Dickdarmentzündung

Der Dickdarm ist etwa 1,5 m lang mit einem Durchmesser von ungefähr sechs Zentimetern. Er beginnt am Ende des Dünndarms und besteht aus der Ileozäkalklappe, dem Blinddarm mit Wurmfortsatz, dem Grimm- und dem Mastdarm. Der Grimmdarm ist der längste Dickdarmabschnitt und wird auf Grund seiner anatomischen Lage in einen aufsteigenden Abschnitt, das „colon ascendens“, einen querverlaufenden Anschnitt, das „colon transcendens“ und einen absteigenden Abschnitt, das „colon descendens“, unterteilt. Der Dickdarm ist Teil des Verdauungssystems. Seine Schleimhaut resorbiert Wasser und Elektrolyte aus dem Stuhl in den Organismus und sondert gleichzeitig Schleim ab, der den Stuhl gleitfähig macht. Der Dickdarm wehrt Bakterien und Krankheiten ab und dient zur Speicherung des Stuhls bis zur Entleerung.

Der medizinische Fachbegriff für Dickdarmentzündung ist Colitis, gebildet aus „Colon“, dem griechischen Wort für Darm und „-itis“, der Endung für entzündliche Erkrankungen. Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Verlaufsformen. Von „akut“ sprechen Mediziner, wenn eine Erkrankung plötzlich auftritt und nach entsprechender Behandlung wieder völlig abklingt.

Chronische Erkrankungen sind dagegen nicht heilbar. Eine zunächst akut verlaufende Erkrankung kann, wenn die Behandlung nicht greift, chronisch werden. Die Enteritis, ausgelöst zum Beispiel durch Salmonellen oder Staphylokokken, und die Appendizitis, im Volksmund Blinddarmentzündung, sind die häufigsten akuten Dickdarmentzündungen, während die Divertikulitis – das ist eine Entzündung von Ausstülpungen (Divertikeln) der Schleimhaut – chronisch rezidivierend, das heißt immer wiederkehrend, auftritt. Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Dickdarmentzündung.

Dickdarmentzündung Ursachen

Dickdarmentzuendung: Symptome und UrsachenUnter Colitis ulcerosa versteht man eine Dickdarmentzündung mit Geschwürbildung, lateinisch „ulcus“ für Geschwür. Die Colitis ulcerosa tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Männer und Frauen sind von dieser Dickdarmentzündung gleichermaßen betroffen. Bisher waren Bewohner der westlichen Industrieländer vermehrt betroffen.

Während die Zahl der Neuerkrankungen dort in den letzten Jahren stagniert, steigt die Zahl der Neuerkrankungen in Asien, Afrika und Südamerika deutlich. Die Ursache der Colitis ulcerosa ist unbekannt. Vermutet wird eine Autoimmunerkrankung. Darunter versteht man eine übersteigerte Abwehrreaktion des Immunsystems gegen körpereigene Stoffe, in diesem Fall gegen die Darmflora. Erbliche Vorbelastungen und Genmutationen werden ebenso als mögliche Ursachen diskutiert. Aber auch die Ernährung und der Standard in der Hygiene sollen eine wichtige Rolle spielen. Mediziner gehen derzeit davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen. Das nennt man multifaktorielle Genese. Stress kann den Verlauf negativ beeinflussen und akute Krankheitsschübe auslösen.

Dickdarmentzündung Symptome

Während eines akuten Schubs treten starke – häufig auch blutige – Durchfälle, medizinisch Diarrhoen, bis zu 40 Mal am Tag auf. Der Stuhldrang ist massiv und führt nicht selten zur Stuhlinkontinenz. Das heißt, der Patient kann die Stuhlausscheidung nicht kontrollieren. Der Stuhldrang wird durch auftretende Blähungen verstärkt. Blähungen werden im akuten Schub häufig durch eine Zuckerunverträglichkeit ausgelöst.

Koliken sind ebenfalls ein Symptom chronischer Dickdarmentzündungen. Unter einer Kolik versteht man sehr starke, bewegungsunabhängige Schmerzen, die in Wellen auftreten. Ursache sind krampfhafte Muskelkontraktionen der Dickdarmmuskulatur. Eine Kolik kann beim Betroffenen Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüche hervorrufen. Der Blutdruck kann ansteigen und der Herzschlag kann sich beschleunigen (auf 100 Pulsschläge pro Minute und mehr). Im schlimmsten Fall kann es zum Kreislaufkollaps kommen. Bei einem fulminanten Schub treten zusätzlich noch Fieber, deutliche Schwächung des Allgemeinzustand und Gewichtsverluste auf. Die blutigen Durchfälle können zu einer Blutarmut, medizinisch Anämie, führen.

Dickdarmentzündung Diagnose

Eine chronische Dickdarmentzündung kann nur endoskopisch durch eine Darmspiegelung, einer sogenannten Koloskopie, diagnostiziert werden. Um eine Colitis ulcerosa klar von anderen Dickdarmentzündungen, wie zum Beispiel einer infektiösen Kolitis oder einer Divertikulitis, abzugrenzen, werden Gewebeproben differentialdiagnostisch weiter untersucht. Mit Laboruntersuchungen werden entzündliche Vorgänge und eine Anämie nachgewiesen.

