Neurose

Als eine Neurose wird eine Nervenkrankheit bzw. psychische St√∂rung bezeichnet, die auf keiner organischen bzw. physischen Verletzung beruht. Der Ausdruck Neurose wurde erstmals im Jahre 1776 von dem schottischen Professor der Medizin und Chemie William Cullen verwendet. In dieser Zeit wurden darunter nichtentz√ľndlichen Erkrankungen des Nervensystems und psychische St√∂rungen zur Abgrenzung der entz√ľndlichen Neuritis definiert. Am Anfang des 20. Jahrhunderts definierte der √∂sterreichische Mediziner und Psychologe Sigmund Freud die Neurose als eine psychische St√∂rung, welche durch einen inneren und unbewussten Konflikt ausgel√∂st wird. Allgemein definiert sich die Neurose als eine psychische Verhaltensst√∂rung √ľber einen l√§ngeren Zeitraum, die im Verlauf der individuellen Entwicklung entspringt.

Charakteristische Neurosen sind zum Beispiel Zwangsst√∂rungen, Angstst√∂rungen, Phobien oder auch Hysterien. Ein Neurotiker kann seine individuelle Verhaltensst√∂rung nicht kontrollieren, jedoch ist er sich dessen bewusst und in der Lage das Leiden zu ergr√ľnden bzw. behandeln zu lassen. W√§hrend die Psychose eine psychische St√∂rung mit zeitweisem Verlust des Realit√§tsbewusstseins darstellt, beinhaltet die Neurose eine psychische St√∂rung, die in ihren unterschiedlichen Auspr√§gungen den Bezug zur Realit√§t beibeh√§lt. Heute wird der Begriff Neurose von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach dem System der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) durch beschreibende neutrale Ausdr√ľcke der einzelnen Auspr√§gungen konkretisiert und ersetzt. Dabei werden Neurosen in den Kapiteln F40-F48 der ICD-10 unter „Neurotische, Belastungs- und somatoforme St√∂rungen“ in seinen unterschiedlichen Auspr√§gungen klassifiziert.

Neurose Ursachen

Neurose Symptome und UrsachenTrotzdem ein Neurotiker sein Leiden nicht kontrollieren kann, ist er sich dessen bewusst. Die Ursachen k√∂nnen ergr√ľndet werden. In der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud gr√ľndet sich eine Neurose auf einem unbewussten Konflikt, der sehr h√§ufig in der fr√ľhkindlichen Lebensphase entsteht. Im „Strukturmodel der Psyche“ gliedert Sigmund Freud die Psyche des Menschen in die drei Instanzen „Ich“, „Es“ und „√úber-Ich“ auf. Ein unbewusster Konflikt entsteht nach dieser Theorie aus der fehlenden Anpassung des „Ich“ als Verbindung zwischen der Innenwelt und der √§u√üeren Realit√§t. Die mangelhafte Anpassungsf√§higkeit des „Ich“ an √§u√üere allt√§gliche Belastungen wird auf unkontrollierbare und unbewusste Einfl√ľsse der „Es“ Instanz oder der „√úber-Ich“ Instanz begr√ľndet.

Im (sp√§teren) Leben wirkt sich dieser Vorgang als ein unbew√§ltigtes Trauma aus, welches aus einer Abwehrbereitschaft gegen schmerzhafte Erinnerungen entsteht. Verdr√§ngte Konflikte etablieren sich im Unterbewusstsein, welche als „neurotisches Symptom“ wieder in Erscheinung treten. Die klassischen Psychoneurosen nach Sigmund Freud sprechen von einem ungel√∂sten Konflikt aus der (fr√ľhen) Kindheit. Aktualneurosen basieren auf aktuellen Konflikten im gegenw√§rtigen Erleben.

Neurose Symptome

Neurosen dr√ľcken sich in unterschiedlichen Symptomen aus. Die unterschiedlichen Klassifikationen der Krankheitsbilder basieren sehr h√§ufig auf der Gemeinsamkeit der √ľbersteigerten Angst vor etwas. Die Symptome psychischer St√∂rungen unterscheiden sich in ihrer jeweiligen Auspr√§gung wesentlich. Angstst√∂rungen wie zum Beispiel die Panikst√∂rung √§u√üern sich in pl√∂tzlichen Anf√§llen ohne eine direkte oder identifizierte Gefahr. Phobien wie beispielsweise die Agoraphobie (Beklommenheit an bestimmten Orten) definieren sich durch eine konkrete Furcht vor Objekten oder Situationen. Zwangsneurosen wie Zwangsst√∂rungen, Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken sind neuropsychiatrische Erkrankungen, die durch einen inneren Drang bestimmte Sachen zu denken oder zu tun gekennzeichnet sind. Durch damit einhergehende Angstzust√§nde der Betroffenen geben diese dem Zwang nach.

Neurosen als Reaktion auf schwere Belastungen und Anpassungsst√∂rungen sind zum Beispiel „Posttraumatische Belastungsst√∂rungen“ die auf einer katastrophalen Bedrohung gr√ľnden oder auch akute Belastungsreaktionen, die durch Wahrnehmungseinschr√§nkungen auffallen. Dissoziative St√∂rungen bzw. Konversionsneurosen weisen k√∂rperliche bzw. neurologische Leiden wie Anf√§lle, Zittern, Taubheit, L√§hmung oder Blindheit ohne einen neurologischen Anlass auf. Dazu z√§hlt zum Beispiel die Amnesie als Ged√§chtnisst√∂rung, die multiple Pers√∂nlichkeitsst√∂rung als schwerwiegendste Auspr√§gung der Dissoziation oder auch die Pseudodebilit√§t, als Entwicklungshemmung bei Kindern und Jugendlichen durch Einfl√ľsse von au√üen.

