Magersucht

Die Magersucht ist eine psychisch bedingte Essstörung, die von Medizinern auch als Anorexa nervosa oder Anorexa mentalis bezeichnet wird. Fälschlicherweise wird die Krankheit oft mit der Anorexie gleichgesetzt, Letztere stellt jedoch nur eine allgemeine Appetitlosigkeit dar, die nicht unbedingt krankhaft sein muss. Häufig wird die Magersucht mit der Bulimie verwechselt, im Vergleich hierzu stellt sich der Krankheitsverlauf bei der Magersucht jedoch oft wesentlich dramatischer dar.

In der Medizin wird zwischen zwei Grundtypen der Magersucht differenziert. Beim restriktiven Typus wird lediglich die Nahrungsaufnahme auf ein unnatürliches und damit ungesundes Maß reduziert und hierdurch ein drastischer Gewichtsverlust ausgelöst. Der Purging-Typus hingegen kombiniert die reduzierte Nahrungsaufnahme mit aktiven Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung, etwa dem absichtlichen Erbrechen der aufgenommenen Nahrung.

Magersucht tritt hauptsächlich bei weiblichen Jugendlichen im Teenageralter auf, kann vereinzelt jedoch auch bei Kindern und Erwachsenen in Erscheinung treten. Sehr selten sind auch männliche Jugendliche von der Magersucht betroffen. Die genaue Verbreitung der Magersucht lässt sich kaum ermitteln. Es ist von einer großen Dunkelziffer auszugehen, da die Betroffenen zumindest in den frühen Stadien der Krankheit versuchen, die Symptome zu kaschieren und nur sehr selten aus eigener Motivation heraus Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen.

Magersucht Ursachen

Magersucht Symptome / UrsachenBereits die ersten medizinischen Beobachtungen der Magersucht aus dem 19. Jahrhundert, als die Krankheit noch als Anorexa hysteria bezeichnet wurde, betonen die psychischen Ursachen der Krankheit. Heute geht die Medizin aufgrund neuerer Ergebnisse in der Zwillingsforschung zwar davon aus, dass auch genetische Dispositionen eine Rolle spielen können, an den vornehmlich psychischen Ursachen der Magersucht besteht jedoch kein Zweifel.Als besonders gefährdet gelten dabei weibliche Jugendliche mit einem stark reduzierten Selbstwertgefühl. Es wird vermutet, dass ein enger Zusammenhang mit dem in der jüngeren Vergangenheit immer extremer gewordenen Schönheitsideal für Frauen besteht, das vor allem durch Models, Magazine und Filme vermittelt wird.

Dieses Bild übt gerade auf Jugendliche in der Prägungsphase den Druck aus, sich diesem Ideal anpassen zu müssen. Bezeichnenderweise ist die Magersucht unter professionellen Models auch erheblich weiter verbreitet als in allen anderen Berufsgruppen.Häufig tritt die Krankheit bei Kindern und Jugendlichen gut situierter Familien auf. Die Betroffenen sind meist besonders ehrgeizig, gut in der Schule und gelten als zuverlässig. Oft lässt sich bei ihnen ein Hang zum Perfektionismus feststellen. Es lässt sich auch feststellen, dass die Magersucht fast ausschließlich in industrialisierten Wohlstandsländern auftritt. In Gebieten, in denen eine Knappheit an Nahrungsmitteln herrscht, ist die Krankheit fast unbekannt.

Auch diese Beobachtung spricht für eine psychogen bedingte Krankheit.Allgemeine Belastungen der Psyche von Jugendlichen, wie zerrüttete Familienverhältnisse, extremer Leistungsdruck oder ein allgemein niedriges Selbstbewusstsein und insbesondere sexueller Missbrauch spielen nach den derzeitigen Erkenntnissen ebenfalls eine Rolle. Die Psychologie geht davon aus, dass die Betroffenen durch die extreme körperliche Veränderung versuchen, sich gegen eine als zu dominant empfundene Fremdbestimmung zu wehren, indem sie selbst die Kontrolle über ihren Körper übernehmen.Teilweise wird die Magersucht in der Medizin deshalb nicht als eigenständige Krankheit gesehen, sondern vielmehr als Symptom einer tiefer liegenden psychischen Störung, die einer dringenden Behandlung bedarf.

Magersucht Symptome

Auffälligstes Symptom der Magersucht ist ein drastischer Gewichtsverlust. In extremen Fällen erreicht die Gewichtsreduzierung einen Anteil von lediglich 45% des Normalgewichts. Trotz der offensichtlich krankhaften Symptome fehlt den Betroffenen dabei meist die Einsicht, dass sie krank sind. Stattdessen verfolgen sie das Ziel der Gewichtsabnahme weiter und weigern sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im frühen Stadium der Krankheit, also bevor sich der Gewichtsverlust als eindeutig krankhaft bemerkbar macht, sind die Symptome für Angehörige und Freunde nur schwer zu erkennen, da die Betroffenen mit ihrer Krankheit nicht offen umgehen.

Gerade am Anfang findet in vielen Fällen noch eine normale Aufnahme der Nahrung statt, die im Anschluss heimlich erbrochen wird. Sehr häufig treten bei der Magersucht zusätzliche psychische Symptome wie Panikattacken oder Depressionen auf. In Fällen der extremen Gewichtsreduktion machen sich auch körperliche Symptome wie Haarausfall und Wachstumsstörungen bemerkbar.

