Psychose

Der Begriff „Psychose“ wurde zum ersten Mal im Jahr 1846 von Ernst von Feuchtersleben verwendet. Er stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Beseeltheit“. Häufig wird er synonym für das Wort Schizophrenie genutzt. Dies ist jedoch nicht richtig. Vielmehr ist Psychose der Überbegriff für unterschiedliche organische und affektive Nervenleiden sowie einzelne, nicht chronifizierte, psychotische Schübe. Zu ihnen zählen beispielsweise auch das Asperger Syndrom oder die Depression. Unter dem Oberbegriff Psychose wird also eine Vielzahl unterschiedlicher psychischer Erkrankungen vereint.

Die Belastungen, die eine psychotische Erkrankung sowohl für den Patienten, wie auch für seine Angehörigen mit sich bringt, sind außerordentlich hoch. Dies liegt vor allem daran, dass die Psychose, im Gegensatz zur Neurose, zu einem vollkommenen Verlust der objektiven Wahrnehmung führen kann. Psychotische Menschen können im Laufe ihrer Erkrankung immer schwieriger zwischen der Realität und ihren Wahnvorstellungen unterscheiden. Ihr Denken verändert sich und mit ihm ihre Haltung zu sich selbst und zu anderen. Dies führt zu schweren sozialen Problemen. Im schlimmsten Fall können psychotische Menschen sich und – deutlich seltener – andere verletzen, verstümmeln und sogar töten. Häufig hören Erkrankte Stimmen, fühlen sich verfolgt und bedroht oder glauben Kontakt mit anderen Welten aufzunehmen zu können.

Psychose Ursachen

Psychose Ursachen + SymptomeUm die Ursachen einer Psychose zu beschreiben, ist es zunächst wichtig, auf die unterschiedlichen Formen der Krankheit einzugehen. Unterteilt wird zwischen organischen und nichtorganischen Psychosen. Die Ursachen für nichtorganische Psychosen sind bis heute noch nicht eindeutig identifiziert. Familiäre Häufungen sprechen in vielen Fällen für einen genetischen Faktor. So ist die Wahrscheinlichkeit, an einer Psychose zu erkranken bei Menschen die einen oder mehrere Psychotiker in der Familie haben, um bis zu fünfzig Prozent erhöht. Da dies jedoch ebenso an der genetischen Komponente, wie an der Problematik einer Kindheit mit psychotischen Verwandten liegen kann, ist die genetische Disposition wissenschaftlich noch keineswegs belegt. Genauso verhält es sich auch mit der Gegenposition.

Die Annahme, dass ausschließlich frühkindliche Störungen für die Entwicklung einer Psychose verantwortlich sind, ist ebenfalls nicht beweisen. Indizien dafür gibt es einige. Hierbei handelt es sich in aller Regel um äußerst frühe Schädigungen, die im ersten Drittel der Schwangerschaft erfolgt sind. Erleidet die Mutter in dieser Zeit einen schweren Schicksalsschlag, wie beispielsweise den Tod eines nahen Angehörigen, so erhöht dies das Risiko des Kindes an einer späteren Schizophrenie zu erkranken signifikant. Aus diesen beiden Positionen hat sich das Vulnerabilitäts-Stress-Modell entwickelt. Hier wird bei genetischer oder vorgeburtlicher Disposition Stress als Auslöser für eine aktuelle Psychose angenommen. Deutlich eindeutiger sind die Ursachen der organischen Psychose.

Sie entstehen:

  1. durch Hirnerkrankungen, dazu zählt auch die Demenz
  2. durch Hirnverletzungen, wie sie beispielsweise durch ein Schädel-Hirn-Trauma ausgelöst werden
  3. durch Substanzen, Medikamente oder Drogenmissbrauch.

Die Krankheitsauslöser werden nun in primäre und sekundäre Ursachen unterschieden. Primäre Ursachen wirken sich direkt schädigend auf das Gehirn aus, dazu gehört bspw. die Epilepsie. Sekundäre Ursachen wirken sich indirekt auf das Gehirn aus. Typische Beispiele dafür sind Drogenmissbrauch, aber auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes u. a.

Psychose Symptome

Die Symptome einer Psychose werden in drei Untergruppen eingeteilt. Diese sind Positive Symptome, Negative Symptome und die sogenannten kognitiven Symptome, also Denkstörungen. Zu den sogenannten Positiven Symptomen gehören Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Betroffene haben Sinneswahrnehmungen die sich nicht mit tatsächlichen Begebenheiten erklären lassen. So glauben sie beispielsweise Stimmen zu hören, sehen wie sich Dinge oder Menschen vor ihren Augen verändern und glauben, giftige Dämpfe in Räumen zu riechen. Die Betroffenen glauben fest an ihre Wahrnehmungen, auch wenn andere mehrfach versichern, dass sie nichts dergleichen feststellen können. Zu den bekanntesten Wahnvorstellungen gehört der Verfolgungswahn, aber auch die Vorstellung mit fremden Mächten in einer besonderen Beziehung zu stehen. Auch religiöser Wahn fällt in diesen Bereich.

