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Leberzirrhose

Die Leber ist – mit einem Gewicht von rund 1,5 Kilogramm – das gr√∂√üte innere Organ des K√∂rpers und spielt eine zentrale Rolle f√ľr Stoffwechsel, Nahrungsverwertung und Entgiftung des K√∂rpers. Nach Sch√§digungen oder Operationen kann sich die Leber in einem gewissen Umfang wieder regenerieren, bei langandauernden Belastungen kommt es jedoch fr√ľher oder sp√§ter zu unumkehrbaren Sch√§den. In diesem Fall bildet sich zun√§chst eine (noch heilbare) Leber-Fibrose aus, bei der das aktive Lebergewebe durch Neubildung von Bindegewebe √ľberlagert und verdr√§ngt wird. Wenn der sch√§dliche Einfluss nicht ausgeschaltet werden kann, folgt darauf eine Leberzirrhose als das in der Regel unheilbare Endstadium chronischer Erkrankungen der Leber.

Eine Leberzirrhose entwickelt sich meist √ľber Jahre bis Jahrzehnte. Erstmalig beschrieben wurde sie durch den franz√∂sischen Arzt Ren√© Th√©ophile Hyacinthe La√ęnnec (1781 bis 1826), ihr Name ist vom griechischen Begriff f√ľr Gelb-Orange – „kirrosis“ – abgeleitet und beschreibt die gelb-gr√ľne F√§rbung der erkrankten Leber. Bei einer Leberzirrhose werden die gesunden Leberzellen durch vernarbtes, knotiges Gewebe ersetzt, woraus eine generelle Funktionseinschr√§nkung sowie Durchblutungsst√∂rungen der Leber resultieren. M√§nner sind von einer Leberzirrhose etwa doppelt so h√§ufig betroffen wie Frauen. Mit rund 250 Krankheitsf√§llen pro 100.000 Einwohner und Jahr ist die Erkrankung h√§ufig. Die Sterblichkeit daran hat in den letzten Jahren zugenommen.

Leberzirrhose Ursachen

Leberzirrhose: Symptome und UrsachenDie wichtigsten Ursachen f√ľr eine Leberzirrhose bestehen in chronischem Alkoholmissbrauch/Alkoholsucht sowie nicht ausgeheilten Leberentz√ľndungen durch die Infektion mit Hepatitis-Viren. In den Industriel√§ndern entstehen √ľber 50 Prozent aller Leberzirrhosen durch den √ľberm√§√üigen Konsum von Alkohol, eine Virus-Hepatitis verursacht 20 bis 25 Prozent der F√§lle. Der Hauptrisiko-Faktor im Hinblick auf die Virus-Hepatitis ist eine Infektion mit Hepatitis C – 85 Prozent der Erkrankung verlaufen chronisch, eine Leberzirrhose wird von rund 35 Prozent der Erkrankten ausgebildet. In Afrika werden 90 Prozent aller Zirrhosen durch die Virus-Infektionen ausgel√∂st.9

Daneben gibt es verschiedene seltene Zirrhose-Formen, bei denen verschiedene Stoffwechselst√∂rungen, St√∂rungen des Immunsystems und/oder genetische Defekte eine Rolle spielen. Leber-toxische Substanzen – etwa das in der Metallverarbeitung verwendete Tetrachlormethan – oder Medikamente k√∂nnen ebenfalls zu chronischen Leberentz√ľndungen und in der Folge zu einer Zirrhose f√ľhren. In seltenen F√§llen bleibt die Ursache der Erkrankung „kryptogen“, also unerkennbar. Unabh√§ngig von den √§u√üeren Ursachen der Erkrankung werden beim Absterben respektive der nekrotischen Ver√§nderung der Leberzellen sogenannte Zytokine freigesetzt, welche als spezifische Proteine das Wachstum sowie die Differenzierung von Zellen regulieren und bei einer Leberzirrhose das Gewebe destruktiv ver√§ndern. Dabei aktivieren sie verschiedene Zelltypen des Immunsystems (Leber-Makrophagen, Monozyten und Granulozyten) sowie die Fettspeicherungszellen der Leber. Das durch die pathogene Aktivit√§t der Immun-Zellen gebildete nekrotische Gewebe blockiert die Leberkan√§le und damit den inneren Stoffwechsel des Organs, den Transport von N√§hr- und Abbau-Stoffen sowie die Blut- und Sauerstoffversorgung.

