Koronare Herzkrankheit

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist in ihren akuten Erscheinungsformen, beispielsweise dem plötzlichen Herztod oder einem Herzinfarkt, die häufigste Todesursache in industrialisierten Ländern. Der Begriff ist vom griechischen „korona“ – Krone – abgeleitet. Daneben wird sie auch als Ischämische Herzkrankheit (IHK) bezeichnet. Die medizinische Erforschung und Beschreibung der KHK begann 1749 mit den Arteriosklerose-Studien des französischen Arztes Jean-Baptiste Sénac. In den meisten Fällen wird die Koronare Herzkrankheit durch Arteriosklerose, also die umgangssprachliche „Arterienverkalkung“, ausgelöst. Dabei verengen und versteifen sich die Gefäße durch Kalkablagerungen an ihren Wänden. Die Folge besteht in der sogenannten Koronarinsuffizienz oder Ischämie – der verminderten Durchblutung und damit unzureichenden Sauerstoffversorgung der Muskulatur des Herzens.

Eine KHK ist eine chronische Erkrankung, deren Fortschreiten sich über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinzieht. Einmal aufgetreten, ist sie nicht mehr heilbar, kann jedoch durch die Ausschaltung von Risikofaktoren in der Lebensweise, medikamentöse Therapien oder einen operativen Eingriff gut in den Griff bekommen werden. Im Jahr 2005 waren in Deutschland über 17 Prozent aller Todesfälle durch die Folge einer koronaren Herzkrankheit bedingt. Die Häufigkeit von klinisch manifesten Neuerkrankungen beträgt jährlich rund 0,6 % über alle Altersgruppen, ältere Menschen deutlich häufiger betroffen. In rund 50 Prozent der klinisch manifesten Fälle wird die Krankheit durch einen akuten Herzinfarkt und bei zehn Prozent nur durch den plötzlichen Herztod der Betroffenen entdeckt.

Ursachen der Koronaren Herzkrankheit

Koronare Herzkrankheit SymptomeArteriosklerose ist die häufigste systemische Erkrankung der Arterien. In der Krankheitsklassifikation der WHO wird sie als eine „variable Kombination“ von Veränderungen der Arterien-Innenwände (Intima), beschrieben, die mit herdförmigen Ablagerungen von Fetten, komplexen Kohlenhydraten, Kalzium und Bindegewebe einhergeht. Die Gefäßwände (Media) verlieren dadurch ihre Elastizität, außerdem wird der Querschnitt der Arterien durch Verdickungen der Wände sowie sekundäre Thrombosen verengt. Die meisten Risikofaktoren für Arteriosklerose und die Koronare Herzkrankheit können präventiv sowie bei einer bereits bestehenden KHK durch die Patienten gut beeinflusst werden.

Zu den Hauptrisiken gehören Rauchen, ein erhöhter Cholesterin-Spiegel, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel. Diese Faktoren entfalten zusammen genommen Synergien, die das Krankheitsrisiko weiter steigern. Bei einem Teil der Patienten findet sich auch eine genetische Disposition für Arteriosklerose/KHK. Als nicht Arteriosklerose-abhänge Verursacher der KHK kommen außerdem Thrombosen, Embolien, Gefäßentzündungen oder eine Kompression der Koronar-Arterien durch Vergiftungen und Tumore in Frage. In seltenen Fällen führt eine durch andere Erkrankungen bedingte Verminderung des Sauerstoffgehaltes des Blutes oder eine Veränderung der Blutviskosität – beispielsweise bei Leukämie – zur Entwicklung einer KHK.

Koronare Herzkrankheit Symptome

Das Leitsymptom einer Koronaren Herzkrankheit ist die Angina Pectoris (AP). Dabei handelt es sich um einen dumpfen, einschnürenden und häufig brennenden Druckschmerz hinter dem Brustbein, der von den Patienten oft als „Enge in der Brust“ beschrieben wird. Typisch für Angina Pectoris ist außerdem die Ausstrahlung der Schmerzen in den linken oder auch beide Arme. Auch ein atypischer Charakter der Symptome ist möglich – sie weisen dann einen anderen Schmerzcharakter und eine andere Lokalisierung auf, die Ausstrahlung fehlt gänzlich oder manifestiert sich in Oberbauch, Hals, Unterkiefer oder Rücken.

