Kinderlähmung

Kinderlähmung, auch Poliomyelitis, kurz Polio oder Heine-Medin-Krankheit genannt, ist eine Infektionskrankheit. Hervorgerufen von Polioviren befällt sie die muskelsteuernden Nervenzellen im Rückenmark und führt zu bleibenden Lähmungen, unter Umständen sogar zum Tod des Patienten. Die Ansteckung erfolgt in den meisten Fällen oral. Das Virus wandert über den Verdauungstrakt in den Darm, wo es sich rasch vermehrt und bald darauf die Lymphknoten befällt. Über die Blutbahn verteilen sich die Viren bis sie schließlich in das Rückenmark gelangen. Die vorrangig befallenen motorischen Nerven sind für die Steuerung der quergestreiften Muskulatur zuständig.

Das Immunsystem versucht zwar, mittels Leukozyten die Infektion zu bekämpfen, kann die Entzündung jedoch nicht aufhalten. Die Folge ist die Zerstörung der Nervenzellen, woraus vorwiegend an den Beinen ungleichmäßige Lähmungen auftreten. Im Gegensatz zu anderen Lähmungserscheinungen der Extremitäten bleibt der Tastsinn vollständig erhalten. Das Gehirn ist in vielen Fällen ebenfalls betroffen. Bei der bulbären Form können auch Atmung, Schlucken und Sprechen beeinträchtigt werden.

Die Lähmungen treten in der Regel bereits wenige Stunden nach der Infektion der Nervenbahnen auf. In Europa ist die Gefahr einer Ansteckung eher gering, bei Fernreisen jedoch relativ hoch. Eine Impfung ist in jedem Fall erforderlich, selbst wenn keine Reisen geplant sind, da das Virus auch durch Urlauber oder Immigranten eingeschleppt werden kann. Zwar wurde die Kinderlähmung durch Massenschluckimpfungen in den Industrieländern fast ausgerottet, einzelne Fälle infolge von Impflücken sind aber dennoch immer wieder möglich.

Kinderlähmung Ursachen

Kinderlaehmung SymptomeDie Kinderlähmung wird ausschließlich durch den Poliomyelitiserreger verursacht. Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen von Mensch zu Mensch, wobei die Schmierinfektion an erster Stelle steht. Eine Tröpfcheninfektion kommt seltener vor; die häufigsten Ursachen sind mit infiziertem Speichel oder Stuhl verunreinigte Hände und Gegenstände. Auch über unsauberes Wasser in Schwimmbädern, Teichen oder Seen ist eine Übertragung möglich. Das Virus verfügt über eine ausgesprochen große Ansteckungsfähigkeit, das Risiko ist also auch bei guter Hygiene nicht zu vernachlässigen.

Kinderlähmung Symptome

Anfangs ähneln die Symptome einer Kinderlähmung jenen einer Grippe. Neben Fieber treten vor allem extreme Müdigkeit, Hals-, Kopf– und Gliederschmerzen auf. Bei etwa 5 – 10 % der Fälle dringen die Erreger ins Rückenmark vor. Nach Abklingen der ersten Krankheitszeichen folgt eine beschwerdefreie Phase, die rund eine Woche andauert. Anschließend steigt das Fieber auf rund 39 °C, zu den anfänglichen Symptomen kommen jetzt auch Rücken- und Muskelschmerzen sowie Nackensteifigkeit hinzu. Diese wird durch eine aseptische Meningitis (nichteitrige Hirnhautentzündung) verursacht. Für etwa 1 % der Erkrankten folgt nun die paralytische Form der Kinderlähmung, die meist mit der sogenannten „Morgenlähmung“ beginnt.

Die schlaffen, asymmetrischen Lähmungen gehen oft mit erheblichen Schmerzen einher und betreffen vor allem die Oberschenkel-Muskulatur. Muskelschwund und Versteifungen treten ebenfalls in dieser Phase auf. Unter Umständen können auch andere Muskelgruppen betroffen sein. Wenn auch die Hirnnerven angegriffen werden, stellen sich mitunter schwere Schluck-, Atem– und Kreislaufregulationsstörungen ein. In dieser Phase ist die Sterblichkeitsrate besonders hoch.

