Schilddrüsenüberfunktion

Die Schilddrüse liegt direkt vor der Luftröhre unterhalb des Schildknorpels. Sie produziert die Hormone Triiodthyronin (T3), Thyroxin/Tetraiodthyronin (T4) und Calcitonin, die sie als sogenannte innersekretorische Drüse direkt an die Blutbahn abgibt. Die Hormone T3 und T4 regulieren bei Neugeborenen das Wachstum und die Entwicklung des zentralen Nervensystems. Sie sind auch für die Ausbildung von Nerven- und anderen Organzellen verantwortlich. Im Erwachsenenalter haben die Schilddrüsenhormone T3 und T4 Auswirkungen auf Herz und Kreislauf, den Zucker-, Fett- und Bindegewebsstoffwechsel. Sie haben Einfluss auf den Grundumsatz – das ist der Energieverbrauch des Körpers im Ruhezustand – und damit die Körpertemperatur. Sie steigern die Schweißbildung und die Darmmotorik. Das Hormon Calcitonin hemmt die Osteoklasten und sorgt so für den Einbau von Calcium und Phosphat in die Knochen.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, medizinisch Hyperthyreose, produziert die Schilddrüse zu viel von den Hormonen T3 und T4. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben die Ärzte Cleb Hillier Parry, Carl von Basedow und Robert James Graves die Symptome einer Hyperthyreose ohne diese allerdings einer Erkrankung der Schilddrüse zuzuordnen. Diesen Nachweis führte erst 100 Jahre später Paul Julius Möbius.

Schilddrüsenüberfunktion Ursachen

Schilddruesenueberfunktion Symptome & UrsachenEine Schilddrüsenüberfunktion ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Funktionsstörung aufgrund einer anderen Grunderkrankung. Zu mehr als 95% wird eine Hyperthyreose durch die Basedowsche Krankheit oder eine Schilddrüsenautonomie ausgelöst. Manchmal kann auch eine erhöhte Hormonzufuhr zum Beispiel durch Medikamente zu einer Überfunktion führen. Die Basedowsche Krankheit ist eine Autoimmunerkrankung, bei der aus bisher noch unbekannten Gründen Antikörper gegen die Schilddrüse gebildet werden. Sie tritt meist nach dem 35. Lebensjahr und vermehrt bei Frauen auf. Beim Gesunden wird die Bildung der Hormone T3 und T4 von der Hypophyse, der Hirnanhangdrüse, gesteuert. Sie produziert dazu das Hormon Thyreotropin, kurz TSH. Beim Morbus Basedow wirken Antikörper gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse und stimulieren die Schilddrüse so zu vermehrter Hormonproduktion.

Bei einer funktionellen Autonomie der Schilddrüse produzieren einzelne Areale der Schilddrüse oder das gesamte Schilddrüsengewebe selbständig Hormone. Eine Regulation über die Hypophyse erfolgt nicht mehr. Zur übermäßigen Bildung autonomen Schilddrüsengewebes kommt es mit zunehmendem Alter und bei Kropfbildung durch Jodmangel, auch als Jodmangelstruma bezeichnet. Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion können auch in einer überhöhten Hormonzufuhr, etwa durch Medikamente, oder vermehrter Jodzufuhr, etwa durch jodhaltige Kontrastmittel, liegen. Ebenso können hormonbildende Tumore der Schilddrüse oder der Hypophyse sowie Schilddrüsenentzündungen zu einem Anstieg des Hormonspiegels führen.

Schilddrüsenüberfunktion Symptome

Es gibt die unterschiedlichsten Anzeichen, Symptome, für eine Schilddrüsenüberfunktion. Diese werden medizinisch unter dem Begriff „Hyperthyreoidismus“ zusammengefasst. Neben den aus den Augenhöhlen hervortretenden Augäpfeln bei der Basedowschen Krankheit können erhöhte Stuhlfrequenz, Osteoporose, allgemeine Muskelschwäche, Haarausfall und das Vorliegen einer Fettleber Symptome einer Hyperthyreose sein. Auftretende Zyklusstörungen können zu vorübergehender Unfruchtbarkeit führen.

Bei vier von fünf Betroffenen kommt es zu einer Kropfbildung, der sogenannten Struma. Psychomotorische Unruhe äußert sich in Nervosität, Gereiztheit, Schlaflosigkeit und Zittern, auch feinschlägiger Tremor genannt. Bei Patienten mit einer Hyperthyreose ist die Amplitude zwischen dem Wert des systolischen Blutdrucks und des diastolischen Blutdrucks größer als beim Gesunden. Die Herztätigkeit kann durch sogenannte Extrasystolen – das sind zusätzliche Herzschläge -, eine Sinustachikardie – darunter verstehen Mediziner eine Herzfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute – oder Vorhofflimmern – das ist eine Herzrhythmusstörung mit untergeordneter Tätigkeit der Herzvorhöfe – beeinträchtigt sein.

Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf den Energieverbrauch des Körpers, den sogenannten Grundumsatz. Bei einer vermehrten Ausschüttung von T3 und T4 erhöht sich der Grundumsatz und beim Patienten kommt es trotz Heißhungerattacken zu einem Gewichtsverlust. Ein erhöhter Grundumsatz kann dazu führen, dass der Organismus seine Glycogenreserven – das sind in Leber- und Muskelzellen gelagerte Kohlenhydrate – mobilisiert und seine Fettreserven zur Energiegewinnung heranzieht. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel. Patienten mit einer Hyperthyreose leiden häufig an Schweißausbrüchen, einer feuchten warmen Haut und gelegentlich auch leichtem Fieber. Sie fühlen sich bei Wärme unwohl.

