Jodmangel

Jodmangel ist die in Deutschland und den meisten europäischen Ländern am häufigsten verbreitete Mangelerkrankung. Sie wird durch eine zu geringe Jodaufnahme über einen längeren Zeitraum verursacht. Die empfohlene Jodmenge beläuft sich auf täglich zweihundert Mikrogramm für Erwachsene und Jugendliche, während für Kinder einhundert bis einhundertundvierzig und für Säuglinge fünfzig bis achtzig Mikrogramm als ausreichend erachtet werden. Auf der anderen Seite haben Schwangere und Frauen während der Stillzeit mit zweihundertdreißig bis zweihundertsechzig Mikrogramm einen erhöhten täglichen Jodbedarf.

Die tägliche Jodzufuhr eines Erwachsenen beträgt jedoch im Durchschnitt nur einhundertundzwanzig Mikrogramm, so dass sich langfristig ein Jodmangel einstellt. Einwohner an der Ostsee und besonders an der Nordsee sind deutlich seltener als ihre im Binnenland lebenden Landsleute von Jodmangel betroffen. Die Ursache für die bessere Jodversorgung der Insulaner und Küstenbewohner besteht in erster Linie in der dort erfolgenden zusätzlichen Jodaufnahme über die Atemluft, zudem ist Fisch dort häufiger als im Binnenland Bestandteil des Speiseplans.

Jodmangel wird oftmals als Krankheit eingestuft, eigentlich handelt es sich bei der Unterversorgung mit Jod jedoch um eine Mangelernährung, welche ihrerseits Ursache für unterschiedliche Erkrankungen der Schilddrüse ist. Bei allen Maßnahmen gegen den Jodmangel ist zu bedenken, dass eine Überversorgung mit Jod ebenfalls zu Krankheiten führen kann, allerdings liegt die problematische Dosis bei mehr als fünfhundert Mikrogramm Jod pro Erwachsenen, so dass zwischen der Mindestaufnahme von Jod und der übermäßigen Jodversorgung ein großer Spielraum besteht.

Jodmangel Ursachen

Jodmangel SymptomeDie Hauptursache für den in Deutschland verbreiteten Jodmangel ist der geringe Jodgehalt der Böden. Pflanzen nehmen während ihres Wachstums Jod und andere Mineralstoffe aus dem Boden auf und geben diese beim Verzehr ab. Wenn die landwirtschaftlich genutzten Felder jodarm sind, enthalten auch die Pflanzen nur geringe Jodmengen. Ursächlich für den geringen Jodgehalt im Boden ist die Erdgeschichte, in deren Verlauf der Jodgehalt ausgewaschen wurde.

Zwischen den einzelnen Regionen besteht ein geringer Unterschied im Jodgehalt der landwirtschaftlich genutzten Flächen, wobei dieser in den Alpen besonders niedrig ist. Der Jodgehalt der Ackerflächen ist an der Küste zwar spürbar höher als im Binnenland, er reicht für eine ausreichende Jodversorgung der Bevölkerung durch Gemüse und andere landwirtschaftlichen Produkte jedoch nicht aus. Eine weitere Ursache für den verbreiteten Jodmangel besteht darin, dass viele Menschen nur selten Meeresfische essen. Meeresfische, Algen und Meeresfrüchte gehören zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Jodgehalt, während Süßwasserfische nicht zur Jodversorgung beitragen.

Jodmangel Symptome

Das bekannteste und auffälligste Symptom eines Jodmangels ist der Kropf. In früheren Generationen trat ein Kropf bei den Alpenbewohnern bei mehr als der Hälfte aller Einwohner auf. Der medizinische Name für den Kropf lautet Struma; er bildet sich, wenn die Schilddrüse auf einen Jodmangel mit ihrer Vergrößerung reagiert. Weitere medizinische Fachbegriffe für die Schilddrüsenvergrößerung lauten Hyperplasie und Hypertrophie, wobei Hyperplasie allgemein für die krankhafte Vergrößerung jeden Gewebes steht. Diesen Erkrankungen steht die Hyperthyreose als durch eine übermäßige Jodversorgung verursacht gegenüber, sie kann aber auch bei einer zu schnellen Behebung des Jodmangels auftreten.

Der Kropf ist nicht alleine ein kosmetisches Problem, er führt regelmäßig zu Folgeerscheinungen wie Schluckbeschwerden. Wenn die Schilddrüse nicht mit der für ihre zuverlässige Funktion erforderlichen Menge an Jod versorgt wird, kann sie die Hormone Thyroxin und Triiodthyronin nicht mehr in ausreichender Menge bilden. Besonders der Mangel an Triiodthyronin kann zu negativen Stimmungen führen und Depressionen verstärken, zudem bewirkt der Hormonmangel eine Verringerung des Fettabbaus und führt somit indirekt zu einer Gewichtszunahme.

Zu besonders schweren Folgen führt der Jodmangel bei Säuglingen und Kindern. Wenn das werdende Kind während der Schwangerschaft nicht ausreichend mit Jod versorgt wurde, treten regelmäßig schwere geistige Störungen auf. Diese reichen je nach dem Umfang der Unterversorgung mit Jod von einer Lernbehinderung bis zu schweren geistigen Behinderungen wie Kretinismus.

