrankungen. Bereits im Mutterleib können Toxoplasmose, Röteln und Zytomegalie eine Schwerhörigkeit des Kindes zur Folge haben.

Ausgelöst werden kann diese Schwerhörigkeit nachweislich ebenso durch Tuberkulose, Typhus und Zoster. In Europa verbreitete Viruserkrankungen, wie beispielsweise Mumps, Meningitis und Masern, kommen ebenfalls in Betracht. Die Schwerhörigkeit des Kindes kann überdies durch eine Vergiftung (Intoxikation) im Verlauf einer Mittelohrentzündung entstehen. Verantwortlich könnten dafür ototoxische Substanzen sein. Ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit eine erworbene Schwerhörigkeit, so kommen ferner Umwelteinflüsse infrage. Mögliche Faktoren sind ein Schalltrauma, Schädelverletzungen und Schädelhirntraumen. Denkbare Verursacher der Schwerhörigkeit wären außerdem Tumore, Morbus Menière oder ein Hörsturz.

Schwerhörigkeit Symptome

Die Symptome der Schwerhörigkeit variieren abhängig vom Grad der Erkrankung. Ein Hörsturz oder Tinnitus wird von Erwachsenen relativ schnell wahrgenommen. Häufig ist, gleichzeitig mit dem Auftreten des Tinnitus, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr betroffen. So sind Schwindelanfälle und Gleichgewichtsstörungen ein zusätzlicher Indikator für eine drohende oder bestehende Schwerhörigkeit. Kommt die Schwerhörigkeit schleichend oder ist angeboren, so sind die Symptome schwerer zu erkennen. In vielen Fällen fallen die Symptome der Schwerhörigkeit weder den Betroffenen noch dem Umfeld sofort auf.

Als Warnsignal zu deuten ist das Verblassen der Umweltgeräusche. Der Gesang der Vögelwird nicht mehr wahrgenommen. Außerdem gibt es in jedem Haushalt wertvolle Indikatoren, die beachtet werden können. Eine Schwerhörigkeit beginnt, wenn beispielsweise der Lüfter des Computers oder das Ticken des Weckers nicht mehr zu hören ist. Ein deutliches Warnsignal kann darüber hinaus ein vermindertes Sprachverständnis liefern. Gerade innerhalb einer Gruppe empfinden die Betroffenen die Aussprache der anderen als undeutlich. Für das Umfeld auffällige Hinweise auf eine Schwerhörigkeit sind ein sehr lauter Fernsehapparat oder ein lautes Radio. Außerdem ermüdet der Betroffene in Gesprächsrunden schnell, verliert den Gesprächsfaden oder isoliert sich

Schwerer als bei Erwachsenen, die bereits gehört haben, ist das Erkennen der Symptome einer Schwerhörigkeit bei Babys und Kleinkindern. Das häufige Berühren der Ohren, das kann bei Babys auf Ohrenschmerzen hindeuten. Da Entzündungen der Ohren zur Schwerhörigkeit führen können, ist dies ein Alarmsignal. Bei angeborener Schwerhörigkeit müssen Schmerzen nicht zwangsläufig auftreten. Entwicklungsverzögerungen, ApathieDesinteresse außerhalb optischer Reize – können als symptomatisch angesehen werden. Betrifft die Schwerhörigkeit im Kindesalter nur bestimmte Tonlautstärken und Frequenzen, so sind die Symptome noch schwerer erkennbar. Nicht selten erkennen Eltern diese Schwerhörigkeit erst durch Einschränkungen in der Sprachentwicklung. Besonders verhängnisvoll ist der Umstand des späten Erkennens daher, da sich das Gehör innerhalb der ersten zwei Lebensjahre weiterentwickeln muss. Danach ist dieser Prozess abgeschlossen.

Schwerhörigkeit Diagnose

Eine gesicherte Diagnose, ob eine Schwerhörigkeit vorliegt, die kann nur der HNO-Arzt stellen. Nach der Aufnahme des Beschwerdebildes wird er zunächst eine Otoskopie durchführen. (Sichtuntersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells). Genutzt werden dazu ein Otoskop und der Stirnspiegel. Der Befund der otoskopischen Untersuchung liefert vielfach schon Erkenntnisse zu den Gründen der Schwerhörigkeit.