Schilddrüsenüberfunktion Diagnose

Meist kann ein Arzt bereits im Patientengespräch erste Hinweise für eine mögliche Schilddrüsenfunktionsstörung erhalten. Um eine endgültige Diagnose zu stellen, gibt es verschiedene Untersuchungen und Diagnose-Verfahren:

Mit einem Abtasten der Schilddrüse können eventuelle Vergrößerungen festgestellt werden. Eine Sonographie oder Ultraschalluntersuchung gibt Auskunft über Größe und Erscheinungsbild der Schilddrüse. Auch knotige Gewebsveränderung können hierbei erkannt werden. Bei einer Szintigrafie wird radioaktiv markiertes Kontrastmittel intravenös verabreicht, um die Jodaufnahme durch die Schilddrüse oder einzelner Areale darzustellen. Mit Laboruntersuchungen wird die Konzentration der Hormone TSH, T3 und T4 im Blut bestimmt. Ist der Wert des Hypophysenhormons TSH im Normalbereich, kann eine Überfunktion der Schilddrüse nahezu ausgeschlossen werden. Bei einer Überfunktion liegt der TSH-Wert unterhalb des Normbereichs, während die Konzentration der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut erhöht ist. In seltenen Fällen können zur Diagnosestellung auch eine Computertomografie, Röntgenaufnahmen, Farbultraschalluntersuchungen sowie die Untersuchung von Gewebeproben herangezogen werden.

Schilddrüsenüberfunktion Therapie / Behandlung

Die Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion ist immer von der Ursache abhängig. Derzeit finden drei Therapieformen Anwendung, die Medikamentenbehandlung, die Radiojodtherapie und die Operation.

Bei der medikamentösen Behandlung erhält der Patient Thyreostatika, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen. Sie müssen solange eingenommen werden, bis sich der Schilddrüsenhormonspiegel wieder normalisiert hat. Da die Thyreostatika erst nach etwa einer Woche der Einnahme erste Wirkung zeigen, können zur schnelleren Behandlung zusätzlich noch Medikamente eingesetzt werden, die die Jodaufnahme hemmen. Thyreostatika sind bei Vorliegen einer Schilddrüsenentzündung allerdings unwirksam. Zur Linderung und Behandlung von auftretenden Herzrhythmusstörungen und psychomotorischer Unruhe werden ß-Rezeptorenblocker eingesetzt.

Bei einer Radiojodtherapie werden Schilddrüsenzellen, deren Hormonproduktion erhöht ist, durch radioaktive Strahlung zerstört. Dazu wird dem Patienten radioaktives Jod verabreicht. Da Zellen mit erhöhter Hormonproduktion auch vermehrt Jod aufnehmen, werden sie durch die radioaktive Strahlung zerstört. Eine Radiojodtherapie wird immer erst nach einer erfolgreichen Behandlung mit Thyreostatika oder einer Operation angewandt. Da die Betroffenen während einer solchen Behandlung radioaktives Jod wieder ausscheiden, ist eine Unterbringung in speziellen, isolierten Krankenhausstationen unumgänglich. Eine Radiojodtherapie ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet. Bei einer Operation werden Teile oder die gesamte Schilddrüse entfernt. Sie ist bei Schilddrüsenkarzinomen, gutartigen Schilddrüsenvergrößerungen und zur Verhinderung immer wiederkehrender Hyperthyreosen indiziert. Je nach Umfang des entfernten Gewebes muss eine Behandlung mit oraler Jodzufuhr und / oder eine Hormonersatztherapie erfolgen, um eine Schilddrüsenunterfunktion zu vermeiden. Bei einer lebensbedrohlichen thyreotoxischen Krise ist eine intensivmedizinische Behandlung unbedingt notwendig.

Schilddrüsenüberfunktion Verlauf

Da die typischen Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion selten in ihrer Gesamtheit, sondern nur in Teilen oder gar nicht von den Patienten wahrgenommen werden, kann es bei einer unbehandelten Erkrankung zu einer lebensbedrohlichen krisenhaften Verschlimmerung, der sogenannten thyreotoxischen Krise kommen. Ist Morbus Basedow Auslöser einer Hyperthyreose so ist die Prognose sehr günstig, denn zu 50% bildet sich die Grunderkrankung spontan zurück und damit normalisiert sich auch die Hormonproduktion der Schilddrüse. Allerdings kann die Basedowsche Krankheit auch immer wiederkehrend, also rezidivierend, auftreten. Eine Schilddrüsenautonomie bildet sich spontan nicht zurück. Im Gegenteil, die Menge des autonomen Schilddrüsengewebes nimmt meist im Laufe der Jahre zu. Unbehandelt kann es auch hier zu lebensbedrohlichen Gesundheitseinschränkungen kommen.

Schilddrüsenüberfunktion Vorbeugen

Da in den meisten Fällen der Schilddrüsenüberfunktion eine andere Erkrankung zugrunde liegt, die nicht beeinflusst werden kann, ist Vorbeugung nur begrenzt möglich. Durch eine ausreichende Jodzufuhr mit der Nahrung (die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 200 µg pro Tag bei gesunden Erwachsenen und Jugendlichen) etwa durch den reichlichen Verzehr von Seefisch oder die Verwendung von jodiertem Kochsalz kann einer Strumabildung vorgebeugt werden. Liegt eine Überfunktion vor, sollte die Zufuhr von Jod, etwa durch Kontrastmittel, oder von Schilddrüsenhormonen nur nach ärztlicher Anweisung erfolgen. Bei erblichen Dispositionen empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüse.

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