Kinderlähmung Diagnose

Der Verdacht auf Kinderlähmung entsteht entweder durch den doppelfiebrigen Verlauf oder bei Auftreten von Lähmungen. Zur Sicherung der Diagnose müssen jedoch die Viren nachgewiesen werden. Dies geschieht, indem aus einem Rachenabstrich, einer Stuhlprobe oder aus dem Hirnwasser Kulturen angelegt und Viren herangezüchtet werden. Sollte der Erregernachweis negativ ausfallen, kann auch der Nachweis von Antikörpern im Blut des Patienten aufschlussreich sein. Eine ausführliche Differentialdiagnose ist ebenfalls erforderlich, da fieberhafte Infektionen, Meningitis und auch Lähmungserscheinungen durch verschiedenste andere Erreger ausgelöst werden können.

Kinderlähmung Therapie / Behandlung

Es existiert keine Möglichkeit, die Viren direkt zu bekämpfen. Der Erreger lässt sich weder durch antivirale Medikamente noch durch Antibiotika vernichten. Somit muss die Behandlung der Kinderlähmung ausschließlich symptomatisch erfolgen. Bettruhe, korrekte Lagerung und gewissenhafte Pflege sind besonders wichtig, auch eine der Situation angepasste Bewegungstherapie ist unbedingt erforderlich. Zur Schmerzlinderung werden sowohl entzündungshemmende Medikamente als auch Schmerzmittel eingesetzt. Ein Krankenhausaufenthalt ist zwingend erforderlich, wenn Lähmungserscheinungen auftreten. Intensivmedizinische Überwachung ist jedoch nur bei Verdacht auf eine bulbäre Verlaufsform angezeigt.

Durch Krankengymnastik kann während der Nachbehandlungsphase die Beweglichkeit oft deutlich verbessert werden; falls nötig, sind auch orthopädische Hilfsmittel angebracht.

Kinderlähmung Verlauf

Über 95 % der Erkrankungen erfolgen völlig unbemerkt, da keinerlei Symptome auftreten. In diesen Fällen bildet der Körper unbemerkt Antikörper, die Krankheit kann nicht ausbrechen. Grundsätzlich verläuft die Kinderlähmung in Phasen. Etwa 7 bis 14 Tage nach der Ansteckung treten grippeähnliche Symptome auf. Das Zentralnervensystem ist im Anfangsstadium nicht betroffen, bei ca. 75 % heilt die Krankheit bereits in dieser Phase ohne weitere Folgen aus. Wichtig ist, dass der Organismus in dieser Krankheitsphase nicht zusätzlich belastet wird. Anstrengungen, Impfungen oder kleine Eingriffe können sofort zum Ausbruch der Lähmungserscheinungen führen.

In etwa 5 – 10 % der Fälle folgt anschließend – nach einigen beschwerdefreien Tagen – die nächste Phase, die durch Hirnhautentzündung und hohes Fieber charakterisiert ist. Lähmungserscheinungen bleiben in dieser Phase aber noch aus. Oft endet die Erkrankung mit dem Abheilen der Hirnhautentzündung.

Die „klassische Kinderlähmung“ tritt nur bei einem von hundert Erkrankten auf. Die Symptome der Meningitis scheinen sich vorerst zu bessern, oft kann der Patient auch bis zu 10 Tage fieberfrei sein. Das erste Anzeichen für die paralytische Form der Kinderlähmung ist die sogenannte „Morgenlähmung“. Der scheinbar gesunde Patient weist über Nacht Lähmungserscheinungen der Extremitäten auf, auch der bulbäre Verlauf ist in diesem Stadium möglich.

Viele Symptome bilden sich binnen Jahresfrist zurück, mit Dauerschäden wie Lähmungen und Durchblutungsstörungen muss jedoch gerechnet werden. Besonders belastend ist, wenn die Gelenke dauerhaft geschädigt sind und eine Deformierung der Füße, Beine oder Wirbelsäule eintritt. Einzelne betroffene Extremitäten können auch im Längenwachstum gebremst werden.
Eine mögliche Spätfolge der Kinderlähmung ist das Post-Poliomyelitis-Syndrom, das auch noch Jahre oder Jahrzehnte nach der Primärinfektion auftreten kann. Extreme Schwäche, Muskelschwund und Schmerzen in bereits betroffenen oder auch neuen Muskelgruppen treten auf, häufig begleitet von Atem- und Schluckbeschwerden.

Kinderlähmung Vorbeugen

Die einzige Möglichkeit, der Kinderlähmung vorzubeugen, ist die prophylaktische Impfung. Bis 1998 wurden abgeschwächte Lebendkulturen per Schluckimpfung verabreicht. Um eventuellen Risiken vorzubeugen (zum Beispiel Schmierinfektionen durch wieder ausgeschiedene, noch lebensfähige Viren), wird seither ein Impfstoff mit abgetöteten Erregern injiziert.

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