Negativen Symptome sind die Krankheitsanzeichen, die den Betroffenen in seiner Bewegungsfreiheit einschränken. Dazu gehören vor allem Antriebsarmut, sozialer Rückzug und starke Stimmungsschwankungen. Kognitive Symptome zeigen sich insbesondere darin, dass der Patient sich kaum noch konzentrieren kann. Häufig befinden sich solche Menschen in einem regelrechten Gedankenkarussell, dass sie kaum noch zur Ruhe kommen lässt.

Psychose Diagnose

Um eine Psychose sicher diagnostizieren zu können, ist die enge Zusammenarbeit zwischen dem Betroffenen, seinen Angehörigen und der Familie notwendig. Um eine möglichst sichere Diagnose stellen zu können, ist es von äußerster Wichtigkeit, dass die Patienten zutreffende und offene Auskünfte über ihre Lebensumstände, ihr aktuelles Befinden und ihre Belastungen erteilen. Wichtige Hinweise kommen außerdem von Familie und Freunden. Damit alles erfasst werden kann, sind in der Regel mehrere Gespräche notwendig.

Zur psychologischen Erfassung des Problemfeldes kommen zudem umfassende körperliche Untersuchungen hinzu. Diese beinhalten einen Bluttest, ein EKG und ein EEG sowie eine Bildaufnahme des Gehirns.

Psychose Therapie / Behandlung

Die Therapie einer Psychose ist grundsätzlich abhängig von ihrer Ursache. Es gibt jedoch einige Behandlungsformen, die bei jedem Psychosepatienten gleich wichtig sind. Dazu gehört, insbesondere in der ersten Zeit der Krankheit, Ruhe. Der Patient sollte vor jeglicher Reizüberflutung geschützt werden. Dies geschieht sowohl äußerlich, beispielsweise durch den Aufenthalt in einer Klinik oder einem Sanatorium, wie auch innerlich, mittels Medikamenten.

Meist kommen Neuroleptika (Antipsychotika) zum Einsatz. Sie hemmen die Übertragung von Dopamin. Außerdem interagieren moderne Neuroleptika mit den Rezeptoren für Histamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese Medikamente wirken symptomatisch, also nicht heilend. Sie beseitigen in der Regel die schwerwiegendsten Symptome wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. So gelingt es dem Patienten, sich von seiner Erkrankung zu distanzieren und gemeinsam mit dem Psychiater an seiner Heilung zu arbeiten. Erst jetzt kommen weitere Therapieangebote wie Psycho- und Verhaltenstherapie, Suchtberatung, Soziales Kompetenztraining und vieles mehr, zum Tragen. Je eher eine Psychosetherapie beginnt, desto geringer ist die Rückfallquote.

Psychose Verlauf

Zum heutigen Zeitpunkt sind die verschiedenen Verläufe von Psychosen noch nicht ausreichend und lange genug untersucht. Die meisten Informationen gibt es über Patienten aus dem schizophrenen Formenkreis. Hier existieren Studien die bis zu 20 Jahre gelaufen sind. Sie ergeben folgende Analyse: In bis zu 20% aller Fälle tritt die Krankheit nur einmal im Leben auf. Meist als Folge einer existenziellen Lebenskrise. Wird die Krise erfolgreich bewältigt, hören die Symptome der Krankheit auf. Diesen Patienten ist gemein, dass sie einen vernünftigen Umgang mit Alkohol und Drogen zeigen, eine gute Krankheitseinsicht besitzen und über eine stabile Lebenssituation verfügen. Die meisten dieser Patienten sind weiblich.

Etwa 30% der Betroffenen erleiden weitere psychotische Schübe bei angespannten Lebenssituationen. Außerhalb dieser Episoden sind sie ohne Symptome. Weitere 30% der Betroffenen müssen dauerhaft mit einer Beeinträchtigung rechnen. Sie erleiden immer wieder psychotische Schübe und sind auch zwischen diesen Episoden selten ohne Symptome. Hier ist eine psychologische Betreuung über einen langen Zeitraum besonders wichtig. Bei 5 bis 10% der Patienten kommt es direkt nach der ersten Diagnose zu einer dauerhaften Erkrankung. Solche Patienten müssen häufig über einen sehr langen Zeitraum in der Psychiatrie leben und kehren nicht selten immer wieder dorthin zurück.

Psychose Vorbeugen

Es ist nicht wirklich möglich, einer Psychose vorzubeugen. Hilfreich ist in jedem Fall ein verantwortlicher Umgang mit Alkohol und ein vollkommener Verzicht auf andere Drogen. Wer bereits eine erste psychotische Episode hatte, der ist gut beraten eine ausführliche Psychotherapie und Verhaltenstherapie zu machen. Sobald erste Warnzeichen erkennen sind, sollte der Patient augenblicklich zu seinem Arzt gehen. Mit dessen Hilfe kann der Ausbruch eines weiteren Schubes verhindert werden.

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