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Inkontinenz

Unter dem Begriff Inkontinenz versteht man das Unvermögen, beziehungsweise das Fehlen der FĂ€higkeit etwas zurĂŒckzuhalten. Aus medizinischer Sicht unterscheidet man verschiedene Arten von Inkontinenz. Unterschieden wird zwischen Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Milchinkontinenz und Flatulenz. Harninkontinenz bezeichnet jede Form von unfreiwilliger Urinausscheidung und damit die UnfĂ€higkeit Harn in der Blase zu speichern und freiwillig an einem selbst gewĂ€hltem Ort und Zeitpunkt zu entleeren.

Stuhlinkontinenz steht fĂŒr den Verlust der Kontrolle ĂŒber den eigenen Darmtrakt, was die unwillkĂŒrliche Exkretion zu jedwedem Zeitpunkt zur Folge hat. Unter Milchinkontinenz wird eine Störung des Milchhaltevermögens bei weiblichen SĂ€ugetieren verstanden, sodass die Milch ungehindert aus den MilchdrĂŒsen austreten kann. Die verstĂ€rkte Entwicklung von Gasen im Verdauungstrakt, wodurch es zum Austreten ĂŒber den Darmausgang kommt, wird als Flatulenz bezeichnet. Flatulenz wird hĂ€ufig als Teilerscheinung von Stuhlinkontinenz beschrieben, da bei Flatulenz durch den Gasdruck ungewollt Stuhl austreten kann, jedoch nicht zwingend muss. Stuhlinkontinenz bedeutet allerdings, dass vor allem Stuhl austritt. Die Gasentwicklung innerhalb des Verdauungstraktes kann, muss aber kein entscheidender Faktor sein.

Die beiden medizinisch relevantesten Arten, Harn- und Stuhlinkontinenz, können zusammen auftreten, treten einzeln dagegen hĂ€ufiger auf. Als nicht eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild weist Inkontinenz, gleich welcher Art, als Nebenerscheinung oder Symptom auf die Erkrankung oder Verletzung des fĂŒr die Entleerung zustĂ€ndigen Organs oder damit in Verbindung stehender Körpermechanismen und Organe oder psychische Belastung hin.

Inkontinenz Ursachen

Inkontinenz Ursachen + SymptomeDie Ursachen fĂŒr die verschiedenen Arten von Inkontinenz können vielfĂ€ltig sein. Harninkontinenz wird oft durch Polyurie ausgelöst. Polyurie bezeichnet eine krankhaft gesteigerte Ausscheidung von Urin, zumeist wesentlich mehr als 2 Liter in 24 Stunden. Polyurie ihrerseits kann verschiedenartige Ursachen haben, wie beispielsweise Diabetes, akutes Nierenversagen oder chronische Niereninsuffizienz, Medikamente in Form von Diuretika oder auch Alkohol. Weitere Ursachen sind koffeinhaltige GetrĂ€nke und verschiedene Störungen wie die Parkinson-Krankheit, Multiple Sklerose oder RĂŒckenmarksverletzungen.

Bei MĂ€nnern im Alter von ĂŒber 40 Jahren ist zudem eine vergrĂ¶ĂŸerte Prostata die hĂ€ufigste Ursache von Inkontinenz. Auch Prostatakrebs und Medikamente und Bestrahlungstherapien zu seiner Behandlung können der Grund fĂŒr Harninkontinenz sein. Stuhlinkontinenz ist die Folge von einem Ausfall mehrerer Mechanismen der Stuhlentleerung, sodass die Kompensationsmechanismen nicht mehr in der Lage sind eine ungewollte Entleerung des Verdauungstraktes zu verhindern. Die Ursachen dafĂŒr liegen in verschiedenen Bereichen, sie kann beispielsweise wegen einer Störung der Impulsverarbeitung durch einen Schlaganfall oder einen Gehirntumor oder auch eine Unterbrechung der PulsĂŒberleitung in Form einer QuerschnittslĂ€hmung auftreten. Allerdings können auch sensorische Störungen wie eine DickdarmentzĂŒndung oder muskulĂ€re Störungen wie Tumore der Grund fĂŒr das Auftreten der Inkontinenz sein. Milchinkontinenz wird hĂ€ufig durch Ă€ußere EinflĂŒsse in Form von Verletzungen ausgelöst, welche eine BeschĂ€digung des Zitzenkanals nach sich zieht.

