Cushing-Syndrom

Das Cushing-Syndrom ist ein nach dem amerikanischen Chirurgen und Neurologen Harvey Williams Cushing benannter Komplex mehrerer Symptome, deren gemeinsame Ätiologie in einem chronischen Überangebot an Glukokortikoiden im Körper liegt. Als bedeutendste Glukokortikoide hinsichtlich des Cushing-Syndroms sind körpereigenes Cortisol und von außen zugefügtes Cortison zu nennen. Dementsprechend kann zwischen einem endogenen und einem exogenen Cushing-Syndrom unterschieden werden

Zudem sind noch weitere Unterscheidungen, deren Spezifikationen sich auf die Ursachen des anhaltend erhöhten Cortisolspielgels beziehen, gängig. Allgemein gilt das Cushing-Syndrom bei frühzeitiger Diagnose als gut therapierbar, weshalb schwerwiegende Folgeschäden zumeist vermieden werden können und die bereits aufgetretene Symptomatik normalerweise wieder gänzlich abklingt. Da die meisten Anzeichen, die auf ein Cushing-Syndrom hinweisen, auch Indizien für andersartige Erkrankungen sein können, werden Cushing-Erkrankungen häufig erst spät oder überhaupt nicht erkannt. Diese Problematik wird durch das relativ seltene Vorkommen des Cushing-Syndroms abermals verstärkt, weshalb Experten in Bezug auf die Erkrankungsfälle von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Das Ausbleiben einer Behandlung kann jedoch zum frühzeitigen Tod des Patienten führen.

Die Mortalität liegt laut statistischen Erhebungen sogar bei 50% binnen der ersten fünf Jahre. Die Haupttodesursache sind dabei Folgekrankheiten, die durch den dauerhaft anhaltenden Cortisol- beziehungsweise Cortinsonüberschuss ausgelöst werden. Zudem kann eine erhöhte Selbstmordrate bei Patienten, die am Cushing-Syndrom leiden, beobachtet werden.

Cushing-Syndrom Ursachen

Cushing-Syndrom Ursachen + SymptomeBei allen Formen des Cushing-Syndroms liegt eine Überversorgung des Organismus mit Glukokortikoiden vor, was allerdings unterschiedliche Ursachen haben kann. Diese Ursachen können, wie zu Beginn bereits erwähnt wurde, entweder von exogener oder von endogener Natur sein. Zu einem exogenen Cushing-Syndrom kann es durch eine medikamentöse Therapie mit adrenocorticotropen Hormonen und Kortikoiden oder Cortisonpräparaten im Allgemeinen kommen. Bei dieser Art des Cushing-Syndroms, die unter anderem bei der Behandlung von Allergien und Autoimmunerkrankungen auftritt, wird zumeist von einem iatrogenem Cushing-Syndrom gesprochen. Zu den endogenen Cushing-Syndromen zählen hingegen das hypothalamisch-hypophysäre respektive zentrale Cushing-Syndrom, das adrenale Cushing-Syndrom sowie das paraneoplastische beziehungsweise ektopische Cushing-Syndrom. Zudem gibt es noch ein sogenanntes Pseudo-Cushing-Syndrom, bei dem die typische Cushing-Symptomatik häufig durch eine schwere Kopfverletzung ausgelöst wird und normalerweise nach dem Abklingen der Verletzung wieder von selbst verschwindet. Wobei das Pseudo-Cushing-Syndrom noch weitere Auslöser, wie zum Beispiel einen anhaltenden Alkoholmissbrauch, haben kann. Eine besondere Form des Cushing-Syndroms, die ausschließlich bei Frauen vorkommt und zumeist nach der Menopause eintritt, ist das Achard-Thiers-Syndrom, welches zumeist mit einem Diabetes mellitus einhergeht. Hauptursache für dieses Cushing-Syndrom sind entweder Nebennierentumore oder basophile Hypophysenadenome.

