Kehlkopfkrebs

Der Kehlkopf wird medizinisch auch als Larynx bezeichnet und sitzt am Übergang des Rachens zur Luft- und Speiseröhre. Er erfĂŒllt wichtige Funktionen im Bereich des Sprechens sowie Atmens und der Kehlkopfdeckel verhindert ein Verschlucken der Nahrung in die Luftröhre. Der Kehlkopf wird in 3 verschiedene Bereiche unterteilt – die Supraglottis liegt ĂŒber den StimmbĂ€ndern, die Glottis deckt den Bereich der StimmbĂ€nder ab und die Subglottis liegt unterhalb der StimmbĂ€nder. Die StimmbĂ€nder (auch Stimmlippen) befinden sich in der Glottis, welche der stimmbildende Teil des Kehlkopfes darstellt. Entstehen am Kehlkopf bösartige Tumore, dann spricht man von einem Kehlkopfkrebs beziehungsweise Larynxkarzinom.

Der Kehlkopfkrebs tritt in vielen FĂ€llen in einem etwas höherem Lebensalter auf (ca. zwischen 50 und 70 Jahre) und laut Statistik erkranken MĂ€nner fĂŒnf- bis zehnmal hĂ€ufiger als Frauen daran, wobei die Zahl der betroffenen Frauen in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Im Hinblick auf die Sterbensrate gehört der Kehlkopfkrebs zwar zu den selteneren Krebserkrankungen, trotzdem erkranken pro Jahr durchschnittlich 3500 mĂ€nnliche Einwohner sowie 500 weibliche Einwohner der BRD daran. Zudem gehört der Kehlkopfkrebs zu den hĂ€ufigsten Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich.

Kehlkopfkrebs Ursachen

Kehlkopfkrebs: Symptome und UrsachenDer Kehlkopfkrebs entsteht in den meisten FĂ€llen nicht plötzlich, sondern aus so genannten PrĂ€kanzerosen (VorschĂ€digungen). Bei diesen VorschĂ€digungen handelt es sich um GewebsverĂ€nderungen des Kehlkopfes, welche sich bösartig verĂ€ndern können und dann eine Vorstufe zu einem Tumor darstellen. Hierbei kann es sich um abweichende Gewebestrukturen in Form von Dysplasien, Verhornungen der Schleimhaut im Kehlkopf (auch als Leukoplakien bezeichnet) sowie um im FrĂŒhstadium befindliche Tumoren (Fachbegriff: Carcinoma in situ) handeln.

Eine erbliche Vorbelastung kann das Entstehen vom Kehlkopfkrebs zwar unterstĂŒtzen, in der Regel kommen aber immer noch weitere auslösende Faktoren hinzu. Hier werden insbesondere der Tabakrauch sowie ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Alkoholgenuss als Hauptursachen fĂŒr die Entstehung vom Kehlkopfkrebs genannt, aber auch andere giftige Substanzen können ein Auslösungsfaktor sein. Zu diesen werden hauptsĂ€chlich Umweltgifte wie beispielsweise Asbest, Teerstoffe und Holzstaub gezĂ€hlt, wobei der Kontakt mit diesen in vielen FĂ€llen durch den beruflichen Bereich hervorgerufen wird. Damit lĂ€sst sich der Kehlkopfkrebs je nach Ursache auch zu den Berufskrankheiten zĂ€hlen.

Kehlkopfkrebs Symptome

Der Kehlkopfkrebs kann in verschiedenen Formen auftauchen, wobei die Symptome je nach Form der Erkrankung unterschiedlich ausfallen können. Der Kehlkopfkrebs wird nach dem Ort seines Auftretens in insgesamt 4 verschiedene Formen eingeteilt, wobei es sich immer um Plattenepithelkarzinome handelt (bösartige Tumore im Bereich des Plattenepithels). Bei ĂŒber der HĂ€lfte der Kehlkopfkrebserkrankungen handelt es sich um ein Glottiskarzinom, welches im Bereich der Stimmlippen und der Hinterwand des Kehlkopfes auftritt. In vielen FĂ€llen werden hier die Symptome Heiserkeit oder auch eine Dyspnoe (Atemnot) beziehungsweise Beschwerden beim Atmen bemerkt. Durch diese recht auffĂ€lligen Symptome wird ein Glottiskarzinom in der Regel recht schnell erkannt und kann dementsprechend frĂŒhzeitig behandelt werden. Die zweithĂ€ufigste Form vom Kehlkopfkrebs ist das Supraglottische Larynxkarzinom, welches oberhalb der Stimmlippen in der NĂ€he des Kehlkopfdeckels vorkommt sowie in der NĂ€he der StimmbĂ€nder. Die Symptome treten hier hĂ€ufig recht spĂ€t auf; zu ihnen gehören ebenfalls die Heiserkeit, eine Rauheit der Stimme, Schluckbeschwerden ohne erkennbare Ursache sowie zum Teil auch ein GefĂŒhl von einem Fremdkörper im Hals. Diese Form vom Kehlkopfkrebs wird hĂ€ufig erst spĂ€t erkannt und neigt zu einer schnellen Bildung von Metastasen.