Somatoforme St√∂rungen wie zum Beispiel die Psychalgie √§u√üern sich in k√∂rperlichen Beschwerden, die nicht auf eine organische Erkrankung schlie√üen lassen. Dazu z√§hlen Symptome wie Ersch√∂pfung, M√ľdigkeit, subjektiv empfundene Schmerzen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, St√∂rungen oder auch pseudoneurologische Koordinations- und Gleichgewichtsst√∂rungen. Weitere Symptome und unter Neurosen fallende psychische St√∂rungen k√∂nnen zum Beispiel der Verlust des nat√ľrlichen Pers√∂nlichkeitsgef√ľhls (Depersonalisation), die Nervenschw√§che Neurasthenie oder auch Depressionen und psychosomatische Krankheitserscheinungen wie Essst√∂rungen oder Schlafst√∂rungen sein.

Neurose Diagnose

Die Voraussetzung, die einer Diagnose zu einer neurotischen Erkrankung zugrunde liegt, ist der Ausschluss einer organischen Störung im Körper. Die Verhaltensstörung muss psychisch bedingt sein und der Patient erlebt die Erkrankung bewusst. Eine Diagnose wird nach dem Klassifikationssystem ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation gestellt, indem neurotisch definierte Krankheitsbilder als autonome Störungen deklariert sind. Mit den spezifischen Symptomen unter Ausschluss anderer möglichen Krankheitsursachen kann eine Neurose mit einer konkreten Ausprägung in das Klassifikationssystem eingeordnet und diagnostiziert werden.

Neurose Therapie / Behandlung

In Abh√§ngigkeit der jeweiligen Art bzw. Einordnung einer bestimmten Neurose und psychischen St√∂rung k√∂nnen unterschiedliche Behandlungen mit √§rztlicher und therapeutischer Unterst√ľtzung eingeleitet werden. In vielseitigen Verfahren und Methoden werden Psychoanalysen, Psychotherapien, Verhaltenstherapien und medikament√∂se Behandlungen eingesetzt. Sehr h√§ufig auch in Kombination. Tiefenpsychologische Verfahren k√∂nnen mit Verhaltenstherapien sowie der Unterst√ľtzung von Psychopharmaka und Antidepressiva in Verbindung miteinander eingesetzt werden. Eine Analyse ergr√ľndet die Ursache einer St√∂rung und die Herkunft eines entsprechenden Konfliktes, woraufhin eine geeignete Behandlungsform vom Arzt zur Heilung gew√§hlt wird.

Neurose Verlauf

Eine Neurose bzw. eine psychische St√∂rung steht sehr h√§ufig mit einem langen Entwicklungsprozess in Verbindung. Unterdr√ľckte und unbewusste Konflikte, die aus fr√ľhester Kindheit stammen, √§u√üern sich sehr h√§ufig erst im sp√§teren Erwachsenenalter. Von dem Ursprung der Neurose √ľber die Entwicklung bis zur Diagnose und Heilung entsteht oft ein langer Prozess. Als eine chronische Erkrankung ist der Verlauf der Neurose durch permanent wiederkehrende Krankheitszeichen und Beschwerden gepr√§gt, die sich unter Umst√§nden auch in ihrer Art und Form ver√§ndern k√∂nnen. Wird eine Behandlung falsch oder √ľberhaupt nicht durchgef√ľhrt, kann dies zu schwerwiegenden gesundheitlichen und lebensbedrohlichen Folgen f√ľhren.

Neurose Vorbeugen

Einer Neurose vorzubeugen ist in direktem Sinn wie bei anderen Krankheiten nicht m√∂glich. Die Ursachen f√ľr die jeweilige Neurose werden von der Person und auch dem Umfeld weder vorhergesehen noch bewusst wahrgenommen. Der Entwicklungsprozess einer Neurose aus einer Situation oder einem Konflikt heraus, h√§ngt von den individuellen Wesensmerkmalen eines Menschen ab. Sp√ľren Menschen, dass sie mit einer Situation konfrontiert werden, die sie zu stark belastet, sollten sie sich mitteilen, anstatt das Problem in sich zu verdr√§ngen.

Kinder bed√ľrfen besonders in den ersten Lebensjahren sehr viel Aufmerksamkeit, Z√§rtlichkeit, Liebe, Bindung, Anregung, S√§ttigung und Geborgenheit. Mit der Wahrnehmung der Au√üenwelt entwickeln sich in den ersten Lebensjahren das Gehirn, das Gem√ľt und Reize, die die sp√§tere Verhaltensstruktur im ausgewachsenen Alter beeinflussen. Eltern k√∂nnen einer Neurose vorbeugen, indem sie bei ihren Kindern auf gesunde und optimale Verh√§ltnisse in der Erziehung, dem famili√§ren Zusammenleben, der Gesundheit, der individuellen Pers√∂nlichkeitsentwicklung und dem sozialen Umfeld achten.