In Folge dessen wird durch unzureichenden Verschluss des Zitzenkanals unkontrolliert Milch abgegeben. Flatulenz findet ihren Ursprung hĂ€ufig in Lebensmittelintoleranz, Milcheiweißallergie und der allgemeinen Zusammensetzung der ErnĂ€hrung, beispielsweise durch den erhöhten Verzehr von Ballaststoffen und HĂŒlsenfrĂŒchten, welche die ZuckermolekĂŒle Rhamnose und Stachyose enthalten. Diese können erst im Dickdarm verwertet werden und haben eine deutliche Steigerung der Gasproduktion zur Folge.

Inkontinenz Symptome

Alle Formen von Inkontinenz Ă€ußern sich durch die ungewollte und unkontrollierbare Entleerung der jeweiligen zustĂ€ndigen Organe in Form der entsprechenden Exkremente, Milch oder Gase. Inkontinenz ist selbst ein Symptom fĂŒr verschiedene körperliche und geistige Krankheiten, Verletzungen und Belastungen und wird daher als diagnostischer Ausgangspunkt zur KlĂ€rung der eigentlichen Ursache verwendet. Wiederholtes ungesteuertes Ausscheiden ist Anzeichen fĂŒr Inkontinenz und muss von einem Arzt untersucht werden.

Inkontinenz Diagnose

Die Feststellung einer Inkontinenz erfolgt hĂ€ufig durch einen Allgemeinmediziner oder einen auf den entsprechenden Bereich spezialisierten Arzt. Eine aufmerksame Überwachung der ZeitabstĂ€nde zwischen den Entleerungen der Organe ist von entscheidender Bedeutung, um die Art der Inkontinenz festzustellen. Die Untersuchung konzentriert sich darauf die Ursachen fĂŒr die krankhafte Ausscheidung zu finden. Die Tests, welche hauptsĂ€chlich gemacht werden sind beispielsweise Stresstests, Bluttests und Sonografie. Bei Harninkontinenz wird hĂ€ufig wird die BlasenkapazitĂ€t einem Test unterzogen, um Hinweise auf eine möglicherweise geschwĂ€chte Blasenmuskulatur zu finden.

Zudem werden meist eine Zystoskopie und eine urodynamische Untersuchung gemacht, welche sich speziell auf den Harntrakt beziehen. Auch werden Patienten oft gebeten kurze Zeit ein Tagebuch zu fĂŒhren, in dem sie die Entleerungszeiten, situationsbedingte GefĂŒhle und etwaige Schmerzen festhalten.

Stuhlinkontinenz wird in drei Schweregraden diagnostiziert:

  1. Grad: Leichte Form
  2. Grad: Mittlere Form
  3. Grad: Schwere Form

Die leichte Form wird charakterisiert durch den unkontrollierten Abgang von Luft und leichten Stuhlspuren, die mittlere Form bezeichnet den unkontrollierten Abgang von dĂŒnnflĂŒssigem Stuhl und feststellen der schweren Form bedeutet unkontrollierten Abgang von geformtem Stuhl. Zu Beginn der Diagnostik wird eine ausfĂŒhrliche Anamnese durchgefĂŒhrt, mit der unter anderem Beschwerdebeginn, Systemerkrankungen, Stuhlfrequenz und Stuhlbeschaffenheit erfasst werden. Anschließend wird die Analregion untersucht, wodurch zum Beispiel Narben, Fisteln und Irritationen festgestellt werden können. ZusĂ€tzlich werden hĂ€ufig eine proktologische Untersuchung, Darmuntersuchungen, Röntgenuntersuchungen des End- und Dickdarms und eine PrĂŒfung des Entleerungsverhaltens durchgefĂŒhrt, um die Ursache der Inkontinenz aufzuspĂŒren.

Inkontinenz Therapie / Behandlung

Die Therapiemöglichkeiten fĂŒr eine Inkontinenz sind von der diagnostizierten Ursache abhĂ€ngig und reichen von einfachen Übungen zum Muskelaufbau und Medikamenten bis hin zu Operationen, im Falle von Tumoren etwa. Der Erfolg der Therapie hĂ€ngt dabei immer von der korrekten Diagnose ab. Harninkontinenz wird hĂ€ufig mit Übungen zur StĂ€rkung der Blasenmuskulatur behandelt. Eine Reihe von Medikamenten, die sich bei der Behandlung von Harninkontinenz als wirksam herausgestellt haben, werden ebenfalls aktiv zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Dazu gehören unter anderem Fesoterodin, Tolterodin und Oxybutynin.

Auch verschiedene operative Möglichkeiten, versprechen statistisch gesehen eine hohe Erfolgsrate. Auch bei Stuhlinkontinenz werden Ursachen wie eine EntzĂŒndung des Darms meist medikamentös behandelt. Verschiedene Operationen bieten außerdem die Möglichkeit zur Straffung des Beckenbodens oder zum Einsetzen eines kĂŒnstlichen Schließmuskels.

Eine weitere Möglichkeit stellt die medikamentöse Beeinflussung der Inkontinenz dar. Mithilfe von ZĂ€pfchen und Klistieren wird AbfĂŒhrmittel verabreicht, um die Entleerung des Darmtraktes zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erzwingen. Auch Ballaststoffe wie Loperamid können eine Kontinenzsteigerung bewirken. Milchinkontinenz wird durch die Heilung der Verletzung des Zitzenkanals behandelt, was mithilfe von Salben und Wundheilmitteln geschieht, nachdem der Kanal wieder ausreichend geschlossen wurde. Die Behandlung von Flatulenz erfolgt nach Erkennen der Ursache meist durch eine ErnĂ€hrungsumstellung, beziehungsweise den Verzicht auf einige Nahrungsmittel, wie Milchprodukte bei Laktoseintoleranz. Außerdem fĂŒr die Behandlung effektiv eingesetzte Wirkstoffe sind beispielsweise Simeticon und Polydimethylsiloxan.

Inkontinenz Verlauf

Inkontinenz tritt als Begleiterscheinung und Symptom fĂŒr andere Krankheiten und physische, sowie psychische Belastungen auf. Nach eigener Feststellung und der folgenden Konsultation eines fachkundigen Mediziners wird anhand verschiedener Untersuchungen eine Diagnose erstellt, auf Grund derer eine entsprechende Therapie verschrieben wird. Je nach Ursache kann dies eine vergleichsweise kurze operative Behandlung oder eine lĂ€ngerfristige medikamentöse Therapie und physisches Training sein. Außerdem hat die Art der Inkontinenz Auswirkungen darauf, ob die Ursache geheilt werden kann und somit auch die Inkontinenz verschwindet oder sie soweit möglich beeinflusst wird, dass der Betroffene mit ihr leben kann.

Inkontinenz Vorbeugen

Um Inkontinenz und ihren vielfĂ€ltigen Ursachen vorzubeugen steht eine gesunde LebensfĂŒhrung an erster Stelle, welche durch gesunde und ausgewogene ErnĂ€hrung, sowie ausreichend Bewegung erreicht wird. Auch AktivitĂ€ten, welche die Durchblutung fördern sind sinnvoll. Prophylaktisch ist auch Beckenbodentraining, selbst in jungen Jahren, zu empfehlen, da es Harninkontinenz vorbeugt. Insbesondere fĂŒr Leute, welche beruflich viel und lange sitzen ist es zu empfehlen Inkontinenz auf diese Weise vorzubeugen.

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Dieser Artikel wurde von Marion zuletzt ĂŒberarbeitet am: 13. Oktober 2020.
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