Eine sehr seltene Form vom Kehlkopfkrebs sind die Subglottischen Karzinome, welche unterhalb der Stimmlippen auftreten. Die Symptome treten vielfach erst durch das GrĂ¶ĂŸenwachstum der Tumore auf und fĂŒhren dann zu Symptomen wie beispielsweise Atemnot und zum Teil auch Heiserkeit (durch eine durch den Tumor bedingte Fixierung der Stimmlippen). Bei der letzten Form handelt es sich um das transglottische Larynxkarzinom, welches ĂŒber den gesamten Kehlkopf ausgebreitet ist. Durch die Ausbreitung sind alle Symptome der anderen Formen möglich und in vielen FĂ€llen kommt es zu Heiserkeit und Atemnot sowie ein hĂ€ufiges RĂ€uspern.

Kehlkopfkrebs Diagnose

Besteht aufgrund der Symptome ein Verdacht auf Kehlkopfkrebs, dann wird ein HNO-Facharzt zuerst einmal eine Anamnese erstellen. Bei diesem VorgesprÀch werden zuerst einmal die auftretenden Beschwerden sowie auch die möglichen Risikofaktoren (Tabakrauch, Alkohol, Belastung mit Giftstoffen) abgeklÀrt. Danach folgen verschiedene Untersuchungen, wobei in der Regel zuerst einmal eine klinische Untersuchung durch den Arzt erfolgt. Bei dieser werden mit den Augen, per Hand und zum Teil auch mit Mikroskop und weiteren Instrumenten die Mundhöhle, Rachen und Hals auf Anzeichen vom Kehlkopfkrebs untersucht. Schwellungen und VerhÀrtungen in diesem Bereich können hierdurch meist schnell erkannt werden.

Nach der klinischen Untersuchung folgt dann hĂ€ufig die Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung), welche auch ohne Symptome als FrĂŒherkennungsdiagnose bei krebsgefĂ€hrdeten Patienten eingesetzt wird. Unterschieden werden die indirekte sowie die direkte Laryngoskopie, wobei die direkte Form nur bei einem bereits erhĂ€rteten Verdacht auf Kehlkofkrebs durchgefĂŒhrt wird. Bei der indirekten Laryngoskopie wird ein gebogener Planspiegel oder das Winkelinstrument Lupenlaryngoskop durch den Mund in den Halsbereich eingefĂŒhrt und der Arzt erhĂ€lt ein gutes Bild des Kehlkopfes. Da durch diese Untersuchungsmethode ein WĂŒrgreiz hervorgerufen werden kann, wird in den meisten FĂ€llen vorher eine örtliche BetĂ€ubung durchgefĂŒhrt. Bei der direkten Laryngoskopie ist eine örtliche BetĂ€ubung nicht ausreichend, hierfĂŒr wird eine starke BetĂ€ubung oder sogar eine Narkose vor der Untersuchung notwendig. FĂŒr diese Laryngokospie wird ein spatelförmiges Instrument mit verschiedenen SpatelgrĂ¶ĂŸen (je nach der Anatomie des jeweiligen Patienten) oder auch ein Operationslaryngoskop in den Halsbereich eingefĂŒhrt. Durch diese Untersuchungsart wird ein genaues Bild ĂŒber den Kehlkopfkrebs gegeben und der Tumor kann in seiner Form, GrĂ¶ĂŸe und Beschaffenheit genau diagnostiziert werden.

WĂ€hrend der Kehlkopfspiegelung wird hĂ€ufig auch direkt eine Gewebeprobe entnommen (die so genannte Biopsie), welche dann mikroskopisch untersucht wird und weitere Ergebnisse im Hinblick auf den Kehlkopfkrebs gibt. Bei einem diagnostizierten Kehlkopfkrebs finden dann in der Regel noch weitere Untersuchungen statt, um eventuelle Metastasen und weitere Karzinome in Lunge und Speiseröhre zu erkennen. HierfĂŒr werden wahlweise weitere Spiegelungen, Ultraschalluntersuchungen, Röntgen oder eine Computertomographie ausgewĂ€hlt.