Weitere Aufschlüsse liefern der Weber-Test und der Rinne-Versuch. Beide werden mit einer Stimmgabel durchgeführt. Eine weitere Diagnosemöglichkeit bietet das Tonaudiogramm. Die Hörkurve ermöglicht eine Diagnose frequenzabhängiger Beeinträchtigungen des Hörvermögens. Zusammen mit den Symptomen liefert das Audiogramm wichtige Hinweise auf die Ursache der Schwerhörigkeit. Die Druckverhältnisse im Ohr lassen ebenfalls diagnostische Rückschlüsse zu. Gemessen werden sie durch das Verfahren der Tympanometrie. Ergänzend findet eine Impedanzmessung des Stapediusreflexes statt. Weitere Möglichkeiten der Diagnose bei Schwerhörigkeit sind die Hirnstammaudiometrie, die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie.

Schwerhörigkeit Therapie / Behandlung

Das Ergebnis der Diagnose definiert die Art der Schwerhörigkeit. Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig. Durch Ohrenschmalz verschlossene Gehörgänge lassen sich vom HNO-Arzt oder alternativ durch Tropfen beseitigen. Entzündungen, die zur Schwerhörigkeit führten, die werden medikamentös behandelt. Der Paukenerguss, bei Kindern ein besonders häufig vorkommender Grund für die Schwerhörigkeit, wird durch Spülungen, Medikamente und Belüftung geheilt. Es kann außerdem ein kleiner Eingriff zum Einsetzen eines Paukenröhrchens notwendig werden. Nicht immer ist die Schwerhörigkeit heilbar. Die Behandlung erfolgt in diesen Fällen durch eine Hörgeräteversorgung. Sie kann von einer einfachen analogen Schallverstärkung, über digitale Hörgeräte, bis hin zum Cochleaimplantat reichen.

Schwerhörigkeit Verlauf

Der Verlauf einer Schwerhörigkeit ist nicht einfach gleichzusetzen. Viele Höreinschränkungen lassen sich völlig ausheilen. Der zu erwartende Zeitrahmen der Behandlung ist ursachenabhängig. Er kann von einer Sitzung beim HNO-Arzt (Ohrenschmalzpfropf) bis zu einigen Monaten dauern (Paukenröhrchen). Bei einer Hörgeräteversorgung ist von einer unheilbaren Schwerhörigkeit auszugehen. Jugendliche in der Pubertät und Kinder unter zwei Jahren können noch auf eine Besserung ihrer Schwerhörigkeit hoffen.

Für die Mehrheit, der durch Schwerhörigkeit betroffenen Patienten, ist keine Besserung zu erwarten. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich das Gehör, von einer lebenslangen Hörgeräteversorgung ist auszugehen. Je nach Grad der Schwerhörigkeit kann die anschließende Taubheit nicht ausgeschlossen werden.

Schwerhörigkeit Vorbeugen

Die Maßnahmen zur Vorbeugung, um sich gegen Schwerhörigkeit zu schützen, sind begrenzt. Die rechtzeitige Schutzimpfung gegen Virusinfektionen wirkt sich vorbeugend auf die Risiken in der Schwangerschaft aus. Vermeidbar sind Risiken durch überlaute Beschallung. An lauten Arbeitsplätzen dient dazu der Gehörschutz. Im Privatleben sollte extrem laute Musik vermieden werden.

Risiken, die eine Schwerhörigkeit begünstigen, können bereits durch die Kopfhörer eines Mobiltelefons entstehen. Ebenso gefährlich kann der Aufenthalt vor den Boxen in einer Diskothek sein. Im Sport, beispielsweise beim Tauchen oder der Fliegerei, ist immer auf einen Druckausgleich des Trommelfells zu achten. Wer bereits mit Hörgeräten versorgt ist, der kann einer Verschlechterung der Schwerhörigkeit durch regelmäßige Kontrollen des HNO-Arztes vorbeugen. Hörgeräte sollten außerdem immer auf die aktuelle Hörkurve eingestellt sein.

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