Des Weiteren erhöht der Jodmangel während der Schwangerschaft das Risiko für eine Fehlgeburt beträchtlich. Auch während der Wachstumsphase führt der der Jodmangel bei Kindern zu einer Verringerung der Intelligenz. Ob bei Erwachsenen der Jodmangel die Entstehung der Alzheimer-Erkrankung fördert, wird kontrovers diskutiert. Eindeutig ist jedoch, dass bereits leichter Jodmangel die geistige Leistungsfähigkeit reduziert und zu einer deutlichen Zunahme des Schlafbedürfnisses führt. Ebenso reagieren Kinder und Erwachsene bei Jodmangel übermäßig empfindlich auf Kälte und werden für Infektionen aller Art empfänglicher.

Jodmangel Diagnose

Da der menschliche Organismus nur etwa vierzig Prozent der über die Nahrung oder an der Küste auch über die Atemluft aufgenommenen Jodmenge verarbeiten kann, wird ein Großteil der Jodaufnahme ausgeschieden. Als sicheres Diagnoseinstrument für das Vorhandensein eines Jodmangels gilt die Menge der Jodausscheidung im Verhältnis zum im Urin enthaltenen Kreatinin.

Der Sollwert beläuft sich auf einhundertfünfzig Mikrogramm Jod je Gramm Kreatin im Urin, geringere Jodwerte bilden unterschiedliche Grade eines Jodmangels. Der Hausarzt sollte die Laboruntersuchung des Urins auf einen Jodmangel veranlassen, sobald für typische Symptome wie unerklärliche Müdigkeit und Leistungsabfall keine anderen sicheren Ursachen gefunden werden können.

Jodmangel Therapie / Behandlung

Ein Jodmangel lässt sich sowohl mit einer medikamentösen Therapie als auch mit einer Ernährungsumstellung wirksam bekämpfen. Besonders am Anfang der Behandlung eines Jodmangels ist eine sorgfältige Absprache zwischen dem Arzt und dem Patienten erforderlich, da eine zu schnelle Behebung der Mangelerscheinung zur unerwünschten Begleiterscheinung einer Schilddrüsenüberfunktion mit Symptomen wie Herzrasen und Schweißausbrüchen führt. Diese Nebenerscheinungen treten bei einer langsamen Verbesserung der Jodversorgung nicht auf.

Die Dosierung der Jodtabletten hängt somit zwingend davon ab, in welchem Umfang der an Jodmangel leidende Patient seine Ernährung umzustellen bereit ist. Die Gefahr einer anfänglichen Überdosierung der Jodversorgung bei akutem Jodmangel lässt sich verringern, indem der Arzt dem Patienten statt Jodtabletten die bei einer Unterversorgung mit Jod nicht in ausreichender Menge gebildet werdenden Hormone Thyroxin und Triiodthyronin verschreibt; Thyroxin wird auch als Tetraiodthyronin oder Levothyroxin bezeichnet.

Die zur Bekämpfung des Jodmangels angezeigte Ernährungsumstellung besteht im regelmäßigen Verzehr von Salzwasserfischen sowie in der Verwendung jodierten Speisesalzes. Die Einnahme von Algenpräparaten als Nahrungsergänzungsmittel ist bei Jodmangel ebenfalls sinnvoll; sie darf auf Grund der Gefahr einer Überdosierung zu Beginn der Behandlung jedoch nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Grundsätzlich stellen Algenpräparate eher eine Alternative als eine Ergänzung zu Jodtabletten dar, zumal die Meerespflanzen besonders reichhaltig an Jod sind.

Jodmangel Verlauf

Während ein bei Neugeborenen diagnostizierter Jodmangel bereits im Mutterleid verursacht wurde und bei einer Nichtbehandlung sofort zu schweren Entwicklungsstörungen des Gehirns sowie zu einem Kropf führt, verläuft die Mangelerscheinung bei Erwachsenen schleppend. Sie fühlen sich zunächst schlapp und werden schnell müde. Zusätzlich erkranken sie häufiger an Infektionserkrankungen, da der Jodmangel ihr Immunsystem schwächt. Eine Kropfbildung im Erwachsenenalter ist möglich, aber selten, da der Jodmangel zumeist recht schnell entdeckt wird. In jedem Fall bewirkt der Jodmangel eine langsam fortschreitende Vergrößerung der Schilddrüse, da diese die Mangelerscheinung durch Wachstum auszugleichen versucht.

Jodmangel Vorbeugen

Die wirksamste Vorbeugung gegen den Jodmangel ist der regelmäßige Verzehr von Salzwasserfischen sowie die Verwendung jodierten Speisesalzes. Da die Schilddrüse zur Speicherung von Jod in der Lage ist, müssen die empfohlenen Werte der Jodzufuhr im Durchschnitt, aber nicht an jedem einzelnen Tag erreicht werden. Zusätzlich hat sich die Jodversorgung in Europa verbessert, indem Tierfutter grundsätzlich jodiert wird. Diese Maßnahme hat auf Grund der Abläufe im tierischen Organismus besonders stark zu einer Verbesserung des Jodgehaltes von Milch und Eiern geführt, während sich die in Fleischprodukten enthaltene Jodmenge nur geringfügig veränderte.

Für Vegetarier und Veganer bietet sich der Verzehr von Meeresalgen an, allerdings besteht bei einer übermäßigen Nahrungsaufnahme der Meerespflanzen die Gefahr einer ebenfalls nicht wünschenswerten Überdosierung. Ratsam ist, bei gleichzeitigem Verzehr von Fisch, Milchprodukten und Eiern nicht häufiger als einmal und bei veganer Lebensweise nicht öfter als zweimal in der Woche Algen zu essen.

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