Enzephalitis

Als Enzephalitis wird eine Entzündung des Hirngewebes bezeichnet. Der Begriff Enzephalitis leitet sich aus dem griechischen Begriff „Enzephalon“ ab, der übersetzt Gehirn bedeutet und der Endung „-itis“, die eine Entzündung bezeichnet. Das Gehirn besteht aus weißer und grauer Substanz. Die weiße Substanz stellt die Verbindungen der Nervenzellen untereinander dar. Die Nervenzellkörper selbst nennt man graue Substanz. Je nachdem in welcher Region sich die Entzündung befindet, unterscheidet man die Polioenzephalitis für die Region der grauen Substanz und die Leukenzephalitis für die Region der Weißen Substanz. Ist das gesamte Gehirn betroffen, spricht man von Panenzephalitis. Oft sind auch die Hirnhäute oder das Rückenmark mitbetroffen. Dann spricht man von Meningoenzephalitis beziehungsweise Enzephalomyelitis.

Meist ist die Erkrankung infektiös bedingt und wird durch einen Befall mit Viren, Protozoen, Pilzen oder selten Bakterien ausgelöst. Obwohl das Gehirn durch eine feste Knochenhülle geschützt ist, gelingt es manchen Erreger, diesen Schutz zu durchbrechen und bis in die Hirnzellen vorzudringen. Das Immunsystem des Menschen reagiert sofort mit einer Entzündungsreaktion, die häufig schlimme Folgen haben kann. Nicht selten enden Entzündungen des Gehirns tödlich. Dabei kann es zu einer chronischen Enzephalitis kommen, wenn der Verlauf der Krankheit über mehr als vier Wochen andauert. Zwischenzeitlich kann die Erkrankung symptomlos bleiben und dann wieder einen akuten Schub bekommen.

Enzephalitis Ursachen

Enzephalitis: Symptome und UrsachenEine Enzephalitis wird oft durch Viren verursacht, seltener durch Bakterien. Häufig haben die Infektionen eine lange Inkubationszeit. Zu den Viren, die Enzephalitis verursachen gehören Masern-, Grippe-, Herpes-, Mumps-, Röteln-, Varizellen-Zoster-, Zytomegalie- und Epstein-Bar-Viren. Ebenso gehört der Tollwut auslösende Lyssavirus dazu. Ursachen für bakteriell bedinge Enzephalitiden sind Syphilis-, Borreliose- und Tuberkuloseerreger sowie Streptokokken und Staphylokokken.

Aber auch die Krankheit Morbus Whipple, die eine chronische Erkrankung des Dünndarms durch einen Befall mit Tropheryma whipplei darstellt, kann eine Enzephalitis auslösen.

Andere Einzeller wie Trypanosomen können neben Parasiten, Pilzen oder auch Autoimmunerkrankungen Ursachen für eine Enzephalitis sein. Personen mit geschwächtem Immunsystem, aber auch Kinder und junge Erwachsene sind höher gefährdet als Erwachsene mit normaler Konstitution. Der Biss einer Zecke kann auch Viren übertragen, die eine Gehirnentzündung auslösen können, wie zum Beispiel Borrelien.

Enzephalitis Symptome

Viele Erreger einer Enzephalitis mögen eine ganz bestimmte Gehirnregion und befallen bevorzugterweise nur diese. Deshalb sind die Symptome oft so unterschiedlich. Doch alle Infektionsarten der Enzephalitis haben eines gemeinsam: Das Immunsystem wird aktiviert und Abwehrkräfte an den Ort der Entzündung geschickt, um die Erreger unschädlich zu machen. Das führt zu einer Schwellung des Hirngewebes, das keine Möglichkeit hat sich im eng anliegenden Schädelknochen auszubreiten.

Liegt eine virale Gehirnentzündung vor, kommt es zu Beginn zu grippeartigen Symptomen, wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber und auch Übelkeit. Weiterhin treten im Laufe der Erkrankung neben hohem Fieber Beschwerden wie Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen, Stimmungsschwankungen, hohe Beeinträchtigung von Gedächtnis und Konzentration, Orientierungsstörungen, Lähmungen einzelner Extremitäten, Störung der Sprache und sogar epileptische Anfälle auf, die zuerst nur an einzelnen Extremitäten zu bemerken sind.

