Schizophrenie

Schizophrenie ist eine schwere seelische Erkrankung. Der Begriff „Schizophrenie“ wird als Zusammenfassung für eine ganze Reihe von endogenen Psychosen verwendet, die im Verlaufe der Krankheit auftreten können. Es existiert also nicht eine bestimmte Form der Schizophrenie. Vielmehr ist die Erkrankung sehr vielgestaltig und die Symptome sind von Person zu Person unterschiedlich. Charakteristisch für Psychosen ist, dass der Betroffene jeglichen Bezug zur Realität verliert. Dies äußert sich vor allem in Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Daneben erleben viele Erkrankte auch sogenannte Negativsymptome. Sie ziehen sich zunehmend aus ihrem sozialen Umfeld zurück und leiden an Depressionen.

Die Ursachen für eine Schizophrenie sind bis zum heutigen Tage nicht vollständig geklärt. Ein Zusammenwirken von genetischen, biologischen und psychosozialen Faktoren gilt am wahrscheinlichsten. Auch bestimmte Betäubungsmittel können einen schizophrenen Schub auslösen. In Deutschland gibt es etwa 700.000 Fälle von Schizophrenie. Die Krankheit tritt also nicht nur vereinzelt auf. Allerdings kann sie mittels Antipsychotika und Psychotherapie zumeist erfolgreich behandelt werden. Häufig wird die Schizophrenie mit einer Persönlichkeitsspaltung gleichgesetzt. Diese Krankheiten sind jedoch keineswegs deckungsgleich.

Schizophrenie Ursachen

Schizophrenie Symptome / UrsachenEs gibt viele unterschiedliche Ansatzpunkte, um das Entstehen der Schizophrenie zu erklären. Wahrscheinlich ist jedoch, dass ein Zusammenspiel von genetischen, biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren zum Ausbruch der Krankheit führt. So haben Studien ergeben, dass genetische Vorbelastungen eine Erkrankung wahrscheinlicher machen. Weiterhin besteht ein erhöhtes Risiko an Schizophrenie zu erkranken, wenn bereits vor oder bei der Geburt Schädigungen des Hirns oder Virusinfektionen (Herpes, Influenza) auftraten.

Großen Anklang in der Wissenschaft findet die (erweiterte) „Dopamin-Hypothese„. Hiernach sollen die Nervenzellen, die den Neurotransmitter Dopamin verwenden, in bestimmten Hirnregionen über- bzw. unteraktiv sein. Dopamin lässt Menschen beispielsweise Glück oder Begeisterung empfinden. Nehmen die Nervenzellen nun besonders viel Dopamin auf, so kommt es zu Positivsymptomen. Genaueres ist jedoch auch heute noch umstritten. Hinzu kommen außerdem psychosoziale Faktoren wie ein zerrüttetes familiäres Umfeld, schmerzliche Todesfälle, Vernachlässigungen in der Kindheit etc. Darüber hinaus können auch bewusstseinsverändernde Substanzen (besonders Cannabis) einen Schizophrenie-Schub auslösen. Das Zusammenspiel der Ursachen kann anhand des Vulnerabilitäts-Stress-(Coping)-Modells verdeutlicht werden.

Durch genetische oder biologische Faktoren besteht eine erhöhte „Verletzlichkeit“ (Vulnerabilität) einer Person, die somit „leichter“ an Schizophrenie erkranken kann. Es müssen jedoch noch Umweltfaktoren (Stress) hinzukommen, damit die Krankheit auch tatsächlich ausbricht. Dies kann beispielsweise der Tod eines nahen Angehörigen sein oder auch der Konsum von Cannabis. Dem „verletzlichen“ Betroffenen stehen dann keine Kompensationsmechanismen (Coping) zur Verfügung, um den Stress zu bewältigen.