Kehlkopfkrebs Therapie / Behandlung

Die Therapie vom Kehlkopfkrebs wird wie bei fast allen Krebsarten mit einer Chemotherapie oder Strahlenbehandlung durchgefĂŒhrt. Je nach genauem Befund und Ausbreitung vom Kehlkopfkrebs wird zum Teil eine operative Entfernung vom Kehlkopf notwendig, wobei hier nicht immer der gesamte Kehlkopf entfernt werden muss. Welche Methode zur Therapie beim Kehlkopfkrebs auch immer ergriffen wird – die Zeit spielt einen entscheidenden Faktor im Bezug auf die Prognose.

Sobald die Diagnose gestellt wurde, sollte direkt mit der Therapie begonnen werden, denn so wird die Gefahr von Metastasen auf ein Minimum reduziert. Wurde der Tumor bereits im Anfangsstadium erkannt und befindet sich in einer guten Lage, dann reicht als operative Methode hĂ€ufig die Teilentfernung des Kehlkopfes. FĂŒr die so genannte partielle Laryngektomie stehen verschiedene Operationsmöglichkeiten zur VerfĂŒgung.

  1. Einerseits kann die Teilresektion in einigen FĂ€llen mittels der Lasertechnik durchgefĂŒhrt werden; bei dieser minimalinvasiven Methode bleibt der Kehlkopf hĂ€ufig funktionsfĂ€hig und fĂŒhrt damit zu einer verbesserten LebensqualitĂ€t des Patienten.
  2. Eine zweite Möglichkeit zur Teilentfernung des Kehlkopfes stellt die Schildknorpelspaltung dar, bei welcher der Halsbereich von außen geöffnet werden muss.
  3. Bei der Laryngektomie handelt es sich um die Entfernung des kompletten Kehlkopfes, welche bei einem ausgedehnten Kehlkopfkrebs notwendig wird. Unter Vollnarkose wird hier ein Einschnitt in den Hals gemacht und der gesamte Kehlkopf hierdurch vom umliegenden Gewebe abgetrennt. Diese Operationsmethode ist mit starken Konsequenzen verbunden, denn der Kehlkopf hat wichtige Funktionen fĂŒr das Sprechen sowie fĂŒr den Verschluss der Speiseröhre bei Nahrungsmittelaufnahme. Daher ist hier immer eine kĂŒnstliche Trennung von beiden notwendig, indem die Speiseröhre mit dem Schlund vernĂ€ht wird. Die Gefahr des Verschluckens von Speisen und GetrĂ€nken wird somit verhindert und die AtemtĂ€tigkeit wird durch eine Öffnung der Luftröhre am unteren Hals ermöglicht (auch als Tracheostoma bezeichnet). Durch das Tracheostoma wird die Atemluft nicht mehr ĂŒber die Nase aufgenommen und dementsprechend auch nicht mehr vorgewĂ€rmt und gefiltert. Die SchleimhĂ€ute von Luftröhre und Lunge reagieren darauf in den ersten Wochen nach der Operation mit einer vermehrten Schleimbildung – dieser Schleim wird entweder mit einem speziellen GerĂ€t regelmĂ€ĂŸig abgesaugt oder muss abgehustet werden. Sobald sich Luftröhre und Lunge an die neue Atmung gewöhnt haben, lĂ€sst die Schleimbildung wieder nach und damit wird die Atmung wieder vereinfacht.

FĂŒr den Verlust der Stimme wurden verschiedene Stimmersatzverfahren entwickelt, die ein kĂŒnstliches Sprechen ermöglichen. Mithilfe einer LogopĂ€din (Sprachtherapeutin) kann eine Speiseröhrenersatzsprache erlernt werden, welche dem Patienten jedoch eine lange Übungszeit abverlangt. Bei dieser Ersatzsprache werden die Wörter durch das RĂŒlpsen von geschluckter Luft in die Speiseröhre gebildet, daher wird sie hĂ€ufig auch als RĂŒlpssprache bezeichnet. Daneben gibt es noch elektronische Stimmprothesen, welche entweder direkt eingesetzt werden oder in Form eines handlichen GerĂ€tes zum Sprechen an den Halsbereich gehalten werden. Die Stimme aus den elektronischen GerĂ€ten ermöglicht mit ein wenig Übung zwar eine gute VerstĂ€ndigung, allerdings klingen sie immer kĂŒnstlich und unterscheiden sich deutlich von einer normalen Stimme.

