Reizdarm-Syndrom

Das Reizdarm-Syndrom ist ein Begriff aus der Gastroenterologie, der für eine Reihe funktioneller Darmerkrankungen steht, welche Symptome verschiedener anderer Darmerkrankungen nachahmen. Obwohl es für die Betroffenen unangenehm ist, ist das Reizdarm-Syndrom für sich genommen ungefährlich. In den westlichen Ländern haben 10 bis 20% der Bevölkerung ein- oder mehrmals im Leben einen „nervösen Darm„, wie das Reizdarm-Syndrom auch genannt wird. Eine weitere Bezeichnung ist „Irritables Darmsyndrom„. In der Internationalen statistischen Klassifikation der Gesundheitsprobleme ist das Syndrom unter ICD-10-K58 abgelegt. Wie ein Reizdarm-Syndrom entsteht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird über verschiedene Ursachen spekuliert. Die Betroffenen leiden an Schmerzen im Unterbauch und veränderten Stuhlgewohnheiten. Ein Reizdarm-Syndrom erfordert eine achtsame Diagnose, da es leicht mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Lebererkrankungen verwechselt werden kann.

Reizdarm Ursachen

Reizdarm-Syndrom Symptome / UrsachenÜber die Ursache des Reizdarm-Syndroms gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse. Es liegen jedoch verschiedene Annahmen vor. So halten einige Wissenschaftler Veränderungen der Muskeltätigkeit des Darmes für ursächlich, andere machen Immunreaktionen und psychische Faktoren verantwortlich. Einigkeit herrscht darüber, dass bei vielen Patienten eine Hyperalgesie des Kolons zugrunde liegt, also eine erniedrigte Schmerzschwelle im Darm.

Diskutiert wird in Fachkreisen auch, dass eventuell neuroplastische Vorgänge auf Rückenmark-Ebene und eine verlängerte Immunreaktion nach einer Gastroenteritis für einen Teil der Reizdarm-Syndrome verantwortlich sind. Sowohl seitens der Anhänger der alternativen Medizin als auch auf schulmedizinischer Seite wird über die Ursachen des Reizdarm-Syndroms spekuliert. Dabei kommt man oft zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Syndrom um eine Zusammenfassung ähnlicher Störungen handelt, denen verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Eine neuere These macht Aromastoffe in der Nahrung für das Reizdarm-Syndrom mitverantwortlich, da diese von sogenannten enterochromaffinen Zellen im Verdauungstrakt wahrgenommen werden, woraufhin diese Zellen die Verdauung fehlerhaft steuern. Ein weiterer Erklärungsansatz geht von einer Fehlbesiedlung im Dünndarm aus, bei der sich Bakterien aus dem Dickdarm im Dünndarm ansiedeln konnten und dort unter Ausstoß von Gasen und Schadstoffen den Nahrungsbrei vergären.

Reizdarm Symptome

Ein Reizdarm-Syndrom verursacht abdominelle Schmerzen und Unwohlsein verschiedener Art. Es gibt mehrere Untergruppen des Syndroms, die Einfluss auf die Stuhlgewohnheiten und die Art der Schmerzen haben. Man kann zwischen einem diarrhoe-prädominanten und einem obstipations-prädominanten Reizdarm-Syndrom unterscheiden. Bei Ersterem hat der Patient häufig Durchfall, bei Zweiterem häufen sich Beschwerden in Richtung Verstopfung. Daneben gibt es noch ein Reizdarm-Syndrom mit wechselnden Stuhlgewohnheiten.

Häufig überschneidet sich das Reizdarm-Syndrom mit psychischen Erkrankungen, chronischen Beckenschmerzen und Fibromyalgie. Viele Patienten klagen zudem über schleimige Stühle oder Blähungen. Die Symptome verstärken sich nach der Aufnahme von Mehrfachzuckern wie Laktose oder Stärke, weshalb viele Menschen mit Reizdarm-Symptom zunächst bei sich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vermuten.

Reizdarm Diagnose

Ärzte ziehen ein Reizdarm-Syndrom in Betracht, wenn der Patient in den letzten zwölf Monaten mindestens zwölf Wochen, die nicht am Stück gewesen sein müssen, abdominelle Schmerzen gehabt hat, die mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz oder der Stuhlhäufigkeit einhergingen. Um ein Reizdarm-Syndrom zu diagnostizieren, muss ausgeschlossen werden, dass strukturelle oder biochemische Veränderungen im Verdauungstrakt die Symptome herbeigeführt haben. Dazu ist eine Vielzahl von Maßnahmen möglich: eine Darmspiegelung kann Kolonkarzinome und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ausschließen, bei einer Magenspiegelung wird nach Magenkarzinomen und Magengeschwüren gesucht.

m Lebererkrankungen und extraenterale Neubildungen auszuschließen, kann eine Ultraschalluntersuchung des Bauches vorgenommen werden. Bei Blutuntersuchungen kann nach internistischen Erkrankungen, wie hormonellen Erkrankungen, Allergien und Lebererkrankungen, gesucht werden. Zudem kann eine tiefe Dünndarmbiopsie zum Ausschluss einer Zöliakie gemacht werden. Auch ein Test auf Sorbitunverträglichkeit ist häufig angezeigt und schließlich bieten sich Wasserstoffatemtests an, um eine Dünndarmfehlbesiedlung, eine Fruktosemalabsorption oder eine Laktoseintoleranz zu erkennen. Neuere Diagnoseverfahren, die noch diskutiert werden, sind die Reizschwellenbestimmung mit einem computergesteuerten Barostat und eine Diät bei gleichzeitiger Nahrungsmittelprovokation, die psychische Intoleranzen durch unentdeckte Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufdecken soll.