Schizophrenie Symptome

Die Symptome der Schizophrenie sind vielfältig und treten zumeist kumulativ auf. Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Positiv- und Negativsymptomen. Man spricht von positiven Symptomen, wenn der Betroffene die Realität nicht mehr korrekt wahrnehmen kann. Es kommt häufig zu Halluzinationen. Der Betroffene nimmt dann (optische, akustische, gustatorischen, olfaktorische etc.) Reize wahr, die gar nicht vorhanden sind. Er hört beispielsweise Stimmen oder riecht Verwesungsgeruch. Zudem können Erkrankte in einen regelrechten Wahn verfallen. Sie denken, dass sie verfolgt werden (Verfolgungswahn) oder halten sich für den Retter der Welt (Größenwahn).

Ferner kommt es zu Ich-Störungen. Eigene Gedanken oder auch Körperteile werden dann oftmals als fremdbeeinflusst empfunden. Darüber hinaus existiert eine Vielzahl weiterer Positivsymptome wie z.B. das Verharren in einer Position oder nicht nachvollziehbare Gedankensprünge. Charakteristisch für die Negativsymptomatik ist, dass der Erkrankte sich immer mehr zurückzieht und zunehmend passiv wird. Er wirkt abgestumpft. Mimik und Gestik sind eingeschränkt. Emotionen wie Freude, Trauer oder Angst können nicht mehr im Gesicht des Betroffenen abgelesen werden. Zudem sind Schlafstörungen, Depressionen, sozialer Rückzug und Wortarmut typische Negativsymptome der Schizophrenie.

Schizophrenie Diagnose

Die Diagnose der Schizophrenie erfolgt anhand international anerkannter systematisierter Kriterien. Diese sind entweder im DSM-IV- oder im ICD-10-Schlüssel festgelegt. Beide Systeme verlangen, dass bestimmte Symptome über einen gewissen Zeitraum auftreten. Erst dann gilt die Diagnose als gefestigt. In Deutschland wird für die Schizophrenie der ICD-10-Schlüssel verwendet. Hiernach müssen Symptome wie zum Beispiel Gedankenlautwerden oder Wahnwahrnehmungen stetig mindestens für einen Monat vorliegen. Ist dies der Fall kann zudem eine Klassifizierung der Schizophrenie anhand des Schwerpunktes der Psychose vorgenommen werden. Bei der „paranoiden Schizophrenie“ stehen beispielsweise Halluzinationen und Wahnvorstellungen im Vordergrund.

Charakteristisch für die „katatonische Schizophrenie“ sind primär motorische Störungen. Hierbei kann der Erkrankte in einen katatonen Stupor verfallen. Er wirkt wie erstarrt und kann sich nicht mehr bewegen, ist allerdings bei vollem Bewusstsein. Ein weiterer Unterfall der Schizophrenie ist die „Hebephrenie“. Diese zeichnet sich durch Antriebs- und Emotionslosigkeit sowie durch soziale Isolation aus. Eine Klassifizierung ist jedoch nicht immer eindeutig möglich. Häufig kommt es zu Überschneidungen. Darüber hinaus ist eine Differentialdiagnose äußerst wichtig, um die Schizophrenie von anderen Erkrankungen wie Autismus oder der Borderline-Persönlichkeitsstörung abzugrenzen. Dazu sind umfassende neurologische und körperliche Untersuchungen nötig. Ferner sollte ein Drogen-Screening erfolgen.

Schizophrenie Therapie / Behandlung

Die Behandlung der Schizophrenie erfolgt multidimensional. Sie umfasst zum einen eine medikamentöse Therapie. Zum anderen können aber auch nicht-medikamentöse Behandlungsstrategien wie beispielsweise Psychotherapien zur Bekämpfung der Symptome beitragen und diesen vorbeugen. Von einer vollständigen Heilung der Schizophrenie kann jedoch nicht gesprochen werden. Vor allem bei akuten Symptomen helfen zunächst nur Medikamente. Diese können aber auch während der gesamten Behandlungsphase eingesetzt werden oder der Vorbeugung dienen. Verordnet werden zumeist sogenannte Antipsychotika (früher Neuroleptika). Diese hemmen diejenigen Nervenzellen im Gehirn, die den Neurotransmitter Dopamin als Botenstoff nutzen. Es tritt eine antipsychotische und je nach Arzneistoff sedierende (beruhigende) Wirkung ein.

Die Wissenschaft unterscheidet hierbei zwischen typischen und atypischen Antipsychotika, die sich vor allem auch in Bezug auf ihre Nebenwirkungen voneinander abheben. Typische Antipsychotika (ältere Generation) wie beispielsweise Haloperidol, Flupentixol oder Benperidol können vor allem die „positiven Symptome“ der Schizophrenie wie Halluzinationen oder Bewusstseinsstörungen bekämpfen. Andererseits führen sie zu teilweise extremen Nebenwirkungen. So beispielsweise zur „Extrapyramidal motorischen Störung“ (EPS). Diese äußert sich ähnlich der Parkinson-Krankheit in Muskelversteifungen, Zittern oder stark verlangsamten Bewegungen. Atypische Antipsychotika (neue Generation) führen seltener zu EPS. Bei Patienten, die mit dem Wirkstoff Clozapin behandelt werden, tritt die Störung überhaupt nicht auf. Dennoch können auch hier Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen, starke Gewichtszunahme und Müdigkeit hervorgerufen werden.

Daneben können auch Antidepressiva oder Beruhigungsmittel zur medikamentösen Therapie gehören. Diese können jedoch – anders als die Antipsychotika – abhängig machen. Darüber hinaus sollte der Betroffene auch im Rahmen einer Psychotherapie das Gespräch mit einem Therapeuten suchen. Es existieren zahlreiche Formen der Psychotherapie. Bei der Verhaltenstherapie kann der Erkrankte beispielsweise bestimmte Strategien erlernen, um zukünftig auftretende Halluzinationen bekämpfen zu können. In einer Familientherapie kann ferner das soziale Umfeld des Betroffenen einbezogen werden. Durch eine sogenannte Soziotherapie können schizophrene Menschen Schritt für Schritt wieder in das Alltagsleben integriert werden.

Schizophrenie Verlauf

Eine typische und allgemeingültige Verlaufsstruktur gibt es bei der Schizophrenie nicht. Sie kann schleichend beginnen und sich später chronischen manifestieren. Häufiger ist jedoch zu beobachten, dass es aufgrund eines konkreten Ereignisses zu einem akuten Ausbruch (Schub) der Schizophrenie kommt. Bei vielen Betroffene (unabhängig davon, ob die Krankheit chronisch oder akut verläuft) treten bereits vor dem Ausbruch der Krankheit erste Symptome wie Schlaf- oder Konzentrationsstörungen auf, die jedoch zunächst nicht als Merkmale einer Schizophrenie erkannt werden (Prodromalphase). Kommt es dann zu einem Schub der Krankheit, so kann dieser mehrere Wochen oder Monate andauern. Danach verschwinden die Symptome vorerst zumeist vollständig, bis es zu einem neuen Schub kommt. Dazwischen leidet der Betroffene jedoch häufig an Negativsymptomen wie sozialer Isolation oder Depressivität (Residualphase).

Der erste Schub tritt üblicherweise zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr auf. Bei einigen Erkrankten kommt es nach der ersten akuten Schizophrenie-Episode nicht mehr zu weiteren Schüben. Sie genesen vollständig. Andererseits kann es nach einer akuten Phase oder bei einem schleichenden Krankheitsverlauf zu einer Chronifizierung der Schizophrenie kommen. Dies bedeutet, dass die Symptome nicht mehr abklingen. Schizophrenie verläuft – außer bei extremer Symptomatik – nicht tödlich, vor allem da eine medikamentöse Therapie der Erkrankung gute Erfolge verspricht. Die Suizidgefahr ist allerdings hoch. 10-15% der Betroffenen begehen Selbstmord.

Schizophrenie Vorbeugen

Es ist kaum möglich der Schizophrenie vorzubeugen, da sehr viele verschiedene und vor allem auch genetische Faktoren zu einem Ausbruch der Krankheit führen können. Zudem ist die Reaktion auf diese Faktoren von Person zu Person unterschiedlich. Falls bekannt ist, dass bereits Fälle von Schizophrenie innerhalb der Familie aufgetreten sind, ist Stress wenn möglich zu vermeiden bzw. es sollten nach dem „Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell“ Strategien zur Stressbewältigung erarbeitet werden. Zudem ist der Konsum von Drogen zu unterlassen.

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