Dickdarmentzündung Therapie / Behandlung

Für eine medikamentöse Dauerbehandlung werden 5-ASA-Präparate empfohlen. Diese Therapie kann durch Cortison kurzfristig unterstützt werden. Weiterhin werden Immunsuppressiva, das sind Arzneimittel, die die Immunabwehr unterdrücken, wie zum Beispiel TNF-alpha-Blocker, eingesetzt. Antibiotika kommen kaum zum Einsatz. Während den Remissionsphasen können probiotische Bakterien die Behandlung mit 5-ASA-Präparten unterstützen oder ersetzen.

Mangelerscheinungen auf Grund der massiven Durchfälle und/oder gestörter Nährstoffaufnahme über die Dünndarmschleimhaut, wird soweit sie nicht durch die Ernährung ausgeglichen werden können mit Hilfe von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten entgegengewirkt. Bei besonders schweren Verlaufsformen oder bei Komplikationen hilft oft nur eine Operation. Dabei wird der Dickdarm entfernt. Der Dünndarm wird dann so umgebaut, dass den Patienten eine normale Stuhlentleerung ermöglicht wird. In besonders schweren Fällen kann jedoch auf einen künstlichen Darmausgang nicht verzichtet werden. Bisher ist nicht nachgewiesen, dass eine Diät den Krankheitsverlauf einer chronischen Dickdarmentzündung positiv beeinflusst. Dennoch wird in der akuten Phase eine flüssigkeitsreiche, hochkalorische, ballaststoffarme leichte Vollkost empfohlen. Bei Milchzuckerunverträglichkeit soll auf laktosefreie Milchprodukte ausgewichen werden. Sofern auch die Fettresorption gestört ist, können MCT-Fette, verwendet werden. Während der Remissionsphasen können Colitis ulcerosa-Patienten ganz normale gesunde Mischkost essen.

Dickdarmentzündung Verlauf

Die Colitis ulcerosa tritt in Schüben auf, das nennt der Mediziner chronisch rezidivierend oder chronisch intermittierend. Übersetzt bedeutet das „unheilbar sich wiederholend“ bzw. „unheilbar unterbrochen“. Akute Schübe wechseln sich mit beschwerdearmen oder beschwerdefreien Phasen, sogenannten Remissionsphasen, ab. Die Remissionsphasen, also die Phasen ohne Entzündungen, können über Jahre anhalten. Bei etwa 10% der Betroffenen klingen die Entzündungen nie mehr vollständig ab. Mediziner sprechen dann von einem chronisch kontinuierlichen Verlauf.

Colitis ulcerosa-Patienten haben ein erhöhtes Krebsrisiko. Das Risiko für Dickdarmkrebs steigt mit zunehmender Krankheitsdauer und Ausdehnung der Schädigung der Dickdarmschleimhaut. Durch eine Totalresektion des Dickdarms, also die völlige Entfernung des Dickdarms heilt zwar den Patienten von der Colitis ulcerosa allerdings tritt bei 30% der Patienten bereits nach 2 Jahren und später bei 50% der Patienten eine sogenannte Pouchitis aus. Als pouch bezeichnet man die Konstruktion einer Art Enddarm aus dem Dünndarm. Man unterscheidet verschiedene Verlaufsformen: Bei einem milden Verlauf kommt es nur zu einer Verdickung der Dickdarmschleimhaut mit Ödemen, das sind Flüssigkeitsansammlungen. Leichte Blutungen und Geschwürbildungen sind für einen mittleren Verlauf signifikant. Bei schweren Verläufen ist die Geschwürbildung großflächig und führt deshalb zur Schleimhautabflachung.

Eine Schleimhautabflachung hat zur Folge, dass die Resorptionsfläche für Elektrolyte und Wasser verringert ist. Eine überschießende Regenerationsreaktion des Körpers führt zur Ausbildung von Polypen. Innerhalb der schwersten Verlaufsform kommt es zu einer Überblähung des Bauchraums und gegebenenfalls zu einer Bauchfellentzündung. Es besteht die Gefahr, dass der Dickdarm aufplatzt, perforiert.

Dickdarmentzündung Vorbeugen

Da die Ursachen der Colitis ulcerosa nicht bekannt sind, gibt es auch keine wirksame Vorbeugung. Vorbeugende Maßnahmen können nur darauf abzielen, möglichst lange Remissionsphasen zu erreichen. Hilfreich sind eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, die Regeln der gesunden Ernährung zu berücksichtigen und Stress und psychische Belastungen so weit wie möglich zu vermeiden.

Zur Begrenzung der Beschwerden während der Akutphasen sollte das Essen leichtverdaulich sein, Nährstoffverluste ausgleichen und zeitweilig vorliegende Unverträglichkeiten für bestimmte Nahrungsmittel und/oder Nährstoffe berücksichtigen. Auf Grund des erhöhten Dickdarmkrebsrisikos sollten Colitis ulcerosa-Patienten in regelmäßigen Abständen Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen.

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