Dem zentralen Cushing-Syndrom liegt hingegen eine gesteigerte Produktion von körpereigenen adrenocorticotropen Hormonen im Hypophysenvorderlappen und in seltenen Fällen eine gesteigerte Produktion von Corticoliberin beziehungsweise Corticotropinreleasinghormonen, die beide zu einer vermehrten Freisetzung von Kortikoiden aus der Nebennierenrinde führen, zugrunde. Bei dem adrenalen Cushing-Syndrom liegt wiederum eine erhöhte Ausschüttung von Glukokortikoiden oder Mineralokortikoiden aus der Nebennierenrinde vor. Verursacher der gesteigerten Sekretion sind entweder Karzinome oder Adenome, die die Ausschüttung von adrenocorticotropen Hormonen aus dem Hypophysenvorderlappen unterdrücken. Beim ektopischen Cushing-Syndrom werden adrenocorticotrope Hormone und gelegendlich Corticoliberin im Zusammenhang mit kleinzelligen Karzinomen, wie etwa Bronchialkarzinomen, in untypischem, sogenanntem ektopen Gewebe gebildet.

Cushing-Syndrom Symptome

Die äußerlichen Symptome des Cushing-Syndroms, wie zum Beispiel das Facies lunata beziehungsweise Vollmondgesicht oder Mondgesicht mit deutlich geröteten, häufig auch bläulich gefärbten, stark angeschwollenen Wangen, sind eine direkte Folge der verstärkten Wirkung der Kortikoidhormone auf das betreffende Zielgewebe. Weitere äußere Symptome sind eine Rumpffettsucht und der sogenannte Stiernacken beziehungsweise Büffelnacken. Zumeist geht das Cushing-Syndrom zudem mit einer ausgeprägten Muskelschwäche und fortschreitendem Muskelschwund, die an den Armen und Beinen besonders gut zu erkennen sind, einher. Auch die verschiedenen Hautatrophien und die optisch an Schwangerschaftsstreifen erinnernden Striae rubrae, die beim Cushing-Syndrom auftreten können, lassen sich gut mit dem bloßen Auge erkennen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Hirsutismus, von dem im Normalfall ausschließlich Frauen betroffen sind. Weitere Symptome, wie etwa eine erhöhte Infektionsanfälligkeit oder eine deutlich verlangsamte Wundheilung, werden zumindest von den Betroffenen selbst eher selten wahrgenommen. Dies gilt auch für den schleichenden Leistungsabfall und die sich häufenden Ermüdungserscheinungen sowie die Zyklusstörungen bei Frauen oder Potenzstörungen bei Männern, die allesamt typisch für Cushing-Erkrankungen sind und nicht selten zu seelischen Leiden oder schweren Depressionen führen. Wieder andere Symptome, wie etwa Osteoporose, Hypertonie im Allgemeinen und arterielle Hypertonie im Besonderen sowie eine Stoffwechsellage, die der bei Diabetes mellitus Erkrankungen ähnelt, können gemeinhin nur von fachkundigen Ärzten diagnostiziert werden.

Cushing-Syndrom Diagnose

Das Cushing-Syndrom verlangt nach einer ganzheitlichen Diagnosefindung, bei der körperliche, endokrinologische und radiologische Untersuchungen unabdingbar sind. Zu den körperlichen Untersuchungen zählen unter anderem die genaue Inaugenscheinnahme des Körperbaus, eine gewissenhafte Inspektion der Haut und eine regelmäßige Blutdruckkontrolle. Die endokrinologischen Untersuchungen umfassen in der Regel den Dexamethason-Kurztest beziehungsweise Dexamethason-Suppressionstest, die Messung der Kortisolausscheidung im 24-h-Urin, einen Insulin-Hypoglykämietest und einen CRH-Test respektive Corticoliberintest beziehungsweise Corticotropinreleasinghormontest. Auch eine Untersuchung auf Osteoporose ist dringend anzuraten. Bei der radiologischen Untersuchung werden zumeist ein CT, eine Sonographie und ein MRT gemacht.