Der Mechanismus der Schmerzentstehung bei KHK ist bisher nicht hinreichend erforscht. Neben den typischen Angina-Pectoris-Symptomen treten bei KHK häufig Atemnot, eine Erhöhung der Herzfrequenz (Tachykardie), Blässe, vermehrte Schweißproduktion oder Todesangst auf. Bei rund zwei Prozent der Betroffenen, darunter vielen Diabetikern und älteren Patienten, verläuft die Koronare Herzkrankheit symptomlos – bei einer solchen latenten KHK werden sogar Herzinfarkte und andere akute Manifestationen der Erkrankung oft nicht oder zu spät bemerkt. Bei einer stabilen Angina Pectoris leiden die Patienten unter sich wiederholenden AP-Anfällen. Ihre Ursache besteht darin, dass der Herzmuskel mehr Blut/Sauerstoff benötigt, dessen Transport die sklerotisch veränderten Koronar-Arterien nicht bewältigen können. Neben körperlichen Belastungen lösen auch Kälte, psychische Erregung oder reichliche Mahlzeiten die AP-Attacken aus. Daneben gibt es die sogenannte „Walk-Through“-AP, bei der sich die Beschwerden bei länger dauernder Belastung wieder bessern.

Die stabile Angina Pectoris ist typisch für eine chronische Koronare Herzkrankheit. Anhand der Klassifizierung der Canadian Cardiovascular Society (CCS) wird sie in vier verschiedene Stadien eingeteilt, die den Grad der körperlichen Aktivität beschreiben, die den AP-Anfall auslöst. Als instabile Angina Pectoris wird jedes erstmalige Auftreten von AP-Symptomen im Rahmen eines akuten Koronar-Syndroms gewertet. Außerdem gehören dazu AP-Beschwerden, die in Ruhe auftreten oder sich in ihrer Stärke, Häufigkeit und Dauer steigern.

Koronare Herzkrankheit Diagnose

Die Verdachtsdiagnose der KHK wird meist bereits nach einer ausführlichen Anamnese anhand des Vorliegens von AP-Symptomen erhoben. Hierzu gehört auch eine ausführliche Familienanamnese, da einem gehäuften familiären Vorkommen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft eine genetische Disposition zugrunde liegt. Auch frühere Schlaganfälle oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit lassen auf ein erhöhtes KHK-Risiko schließen. Die körperliche Untersuchung liefert nur selten charakteristische Befunde für die Koronare Herzkrankheit. Neben dem Erhärten der Verdachtsdiagnose dient sie vor allem dem Auffinden von weiteren Risikofaktoren und Begleiterkrankungen. Mögliche Befunde ergeben sich aus der Blutdruckmessung, Cholesterin-bedingten Fetteinlagerungen in der Haut, Hinweisen auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörungen der Extremitäten), Atemgeräuschen oder Stauungen der Halsvene.

Unterschenkelgeschwüre und/oder die Tastbarkeit der Leber weisen auf eine bisher nicht entdeckte Zuckerkrankheit hin. Eine Augenhintergrundspiegelung kann Aufschluss geben, ob ein erhöhter Blutdruck schon längere Zeit besteht. In der Laboruntersuchung werden ein kleines Blutbild sowie Blutzuckerspiegel und Fettstoffwechsel-Parameter bestimmt. Bei einer instabilen Angina Pectoris wird zur Infarkt-Diagnose der Spiegel verschiedener Herz-Enzyme untersucht. Daneben wird durch ein Elektro-Kardiogramm die elektrische Aktivität der Herzmuskulatur gemessen. Das Ruhe-EGK dient zur Basisdiagnostik, etwa zum Nachweis eines früheren Herzinfarkts oder von Herzrhythmusstörungen. Ein Belastungs- oder Langzeit-EKG wird zur Sicherung der Diagnose abhängig vom individuellen Krankheitsbild durchgeführt. Ultraschalluntersuchungen des Herzens (Echokardiographie) zeigen Wandbewegungsstörungen, Narben nach einem überstandenen Infarkt sowie diverse andere Schädigungen des Herzens. Aufschluss über das Ausmaß der Arteriosklerose gibt eine Dopplersonografie, die meist an den Halsschlagadern vorgenommen wird. Im Rahmen der sogenannten Risiko-Stratifizierung aus den verschiedenen Befunden wird dann die Diagnose „Koronare Herzkrankheit“ gesichert oder das weitere diagnostische Vorgehen bestimmt. Bei unklaren Befunden können weitere Untersuchungsverfahren wie Stress-Echokardiografie, Myokardszintigrafie, Koronarangiografie oder die noch relativ neue Magnetresonanztomografie des Herzens (Cardio-MRT) zum Einsatz kommen.

