Gastroösophageale Refluxkrankheit

Gastroösophageale Refluxkrankheit bedeutet: Ein den Magen, griechisch „gaster“ und die Speiseröhre, lateinisch „oesophagus“, betreffender, krankhafter Rückfluss, lateinisch „reflux“. Ausgehend von der englischen Definition „Gastroesophageal Reflux Disease“ sprechen Mediziner kurz von GERD. Sie liegt vor, wenn saurer Magensaft in krankhaft erhöhter Menge in die Speiseröhre mehrmals am Tag zurück fließt, sodass ein Risiko für organische Komplikationen besteht und/oder die Lebensqualität der Betroffenen deutlich gemindert ist. Durch den vermehrten und verlängerten Kontakt der Speiseröhrenschleimhaut mit saurem Magensaft, wird diese geschädigt.

Liegt eine Schädigung ohne Entzündung vor, so handelt es sich um eine NERD, „Non-Erosive Reflux Disease“. Kommt es auf Grund des Rückflusses zu einer Ösophagitis, also einer Speiseröhrenschleimhautentzündung, wird eine ERD, „Erosive Reflux Disease“ diagnostiziert. Ist die Speiseröhrenschleimhaut infolge chronischer Entzündungen verändert, dann leiden die Betroffenen an dem sogenannten Barrett-Syndrom. Das Barrett-Syndrom gilt als Vorstufe für Speiseröhrenkrebs. Hat eine gastroösophageale Refluxkrankheit Auswirkungen auf die Atemwege, so sprechen Mediziner von extraösophagealen Manifestationen.

Im engeren Sinne sind das Barrett-Syndrom und eine extraösophageale Manifestation bereits Komplikationen einer gastroösophaealen Refluxkrankheit. Etwa 10% der Bevölkerung westlicher Industrieländer leiden an einer GERD. Die Häufigkeit der Erkrankung hat erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen: Hoher Kostenaufwand für die Krankenversicherungen für Diagnose und Behandlung. Arbeitgeber müssen erhöhte Arbeits- und Produktivitätsausfälle der GERD-Patienten kompensieren.

Ursachen der Gastroösophagealen Refluxkrankheit

Gastrooesophageale Refluxkrankheit Symptome / UrsachenAm unteren Ende der Speiseröhre befindet sich ein Schließmuskel, der Ösaphagussphinkter. Ist dieser angespannt, ist ein Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre nicht möglich. Nur beim Schlucken und zum Aufstoßen verschluckter Luft erschlafft der Muskel kurzfristig. Bei GERD-Patienten erschlafft der Ösaphagussphinkter meist länger und öfter. Die Ursache dafür ist bisher nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird ein Zwerchfellbruch, eine Hiatushernie. Das Zwerchfell befindet sich unterhalb der Speiseröhre und oberhalb des Magens. Bei einem Zwerchfellbruch kann der Magen teilweise in den Brustraum rutschen, was die Abdichtung zwischen Magen und Speiseröhre beeinträchtigen kann.

Welche Rolle ein Zwerchfellbruch tatsächlich spielt, ist unklar, da zwar bei fast allen GERD-Patienten einen Zwerchfellbruch nachweisbar ist, auf der anderen Seite aber nur bei wenigen Menschen mit einem Zwerchfellbruch auch gastroösophageale Refluxkrankheit vorliegt. Sicher ist, dass die Ausprägung einer Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut davon abhängig ist, wie lange die Schleimhaut mit dem sauren Magensaft Kontakt hat. Im Normalfall sorgt die Peristaltik – auf Deutsch die Eigenbewegung – der Speiseröhre für den Transport der Speisen in Richtung Magen. Dieser selbstreinigende Effekt schützt die Schleimhaut.

Eine herabgesetzte Peristaltik verlängert die Kontaktzeit zwischen Schleimhaut und saurem Magensaft. Scharfe Gewürze und fetthaltige Nahrung senken die Peristaltik ebenso wie Kaffee, Nikotin und Alkohol. Da die Eigenbewegung der Speiseröhre auch hormonell gesteuert wird, kann eine Schwangerschaft die Peristaltik beeinflussen. Zudem kann bei Schwangeren das Kind gegen den Schließmuskel drücken und seine Funktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Die Einnahme von bestimmten medikamentösen Wirkstoffen wie zum Beispiel Nitraten und Acetylsalicylsäure gilt ebenso als Risikofaktor für eine gastroösophageale Refluxkrankheit wie Diabetes mellitus, systemische Sklerose oder Übergewicht. Säuglinge haben während der ersten Lebensmonate häufig einen Reflux. Die Steuerung des Schließmuskels muss erst noch völlig ausgebildet werden. Sobald der Ösophagussphinkter voll funktionsfähig ist, verschwindet der Reflux. Untersuchungen haben ergeben, dass das Risiko für eine dauerhafte gastroösophageale Refluxkrankheit steigt, wenn die Mutter raucht oder/und bestimmte Medikamente nimmt.

Gastroösophageale Refluxkrankheit Symptome

Der Ausprägungsgrad der bei einer GERD auftretenden Symptome lässt nicht zwangsläufig einen Rückschluss auf die Schwere der Schleimhautschädigung zu. So können trotz starker Beschwerden die Schleimhautbefunde durchaus unauffällig sein. Das primäre Symptom einer Refluxkrankheit ist Sodbrennen. Dazu können mehr oder weniger ausgeprägte Schmerzen hinter dem Brustbein kommen. Beide Symptome verstärken sich nach voluminösen Mahlzeiten, beim Bücken oder im Liegen. Besonders nachts kann der saure Magensaft bis in die Mundhöhle zurückfließen.