Enzephalitis Diagnose

Grundsätzlich werden Patienten, bei denen der Verdacht auf eine Gehirnerkrankung besteht, stationär beobachtet und behandelt. Damit der Arzt eine Enzephalitis feststellen kann, fragt er zunächst nach den Beschwerden und der Krankengeschichte des Patienten. Dabei helfen Informationen über bisherige allgemeine Erkrankungen ebenso wie Informationen über bisherige virale Infektionen und auch Zeckenstiche. Um sicherzugehen, versucht der Arzt noch einen Verwandten oder Freund zu befragen. Das ist sehr wichtig und auch notwendig, da Patienten mit Enzephalitis in ihrer Wahrnehmung und Ihrem Denken häufig eingeschränkt sind. So können sie sich meist nicht richtig mitteilen. Hierbei ist auch wichtig zu vermerken, ob kürzlich eine Urlaubsreise stattfand oder der Patient mit einem Haustier lebt. Danach folgt erst die neurologische und körperliche Untersuchung.

Dabei können eventuell Störungen im Wasserhaushalt des Patienten oder auch Hauterscheinungen festgestellt werden. Sobald der Arzt eine Enzephalitis vermutet wird er die Gehirnflüssigkeit (Liquor) und auch das Blut des Patienten untersuchen müssen. Dabei können Erreger, Veränderungen oder auch Antikörper festgestellt werden. Allerdings lassen sich manche Erreger erst nach vielen Wochen oder Tagen in der Gehirnflüssigkeit nachweisen. Diese wird mittels einer Lumbalpunktion gewonnen. Weitere Untersuchungen, die durchgeführt werden, bei dem Verdacht auf Enzephalitis ist die Computertomografie (CT) oder auch eine Kernspintomografie (MRT).

Diese Untersuchungen dienen dazu, um eine Hirnblutung oder andere Hirnerkrankungen auszuschließen. Bei Verdacht auf eine durch Herpesviren verursachte Enzephalitis wird zusätzlich eine Elektroenzephalografie durchgeführt. Dadurch können schon im Frühstadium der Erkrankung mögliche Auswirkungen auf die Funktion des Gehirns sichtbar gemacht und somit festgestellt werden.

Enzephalitis Therapie

Bei der Behandlung einer Enzephalitis richtet sich die Vorgehensweise meist nach der Art des Erregers. Jedoch werden in erster Linie und so schnell wie möglich die Symptome behandelt, da der Erreger anfangs häufig noch nicht bekannt ist. Dabei wird meist eine Kombination aus einem Mittel gegen Viren (Virustatika) und gegen Bakterien (Antibiotika) verabreicht. Es werden die lebenswichtigen Funktionen wie das Herz-Kreislauf-System, die Lungenfunktion und der Elektrolyt- und Wasserhaushalt stabilisiert. Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen werden mit Schmerzmitteln wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure oder Tramadol behandelt, um die meist sehr starken Schmerzen zu lindern.

Ebenso verordnet der Arzt bei epileptischen Anfällen Medikamente, die den Hirndruck senken. Kortison ist hier meist die erste Wahl. Erst wenn der Erreger genau nachgewiesen ist, kann der Arzt spezifische Medikamente einsetzen. Zum Beispiel werden bei einer durch Varizella oder Herpes ausgelöster Enzephalitis Medikamente mit dem Wirkstoff Aciclovir eingesetzt. Bei einem Befall mit dem Zytomegalie-Virus kann gegebenenfalls eine Kombination der Wirkstoffe Foscarnet und Ganciclovir helfen.

Enzephalitis Verlauf

Zum Verlauf der Enzephalitis lassen sich nur schwer allgemeine Aussagen treffen, da es von dem allgemeinen Zustand des Patienten, dem Erreger und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns abhängt. Oft wird eine Enzephalitis gar nicht richtig bemerkt, wenn sie mit einem grippalen Infekt oder einer Grippe gemeinsam einhergeht. Oft kommt es zu einer chronischen Enzephalitis. Wird die Erkrankung zu spät erkannt, kann es durch Narbenbildung im Gehirngewebe zu bleibenden Schäden kommen. Diese können Lähmungen, Gedächtnisstörungen, Krampfanfälle oder als Spätfolge sogar Morbus Parkinson sein.

Enzephalitis Vorbeugen

Für viele Erreger der Enzephalitis gibt es vorbeugende Impfungen im Kindesalter, wie zum Beispiel Röteln, Mumps und Masern. Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung sind Schutzimpfungen für gefährdete Personen. Zum Beispiel Personen, die in Gebieten wohnen, in denen häufig Zeckenbisse vorkommen und die Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen werden kann.

Vor einer Urlaubsreise, zum Beispiel in die asiatische Region, ist eine Impfung gegen die sogenannte Japanische Enzephalitis ratsam, die durch Stechmücken übertragen wird.

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