Reizdarm Therapie

Es gibt keine einheitliche Therapie gegen das Reizdarm-Syndrom, denn die Behandlung muss auf den jeweiligen Patienten und seine Lebensumstände abgestimmt werden. In einfachen Fällen ist eine diätische Beratung ausreichend, in komplizierteren Fällen empfiehlt sich eine Kombination verschiedener Wirkstoffe und Methoden. Bei Vorherrschen der Verstopfungssymptome kann der Arzt ein Abführmittel empfehlen, bei Dominanz der Durchfallsymptome müssen hingegen Wirkstoffe verordnet werden, die die Abfuhr hemmen. Bei beiden Untergruppen des Reizdarmsyndroms ist die Einnahme wasserlöslicher Ballaststoffe wie Flohsamenschalen nützlich. Weiterhin beruhigen ätherische Öle aus Pfefferminzöl und Melissenblättern den Darm, so wie auch der krampflösende Wirkstoff Butylscopolaminbromid, der in Nachtschattengewächsen enthalten ist.

Bei Patientinnen mit psychischer Komorbidität führt eine Psychotherapie zur Linderung der Reizdarm-Symptome. Es bieten sich dafür verschiedene Therapieformen an, von der Verhaltenstherapie bis zur Psychoanalyse. Mitunter kann auch die Gabe niedrig dosierter Antidepressiva die Schmerzen unterdrücken und die Darmbewegung verbessern. Bei den Patienten, denen durch einen Atemtest eine Dünndarmfehlbesiedlung nachgewiesen wurden ist, kommen verschiedene Maßnahmen zur Linderung infrage. So lassen sich die Symptome für eine gewisse Zeit durch die orale Einnahme des Breitbandantibiotikums Rifaximin beseitigen. Manche Patienten sprechen darauf allerdings wegen Bakterienresistenzen nicht an. Diesen wird von manchen Medizinern eine ausschließliche Diät mit kurzkettigen Nährstoffen mittels künstlicher Ernährung nahegelegt. Dabei sollen die Bakterien sozusagen ausgehungert werden. In jedem Fall der Dünndarmfehlbesiedlung werden die Symptome durch den Verzicht auf Oligosaccharide und viele Polysaccharide gelindert.

Reizdarm Verlauf

Ein Reizdarm-Syndrom führt nicht zu ernsthaften Darmerkrankungen und verkürzt auch nicht die Lebensdauer. Es kann allerdings die Lebensqualität einschränken. In welchem Maße dies zutrifft, ist vom Einzelfall abhängig. So können die Schmerzen und die unangenehmen Stuhlgewohnheiten zu häufigen Krankschreibungen oder sozialen Phobien führen. Andere Betroffene haben sich mit ihrem Reizdarm-Syndrom arrangiert und benötigen keine weitere ärztliche Hilfe.

Reizdarm Vorbeugen

Regelmäßiger Sport und ausreichend Schlaf mit geregeltem Rhythmus sind hilfreich für eine gesunde Steuerung der Darmbewegung. Da oftmals psychische Faktoren zum Unwohlsein im Verdauungstrakt beitragen, sollten Risikopatienten verstärkt auf ihre seelische Gesundheit achten und übermäßigen Stress vermeiden. Bestehen bereits erste Anzeichen für ein Reizdarm-Syndrom, so kann es mitunter noch helfen, die Aufnahme von Mehrfachzuckern zu verringern.

Konnten wir helfen?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
NEU: Bitte bewerte diesen Beitrag!

Einfach zitieren! Mit nur einem Klick kopieren Sie den Link zur Quelle:



Hinweis: Unsere Webseite darf auf allen Webseiten, in Hausarbeiten und in Printmedien ohne Rücksprache zitiert werden. Kopieren Sie einfach den obenstehenden Link und fügen Sie diesen auf der gewünschten Seite ein.

positiv oder negativ?

HIV Status unklar?

Es gibt keine sicheren HIV-Symptome. Nur ein klinischer HIV-Test kann Klarheit über eine Infektion oder Nicht-Infektion schaffen.

Machen Sie Schluss mit der Ungewissheit und lassen Sie sich testen.

» HIV Test
Hinweise: Unsere Webseite versteht sich als additionales Informationsangebot zu einer (fach-)ärztlichen Beratung. Sollten Sie sich nicht über Ihren Serostatus im Klaren sein, suchen Sie bitte einen Arzt auf und lassen einen HIV Test durchführen. Alle Warennamen, Produkt- und Firmenbezeichnung sind mit, aber auch ohne definitive Kennzeichnung Eigentum des jeweiligen Inhabers der Rechte. Die Inhalte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt.