Haarausfall

Der Haarausfall ist nicht nur eine Erkrankung, sondern auch ein vollkommen natürlicher Vorgang, da ein Teil der Haare der Kopfhaut regelmäßig ersetzt wird. In der Umgangssprache wird der Begriff Haarausfall verwendet, wenn die Anzahl der ausfallenden Haare deutlich größer als die nachwachsende Haarmenge ist und sich entsprechend lichte Stellen auf dem Kopf zeigen. Aus medizinischer Sicht liegt ein krankheitsbedingter Haarausfall bereits vor, wenn keine lichten Stellen entstehen, das Haar aber weniger dicht als normal fällt.

Die medizinische Wissenschaft teilt den Haarausfall zudem in die beiden Krankheitsbilder Effluvium, ohne sichtbare kahle oder mit vermindertem Haarwuchs versehene Stellen und Alopezie oder Alopecia, mit wahrnehmbaren kahlen Stellen, ein. Die Hypotrichose bezeichnet hingegen sichtbare Haarausfälle, bei welchen keine vollkommen kahlen Stellen vorkommen. Nicht alle Autoren unterscheiden in der medizinischen Fachliteratur zwischen der Alopecia und der Hypotrichose. Männer und Frauen sind gleichermaßen von Haarausfällen betroffen, lediglich eine spezielle Form des Haarausfalls ist weitgehend Männern vorbehalten; selbst diese Variante kommt in wenigen Fällen auch bei Frauen vor.

Dennoch gilt fehlendes Haupthaar bei Frauen häufig als Schönheitsmangel, während er bei männlichen Senioren gesellschaftlich überwiegend anerkannt ist. Viele betroffene Menschen kaschieren ausfallende Haare durch Kopfbedeckungen; solange die Symptome in geringem Umfang auftreten, lässt sich ein beginnender Haarausfall oftmals auch durch das geschickte Kämmen der verbliebenen Resthaare verbergen.

Haarausfall Ursachen

Haarausfall Ursachen + SymptomeDie Ursachen des Haarausfalls sind vielfältig und unterscheiden sich je nach der konkreten Form der Erkrankung. Besonders bei Männern tritt häufig der androgenetische Haarausfall (Alopecia androgenetica) auf, welcher erblich bedingt ist. Aus medizinischer Sicht werden die Haarfollikel im Laufe des Alterungsprozesses zunehmend gegen ein männliches Hormon überempfindlich, so dass die Kopfhaare ausfallen. Es handelt sich um das Hormon Dihydrotestosteron (DHT), eine Stufe des Testoterons.

Wenn diese Form des genetisch bedingten Haarausfalls bereits bei jungen Männern auftritt, wird die Erkrankung auch als Alopecia praematura bezeichnet, während sie bei Senioren auch als Alopecia senilis diagnostiziert werden kann. Bei Frauen tritt der hormonell bedingte Haarausfall fast nur als Folge einer hormonellen Behandlung unterschiedlicher Tumore wie Brustkrebs auf. Die bei beiden Geschlechtern gleichermaßen auftretende Variante des Haarausfalls ist die Alopecia areata.

Hierbei handelt es sich um eine Störung des Immunsystems, welches gegen die versehentlich als fremd wahrgenommenen eigenen Haare richtet. Diese Erkrankung wird auch als kreisrunder Haarausfall bezeichnet, da sich vorwiegend kreisartige lichte Stellen auf der Kopfhaut bilden. Bei der Sonderform Alopecia areata atropicans bilden sich statt einer größeren mehrere kleinere lichte Stellen, welche zudem deutliche Rötungen zeigen. Von dieser Variante des Haarausfalls sind fast nur Frauen betroffen, die meisten Mediziner vermuten eine starke psychologische Belastung als Auslöser für die Erkrankung.

Der diffuse Haarausfall ist durch das Ausfallen von Haaren aus allen Bereichen der Kopfhaut gekennzeichnet und trifft Frauen deutlich häufiger als Männer. Als Ursachen für den diffusen Haarausfall gelten vorwiegend Hormonschwankungen sowie eine durch Jodmangel gestörte Schilddrüsenfunktion und der Eisenmangel. Einige seltener auftretende Formen des Haarausfalls sind die Alopecia mechanis, zu deren Ursachen häufiges Haareraufen ebenso wie das Tragen von Lasten auf dem Kopf gehört, und die durch Muzinose oder Syphilis ausgelösten Haarausfälle.

Haarausfall Symptome

Das zentrale Symptom des Haarausfalls besteht darin, dass die Anzahl der Haare auf der Kopfhaut abnimmt, so dass sich bei den meisten Formen der Erkrankung kahle Stellen bilden. Eine Ausnahme von der Sichtbarkeit des krankheitsbedingten Haarausfalls ist das Effluvium, da bei dieser Erscheinungsform betroffenen Patienten zwar mehr Haare als üblich ausfallen, der verstärkte Haarausfall aber nicht direkt sichtbar wird.

Bei der Haarausfall-Erkrankung Alopecia areata lassen sich auf der Kopfhaut zumeist kreisrunde Haarlücken entdecken. Bei der Variante Alopecia areata atropicans bilden sich zusätzlich zu mehreren kleineren lichten Stellen Rötungen. Zusätzliche Symptome der Alopecia areata sind häufig brüchige Fingernägel und ein sich verschlechterndes Allgemeinbefinden. In einzelnen Fällen geht der Haarausfall von der Kopfhaut auf weitere Körperteile über, der Verlust der gesamten Körperbehaarung wird als Alocepia totalis bezeichnet, als deren Symptom wiederum der Haarausfall an allen behaarten Körperstellen gilt.

Haarausfall Diagnose

Die erste Diagnose eines Haarausfalls erfolgt durch eine Sichtkontrolle, da sich die Erkrankung in fehlenden Kopfhaaren manifestiert. Diagnostisch wichtig ist die Überprüfung, welche Form eines Haarausfalls vorliegt. Auch für diese Feststellung ist die Sichtkontrolle am wichtigsten, da die meisten Haarausfall-Varianten sich durch unterschiedliche Bildungen der Kahlstellen unterscheiden.

Für die Absicherung der Diagnose des kreisrunden Haarausfalls Alopecia areata stehen zwei ergänzende Diagnoseverfahren zur Verfügung: Bei der Kopfhautbiopsie untersucht der Arzt die Kopfhaut des Patienten nach Anzeichen für eine Entzündung, während das Trichogramm Auskunft über dessen gesamten Haarwurzelstatus gibt. Damit der Arzt ein Trichogramm erstellen kann, entnimmt er dem Patienten mindestens fünfzig Haare und untersucht diese auf Anzeichen für eine vorliegende Entzündung.

Der androgenetisch verursachte Haarausfall lässt sich durch die Überprüfung des Hormonstatus bestätigen, während eine Alopecia mechanis angenommen werden kann, wenn sich keine hormonelle oder entzündliche Ursache für den Haarausfall findet und das Gespräch mit dem Patienten zugleich auf eine abnormale Belastung der Haare hinweist.

Haarausfall Therapie / Behandlung

Die Therapie des Haarausfalls unterscheidet sich je nach dem konkreten Krankheitsbild deutlich. Der androgenetisch bedingte Haarausfall lässt sich durch eine hormonelle Behandlungsform lindern, am wirksamsten ist das Hormon Prostaglandin F2. Besonders bei jungen Männern verschreiben Ärzte auch unterschiedliche Mittel, welche das Hormon DHT im Körper verringern. Da die Alopecia areata durch ein übereifriges Immunsystem verursacht wird, lässt sich der kreisrunde Haarausfall wirksam durch die Einnahme von Mitteln zur teilweisen Unterdrückung der Immunreaktion bekämpfen.

Neben der Einnahme allgemein wirkender Immunsuppressiva wenden viele Kliniken eine topische Immuntherapie an, wobei sie unterschiedliche Substanzen direkt auf die Kopfhaut auftragen. Auf die früher angewandte Strahlentherapie wird heute auf Grund ihrer starken Nebenwirkungen verzichtet. Jede Form des Haarausfalls lässt sich durch das Verpflanzen von Haarwurzeln beheben, allerdings schlägt diese Form der Behandlung nicht bei allen Patienten gleichermaßen an. Einige Patienten schwören auf die Wirksamkeit von Haarwuchsmitteln, diese lässt sich in vielen Fällen tatsächlich beobachten.

Die Behandlung der Alopecia senilis mittels einer Haarverpflanzung ist grundsätzlich möglich, andererseits ist der Haarausfall im Alter bei Männern ein normaler biologischer Prozess, so dass die Notwendigkeit einer Therapie nicht zwingend besteht. Keine besondere Behandlung ist erforderlich, wenn der Haarausfall als Nebenerscheinung einer Tumortherapie auftritt, da die Haare in diesem Fall nach dem Ende der Behandlung wieder nachwachsen.

Haarausfall Verlauf

Am Anfang eines androgenetisch und altersbedingten Haarausfalls beobachten Betroffene, dass täglich mehr Haare im Kamm oder in der Bürste hängenbleiben. Der tägliche Haarausfall nimmt weiter zu, bis dass sich die ersten kahlen Stellen auf dem Kopf zeigen; bei der Alopecia senilis führt der zunehmende Haarausfall häufig zu einem vollständigen Verlust aller Haupthaare und somit zu einer Glatze.

Der durch eine Fehlreaktion des Immunsystems verursachte entzündliche und kreisrunde Haarausfall zeigt sich durch die Bildung runder Stellen in Kreisform. Dieser Haarausfall bildet sich zurück, wenn die Entzündung geheilt wird und sich das Immunsystem nicht mehr gegen die eigenen Haarwurzeln richtet. Bei der Alopecia areata atropicans bilden sich kleine haarlose Stellen auf der Kopfhaut, welche im Laufe der Erkrankung zunehmend erröten. In diesem Fall wachsen ausgefallene Haare nicht nach.

Haarausfall Vorbeugen

Eine sichere Vorbeugung gegen den Haarausfall ist nur gegen die Erscheinungsform Alopecia mechanis möglich, da diese durch eine Überbelastung der Haare ausgelöst wird. Der Verzicht auf das Raufen der Haare wirkt dieser stressbedingten Haarausfall-Variante wirkungsvoll vor.

Der durch eine Fehlfunktion des Immunsystems hervorgerufene kreisrunde Haarausfall lässt sich wie andere Autoimmunerkrankungen zumeist vermeiden, wenn das Immunsystem im Kindesalter hinreichend gefordert wird. Eine Vorbeugung gegen den altersbedingten Haarausfall ist nicht möglich.

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