Nach den operativen Verfahren erfolgt bei fortgeschrittenen Stadien vom Kehlkopfkrebs in vielen FĂ€llen eine Strahlentherapie und / oder Chemotherapie. Durch diese soll sichergestellt werden, dass eventuell nicht entfernte Krebszellen absterben und ein erneutes Tumorwachstum verhindert wird. Beide Therapieformen gehen hĂ€ufig mit einer großen Anzahl an Nebenwirkungen einher, welche wiederum im Vorfeld mit geeigneten Medikamenten gemildert werden können.

Kehlkopfkrebs Verlauf

Der Verlauf und die Prognose vom Kehlkopfkrebs hĂ€ngen wie bei den meisten anderen Krebsarten von der Form und vom Stadium der Erkrankung ab. Daneben spielt auch die VertrĂ€glichkeit der Therapiearten eine wichtige Rolle, wobei auch das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten hierfĂŒr eine wichtige Rolle spielt. Weitere Begleiterkrankungen und ein höheres Lebensalter verschlechtern die Prognose, wĂ€hrend ein guter Allgemeinzustand in einem mittleren Lebensalter einen guten Verlauf der Erkrankung begĂŒnstigt. Generell lĂ€sst sich sagen, dass ein Kehlkopfkrebs in Form eines Glottiskarzinom ohne Metastasenbildung sowie insbesondere ohne lymphogene Metastasierung (eine Ausweitung der Krebszellen auf die Lymphknoten) in den meisten FĂ€llen auf einen guten Verlauf schließen lĂ€sst, sofern die Diagnose frĂŒhzeitig gestellt wird.

Allerdings ist bei bösartigen Tumoren im Bereich des Kehlkopfes ein besonders hohes Risiko fĂŒr ein spĂ€ter folgendes Zweitkarzinom – in verschiedenen Fachwerken wird die HĂ€ufigkeit mit bis zu 20% angegeben. Daher ist auch nach einer erfolgreichen Therapie des diagnostizierten Kehlkopfkrebses eine langfristige Nachsorge erforderlich. Diese intensive Nachsorge sollte bis zu einem Zeitraum von 5 Jahren durchgefĂŒhrt werden, denn erst ab dann spricht man von einer tatsĂ€chlichen Heilung des Kehlkopfkrebses. Durch das VernachlĂ€ssigen der Vorsorgeuntersuchungen und ein langes Übersehen der auftretenden Symptome fĂ€llt die Prognose vom Kehlkopfkrebs sehr schlecht aus. In diesen FĂ€llen endet der Verlauf vom Kehlkopfkrebs meistens mit dem Tod.

Kehlkopfkrebs Vorbeugen

Mit einer gesunden Lebensweise und einem Vermeiden der auslösenden Risikofaktoren des Kehlkopfkrebses lĂ€sst sich diesem gut vorbeugen, allerdings ist wie bei allen Krebserkrankungen auch hier keine hundertprozentige Garantie gegeben. Zur Vorbeugung sollte dementsprechend mit dem Rauchen aufgehört werden beziehungsweise im besten Fall gar nicht erst begonnen werden, da dieses der Hauptrisikofaktor fĂŒr den Kehlkopfkrebs darstellt.

Ebenso sollte der Alkoholkonsum auf ein Minimum reduziert werden, wobei dieser in Verbindung mit dem Tabakrauch das Risiko noch einmal deutlich erhöht. Eine weitere Vorbeugungsmaßnahme ist die Vermeidung von einem direkten Kontakt mit Umweltgiften – bei der Arbeit mit Teerstoffen, Asbest oder Holzstaub sollte daher unbedingt eine Atemschutzmaske getragen werden, welche der entsprechenden Norm entspricht. Diese sollte auch bei Renovierungsarbeiten bei Ă€lteren HĂ€usern auf keinen Fall fehlen, da sich hier hĂ€ufig verschiedene Giftstoffe verstecken und bei den Arbeiten freigesetzt werden.

Durch eine gesunde ErnĂ€hrungsweise mit ausreichend Obst und GemĂŒse lĂ€sst sich auch eine gewisse Vorbeugung erreichen, da in diesen SekundĂ€re Pflanzenstoffe enthalten sind, welche zum Teil eine prĂ€ventive Funktion im Kampf gegen Krebs haben.