Magersucht Diagnose

Die Magersucht wird diagnostiziert, wenn das Körpergewicht mehr als 15% unter dem Normalgewicht liegt, beziehungsweise ein Body Mass Index von 17,5 oder niedriger erreicht wird und der Patient sich trotz dieser Situation weigert, Gewicht zuzunehmen. Wenn die Patientin keine Anti Baby Pille einnimmt, spricht auch das Ausbleiben der Monatsblutung für mindestens drei Zyklen für das Vorliegen der Magersucht.

Wenn ein Verdacht auf Magersucht besteht, wird der Arzt eine genaue Befragung zu den Lebensumständen der Patientin vornehmen, in der sie Auskunft über ihre familiäre Situation und andere Umstände gibt. Die Diagnose kann jedoch nicht alleine auf diese Befragung gestützt werden, da Magersüchtige ihre Situation oft verharmlosen. Im Rahmen einer Blutuntersuchung kann die Magersucht jedoch oft durch auffällige Konzentrationen von Geschlechtshormonen und Mineralien sowie eine Blutarmut medizinisch diagnostiziert werden.

Bei einer körperlichen Untersuchung wird dann festgestellt, welche Körperpartien bereits wie stark von der Magersucht betroffen sind. In der Regel bezeichnen sich magersüchtige Patienten trotz der auffällig und krankhaft abgemagerten Körperstellen als stark übergewichtig. Es muss jedoch beachtet werden, dass nicht jede krankhafte Gewichtsreduktion auf eine Magersucht zurückzuführen ist. Besonders wichtig ist daher der Ausschluss anderer schwerwiegender Erkrankungen wie der Schilddrüsenüberfunktion oder von Tumoren.

Magersucht Therapie / Behandlung

Die Behandlung der Magersucht gestaltet sich in der Praxis oft sehr schwierig, da die Betroffenen nur selten von sich aus Hilfe suchen oder sich helfen lassen. In fortgeschrittenen Stadien, in denen der Gewichtsverlust lebensbedrohlich ist oder aufgrund einer gleichzeitig auftretenden Depression Suizidgefahr besteht, kann ein Richter die stationäre Behandlung des Patienten auch gegen dessen Willen anordnen.

In der Regel ist eine Behandlung jedoch nur möglich, wenn der Patient aktiv hieran mitwirkt. Da es sich bei der Magersucht um eine Kombination aus psychischen und physischen Störungen handelt, muss eine sinnvolle Therapie in mehreren Bereichen ansetzen. Dabei spielt die psychologische Behandlung eine wichtige Rolle. Diese hat meist das Ziel, das Selbstwertgefühl der Betroffenen aufzubauen oder zu stärken. In einigen Fällen kann es nötig sein, das Lebensumfeld der Betroffenen zu verändern, oder den Patienten sogar vollständig aus diesem zu entfernen.

Sehr wichtig ist die Vereinbarung von Zwischenzielen bezüglich der angestrebten Gewichtszunahme. Anfänglich sehr kleine Schritte können dabei helfen, dass die Gewichtszunahme vom Patienten besser akzeptiert und weiter verfolgt wird. So schwierig die Therapie der meisten Magersüchtigen aufgrund ihrer fehlenden Einsicht auch ist, so erfolgsversprechend ist die Behandlung von Betroffenen, die freiwillig Hilfe suchen.

Magersucht Verlauf

Oft beginnt die Magersucht mit einer normalen Diät, die immer zielstrebiger verfolgt und verschärft wird. Teilweise ersetzen die Betroffenen ihre normale Ernährung dabei vollständig mit Babynahrung. Bei der Purging-Magersucht werden zusätzlich zur extremen Diät noch Nahrungsmittel kurz nach der Aufnahme erbrochen, einige Betroffene sorgen mit Abführmitteln für weiteren Gewichtsverlust.

In den frühen Stadien ist die Magersucht für das Umfeld der Betroffenen kaum zu bemerken, da sich die Gewichtsabnahme zunächst in einem normalen Rahmen bewegt. In schweren Fällen lässt sich jedoch eine extreme Gewichtsreduktion von bis zu 20% des Körpergewichts in einem Zeitraum von etwa sechs Wochen bemerken. Im Endstadium kann die Magersucht dazu führen, dass das Körpergewicht weniger als die Hälfte des Normalgewichts beträgt. Wenn die Magersucht in dieser Phase nicht behandelt wird, führt das geringe Körpergewicht letztendlich zum Tod des Betroffenen.

Magersucht Vorbeugen

Schon in der Kindeserziehung kann einer späteren Magersucht vorgebeugt werden, indem bei der Vermittlung von Werten darauf geachtet wird, dass Äußerlichkeiten keine Rolle für Respekt oder Achtung spielen dürfen. Auch sportliche Aktivitäten tragen zur Erhöhung des Körper- und Selbstwertgefühls bei. Im Übrigen können bereits Kinder lernen, worauf bei einer sinnvollen Ernährung zu achten ist.

Mittlerweile bieten viele Schulen, Selbsthilfegruppen und medizinische Organisationen Präventivprogramme an, bei denen vor allem Mädchen in der Pubertät über Risiken und Ursachen der Magersucht aufgeklärt werden.

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