Cushing-Syndrom Therapie / Behandlung

Es gibt mehrere Therapieansätze, die allesamt perfekt auf die jeweiligen Ursachen, die zum Cushing-Syndrom geführt haben, abgestimmt sind. Als Sonderfälle sind selbstverständlich das Pseudo-Cushing-Syndrom, welches häufig keiner speziellen Therapie bedarf, und das exogene beziehungsweise iatrogene Cushing-Syndrom zu nennen. Bei exogenen Cushing-Syndromen verspricht bereits eine Reduktion oder ein vollständiges Absetzen der verursachenden Medikamente eine Linderung respektive Heilung der Symptome. Allerdings darf dies ausschließlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen, da gewissenhaft zwischen dem gegebenen Nutzen der verabreichten Kortisonpräparate und den unerwünschten Begleiterscheinungen des Cushing-Syndroms abgewägt werden muss, zumal sich diese normalerweise nach der erfolgreichen Beendigung der medikamentösen Behandlung völlig zurückbilden.

Einzige Ausnahme ist die Osteoporose, die nicht behoben, sondern lediglich gestoppt werden kann. Jedoch ist ein gravierender Knochenschwund bei einem durch Medikamente ausgelöstem Cushing-Syndrom eher unwahrscheinlich, sofern die Dauer der Behandlung zeitlich begrenzt ist.

Bei endogenen Fällen kann unter Umständen eine Therapie mit bestimmten Medikamenten die Produktion von Cortisol in der Nebenniere ausreichend hemmen, was zumindest in der Veterinärmedizin die gängigste Behandlungsmethode ist. Beim Menschen sind jedoch operative Eingriffe, wie etwa die Entfernung von Adenomen aus der Hypophyse oder der Nebennieren sowie eine Adrenalektomie, also die chirurgische Entnahme der kompletten Nebenniere, zumeist unumgänglich. Folglich dient die Verabreichung von Medikamenten in solchen Fällen lediglich der Operationsvorbereitung, der Nachsorge sowie der begleitenden Behandlung. Ohnehin ziehen die meisten chirurgischen Eingriffe eine lebenslange Substitution bestimmter Hormone, die die Bildung eines Morbus Addison verhindern sollen, und sonstiger Medikamente nach sich. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Medikamenten, die die Begleitleiden mindern und diesen entgegenwirken.

Gegen Muskelschwäche, Muskelschwund, schmerzende Knochen und Gelenke helfen gezieltes Training und Krankengymnastik. Eventuell kann eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie gegen einige wenige Auslöser des Cushing-Syndroms eingesetzt werden.

Cushing-Syndrom Verlauf

Da das Cushing-Syndrom von Fall zu Fall verschiedene Ursachen haben kann und jeder Mensch anders auf das Überangebot an Glukocorticoiden reagiert, lässt sich ein typischer Krankheitsverlauf nur schwer ausmachen. Ungeachtet dessen kann es zu atypischen Reaktionen kommen. Normalerweise führt ein Voranschreiten der Krankheit jedoch zu einer Mehrung der spezifischen Symptome, die zudem in ihrer Schwere fortlaufend zunehmen. Daher sollte man sofort einen Arzt aufsuchen, wenn man bei sich mehrere der besagten Symptome entdeckt und eine fortschreitende Verschlimmerung derselbigen feststellt, zumal nur eine frühzeitig einsetzende Therapie bestmögliche Heilungschancen gewährleistet.

Cushing-Syndrom Vorbeugen

Während es keine wirklich wirksamen Präventivmaßnahmen gegen endogene Cushing-Syndrome gibt, kann ein exogenes Cushing-Syndrom in der Regel mit einer optimalen Indikationseinstellung durch den behandelnden Arzt und eine ständige Kontrolle der eventuellen Nebenwirkung vermieden werden. Zumindest lässt sich die Ausbildung der Symptome auf diese Weise gering halten.

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