Pathologen unterscheiden die Erkrankung je nach dem äußeren Erscheinungsbild der Leber in kleinknotige(mikronoduläre), großknotige (makronoduläre) sowie gemischtknotige Zirrhosen. Als Vorstufe der Zirrhose wird in den meisten Fällen eine Fettleber ausgebildet, später kommt es durch die Bindegewebsbildung zur Leberschrumpfung. Unter dem Mikroskop lassen sich aktive/floride (voranschreitende) oder stagnierende/inaktive Zirrhosen unterscheiden.

Leberzirrhose Symptome

Die Symptome einer Leberzirrhose machen sich oft erst in einem sp√§ten Krankheitsstadium bemerkbar. Von den Patienten werden sie zun√§chst oft als eher unspezifische Gesundheitsst√∂rungen – M√ľdigkeit, Konzentrationsschw√§che, scheinbar grundloser Gewichtsverlust und allgemeiner Leistungsabfall – wahrgenommen. Erste Hinweise auf eine Leberkrankheit ergeben sich auch aus den sogenannten „Leber-Hautzeichen“ – einer gelblichen Verf√§rbung der Haut (Gelbsucht/Ikterus), sogenannten „Milchglasn√§geln“, Rotf√§rbungen der Handinnenfl√§chen, Gef√§√üneubildungen (Naevus araneus) oder allgemeinem Juckreiz.

Die Entgiftungs- und Synthesefunktionen der Leber k√∂nnen durch eine Zirrhose in sehr unterschiedlicher Form beeintr√§chtigt sein. Bei fortschreitender Leberzirrhose spielen au√üerdem die Symptome von Sekund√§rerkrankungen eine wesentliche Rolle. Dazu geh√∂ren unter anderem Umgehungs-Blutkreisl√§ufe sowie Blutstauungen („Portale Hypertensionen“) im Bereich der Pfortader zwischen Leber und Verdauungstrakt, die zu Bauchwassersucht (Aszites), Milzvergr√∂√üerungen oder zu Blutungen aus Krampfadern der Speiser√∂hre (√Ėsophagus-Varizen) f√ľhren k√∂nnen.

Der Ausfall der aktiven Leberzellen (Hepatozyten) f√ľhrt auf lange Sicht zum (teils noch reversiblen) Ausfall von Gehirnfunktionen durch die nicht mehr ausreichende Entgiftung in der Leber – der sogenannten hepatischen Enzephalopathie – sowie dem finalen Stadium des Leberkomas. Die Leberzirrhose gilt als „fakultative Pr√§kanzerose“, also eine Krebsvorstufe, aus der sich ein Leberzellkrebs (Hepatozellul√§res Karzinom, HCC) entwickeln kann.

Leberzirrhose Diagnose

Zur Diagnose einer Leberzirrhose erhebt der Arzt zun√§chst eine ausf√ľhrliche Anamnese – zentral sind hier Angaben zum Alkoholkonsum sowie fr√ľheren Hepatitis-Infektionen. Bei der k√∂rperlichen Untersuchung geht es zun√§chst um Tastbefunde im Hinblick auf die Gr√∂√üe sowie zirrhotische Ver√§nderungen der Leber, das Vorhandensein eines Aszites und/oder Milzver√§nderungen. Au√üerdem wird die Haut hinsichtlich des Vorhandenseins von Leber-Hautzeichen gemustert. Daran schlie√üt sich eine Sonografie (Ultraschall-Untersuchung) der Leber und des Bauchraums an. Bei einem unklaren Befund kommen au√üerdem Computertomografie (CRT) oder Kernspintomografie (MRT) zum Einsatz. Das Ausma√ü der Lebersch√§digung durch die Zirrhose wird durch eine Blutuntersuchung ermittelt.

Die sogenannten „erh√∂hten Leberwerte“ verweisen auf das Vorhandensein und/oder eine erh√∂hte Konzentration verschiedener Leber-Enzyme im Blut, auch die Bilirubin- und Ammoniak-Werte sind bei einer Leberzirrhose in der Regel h√∂her. F√ľr einige Gerinnungsfaktoren, das Enzym Cholinesterase sowie das Protein Albumin finden sich dagegen reduzierte Werte. Die Diagnose „Leberzirrhose“ wird schlie√ülich durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) gesichert. Alternativ oder erg√§nzend kann der Bindegewebs-Umbau der Leber auch durch das Sonografie-Verfahren Fibroscan (Elastometrie) sehr exakt ermittelt werden. Durch eine Farbduplex-Sonografie werden Zirrhose-bedingte Ver√§nderungen des Blutkreislaufes sowie die Elastizit√§t der Leber √ľberpr√ľft. Nach Krampfadern in Speiser√∂hre oder Magen wird mittels einer Magenspiegelung gesucht.