Koronare Herzkrankheit Therapie

Eine Koronare Herzkrankheit der kleinen Gefäße wird bisher nur durch Medikamente therapiert. Große Gefäße können mittels einer Bypass-Operation oder der Aufdehnung durch einen Ballonkatheter auch invasiv behandelt werden. Letztere wird – gegebenenfalls zusammen mit der Implantierung eines Stents – oft zeitgleich mit dem diagnostischen Verfahren der Koronarangiografie vorgenommen. Für die medikamentöse Behandlung der KHK kommen vor allem Nitrate, Beta-Blocker sowie Kalzium-Antagonisten zum Einsatz. Nitrate vermindern den Gefäßwiderstand und senken damit den Sauerstoffverbrauch der Herzmuskulatur. Zur symptomatischen Behandlung einer akuten AP-Attacke kommen kurzwirksame Nitrate sublingual („unter der Zunge“) oder als subkutane Injektion zum Einsatz, ihre Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein. Daneben gibt es Dauertherapien mit langwirksamen Nitraten. Bei Nitrat-Unverträglichkeiten kann alternativ das Medikament Trapidil verwendet werden.

Beta-Blocker senken die Herzfrequenz im Ruhe- und Belastungszustand sowie die Kontraktionskraft der Herzmuskulatur, wodurch der arterielle Blutdruck und der Sauerstoffbedarf des Herzens sinken. Außerdem senken Beta-Blocker das Risiko von akuten kardiovaskulären Ereignissen wie Infarkten. Bei einer stabilen Angina Pectoris sind sie das Medikament der ersten Wahl.
Kalzium-Antagonisten senken den Sauerstoffverbrauch des Herzens durch Verminderung des Kalzium-Einstroms in die Muskelzellen.

Koronare Herzkrankheit Verlauf

Die Koronare Herzkrankheit macht sich im Anfangsstadium meist nur bei stärkeren körperlichen Belastungen bemerkbar. Bei fortschreitender Erkrankung sinkt die körperliche und auch seelische Belastungsgrenze – in späten Stadien der KHK treten die AP-Symptome schließlich bei jeder Belastung oder sogar in Ruhe auf. Die schwerwiegendste Komplikation der Krankheit ist ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt), der im Gegensatz zu einem AP-Schmerzanfall einen Teil des Herzmuskels irreversibel zerstört. Ein Herzinfarkt erfordert wegen der Gefahr von Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern eine intensivmedizinische Behandlung. 30 Prozent aller Todesfälle bei Infarkt ereignen sich jedoch vor jeder Hilfemöglichkeit. Die Prognose einer Koronaren Herzkrankheit hängt vor und nach einem überstandenen Infarkt vor allem davon ab, ob es gelingt, die individuellen Risikofaktoren für die Krankheit so weit wie möglich auszuschalten. Bei einer chronischen KHK mit negativem Verlauf stehen als lebensbedrohliche Komplikationen gefährliche Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz im Vordergrund.

Koronare Herzkrankheit Vorbeugen

Prävention oder die Eindämmung einer bestehenden KHK hängen vor allem von Veränderungen im Lebensstil der Patienten ab. Daneben kommt auch eine medikamentöse Prävention der Koronaren Herzkrankheit etwa durch blutdrucksenkende Mittel, die medikamentöse Senkung des Cholesterin- (Blutfett) Spiegels oder Vitamin-D-Gaben in Frage. Ein Diabetes Typ II muss unter Umständen durch zusätzliche Insulingaben behandelt werden.

Präventiv sind Rauchentwöhnung auf das Rauchen, eine fettarme und ballaststoffreiche Ernährung, das Abbauen von Übergewicht sowie Bewegung wichtig. Allein der Verzicht auf Tabak kann das Risiko eines Infarkts um bis zu 50 Prozent vermindern. Ein Artikel im Deutschen Ärzteblatt kam schon vor mehr als 20 Jahren zu dem Fazit, dass diese Veränderungen des Lebensstils die Wirksamkeit kombinierter medikamentöser Therapien um ein Mehrfaches überschreiten dürften.

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