Schmerzen im Oberbauch treten häufig auf, sind allerdings nicht nur für eine GERD symptomatisch. GERD-Patienten klagen über häufige Regurgitation, auch Aufstoßen genannt. Es kann, muss aber nicht, saurer aufgestoßen werden. Säuglinge und Kleinkinder spucken viel und manchmal kommt es kurz nach großen Mahlzeiten zu Erbrechen. Gelangt saurer Magensaft in die Atemwege, kommt es zu starkem Reizhusten, der bis zur Atemnot führen kann. Schluckbeschwerden bei festem Essen sind symptomatisch für eine fortgeschrittene Ösophagitis.

Gastroösophageale Refluxkrankheit Diagnose

Manchmal kann schon ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt zu der Diagnose einer möglichen Refluxkrankheit führen. Häufig erfolgt die Diagnose einer GERD endoskopisch durch eine Ösophagoskopie, im Volksmund unter „Schlauchschlucken“ bekannt. Mit ihrer Hilfe können Schleimhautveränderung erkannt und ihr Schweregrad bestimmt werden. Zur Differenzierung der Diagnose können durch eine Sonografie entzündliche Veränderungen der Schleimhaut oder durch eine Szintigrafie die Stärke des Rückflusses und die vorhandene Selbstreinigungsfähigkeit der Speiseröhre festgestellt werden.

Eine Biopsie, also eine Gewebeentnahme, wird bei Verdacht auf ein Barrett-Syndrom eingesetzt. Verengungen und Geschwüre können durch eine Röntgenuntersuchung unter Einsatz eines Kontrastmittels diagnostiziert werden. Die 24-Stunden-pH-Wert-Untersuchung gibt Auskunft über die Stärke des Rückflusses im Tagesverlauf. Mit Hilfe einer Manografie kann festgestellt werden, wie kräftig der Ösophagussphinkter ist. Auf Grund der Untersuchungsergebnisse kann die gastroösophaeale Refluxkrankheit entsprechend z.B. der Savary-Miller-Klassifikation, der MUSE-Klassifikation oder der Los Angeles-Klassifikation genauer eingegrenzt werden.

Gastroösophageale Refluxkrankheit Therapie

Primär sollte die Ernährung dahingehend umgestellt werden, dass auf Schokolade, scharfe Gewürze, Kaffee und Alkohol verzichtet wird. Auch rauchen sollte ein GERD-Patient nicht mehr. Lebensmittel mit hohem Fettgehalt sollten gegen fettarme Lebensmittel ausgetauscht und bei der Zubereitung des Essens ist Fett mit Bedacht eingesetzt werden. Statt drei großer Portionen ist es besser täglich mehrere kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen, wobei die letzte Mahlzeit etwa drei Stunden vor der Schlafphase eingenommen werden sollte.

Eine Reduzierung vorhandenen Übergewichts kann ebenso zur Linderung der Beschwerden führen wie das Hochstellen des Bettkopfendes, da dadurch der Rückfluss erschwert wird. Zusätzlich werden Medikamente zeitweise und/oder dauerhaft zur Behandlung verordnet. Zum einen können Wirkstoffe gewählt werden, die die Peristaltik der Speiseröhre anregen. Dadurch wird die Selbstreinigung gefördert und die Kontaktdauer zwischen saurem Magensaft und der Speiseröhrenschleimhaut reduziert.

Sogenannte Antihistaminika und Protonenpumpenhemmer verringern die Bildung von Magensäure. Der Säuregehalt des Magensaftes wird so geringer und damit auch seine schädigende Wirkung für die Speiseröhrenschleimhaut. Der Einsatz von Medikamenten, die bereits vorhandene Magensäure neutralisiere ist dagegen wenig hilfreich, da ihre längerfristige Einnahme dazu führt, dass der Körper seine Magensäureproduktion steigert. Operative Eingriffe haben als Zielsetzung die Beweglichkeit der Speiseröhre zu unterstützen und/oder die Funktion des Ösophagussphinkter zu verbessern. Sie werden zur Therapie immer dann eingesetzt, wenn die Schleimhaut auf Grund häufiger Entzündungen vernarbt und verengt ist. Obwohl derartige Operationen unbestritten erfolgreich sind, werden sie auf Grund ihres hohen Komplikationsrisikos nur selten zur Behandlung einer Refluxkrankheit eingesetzt.

Gastroösophageale Refluxkrankheit Verlauf

Bei über 95% aller GERD-Patienten ist der Verlauf ohne Behandlung gleichbleibend. Das heißt, es tritt über die Jahre weder eine Verschlechterung ein, noch verschwinden die Symptome dauerhaft und völlig. Bei etwa 60% der Betroffenen liegt keine Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut vor, so dass mit Komplikationen nicht zu rechnen ist. Dennoch bedeuten die auftretenden Beschwerden für die Patienten erhebliche Einschränkungen im Wohlbefinden und damit eine Minderung der Lebensqualität. Die Symptome können phasenweise sehr stark oder sehr schwach auftreten.

Gastroösophageale Refluxkrankheit Vorbeugen

Da Ursachen für die Entstehung einer GERD nicht genau bekannt sind, kann einer Entstehung nicht vorgebeugt werden. Allerdings kann jeder GERD-Patient der Ausprägung der Beschwerden vorbeugend entgegen wirken. Anzustreben sind Normalgewicht, Alkohol- und Nikotinverzicht. Üppige, fettreiche Mahlzeiten insbesondere kurz vor der Nachtruhe verstärken die unangenehmen Symptome. In beschwerdearmen und/oder beschwerdefreien Phasen sollte die Behandlung dennoch konsequent fortgesetzt werden, um Rückfällen vorzubeugen. Schwangere sollten nicht rauchen, um das Risiko einer GERD ihres Kindes zu verringern.

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