Leberzirrhose Therapie / Behandlung

Eine Leberzirrhose ist eine unheilbare und chronische Erkrankung. Im Vordergrund stehen daher Allgemeinma√ünahmen f√ľr die ausreichende Versorgung mit N√§hrstoffen und Vitaminen sowie das Ausschalten aller Substanzen, die toxisch auf die Leber wirken k√∂nnen. Bei Vorliegen einer Alkoholkrankheit wird unterst√ľtzend Vitamin B1 verabreicht, bei einer hepatischen Enzephalopathie die Proteinzufuhr beschr√§nkt.

Gleichzeitig soll das Fortschreiten der Zirrhose durch die Behandlung der Grunderkrankung verlangsamt oder aufgehalten werden. Bei Alkoholabhängigkeit ist eine Entzugsbehandlung nötig. Bei chronischer Hepatitis wird eine Therapie durch Immun-Supressoren (bei Autoimmun-Hepatitis) oder die Viren-Elimination durch Interferone (bei Hepatitis C) versucht. Komplikationen werden durch jeweils spezifische Therapiemaßnahmen behandelt.

Regelm√§√üige Untersuchungen auf Leberzellkrebs (HCC) sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie-Routine. Bei fortgeschrittenen Leberzirrhosen ist eine Lebertransplantation meist die Ultima Ratio f√ľr ein √úberleben mit der Krankheit. Zellchirurgische Therapieverfahren befinden sich bisher noch in der Forschungsphase.

Leberzirrhose Verlauf

Der Verlauf der Leberzirrhose ergibt sich daraus, wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten und ob eine Therapie der Grunderkrankung möglich ist. Als Richtwert gilt, dass verbliebenes gesundes Lebergewebe bis zu einer Untergrenze von etwa 15 Prozent die Ausfälle des erkrankten Leberanteils weitgehend kompensieren kann. Wenn ein Fortschreiten der Zirrhose Рbeispielsweise durch erfolgreichen Alkoholentzug und lebenslange Abstinenz Рverhindert wird und die Leber nicht zu stark geschädigt ist, können daraus durchaus eine positive Prognose und lange Überlebenszeiten resultieren.

Aussagen √ľber die Prognose der Erkrankung werden anhand verschiedener Untersuchungsparameter entweder durch den Child-Pugh-Score mit seinen Krankheitsstadien A bis C oder den differenzierteren MELD-Score getroffen, der eine Einsch√§tzung der √úberlebenswahrscheinlichkeit in den n√§chsten drei Monaten erm√∂glicht. Bei einem ung√ľnstigen Verlauf der Krankheit kommt es schlie√ülich zu den verschiedenen Komplikationen oder der Entwicklung eines Karzinoms. In schweren F√§llen endet die Zirrhose durch akutes Leberversagen oder ein Leberkoma t√∂dlich.

Leberzirrhose Vorbeugen

Zur Vorbeugung einer Leberzirrhose sollten potenziell Leber-sch√§digende Einfl√ľsse weitgehend vermieden werden. Dazu geh√∂rt vor allem ein ma√üvoller Umgang mit Alkohol – als f√ľr die Leber unbedenklich gilt der Konsum von maximal zw√∂lf (Frauen) bis 24 (M√§nner) Gramm reinen Alkohols respektive ein bis zwei Gl√§sern Bier oder Wein pro Tag sowie mindestens zwei abstinente Wochentage.

Medikamente werden ma√ügeblich in der Leber abgebaut und wirken teilweise auch spezifisch auf die Leber – sie sollten daher grunds√§tzlich nur f√ľr begrenzte Zeit und unter √§rztlicher Begleitung eingenommen werden. Ein wirksamer Schutz gegen Hepatitis A und B ist – nicht zuletzt auf Auslandsreisen – durch die entsprechenden Impfungen gegeben. F√ľr Patienten, die bereits unter einer Zirrhose oder einer Zirrhose-Vorstufe leiden, sind diese immer angeraten. Diverse unspezifische Beschwerden k√∂nnen bei l√§ngerer Dauer und vor allem bereits manifesten Leber-Risiken auch auf eine beginnende Leber-Zirrhose verweisen – die fr√ľhzeitige Abkl√§rung durch einen Arzt ist daher unerl√§sslich.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt √ľberarbeitet am: 13. Oktober 2020.
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