Lipomatose

Lipomatose ist eine bei Tieren und Menschen gleichermaßen vorkommende übermäßige Vermehrung des Fettgewebes. Die anwachsenden Fettgeschwulste haben keine abgrenzbare Kapsel, weshalb die Lipomatose als diffuse Zunahme bezeichnet wird. Klassifiziert wird die Erkrankung anhand der Körperregion, an der sie auftritt. Die Gewebswucherungen entstehen bei der Lipomatose bevorzugt im Hals- und Schultergürtel, dem Beckengürtel und ebenfalls an inneren Organen.

Mit Ausnahme der Dercum-Krankheit, die auch als Lipomatosis dolorosa oder Adiposis dolorosa bezeichnet wird, sind die Wucherungen selbst schmerzlos. Komplikationen entstehen zum einen durch die Größe der Wucherungen und zum anderen durch den Druck auf benachbarte Körperregionen. Es handelt sich um eine überwiegend kosmetische Beeinträchtigung, die aber zu einem hohen psychischen Leidensdruck führen kann. Bereits am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Lipomatose durch die beiden französischen Ärzte Pierre-Emile Launois und Raoul Bensaude untersucht.

Der deutsche Arzt Otto Wilhelm Madelung beschrieb die Lipomatose mit einem Schwerpunkt auf die Halsregion den später nach ihm benannten Madelung-Fetthals, der auch als Typ I klassifiziert ist. Insgesamt erfolgt die Einteilung der Lipomatose in vier verschiedene Typen. Dazu kommen weitere Abarten der Lipomatose wie die Dercum-Krankheit. Lipomatose ist in der Regel durch die gutartigen Tumore gekennzeichnet. Nur in seltenen Fällen entarten diese Fetttumore und werden damit zu Liposarkomen.

Lipomatose Ursachen

Lipomatose: Symptome und UrsachenDie Ursachen der Lipomatose sind bislang noch nicht genau geklärt. Je nach Form der Erkrankung kann von einer familiären Veranlagung ausgegangen werden. Als Madelung-Fetthals wurde ein vermehrtes Auftreten dieser Form der Lipomatose bei Alkoholikern beobachtet. Dies ist jedoch nicht damit gleichzusetzen, dass alle daran erkrankten Personen zugleich Alkoholiker sind. Festzustellen ist allerdings eine Verbindung mit Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Hyperthyreose oder Hyperlipoproteinämie. Auch innere Erkrankungen wie Krebserkrankungen oder Polyneuropathie können von einer Lipomatose begleitet werden. Bei HIV-Infizierten ist zudem als besondere Erscheinungsform der Lipomatose die Lipodystrophie zu beobachten, die aber mit der antiretroviralen Therapie in Zusammenhang steht.

Lipomatose Symptome

Die Erkrankung äußert sich durch das Auftreten schlecht abgrenzbarer Lipome. Die Größe ist abhängig vom individuellen Patienten, kann aber sehr auffällig werden. Besonders im Bereich des Nackens bildet sich bei der Lipomatose ein Stiernacken. Als Typ II sind die Lipome im Schultergürtel lokalisiert und führen durch die Massezunahme dazu, dass das pseudoathletische Erscheinungsbild eines muskulösen Menschen mit breiter Schulterpartie vorliegt. Deutlich erkennbar sind auch Lipome im Bereich der Oberarme. Bis zu den Ellbogen bilden sich große und weiche Wucherungen des Fettgewebes, die Puffärmeln ähneln. Die Lipome sind zumeist schmerzlos und reizfrei.

Eine Ausnahme bildet die Lipomatosis dolorosa, die Frauen in den Wechseljahren betrifft. In dieser Form treten besonders am Rumpf und den Extremitäten kleinere Lipome auf, die sehr schmerzhaft sind. Bei schmerzfreien Lipomen können sich aufgrund der Ausdehnung Druckschäden der umgebenden Körperstrukturen einstellen. Lipome vom Typ III treten im Beckenbereich auf. Es bildet sich eine Fettschürze, die als Folgeerkrankungen Pilzinfektionen und Hautreizungen in den Hautfalten verursachen kann. Alle Wucherungen des Fettgewebes sind bei der Lipomatose unabhängig von der Ernährung der Erkrankten. Die Lipomatose wird weder durch eine übermäßig kalorienhaltige Nahrung gefördert, noch ist es möglich, dass sie bei einer strengen Diät wieder vergeht.

Lipomatose Diagnose

Diagnostiziert wird die Lipomatose zunächst aufgrund des typischen Erscheinungsbildes mit den übermäßigen Fettpolstern in den typischen Körperbereichen. Durch Abtasten kann bereits differenziert werden, ob es sich um ein gekapseltes, gut abgegrenztes Lipom handelt oder ob eher die diffusen Strukturen der Lipomatose vorliegen. Mit einem Ultraschall erfolgt eine weitere Differenzierung zu Zysten und anderen Gewebeveränderungen. Die genauere Untersuchung mit anderen bildgebenden Verfahren schließt sich zumeist an. Eine Bestimmung der Zellveränderung bei der Lipomatose erfolgt schließlich über eine Biopsie, die besonders zur Diagnose maligner Tumore geeignet ist.

Lipomatose Therapie / Behandlung

Die Lipomatose ist behandelbar, aber nicht heilbar. Grundsätzlich ist eine Behandlung nur dann erforderlich, wenn die Lipome in ihrer Ausdehnung störend oder schmerzhaft sind. Eine Behandlung aus rein medizinischen Gründen ist nur dann erforderlich, wenn der Patient unter den optischen Auswirkungen der Lipomatose leidet. Gewöhnlich wird nach der genauen Größenbestimmung während der Diagnose das Lipom chirurgisch entfernt.

Je nach Größe des Lipoms bleiben deutliche Narben zurück, die nicht weniger störend von den Betroffenen empfunden werden. Eine andere Möglichkeit bei der Behandlung der Lipomatose besteht darin, die in der Schönheitschirurgie bekannte Methode der Fettabsaugung anzuwenden. Bei der Liposuktion werden die Fettzellen über eine Kanüle abgesaugt. Keine der Behandlungsmethoden bietet eine Garantie, dass sich die Lipomatose nicht weiter ausbreitet. Tatsächlich tritt bei einer Lipomatose ein Fetttumor sogar häufig an der vorher behandelten Stelle erneut auf. Bei der Dercum-Krankheit ist die Gabe schmerzstillender Mittel erforderlich, um die berührungsempfindlichen Lipome für die betroffenen Patientinnen erträglich zu machen.

Lipomatose Verlauf

In den hauptsächlich betroffenen Körperregionen verursacht die Lipomatose Wucherungen des Fettgewebes. Diese beginnen zunächst als kleinere Ansammlungen, die erst ab einer bestimmten Ausdehnung vom Betroffenen bemerkt und später auch sichtbar sind. Je nach Verlauf der Lipomatose können diese Wucherungen beachtliche Ausmaße annehmen und dann eine chirurgische Entfernung erforderlich machen. Dies gilt immer dann, wenn durch die sich ausdehnenden Wucherungen andere Körperfunktionen in Mitleidenschaft gezogen werden. So kann die Madelung-Lipomatose zu Atem- und Schluckbeschwerden durch den Druck auf den Hals führen.

Selten tritt die Lipomatose an den unteren Extremitäten und dort noch seltener an den Fußsohlen mit einer schubweisen Entwicklung auf. Die Lipomatose verursacht trotz ihrer Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die auffälligen Wucherungen grundsätzlich gutartige Fetttumore. Diese können jedoch auch entarten und sich zu einem Liposarkom entwickeln. Dies ist schmerzhaft, verhärtet und lässt sich nicht mehr unter der Haut verschieben. In diesem Fall muss eine Entfernung stattfinden.

Lipomatose Vorbeugen

Bislang ist eine Vorbeugung gegen Lipomatose nicht möglich, da eine genaue Ursache noch unbekannt ist. Eine Ernährungsänderung mit einem geringen Fettanteil hat keine Auswirkungen auf die Ausbildung der Fettzellwucherungen. Sollte eine familiäre Veranlagung zur Ausbildung einer Lipomatose bei den männlichen Familienmitgliedern in Form eines Madelung-Fetthalses vorliegen, empfiehlt sich vollständige Abstinenz. So entfällt jedenfalls einer der möglichen Auslöser.

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